Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso und der Hildesheimer Silberfund

Aufsatz

Einleitung

Römisch-germanischer Krieg

Seitdem im Jahre 1868 in Hildesheim ein bedeutender Silberschatz aus römischer, vermutlich augusteischer Zeit gefunden worden war, gab es immer wieder Theorien, die die Gegend um Hildesheim, das cheruskische Kernland, mit den Römern in Verbindung brachten. In diesem Aufsatz werden drei neue Vermutungen aufgestellt und diskutiert:

Entsprechend ist der Aufsatz gegliedert:

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Analyse historischer Quellen in lateinischer und altgriechischer Sprache (siehe Teil Anmerkungen und Zitate ) und dem Vergleich dort überlieferter  geographischer Namen mit heutigen  und ihren aus dem Mittelalter bekannten Vorformen . Die Namensähnlichkeiten sind nur deshalb signifikant, weil sie sich im untersuchten Gebiet häufen. Ortsangaben aus dem Atlas des Ptolemaios (Γεωγραφικὴ Ὑφήγησις) sind berücksichtigt.

Die etablierte Geschichtswissenschaft lokalisiert die hier behandelten Orte westlich der Weser. Mir aber scheinen sie wie eine Gruppe von Puzzlesteinen, die ohne Zweifel zusammengehören, aber an der falschen Stelle eingefügt worden sind. Ich werde zu zeigen versuchen, dass sie sich östlich der Weser besser einfügen.

Leider gibt es in der Gegend um Hildesheim außer dem Silberfund nur wenige archäologische Spuren der Römer, anders als im Süden und Westen Deutschlands, wo sie sich wesentlich länger aufhielten. Man darf aber nicht nur unter der Laterne suchen. Neuere Entdeckungen wie das Römerlager bei Hedemünden und das Schlachtfeld am Harzhorn geben östlichen Lokalisationsversuchen mehr Gewicht.

J. R.

Arbalo

Drususfeldzug 11 v. Chr.

Drususfeldzüge aus Putzger, F. W.: Historischer Weltatlas, 88. Auflage., S.34

Im Jahre 12 vor Christus begann der römische Feldherr Drusus 1 einen Krieg gegen die Germanen. Er führte eine römische Flotte längs der Nordseeküste und unterwarf die Friesen und Chauken, die vermutlich in Friesland bzw. an der Wesermündung siedelten.

Im Jahr darauf, 11 v. Chr., zog er in das Gebiet der Cherusker:

Die an der unteren [Weser] sitzenden Chauker wurden, wie ein Jahr zuvor von der Seeseite, so jetzt zu Lande angegriffen und damit das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Weser wenigstens an den militärisch entscheidenden Stellen in Besitz genommen. Der Rückweg wäre allerdings, eben wie im vorigen Jahre, fast verhängnisvoll geworden; bei Arbalo  (unbekannter Lage) sahen sich die Römer in einem Engpass von allen Seiten von den Germanen umzingelt und ihrer Verbindungen verlustig; aber die feste Zucht der Legionäre und daneben die übermütige Siegesgewissheit der Deutschen verwandelten die drohende Niederlage in einen glänzenden Sieg 7.

Mommsen 2

Die Offensive des nächsten Jahres richtete sich gegen die aufsässigen Sugamber. Drusus traf sie nicht zu Hause an, da sie gerade gegen die Chatten ins Feld gezogen waren, und wandte sich deshalb gegen die Cherusker. Auf dem Rückmarsch geriet er bei Arbalo , wohl in der Soester Gegend, in eine Falle, schlug sich aber durch und errichtete am Zusammenfluss von Lupias  und Elison , den Feinden zum Trotz,, eine Festung - jenes Aliso vermutlich, das den Archäologen später so viel Kümmernis bereiten sollte.

Pörtner 3

Wie die beiden Textstellen und auch die Karte zeigen, wird allgemein angenommen, dass Drusus im Jahre 11 v. Chr. nur bis zur Weser (bis in die Gegend des heutigen Hameln) gelangt sei. Es steht aber außer Frage, dass er weiter nach Osten vordringen wollte und zwei Jahre später (9 v. Chr.) sogar bis zur Elbe vorstieß. Grund der Annahme ist der Bericht des Cassius Dio . Folglich wurden alle genannten Orte und Flüsse nur westlich  der Weser gesucht.

Entgegen Cassius Dio nehme ich an, dass Drusus schon 11 v. Chr. die Weser überschritt und zwar nicht sehr weit, aber bis in die Gegend von Hildesheim kam, bis er auf Widerstand traf und zur Umkehr gezwungen wurde. Die genannten Orte suchen ich darum östlich  der Weser.

Der Kartenausschnitt aus dem Historischen Weltatlas von F.W. Putzger, S. 34., zeigt den vermutlichen Verlauf der Feldzüge. Eine weitere Darstellung findet sich in Wikipedia Commons 4 .

Arbalo

Arbalo = Garbolzum

Karte der Gemeinde Schellerten mit Ortsteil Garbolzum

Wenn Drusus schon 11 v. Chr. auf dem Hellweg, dem Ost-West-Handelsweg, weiter nach Osten vorstieß, zog er auch durch das heutige Dorf Garbolzum westlich Hildesheims.

52° 11′ 50" N 10° 7′ 20" O Garbolzum Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps
1

Die Namensähnlichkeit legt nahe, dass der bisher nicht lokalisierte Ort des Überfalls, Arbalo , mit Garbolzum identisch ist.

Deutsches Ga entspricht lateinischem A .

Das im deutschen Namen voranstehende Ga erscheint im Lateinischen ohne G, was zu erwarten ist 2 , wie folgende Gegenüberstellung zeigt:

Lateinisch Deutsch Mittelenglisch Englisch
Entsprechung Bedeutung
anser Gans ȝos goose
homo Bräuti gam Mann bryd guma bride groom
hortus Garten ȝard yard, garden
hostis Gast Fremder, Feind ȝæst guest
hernia Garn Eingeweidebruch ȝarn yarn
apud Arbalonem bei Garbolzum

Irische Missionare benötigten einen besonderen Buchstaben, das Yogh (Ȝoȝ) , um den Laut oder was immer sich daraus im Mittelenglischen entwickelt hatte, darzustellen. Im Niederländischen hat sich der raue Klang des anlautenden bis heute erhalten.

Der unweit von Garbolzum gelegene Ort Giesen lautet im örtlichen Dialekt heute noch Jeusen (mit fast englischem J).

Alle mir bekannten sonstigen Versuche, Arbalo auf einen modernen Ortnamen abzubilden, beschränken sich auf Namen, die mit einem Vokal beginnen, oder suchen den Ort westlich der Weser.

Es gibt wohl keinen Ort in Deutschland, dessen heutiger Name sich besser aus Arbalo herleiten ließe als Garbolzum . Erst recht gilt das, wenn man sich auf die Orte am Hellweg beschränkt. Trotz langer Suche wurde westlich der Weser kein solcher Ort gefunden.

Der Personenname

Der Name des Ortes ist vom männlichen Vornamen Gerbold abgeleitet, der bei den alten Friesen und Sachsen selten oder gar nicht vorkommt 3 , wohl aber bei früher in Deutschland ansässigen germanischen Völkern 4 .

Antike Literaturstellen

Die Schlacht bei Arbalo erwähnt Plinius in seiner Naturgeschichte 11, 18, 55 . in einem Kapitel über Bienen. Dank Obsequens , der auch von ihnen berichtet, kennt man die Jahreszahl 11 vor Chr.. Auch in Cassius Dio 's Bericht über den Feldzug des Jahres 11 v. Chr. kommt offensichtlich derselbe Bienenschwarm vor, kurz bevor vom Lager am Zusammenfluss des Lupias und des Elison 's die Rede ist. Den Zusammenhang dieser antiken Textstellen hat Mommsen in einer Anmerkung seiner "Römischen Geschichte" erläutert.

Die Verluste der Römer in der Schlacht waren erheblich und lassen sich grob abschätzen: Florus ( II 30 Bellum Germanicum, 24 ) schreibt von zwanzig gekreuzigten Centurionen. 5 .

Castra Scelerata

Karte von Schellerten
52° 11′ 06" N 10° 6′ 10" O Schellerten Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Starb Drusus 9 v. Chr. in Schellerten ? Ein Bienenschwarm als Unheilsvorzeichen

Der Historiker Julius Obsequens berichtete im letzten Paragraphen seiner römischen Geschichte von einem Bienenschwarm am Tabernakel im Lager des Drusus. Dieses Unheilsvorzeichen konnte er nur auf ein Ereignis im Jahre des Erscheinens seines Werkes (11 v. Chr.) beziehen: einen Überfall, bei dem viele Römer fielen. Aus der Naturgeschichte Plinius' des Älteren  11, 18, 55  wissen wir, dass er bei Arbalo  stattfand und  für die Römer ziemlich glücklich ausging. Das Unheilsvorzeichen wartete weiter auf seine Erfüllung.

Der tödliche Sturz vom Pferde

Zwei Jahre später, 9 v. Chr., wagte sich Drusus weiter nach Osten. Im Cheruskergau setzte er zum rechten Weserufer über und rückte vor bis zur Elbe, die er nicht überschritt. Auf dem Rückwege zwischen Saale und Weser stürzte er mit dem Pferde und brach den Schenkel; im Sommerlager, in das man ihn gebracht hatte, erlag er nach 30 Tagen seiner Verletzung. 1

Nach Sueton 2  starb Drusus an einer Krankheit im Sommerlager, das seitdem verflucht  genannt wurde:

[la] morbo obiit in aestivis castris, quae ex eo Scelerata  sunt appellata.

Castra scelerata  = Schellerten

Hans Dobbertin  hat das Lager bei Schellerten 3  lokalisiert:

Nun gibt es aber am Quellbach Schelle bei Hildesheim - zwischen Weser und Elbe, Saale und Rhein, 200 Meilen vom Taunus entfernt - den einmaligen Ortsnamen Schellerten , und zwar unmittelbar an einer alten Fernstraße, wie sie die Römer benutzt haben werden: an der B 1, unmittelbar dort, wo nach menschlichem Ermessen Drusus verunglückt und gestorben ist. Gehen wir davon aus, daß dieses Dorf Schellerten  (1244 Schelerthe, 1266 Scelerthe  nach dem Bach Schelle benannt und unter Drusus schon vorhanden war, so kann es durchaus sein, daß die Römer beim Hören beider (!) Namen im Zusaminenhang damit nach dem Tode des Drusus abergläubisch an Befleckung (= scelus) / befleckt (sceleratus) dachten. Sei es, daß sie die Schuld am Tode Drusus den Cheruskern, der germanischen Seherin an der Elbe, den unaufmerksamen Truppen bei Schellerten  oder dem Drusus selbst zuschrieben oder dem Unglücksort selbst.

Siehe Hans Dobbertin's vollständigen Aufsatz.

Dobbertin  vermutet den Sterbeort des Drusus beim Ort Schellerten  nur 2 km von Garbolzum  = Arbalo  entfernt. Ich schließe daraus, dass die Schlacht bei Arbalo  = Garbolzum  bei Castra Scelerata  = Schellerten  stattfand.

Nach dem Tode des Drusus benannten die römischen Soldaten das Lager nach dem germanischen Ortsnamen, der für sie wie scelerata = verflucht  klang. Sein offizieller Name muss anders gelautet haben.

Das Lager an der Quelle der Julia  = Schelle?

Velleius Paterculus  schreibt in seinem Bericht über den Feldzug des Tiberius im Jahre 4 n. Chr. ( Buch 2, 105 ) , von einem Winterlager an der Quelle (wörtlich: am Haupte) der Julia .

[la] … in Germaniam, in cuius mediis finibus  ad caput Juliae

Es lag also mitten  in Germanien.

Drususfeldzüge aus Putzger, F. W.: Historischer Weltatlas, 88. Auflage., S.34

Dazu bemerkt Friedrich Koepp : 4

Das Winterlager des Tiberius, das einzige rechtsrheinische Winterlager eines großen Heeres, von dem wir wissen, gehört auch zu den Träumen der Lokalforscher. Leider ist das Suchen dadurch erschwert, daß der Text des Velleius verderbt oder doch durch eine beabsichtigte Verbesserung beunruhigt ist: „ad caput Juliae“  fluminis stand in der einzigen, nun verlorenen Handschrift, auf der unser Text beruht; „ad caput Lupiae“  pflegt man seit Jahrhunderten 5  zu lesen,

Der Name des Lagers ist ungenannt.

Es lag dort, wohin Tiberius im Jahre 4 n. Chr. zog: in der Gegend von Schellerten, das an der Quelle des Baches Schelle  liegt, nach welchem es auch benannt ist. Auf der Karte ist der Feldzug durch eine grüne gestrichelte Linie dargestellt, die östlich von Hildesheim, genau bei Schellerten, endet. Es ist auch einer der Orte, durch den sein Bruder Drusus kurz vor dessen Tode im Jahre 9 v. Chr. zog (schwarze Linie).

Der Laut SCH  fehlt im Lateinischen; er kann entweder durch SC  oder durch J  wiedergegeben werden, das heute in romanischen Sprachen wie weiches SCH ausgesprochen wird (wie z. B. italienisch Romeo e Giulietta ).

Es ist also gut möglich, das auch hier das Lager bei Schellerten gemeint ist. Die Julia  der verloren gegangenen Murbacher Handschrift wäre korrekt und bräuchte nicht, wie in den letzten 500 Jahren üblich, als Lupia gelesen zu werden.

ad caput Juliae  ist nicht durch einen späteren Abschreibefehler in den Text gelangt. Der Begriff stammt aus der Zeit der Entstehung, wie der zitierte Text des Frontinus   über die römische Wasserversorgung (De aquaeductu urbis Romae)  belegt.

Wenn wir Schellerten  als Schelle-Ort (althochdeutsch Ort  = Spitze, Anfang) deuten, entspricht das genau der Übersetzung von caput Juliae . 6

Der Umriss des Lagers

Schellerten vor 100 Jahren, © Niedersachen-Navigator [de] Verkleinerter Plan des Römerlagers bei Hedemünden aus Wikipedia

Das Ortsbild von Schellerten ist nicht rechteckig, sondern ‒ bedingt durch den zentralen Hügel – tonnenförmig. Wir kennen diese Form zum Beispiel von dem kürzlich entdeckten [de] Römerlager bei Hedemünden  an der Werra, das wahrscheinlich während der Drusus-Feldzüge angelegt wurde.

Die Verkehrswege laufen tangential  um Schellerten, ebenso wie um das Lager bei Hedemünden.

Elison (Ἐλίσων)

Nach dem Elison  aber hat man bislang vergebens gefahndet …
Rudolf Pörtner 1 Photographie der Ilse (Bruchgraben) bei Sarstedt Bruchgraben (Ilse) bei Sarstedt (Photographiert von J. Regel)

Elison = Ilse

Die Flussnamen Elison  und Lupias  finden sich an den schon zitierten Stelle der Römischen Geschichte des antiken Historikers Cassius Dio 54, 33. (Vgl. auch Mommsen [1904] VIII, 1 ). Danach sei Drusus auf dem Feldzuge des Jahres 11 v. Chr. nur bis zur Weser gelangt. Nach unserer Theorie stieß er aber schon damals weiter auf dem Hellweg nach Osten vor; dabei wurde er bei Arbalo  / Garbolzum  überfallen. Zwei Jahre später, nach seinem Feldzug zur Elbe, kam er am selben Orte zu Tode.

Es liegt nahe, dass die beiden Flüsse Elison  und Lupias  östlicher zu suchen sind als bisher vermutet.

Karte der Gegend östlich Hildesheims, © Niedersachsen-Navigator

Zwischen Garbolzum  und Schellerten  vereinigen sich die Bäche Dinklarer Klunkau  und Dingelber Klunkau  zur Klunkau, die in einem Bogen nach Westen fließt und als Bruchgraben zwischen Sarstedt und Hildesheim in die Innerste mündet. (Photographien 2 )

Wie die Karte des Fürstbistums Hildesheim von Albert Karl Seuter  unten zeigt, hieß die Klunkau einst Ilse.  Auch heute noch heißt ein Nebenbach, der durch Hildesheim und Harsum in den Bruchgraben fließt, Ilsenbach.

Schellerten  und Garbolzum  lagen also einst an der Ilse. Wir vermuten, dass die Ilse  dem von Cassius Dio genannten, bisher nicht lokalisierten Elison  entspricht . Die Namensähnlichkeit tritt noch klarer hervor, wenn man weiß, dass der Ort Ilsen burg am Harzrand, der allerdings an einer anderen Ilse liegt, im Mittelalter Elisen aburg hieß ( Brockhaus: Ilsenburg) .

3 Karte des Fürstbistums Hildesheim und der angrenzenden Fürstentümer von Albert Karl Seuter.

Ilse als Bruchgraben

Die Ilse ist zu einem Abzugskanal, dem Bruchgraben, kanalisiert, der immer wieder erneuert wurde. Bei Sarstedt mündet er in die Innerste. Möglicherweise ist der bei Ptolemaios genannte Ort Tulisurgium  mit Sarstedt identisch, und Tuli = Graben weist auf den Bruchgraben hin. Mehr im Kapitel Tulisurgium .

Lupias (Λουπίας)

Wo lag der Lupias, der zweite von Cassius Dio genannte Fluss, der sich mit dem Elison  vereinigt?

Ortelius' Karte des alten Deutschlands

Lupias ( Λουπίας, lateinisch: Lupia ) ist ohne Zweifel gewöhnlich mit Lippe zu übersetzen. 1 Man hat den Zusammenfluss von Lupias bisher an der Lippe gesucht, aber nicht gefunden. Daher nehmen wir an, dass hier mit Lupia ausnahmsweise nicht die Lippe gemeint ist.

Ding elbe r Klunkau, Lupia(s)  = Lobja  = Elbe

2

In der [de] Geographike Hyphegesis des Claudius Ptolemäus (Κλαύδιος Πτολεμαῖος)  ist ein Ort Luppia (Λουππία) 3 unter den Koordinaten 34°30' östlich der Kanarischen Inseln (Inseln der Seligen) und 52°45' nördlicher Breite eingetragen. Ausgehend von zwei Orten, deren heutige Lage genau bekannt ist, können wir seinen ptolemäischen Längengrad in den Längengrad östlich von Greenwich umrechnen 4 ) : 10°7' östlich von Greenwich. Außerdem wissen wir, dass Drusus auf dem Hellweg vorrückte. Wir suchen also einen Ort am Hellweg mit der Länge 10°7'. Ding elbe  erfüllt diese Bedingung: Seine Kirche hat die östliche Länge 10°7'53''. Nicht nur seine Lage, sondern auch sein ähnlicher Name legen nahe, dass es sich um Luppias  handelt.

52° 10′ 20" N 10° 8′ 0" O Dingelbe Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Etymologie des Ortsnamens

Dingelbe hieß einst Elvede / Elvethe 5  Das Ortsnamensuffix de  findet man bei Orten, die nach einem geographischen Merkmal (aber nicht nach einer Person) benannt sind.

6

Das Bestimmungswort Elbe  ist ein alter indogermanischer Flussname: 7 vom Westen ( Alba in Spanien) zum Osten ( Elbentas in Litauen), vom Norden ( Älv  ist im Schwedischen die Gattungsbezeichnung für Fluss ) zum Süden (Rom lag an der Albula , am Elblein , bis sie in Tiber  umbenannt wurde 8 )

Die Dingelber  Klunkau hieß also einst Elbe .

Elbe  in verschiedenen Sprachen
deutsch Elbe
lateinisch Albis
tschechisch Labe
polabisch 9 Laby
niedersorbisch Łobje
obersorbisch Łobjo
… folglich …
altgriechisch Lupias
10

Die Tabelle zeigt, dass sich Elbe  auf Lupias  zurückführen lässt. Zwar handelt es sich um einen anderen Fluss gleichen Namens, aber die Transformation bleibt die gleiche. Das Wandern des Halbvokals L  an die zweite Stelle ist nicht ungewöhnlich: Deutsch Wolf  entspricht lateinisch Lupus . 11

Die Ding elber  Klunkau kreuzt den Hellweg am Rande von Garbolzum bei 10°07'17", also exakt dort, wo sich nach den Koordinaten des Ptolemaios Luppias  befindet.

Damit ist der Zusammenfluss von Lupias  und Elison lokalisiert: Es ist der Zusammenfluss von Ilse und Elbe zwischen Arbalo = Garbolzum und Castra Scelerata = Schellerten neben dem Hellweg (Bundestraße 1).

Alpe

Lobke

Karte der Umgebung von Groß Lobke mit Alpebach, © Niedersachsen-Navigator

Wie das Beispiel Ilse / Ilsenbach zeigt, wird oft derselbe Name für Zweige desselben Flusssystems verwandt. Der Name Lupias hat sich im Namen Alpe eines Nebenbaches der Ilse und dem des Dorfes Lobke , durch das er fließt, erhalten; auf der Karte befindet es sich in der Nordostecke.

Das Dorf hieß einst Lo-Beke (Beke = Bach). Das P  ging vor B  verloren: Lop -Beke.

Groß-Lobke's erste urkundliche Erwähnung ist nicht eindeutig geklärt. Zu verschiedenen Zeiten erscheinen Namen, die auf erste Ansiedlungen hindeuten: 1117 Schuttelobeke, 1178 Süd- und Nord- Lobeke,  1307 Groß und Luttek-Lobeke. 12

Alpe  geht nach Kettner 13 auf Al-apa  zurück, das Lupias ähnlich ist.

Luppenstede

Johann Ludwig Klüber: Versuch über die Geschichte der Gerichtslehen, Erlangen, 1785, Seite 82 14

Die Wüstung Loppenstedt , 1274 Luppenstede  lag ebenfalls an der Alpe zwischen Bledeln und Algermissen; zur Lage siehe [de] Loppenstedt . Dort lokalisierte Mehlis 15 Luppia (Λουππία) .

Bei Algermissen gefundenes hölzernes Objekt aus dem Jahre 10 n. Chr.. Wachtturm bei Vechten, fotografiert von Niels Bosboom. 16

Nicht weit davon wurde im Jahre 1923 beim Bau des Hildesheimer Stichkanals bei der inzwischen abgerissenen Silobrücke   (auf der Karte die südlichste der vier Brücken) ein hölzernes Objekt aus dem Jahre 10 n. Chr. gefunden, 17 das im Heimatmuseum in Algermissen ausgestellt ist. Es wird als Zisterne gedeutet. 18 Ob es römischen Ursprungs ist, ist ungewiss; immerhin ist es großer Zufall, dass die Datierung genau in die Zeit nach der Varusschlacht fällt, als sich römische Stützpunkte plötzlich isoliert im Feindesland vorfanden. Der erhaltene Teil des Objekt ist mit über 3 m wesentlich höher, als der Bildausschnitt zeigt. Das Objekt erinnert an einen sehr einfachen römischen Wachtturm (vgl. die Rekonstruktion bei Vechten). Es lag, wie die Karte zeigt, an einer erhöhten Stelle.

Mündung der Alpe in den Bruchgraben

Die Alpe  mündet am Südwestrand der Karte neben der Autobahn 7 in den Bruchgraben = Ilse  = Elison . Der Weg von Algermissen über die Silobrücke, wo die Zisterne gefunden wurde, führt dorthin. War etwa hier der Zusammenfluss von Lupias  und Elison ? In der ersten Ausgabe dieses Web-Essays im Jahre 2000 nahm ich das noch an; dagegen spricht die Lage: nicht neben dem Hellweg, wie in Schellerten, sondern 1 - 2 km von der minder bedeutenden Braunschweiger Heerstraße entfernt in einem unwegsamen Sumpfgelände.

Dass Luppenstede  und Lobeke  an der Alpe   lagen und der durch Dingelbe  fließende Bach zum selben Flusssystem gehört, sehe ich als ein weiteres Indiz für die Äquivalenz Lupias  = Elbe  an.

Pontes longi

Angelegt durch Ahenobarbus 1 n. Chr.

L. Domitius Ahenobarbus ( = Rotbart) , Konsul 16 v. Chr., Großvater des Kaisers Nero, Statthalter von Illyrium 6 v. Chr - 1 n. Chr, führte in dieser Eigenschaft Feldzüge gegen Germanien. Er war der erste römische Feldherr, der über die Elbe vordrang. Ungefähr 1 v. Chr - 1 n. Chr. legte er die [de] Pontes longi  = Langen Brücken an.

Sie waren keine Brücken in unserem Sinne, sondern Dämme in einem sumpfigen Gebiet:

[la] angustus is trames vastas inter paludes et quondam a L. Domitio aggeratus, cetera limosa, tenacia gravi caeno aut rivis incerta erant; circum silvae paulatim adclives, quas tum Arminius inplevit, compendiis viarum et cito agmine onustum sarcinis armisque militem cum antevenisset. 1

Schlachtort im Jahre 15 n. Chr

Bekannt wurden die Pontes longi  durch die nach ihnen benannte Schlacht im Jahre 15 n. Chr..

Germanicus hatte den Ort der Varusschlacht aufgesucht, die Gerippe der im Jahre 9 gefallenen Legionäre begraben und den seinem Vater Drusus geweihten Altar  wieder herstellen lassen. Er zog sich zur Ems zurück und ermahnte seinen General Caecina, der mit einer eigenen Truppe zurückgeblieben war, möglichst schnell die Langen Brücken zu überqueren, um nachzufolgen:

[la] mox reducto ad Amisiam exercitu legiones classe, ut advexerat, reportat; pars equitum litore Oceani petere Rhenum iussa; Caecina, qui suum militem ducebat, monitus, quamquam notis itineribus regrederetur, pontes longos quam maturrime superare. 2

Tatsächlich wurde Caecina mit seiner Heereseinheit dort von den Truppen des Arminius angegriffen und entging nur durch sein besonnenes Handeln dem Untergang. Er wurde dafür mit einem Triumph ausgezeichnet.

Da in der Textstelle von der Ems die Rede ist, wird allgemein angenommen, auch Caecina habe sich schon weit westlich des Cheruskerlandes befunden.

Lage

Die Lage der Langen Brücken ist nicht überliefert.

Außer dem mit der heutigen Bundesstraße 1 zusammenfallenden Zweig des Hellwegs führte noch eine anderer von Hildesheim nach Osten, zur Oderfurt bei Ohrum. Dort gibt es eine Flurbezeichnung, die die obigen Bedingungen erfüllt:

Karte mit der Flurbezeichnung Lange Brücken
Durch das Amt Lichtenberg führte als bedeutendste Straße (1) die Mindener Poststraße; die Bezeichnung „Heerstraße“, die sie verdient hätte, fehlt auf der Strecke bis Hildesheim. Sie war der alte bereits vorfränkische Deiweg (1), in Westfalen Helweg genannt, der von Köln über Minden und Hameln nach Hildesheim führte. Er lief weiter über Nettlingen, Nordassel, an Burgdorf vorbei und überquerte das Bruch des Asselgrabens, der späteren Flothe, über die „langen Brücken“  die „Klein Linder (Osterlinder) Dambrücke“ und führte schließlich über Lichtenberg und Salder nach Ohrum an die alte Okerfurt. Gesichert wurde diese wichtige Ost-West-Verbindung in unserer engeren Heimat durch die Wallburg bei Nettlingen, die Asselburg und die 1681 „Zingel“ und 1750 Apenburg genannte Fest am Langen Damm bei Osterlinde, deren Wall etwa einen Morgen umfasste und noch zu Ende des 19. Jahrhunderts im Gelände zu erkennen war. 5
Karte der Umgebung von Nettlingen, im Südosten die Langen Brücken

Die Langen Brücken  enden in Osterlinde, einem Ortsteil von Salzgitter, wo seit der Zeitenwende bis heute Stahl gewonnen wird. 6 ). Diesen strategischen Ort lohnte es schon vor 2000 Jahren an das Straßensystem anzuschließen.

In der Schlacht an den Langen Brücken verschanzten sich die Römer in einer Burg, die die eine Hälfte befestigte, während die andere die Germanen abwehrte:

miscetur operantium bellantiumque clamor 7

Tropaea Drusi (Τρόπαια Δρούσου)

Siegerdenkmal für Drusus

Ein Tropaion  war ursprünglich ein provisorisches Siegesdenkmal , das dort aufgestellt wurde, wo der Feind in die Flucht geschlagen worden war oder der äußerste Punkt einer militärischen Expedition erreicht war, in beiden Fällen also an einem Wendepunkt [grc] (τρέπειν / trépein = wenden). Man stelle es sich als eine Art Vogelscheuche vor: Helm, Rüstung und Waffen eines gefallenen Feindes wurden auf einer Stange zur Abschreckung aufgestellt.

Im Laufe der Zeit wandelte es sich zu einem dauerhaften Denkmal für einen Sieger.

Vorbilder

Wie mögen die Tropaia Drusi ausgesehen haben?

Als Vorbild mag das riesige Tropaeum Pompeii an der französisch-spanischen Grenze bei Perpignan aus dem Jahre 71 v. Chr. gedient haben, von dem nur noch Grundmauern erhalten sind. [la] https://la.wikipedia.org/wiki/Tropaeum_Pompeii

Ein aus der Zeit des Drusus stammendes Tropaeum ist als Ruine erhalten: das Tropaeum Augusti [de] https://de.wikipedia.org/wiki/Tropaeum_Alpium bei Monaco.

1

Die Tropaea Drusi waren gewiss erheblich bescheidener ausgefallen. Charakteristisch ist wohl der Sockel aus Säulen, auf dem eine Figur steht. Die ältere Tradition, das Schmücken mit erbeuteten feindlichen Waffen, war aber noch lebendig ( Florus II 30 (Bellum Germanicum ), 23 ).

An solchen Vorbildern haben sich auch Denkmäler aus späterer Zeit orientiert:

Lage der Tropaea Drusi

Die Karte des Ptolemaios

Karte Germaniens nach Ptolemaios

Karte von B. Thayer 1

Die Abbildung oben zeigt die Karte des Ptolemaios unentzerrt, d. h. die originalen Werte der Länge und Breite der Orte sind ohne Korrektur eingetragen. In ihrer Mitte befindet sich die Ortschaft Luppia (Λουππία) . Sie liegt weit östlicher als die Lippe zwischen Weser und Elbe.

Ihr westlicher Nachbarort – exakt auf derselben Breite – ist Tropaia Drusu (Τρόπαια Δρούσου) / Tropaea Drusi . Auch der lag etwas östlich der Weser. Ptolemaios hat nur die Lage der Quelle und Mündung der Flüsse angegeben; auf der Karte sind sie durch gerade Linien interpoliert.

2

Weil  Cassius Dio (LV 1)  berichtet, dass Drusus an der Elbe Siegesdenkmäler errichtet habe, wird Tropaia Drusu von vielen an der Elbe (bei Magdeburg oder Dresden) lokalisiert. Luppia wird von manchen für die Quelle der Lippe gehalten. Für einen Ort an der Elbe liegt das Tropaia Drusu des Ptolemaios zu weit westlich, und für die Lippequelle liegt Luppia zu weit östlich. Vor allem aber kann die Lippequelle nicht östlich der Elbe liegen; denn Luppia liegt nach Ptolemaios 45 Minuten östlich  von Tropaia Drusu. Es muss sich um ein anderes Tropaion handeln.

Auch Florus  schreibt von einem Tropaeum  des Drusus: II 30 (Bellum Germanicum ), 23 . Nach  dessen Errichtung habe er die Cherusker, Sueben und Sugambrer angegriffen. Florus  meint also nicht das Tropäum an der Elbe, das Drusus kurz vor seinem Tode erricht ließ. Das Tropaeum dürfte darum westlich der Cherusker gestanden haben. 3 Das Tropaion sei mit Beutestücken und Feldzeichen der Markomannen geschmückt gewesen und habe sich auf einem hohen Hügel befunden. Damals waren die Markomannen noch nicht nach Böhmen ausgewichen. Gewiss siedelten sie östlich der Sugamber, die in derselben Textstelle erwähnt sind.

Nach meiner Auffassung stand das Tropaion wenige Kilometer westlich des Sterbeortes ( Castra Scelerata  = Schellerten ) . Ähnlich meint auch J. J. Hofmann 4 .

Facsimilie einer Zeile aus Hofman's Lexikon Universale
Tropäa Drusi, Ortschaft Deutschlands zwischen Rhein und Saale, wo Drusus starb und Tiberius Augustus von den Soldaten als Feldherr begrüßt wurde.

Hofmann 's Lexikoneintrag beruht auf Valeri Maximi Factorum et Dictorum Memorabilium Liber VI 5.3 . Als der tödlich verwundete Drusus erfuhr, dass sein Bruder Tiberius, der aus Pavia über Mainz heraneilte, schon nahe war, befahl er seinen Soldaten, jenem mit klingendem Spiel entgegenzuziehen, um ihn als Imperator zu begrüßen. Dadurch erkannten sie den schon vom Kaiser ernannten Nachfolger als ihren Oberbefehlshaber an.

Valerius  gibt die von Tiberius zurückgelegte Wegstrecke von der Stelle, wo er den Rhein überquerte, also Mainz, mit 200 Meilen an (1 römische Meile = 1,481716 km, [de] Römische Längenmaße ).

Geographische Breite

Google Maps berechnet die Strecke des Fußweges vom rechten Rheinufer bei Mainz bis zur Kreuzung mit dem Hellweg (B1) bei Elze auf 308 km (=208 römische Meilen). 5

Die Tropaia Drusu dürften sich damit auf derselben geographischen Breite wie der in Ost-West-Richtung verlaufende Hellweg befunden haben.

Umrechnung der Längengrade

Die Längengrade des Ptolemäus müssen erst umgerechnet werden.

Für Germanien müssen wir die lokale Verzerrung anhand bekannter Orte ermitteln.

Wir führen als neuen Nullmeridian den des Ortes Asciburgium / Ἀσκιπύργιον / Ἀσκιβούργιον  ein, der zweifelsfrei dem Stadtteil Asberg  von Moers entspricht, und nennen ihn Asberg-Meridian . Er hat die Ptolemäische Länge 27°30' (Ferro-Meridian). 6

Während die Breitengrade des Ptolemaios mit den heutigen gut übereinstimmen, sind seine Längendifferenzen zu groß. d Die Oder mündung ( Οὐίδρου ποταμοῦ ἐκβολαί hat bei ) Ptolemaios  die Länge 42°30', liegt also 15° östlich von Askiburgion. 7 Nach heutigen Koordinaten liegt die Odermündung ca. 7,5° östlich von Asberg. Der Korrekturfaktor für Breiten in Germanien ergibt sich damit als ½. 8

Lage in neuen Längengraden

Luppia  mit der Länge 34°30' liegt 7° Ptolemäische Grade östlich von Askiburgion. Wegen des Korrekturfaktors liegt es  7 * 0,5 = 3,5 heutige Längengrade östlich von Asberg (Moers). Das entspricht genau der Lage von Ding elbe .

Drususfeldzüge aus Putzger, F. W.: Historischer Weltatlas, 88. Auflage., S.34

Die gleiche Berechnung führen wir für Tropaia Drusu durch. Sie lagen nach Ptolemaios 45' genau westlich von Luppia , also in heutige Längengrade umgerechnet 22,5' genau westlich von Ding elbe . Das entspricht genau der Lage des Welfenschlosses Marienburg (siehe auch Photographie unten), das 5 km von der Stadt Elze entfernt liegt. Auf der Karte ist das die Stelle, an der Drusus im Jahre 9. v. Chr. vom heutigen Göttingen kommend an der Leine nach Osten auf den Hellweg in Richtung des heutigen Hildesheims abbog.

Umrechner für Längengrade
Ptolemaios  LPt = (LGr - 6.62) * 2 + 27.5;   Greenwich LGr = (LPt - 27.5) / 2 + 6.62;

Lage von Tropaia Drusu und Luppia in Ptolemä ischen und neuen (Grennwich) Längengraden
Orte bei Ptolemaios Heutige Orte
Name Ferromeridian bei Ptolemaios , verzerrt Asberg-Meridian Greenwich-Merdian Greenwich-Merian Name
Ἀσκιβούργιον / Askiburgion 27°30' 0°0' 6°37'  = 6,62° 6°37' Asberg bei Moers
Οὐιαδούα ποταμοῦ ἐκβολαί / Mündung des Flusses Viadua 42°30' 7°30' = 7,5° 14°7' =(7,5+6,62)°=14,12° 14°15' Oder mündung (Swinemünde)
Τρόπαια Δρούσου / Tropaia  Drusu 33°45' 3°7'30'' = (33,75-27,5)*0,5° = 3,125° 9°45' = (3,125+6,62)° = 9,745° 9°45'  = 9,75°
52° 10' 22" N 9° 45' 58" O Welfenschloss Marienburg bei Nordstemmen Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps
9°46'  = 9,77° Poppen burg bei Burgstemmen am Übergang des Hellweges (B1) über die Leine, siehe Google-Earth-Satellitenbild.
9°44'  = 9,73° Elze  = Aliso ?!
Λουππία / Luppia 34°30' 3°30' = ((34,5-27,5)*0,5)° = 3,5° 10°7' = (3,5+6,62)° = 10,12° 9°56' = 9,94° Luppenstede   Loppenstedt , lokalisiert von Mehlis  1913, nicht von mir favorisiert, aber von allen anderen Autoren am dichtesten dran; siehe Luppias .
10°7' = 10,12° Ding elber Klunkau kreuzt Hellweg
10°8' = 10,13° Ding elbe

Die umgerechneten  Koordinaten stimmen außerordentlich gut mit den  modernen  Koordinaten der vermuteten Entsprechungen überein. Nur bei Asciburgium ist das trivial, weil wir es als Basis verwenden. Die heutigen Koordinaten entnimmt man der Wikipedia, Google Earth oder einer Landkarte. Eine Differenz von 1° neuer Längengrade auf dem 52. Breitengrad entspricht 10000km/90 * cos(52°) = 68,4 km, 1' = 1 Minute entspricht 1140 m. Das Drususdenkmal muss, glaubt man den Koordinaten, etwas nördlich und nicht in Elze selbst gestanden haben, auf demselben Ptolemäischen Breitengrad 52°45' wie Dingelbe und und 0,38° heutige Grade westlich davon, wo heute die Marienburg steht. Elze liegt 1 km weiter westlich und 5 km weiter südlich.

Karte Hildesheim-Schellerten © Niedersachsen-Navigator Gedenkstein an der ehemaligen Kreuzung der beiden Hellwege am Hang der Finie unweit von Elze

Auf der Karte findet man im Südwesten Elze, nördlich davon Nordstemmen mit der Marienburg und am östlichen Rand, auf derselben Breite, Dingelbe. Etwas nördlich von Elze lag die alte Kreuzung des Hellweges (heute B1) mit dem Hellwege vor dem Sandforde (heute B3) (siehe Bild des Gedenksteines).

Mögliche Standorte

Marienburg

Karte des alten Ringwalles um die Marienburg
52° 10' 22" N 9° 45' 58" O Ringwall um die Marienburg Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Die Marienburg  wurde zwischen 1858 und 1867 in einen alten, noch weitgehend unerforschten Ringwall hineingebaut. 9 Dafür, dass dort die Tropaea Drusi standen, spricht:

Als Standort eines Römerlagers für eine große Anzahl Menschen war sie mangels Wasserversorgung aber ungeeignet. 12

Poppen burg

Links Marienburg, rechts Poppenburg
52° 08' 51.65" N 9° 46' 7.40" O Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Nicht weit von der Marienburg, der linken Burg im Hintergrund auf der Photographie, steht am Übergang des Hellweges (heute Bundesstraße 1) über die Leine auf einer Anhöhe im Ort Burgstemmen (siehe Karte) die Poppen burg, die rechte Burg im Vordergrund. Dafür, dass sich hier das Tropaeum / die Tropaea Drusi  befanden, spricht Folgendes:

Elze

52° 07' 10" N 9° 44' 10" O Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Nach den Koordinaten des Ptolemaios  kommt auch Elze   als Standort der Tropaia Drusu in Frage. Tacitus erwähnt in den Annales II 7 im Zusammenhang mit dem Kastell Aliso   einen Drususaltar 13 , so dass die Gleichung Aliso  = Elze  naheliegt, siehe auch das folgende Kapitel . Nach Celtis  hätten die Tropaea an der Sala  gelegen. Elze liegt an einer Saale . Dazu mehr im Kapitel über unsere Lokalisierung Aliso s bei Elze .

Die Karte des Ortelius


Ortelius' Karte des alten Deutschlands

Auf der Karte des Ortelius , die auf Ptolemaios  beruht, ist Tropaea Drusi nur wenige Kilometer westlicher an die Weser verlegt, an den Rand des Teutoburger Waldes, der nicht mit dem heute so genannten übereinstimmt. Etwas östlich liegt Luppia, zwischen beiden das Kernland der Cherusker und der dem Herkules heilige Hain 14 , von dem im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Idistavisischen Felde in einem eigenen Kapitel  noch die Rede sein wird.

Tropaea Drusi bei Historikern unserer Zeit

Lelgemann   et. al.

Hatten Lelgemann et al.  die Tropaea Drusi — er sieht in ihnen das Siegesdenkmal des Jahres 9 v. Chr. — in der oben erwähnten früheren Veröffentlichung 1 bei Magdeburg an der Elbe lokalisiert (siehe seine Karte ), so sind sie in seiner Germania 2 in die Gegend von Halberstadt, 50 km westlich der Elbe, 100 km östlich der Leine, verlegt.

Indem er die Οὐίδρος / Uidros  statt mit der Oder  mit der östlicher gelegenen hinterpommerschen Wipper  gleichsetzt, errechnet sich eine geringere Verzerrung der ptolemäischen Landkarte, die die Orte gegenüber unserer Interpretation nach Osten verschiebt.

Schmich

Schmich 3  hält die Tropaea Drusi  für das von Germanicus nach der Schlacht bei Idistaviso errichtete Siegesdenkmal, von dem Tacitus 4 berichtet hat. Wenngleich Germanicus als Sohn des Drusus auch dessen Namen trägt, wird er doch gewöhnlich nicht so genannt. Schmich lokalisiert das Tropaion bei Trophagen unweit Paderborns. Es wäre dann noch weiter als Elze von der Weser entfernt, an der es nach Ptolemaeus gelegen haben soll.

Tulisurgium (Τουλισούργιον)

Tulisurgium ist bei Ptolemaios ein Nachbarort der in dieser Abhandlung beschriebenen Orte und für deren Lokalisation wichtig.

Lage des Ortes bei Ptolemaios

Tulisurgium / Τουλισούργιον  ist einer der Nachbarorte von Tropaea Drusi / Τρόπαια Δρούσου  und hat folgende Ferromeridian-Koordinaten:

Deutscher Name Lateinischer Name Griechischer Name Länge Breite
Siegesdenkmal des Drusus Tropaea Drusi Τρόπαια Δρούσου 33°45' 52°45'
Tulisurgium Τουλισούργιον 32°40' 53°20'
Weser Visurgis  ου ισούργιον (Acc.)

Auf der Karte des Ortelius liegt er nahe am Teutoburgiensis Saltus .

Der zweite Teil des Namens wird von vielen Autoren für eine Verschreibung von burgion  = Burg  gehalten, da …surgion  bei Ortsnamen sonst nicht vorkommt und die Buchstaben Beta und Sigma ähnlich sind. Auch die ähnliche Schreibung der Weser  mag dazu beigetragen haben (siehe dritte Zeile der Tabelle).

Lage bei Lelgemann et al. 1

Diese Autorengruppe lokalisiert Tulisurgium  bei Braunschweig und Tropaea Drusi  bei Halberstadt.

= Teutoburg?

Mehrere Autoren ( Ferdinand von Fürstenberg 1617, Zeuss, Mehlis ) 2 halten Tulisurgium  für eine Verschreibung von Teutoburgium . Mit Tuli  beginnt auch in der Name des nördlicheren Tulifurdum 3 , was zur Verwechselung beigetragen haben mag. Die Namen erscheinen noch ähnlicher, wenn man sie in griechischen Kleinbuchstaben schreibt:

Τουλισούργιον
Τευτοβούργιον

Die bei Ortelius  nebeneinander an der Weser liegenden Orte wären dann ein und derselbe.

Wenn von Fürstenberg  Recht hat, kann Teutoburgiensis Saltus  schon auf Grund der Lelgemann'schen Lokalisation nicht bei Kalkriese gelegen haben.

Auch bei Ptolemaios  liegt Tulisurgium an der Weser 4 . Kalkriese liegt 50 km westlich, der Thüster Berg nur 10 km östlich der Weser. 5  Meine Gleichsetzung von Teutoburg  und Thüster Berg  würde dadurch gestützt; mehr dazu in einem späteren Kapitel ( Teutoburgiensis Saltus ).

= Schulenburg ?

Falls die Gleichsetzung von Tulisurgium = Teutoburgium  falsch ist, lässt sich Tulisurgium  vielleicht bei Schulenburg  lokalisieren

Die relative Lage der Örtlichkeiten ist gut mit unserer Theorie verträglich. Die Weser bei Ortelius ist bei uns durch die Aller/Leine, 6 den nächst-östlichen Fluss in Süd-Nord-Richtung, ersetzt. Wie dürfte sich der bei Ptolemaios und Ortelius eingetragene Ort Tulisurgium   transformiert haben? Wenn der Ortname der zweiten, hochdeutschen Lautverschiebung unterlegen war, wäre das anlautende T  zu Z  geworden (wie englisch to  deutsch zu , englisch toll  deutsch Zoll . ). Nicht zuletzt, weil sein Name dem der Weser ähnelt (siehe Tabelle oben), wurde der Ort an der Weser lokalisiert.

Zu erwarten ist deshalb, dass sich der Name in etwa zu heutigem *Zülleburg  entwickelt habe. 7 Auf der modernen Karte liegt dort – allerdings nicht so weit nördlich – Schulenburg . Der Übergang von S  zu SCH  ist ebenfalls zu erwarten (englisch swing  deutsch schwingen , deutsch Schwein  hervorgegangen aus Sau + in ). Zum Beweis reicht das nicht; dazu müsste man ältere Formen des Namens Schulenburg  kennen. Die Namensähnlichkeit ist auch nur sehr schwach, so dass ich diese Deutung verwerfe.

Tulisurgium = Bruchgraben bei Sarstedt?

Karl H. Schulze lokalisiert Tulisurgium nach umfangreichen Berechnungen bei Sarstedt, einer kleinen Stadt unweit der Mündung der Innerste in die Leine, etwa 11 km nördlich von Hildesheim, siehe obige Karte:

52° 16' N 9° 52' O Tulisurgium bei Sarstedt Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

8 . Wie die Kartenanwendungen zeigen, liegt die Stelle noch etwas nördlicher bei Sarstedt.

Das Bestimmungswort Tuli hält er für verwandt mit Tülle , von althochdeutsch sûr und übersetzt es mit Graben , übereinstimmend mit dem Grimmschen Wörterbuch, Artikel Tülle 9

Er übersetzt Tulisurgium  mit Salzgraben . Ich nehme wie vermutlich auch er eine Verwandtschaft mit sauer , mhd. ahd. sûr  an, das nach Grimm 10 ursprünglich verdorben durch Gährung, faulig  bedeutete. Tulisurgium  hieße dann Faulgraben , es entspräche dem Bruchgraben , dem Namen der kanalisierten Ilse , der bei Sarstedt in die Innerste mündet. Auch im Ortsnamen Sarstedt  steckt sûr .

Der Bruchgraben ist die kanalisierte Ilse , siehe das Kapitel Elison .

Aliso Literaturstellen

An mehreren Stellen der Literatur wird das Lager Aliso  (Acc. Alisonem) erwähnt, dessen Name dem des Flusses Elison  ähnelt. Mommsen und andere vermuten deshalb, dass es mit dem Lupias-Elison-Lager bei Cassius Dio identisch sei. Siehe auch Etymologische Deutung des Namens Aliso

Folgende Römerkastelle werden mit Aliso  in Beziehung gesetzt
Lage Name Ereignisse, Eigenschaften überliefert von
Zusammenfluss von Lupias  und Elison unbekannt, Elison  lautet ähnlich wie Aliso angelegt nach der Schlacht bei Arbalo  11 v. Chr. Cassius Dio : 54,33
an der Quelle (wörtlich am Haupt ) der Julia nicht überliefert Winterlager ad caput Juliae  fluminis 1 Velleius Paterculus 2
Versprengte der Varusschlacht flohen dorthin Aliso 9 n. Chr. leistete Caedicius nach der Schacht im Teutoburger Walde dort Widerstand Velleius Paterculus : 2
an der Lippe angelegtes Kastell (castellum Lupiae flumini adpositum) Aliso ? Identisch mit s. u.? wurde 16 n. Chr. von Germanicus entsetzt. Tacitus : Annales II 7
identisch mit s. o.? Aliso Unweit Aliso s befand sich ein Drususaltar (am Sterbeort?). Nach 16 n. Chr. wurde die Strecke zwischen Aliso  und dem Rhein mit Wegen und Dämmen befestigt Tacitus : Annales II 7

Wo andere Aliso lokalisieren

Mommsen : Elsen bei Paderborn

Theodor Mommsen  hält das Lupias-Elison-Lager für Elsen  bei Paderborn.

Daß das Kastell am Zusammenfluß des Lupias  und des Helison  bei Dio 54, 33  identisch ist mit dem öfter genannten Aliso  und dies an der oberen Lippe gesucht werden muß, ist keinem Zweifel unterworfen, und dass das römische Winterlager an den Lippequellen (ad caput Lupiae, Vell. 2, 105), unseres Wissens das einzige derartige auf germanischem Boden, eben dort zu suchen ist, wenigstens sehr wahrscheinlich…

Mommsen  über die Lage von Aliso

Mommsen   identifiziert Aliso  mit dem Paderborner Stadtteil Elsen , der nicht weit von der Lippe entfernt ist und am Fluss Alme liegt. Das Kastell sei von den Römern nach dem Fluss Elison  benannt worden, an dem es gelegen habe. Der heutige Name Alme  kann aber schwerlich von (H)elison  abgeleitet werden. Das Zitat des Velleius ad caput Lupiae halte ich für verfälscht, richtig wäre ad caput Juliae .

Wir halten fest, dass Aliso  zumindest in der Nähe des Flusses Elison  gelegen haben muss, wie auch Pörtner  und Koepp  meinen:

Koepp : Lupias-Elison -Lager = Aliso

Aber man hat das Kastell an der Mündung des „Elison‟, ohne Zweifel mit Recht, für identisch gehalten mit dem Kastell „Aliso‟ …
F. Koepp
1

Bökemeier : Eller  = Elison  = Aliso

Bökemeier 2 meint, die Eller, der größte Nebenfluss der Alme, sei der Elison oder Aliso gewesen, und er habe zur Römerzeit dem gesamten Flusssystem seinen Namen gegeben. Dafür spricht die etymologische Beziehung Eller - Aliso.

Von Schnurbein : Lupias-Elison -Lager = OberradenAliso

Im Gegensatz zu fast allen älteren Autoren hält v. Schnurben das Lupias-Elison-Lager und Aliso  nicht für identisch:

Das Lippe-Elison-Lager des Cassius Dio ist mit großer Wahrscheinlichkeit identisch mit Oberaden, das nach dendrochronologischen Ergebnissen im Herbst 11 v. Chr. angelegt worden ist. Aliso ist sicher damit nicht identisch, denn es fehlen in Oberaden alle Funde, die in die fragliche Zeit gehören (9 n. Chr. etc.).

Sie finden dies gut zusammengefaßt bei J. S. Kühlborn, Germaniam Pacavi - Germanien habe ich befriedet (Münster 1995) und bei R. Wolters, Die Römer in Germanien (München 2000).

Von Schnurbein 3

Mit Mommsen 's und Koepp 's Auffassung ist das nur zu vereinbaren, wenn man annimmt, das Lager bei Oberraden sei ein anderes aus der Zeit des Drususfeldzuges, z. B. das zweite von Cassius Dio erwähnte Lager in Hessen beim Rheine selbst.

Dobbertin : Anreppen = Aliso

Dobbertin  lokalisiert Aliso  bei Anreppen, bezweifelt aber, dass der Drususaltar, von dem Tacitus berichtet, in dessen Nähe gelegen habe.

Aßkamp : Haltern = Aliso

R. A ß kamp , Direktor des Westfälischen Römermuseums in Haltern, lokalisiert Aliso ebendort. Was lange gegen Haltern sprach, dass nämlich dort Funde aus der Zeit nach der Varusschlacht fehlten, sei durch neue Funde widerlegt. 4

Aliso = Elze

Ich lokalisiere Aliso  unweit von Schellerten  bei

52° 07' 10" N 9° 44' 10" O Elze Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Argumente der Namensähnlichkeit

Die Namensähnlichkeit Elison = Aliso(n) , Aliso  = Schellerten

Mommsen  und Koepp  halten das Elison-Lupias-Lager (nach dieser Theorie Schellerten ) und Aliso  wegen der Namensähnlichkeit für identisch. Dass sie nicht weit entfernt von einander lagen, gilt als sicher. Elze und Schellerten sind 28,5 km von einander entfernt.

Die Lösung der caput Lupiae / Juliae -Crux

In der verloren gegangenen Murbacher Handschrift des Velleius Paterculus  wird ein Kastell ad caput Juliae  erwähnt. Die Julia wurde aber nicht gefunden, und so nahmen Mommsen und viele andere Historiker an, dass es sich um einen Schreibfehler handele und dort ad caput Lupiae  gestanden habe. (Vgl. Zitat von Koepp  in der Tabelle oben).

Mommsen  hat gleichsam mehrere zusammengehörige Puzzlesteine gefunden, aber die Gruppe an einer falschen Stelle eingefügt, indem er das Lager ad caput Juliae und mit ihm das nahe gelegene Aliso an der oberen Lippe lokalisierte.

Wir verfälschen den Text nicht, sondern gehen von Juliae  aus. Dafür, dass caput Juliae  dem Orignialtext entstammt, spricht auch, dass zur Zeit, als Velleius Paterculus den Bericht verfasste, die Quelle eines gleichnamigen Flusses zur römischen Wasserversorgung herangezogen wurde. Frontinus : De aqueductu urbis romae.

Wenn Mommsen  ansonsten Recht hat, muss das Lager ad caput Juliae  mit dem Lager am Zusammenfluss von Lupias und Elison, nach unserer Theorie also Schellerten, dem Ort an der Schelle quelle = ad caput Juliae  identisch sein. Siehe auch das Kapitel Scelerata .

Teutoburger Wald / Selter

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

Aliso befand sich unweit des Teutoburgiensis Saltus .

Die Karte (© Niedersachsen-Navigator) zeigt nicht weit von Elze den Höhenzug Selter / Thüster Berg , den ich für den Saltus Teutoburgienses  halte. Dazu mehr in dem Kapitel Aliso ab dem Jahre 9 .

Namensverwandtschaft Aliso  – Elze

Elze  liegt an der Kreuzung zweier alter Handelswege, heute der Bundesstraßen B1 und B3, und an der [de] Saale , kurz bevor sie in die Leine mündet, einen schiffbaren Fluss. Karl der Große wollte es zum Sitz eines neuen Bistums machen, der unter seinem Sohne Ludwig dem Frommen im Jahre 815 nach Hildesheim verlegt wurde, siehe [la] Hildesia, Fundatio epicopati . Elze bestand aber schon vor der karolingischen Zeit. 1

Eine uralte Vermutung

Schon in Baring s Saalechronik ist Alison  als früherer Name von Elze  angegeben:

Aus Aulica aber, so bisweilen auch Alicga geschrieben, ist Aulze, Alison, Elerse und endlich Else und Elze gemachet worden.
Alison als früherer Name von Elze 2
Ähnlichkeit

Es ist geradezu zu erwarten, dass der Name Aliso  sich in heutiges Elze transformiert habe. Das A  wandelt sich in E  analog zu Albis  zu Elbe :

Nach Heinrich Tischner 3   sind etymoligisch äquivalent:
idg. *alisa ein Baum
maked. ἄλιζα áliża Erle
germ. *aliża
mnd. else
mndl. elze
ndl. els
span. aliso
Zu ergänzen ist noch
altfränkisch alísō 4 Erle

Ganz so einfach ist die Herleitung aber nicht.

Elze kommt nicht von Aulica

Elze s mittelalterlicher lateinicher Name war Aulica villa  = Saal-Gut, Aula regis  = Königssaal, Aula regia = königlicher Saal, vielleicht doppeldeutig: Nach dem Fluss Saale, an dem es liegt, und dem Saal Karls des Großen. Allgemein wurde angenommen, dass Elze  daraus entstanden sei.

Das hat Jürgen Udolph  kürzlich widerlegt. Es gebe es zwei Überlieferungsstränge des Namens: der erste beginne mit Aluchi, Alicga , der zweite sei Aulica zu griechisch αυλή , lateinsch aula = Hof, Halle , wohl vom ersten Strang beeinflusst. 5 Der erste Strang sei älter als der zweite, auf das 9. Jahrhundert zurückgehende; folglich sei Name Elze  nicht aus Aulica  hervorgegangen.

6
Aussprache des C in Alicga

Die merkwürdige Buchstabenkombination CG  in der alten Schreibweise Alicga  sehe ich als eine frühe Form des Buchstabens Ç  (C mit [de] Cedille ) an, das aus einem visigothischen Z  hervorgegangen ist. Im Deutschen schreibt man für diesen Laut Z , wie in Elze . Jedenfalls wurde er nie oder sehr lange nicht mehr als K  ausgesprochen. Auch das spricht gegen die Herleitung des Namens Elze aus Aulica . Eine Verwandtschaft mit Aliso  scheint plausibel.

Udolph  glaubt an eine vorgermanische, (im Sinne Krahe 's) alteuropäische Herkunft des Namens von der Wurzel al- = Fluss, verwandt mit dem des polnischen Oderzuflusses Olše/Olza . Meines Erachtens sind die lateinischen Namen Aliso  und Aulica  daraus abgeleitet, nicht umgekehrt. Im Lateinischen gibt es kein Z; der dem Z ähnlichste Laut ist das S.

Aluzun

Bei J. B. Lauenstein 7  findet sich ein Hinweis auf einen Hof namens Aluzun  an der Leine unweit Gronau's.

Erwähnung von Aluzun

Lauenstein s Lokalisierung beim heutigen Eitzum hat Jürgen Udolph mit Hinweis auf frühere Namensformen ausgeschlossen: Ekihem und Eizem 8 = Eichheim 9

Zudem liegt Eitzum nicht an der Leine. Ich schließe mich Hans Dobbertin 10  und Otto Curs 11  an, die   Aluzun  mit Elze  gleichsetzen und halte Aluzun  für identisch mit dem ersten von Udolph  erkannten Überlieferungsstrang  des Namens Elze .

Elze und Eitzum liegen nur 5 km von Gronau entfernt.

Tropaea Drusi an der Saale

Dass die Tropaea Drusi  unweit von Elze zu lokalisieren sind, habe ich in einem anderen Kapitel gezeigt.

Zeile aus Celtis: Germania generalis

E sala  qui Drusi gestat praeclara trophea …

Celtis 12

Nach Strabon 13  kam Drusus in der Gegend der Salas  / Saale  ums Leben. Nach dem unten widergegebenen Zitat von Koepp   (basierend auf Tacitus : Annales II 7 ) befand sich der Drususaltar 14 bei Aliso . Elze  liegt an einem Fluss namens Saale .

Alles liegt nahe beieinander: Der Salas  / die Saale , die Tropaea, der Drususaltar, der Sterbeort Scelerata  / Schellerten , Aliso  / Elze .

Wenn man aber annähme, dass Drusus an der großen Saale, die bei Barby in die Elbe mündet, gestorben wäre, dann müsste der Sterbeort Castra scelerata  weit östlicher angenommen werden als Schellerten . Auch Aliso  hätte dann viel östlicher gelegen als Elze . Im Widerspruch dazu lokalisieren die meisten Historiker den Ort viel westlicher.

Geographische Argumente

Elze an der Saale, im Osten die Leine, grüner Pfeil = Römische Wiesen © Niedersachsen-Navigator 15

Die Karte zeigt den Ort Elze. Noch heute kreuzen sich dort der Hellweg (B1) und der Weg von Mainz (B6). Der größere Fluss im Osten ist die Leine, der kleinere, an dem die Stadt liegt, die Saale. Das Flurstück Die römischen Wiesen sind durch einen magentafarbigen Kreis hervorgehoben. 16

Lage nach Ptolemaios

Nach Mommsen 's und Koepp 's  Ansicht  war Aliso  mit dem Lupias-Elison-Lager identisch, nach unserer Theorie also

Castra Scelerata  = Schellerten  = ad caput Iuliae  = an der Quelle der Schelle  = Lupias Elison -Lager = Elbe-Ilse -Lager.

Zumindest können beide nicht weit voneinander entfernt gewesen sein. Wir setzen den Lupias  des Cassius Dio  mit der Ding elbe r Klunkau und den Ort Luppia  auf der Karte des Ptolemaios  mit Ding elbe  gleich. Wie im vorangehenden Kapitel gezeigt wurde, stimmen die umgerechnete Länge von Luppia und die modernen Länge von Dingelbe exakt überein. Der nächste westliche Nachbarort bei Ptolemaios, Tropaia Drusu (lat. Tropeia Drusi, deutsch Siegesdenkmal des Drusus), auf demselben Breitengrad, hat exakt dieselbe Länge wie Elze oder das wenige Kilometer nördlich auf derselben Breite wie Dingelbe gelegene Welfenschloss Marienburg.

Zwei Alisos

In der Karte sind zwei  um 10 ptolemäische (ca. 5 heutige) Längenrade entfernte Orte eingetragen, deren Namen an Aliso / Elison  erinnern:

Name Ptolemäische Länge
lateinisch altgriechisch
Alisum Ἀλεισόν 28°
Alisus Ἀλείός 38°

Vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass man Aliso an so verschiedenen Stellen gesucht hat: Es gab zwei Orte dieses Namens. Dio schrieb , Drusus habe auf seinem Feldzug 11 v. Chr. zwei Lager angelegt, das eine am Zusammenfluss von Lupias und Elison, das andere in Hessen am Rheine selbst.

Allerdings liegt Alisus nach Ptolemaios  noch deutlich östlicher als Tropäa Drusi und Luppia.

Mainz liegt 200 römische Meilen entfernt

Über eine Strecke von 200 römischen Meilen ritt Tiberius nur begleitet vom General Antabagius aus Mainz nach Norden, um seinen drei Jahre jüngeren Bruder Drusus auf dem Sterbebett zu besuchen. Elze liegt 200 Meilen = 300 km von Mainz entfernt und erfüllt ebenso wie Hameln, Hildesheim und Schellerten diese notwendige Bedingung.

18

Google Maps errechnet als Fußweg-Entfernung von Mainz nach Elze 298 km und in umgekehrter Richtung 302 km.

Tropaia Drusu muss am Hellweg nicht alzu weit von Elze entfernt gelegen haben.

Geographische Breite

Die geographische Breite ließ sich zur Zeit des Ptolemaios im Gegensatz zur Länge mit astronomischen Mitteln bestimmen, weil dazu keine genauen Uhren erforderlich sind. Wenn sie aber über die Entfernung errechnet wurde, werden Breitendifferenzen wegen des mit 5/6 19 zu klein angenommenen Erdumfangs um deninen Faktor 6/5 überschätzt 20 .

Ptolemaios Heute
Ortsname Breite Differenz Ortsname Breite Differenz
Mogontiacum 50°15' Mainz 50°0'
Tropaia Drusu 52°45' 2°30'=2,5° Elze 52°7' 2°7'=2,116667°
Das Verhältnis der Breitendifferenzen Breite[Ptolemaios] / Breite[heute]
2,5 / 2,117 = 1,181 ≈ 1,2 = 6 / 5

Elze (und andere Orte derselben Breite) erfüllen diese notwendige Bedingung

Historische Argumente

Die Lösung des Drususaltar-Dilemmas

Wir wissen von Tacitus 21 , dass sich unweit Aliso s ein Drususaltar befand. Er war wahrscheinlich an oder nahe dem Sterbeort Castra scelerata  errichtet worden und wurde von Germanicus erneuert.

Die Annahme, Aliso  habe wesentlich westlicher als Castra Scelerata  gelegen (z. B. nach der Elsenhypothese bei Paderborn oder noch weiter westlich an der Lippe) führt zum Drususaltar- Dilemma : Entweder nimmt man an, dass die Leiche des Drusus nach Mainz gebracht worden sei, wo auch ein Drususdenkmal, vemutlich der Eichelstein,  errichtet wurde, oder, dass der Drususaltar in Aliso in einem Zusammenhang mit seinem Tode gestanden habe.

Koepp  vertritt die erste Alternative, Mommsen  die zweite.

Das Winterlager, in das die Leiche gebracht wurde, war gewiß nicht Vetera, sondern Mainz. Hier gab es ein Denkmal des Drusus (Abb. 15) – sicherlich identisch mit dem „am Rhein“ errichteten Kenotaph, dem „tumulus honorarius“, bei dem alljährlich das Gedächtnis des Feldherrn gefeiert wurde. Die „Ara“ des Drusus bei Aliso, um derentwillen allein man den Rückweg über Aliso nach Vetera hat gehen lassen, kann dem Gründer des Kastells errichtet worden sein, auch ohne daß er hier starb.

Koepp 22

Der Widerspruch löst sich auf, wenn Castra Scelerata  und Aliso  identisch oder zumindest einander nahe waren.

Zur Lokalisierung des Drususaltars siehe das Kapitel über Thüste

Befestigung mit Dämmen und Wegen

Nach Tacitus 23  war die Strecke zwischen Aliso   und dem Rhein mit Dämmen und Wegen befestigt.

Wenn Aliso  westlich der Weser lag, sollte es überraschen, östlich der Weser Hinweise auf römischen Straßenbau zu finden.

Man hat nämlich, als in den Jahren 1910-1911 die neue Wasserleitung Hildesheim-Poppenburg gelegt wurde, bei Ausschachtungsarbeiten in Himmelsthür verschiedene Teile einer alten Straßenbefestigung gefunden, die aus alten Stämmen und Bohlen bestand und deren Verbindungs- und Befestigungsart auf eine aus anderen Funden (vor allem in Süddeutschland) bekannte Straßenbautechnik der Römerzeit hinweist.

Albrecht 24

Ob die Straßenbefestigung römisch sei, wird allerdings bezweifelt:

Ich habe starke Zweifel an der Deutung der 1910/11 in Hildesheim entdeckten "römischen Straßenbefestigung". Bitte bedenken Sie, daß bisher in keinem einzigen der augusteischen Römerlager eine befestigte Straße entdeckt worden ist. Auch die Straße, entlang derer sich in Haltern das Gräberfeld befindet, war nicht befestigt, sondern nur seitlich durch zwei Gräbchen abgegrenzt.

Von Schnurbein 25

Mögliches Lager an der Saalemündung

Wo in oder bei Elze  mag das Römerlager Aliso  gelegen haben?

Bodenverfärbung auf dem Dehnacker gegenüber der Saalemündung

Matthias Wilkens , Vechelde-Bodenstedt, hat mich in einer E-Mail auf eine im Luftbild nördlich des braunen Feldes sichtbare, einem Römerlager ähnliche Struktur aufmerksam gemacht, die diese Bedingungen erfüllt. Er und ich sind sich nicht sicher, ob es sich um ein Römerlager, eine Anlage aus späterer Zeit oder gar um eine zufällige Bodenverfärbung handelt, zumal weder Funde noch andere Indizien diese Vermutung stützen. Nicht auf jedem Luftbild ist die Verfärbung erkennbar.

Man erkennt  ein Rechteck mit sich kreuzenden Seitenhalbierenden. Der Fluss in der norwestlichen Ecke des Bildes ist die Leine; die Mündung der Saale liegt nur wenig außerhalb des Randes. Das Umfeld kann man sich durch Klicken auf das Symbol der Geoanwendung (zur Zeit am besten in Bing Maps) selbst ansehen.

52.131978 N 9.764121 O Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Wie Wilkens  herausgefunden hat, weist die West-Ost-Achse genau nach Schellerten  und Dingelbe . Der am Hellweg (B1) und an der Mündung der Saale in die Leine gelegene Teufelsberg kommt damit auch als Standort der Tropaia Drusu  in Frage.

Luftbild aus dem Jahre 1944

Luftbild des Dehnackers aus dem Jahre 1944

Das zweite Luftbild aus dem Jahre 1944 3  zeigt dasselbe Objekt noch deutlicher. Die Nord-Süd-Linie des Kreuzes setzt sich nach Süden fort. Es handelt sich offenbar um einen ehemaligen Weg; denn für einen Altarm der Leine liegt das Gelände zu hoch. Dort, wo die Mittellinien die Ränder treffen, erkennt man jeweils einen hellen Punkt, ebenso auf den Ecken außer auf der im Südosten, die nun von einem Weg verdeckt wird. An ihm liegen etwa in Höhe der Mitte des östlichen Randes mehrere große Kalksteinblöcke.

Reste des Walles und Grabens

Nordost-Ecke von Norden Nordost-Ecke von Westen

Die beiden am 2012-01-22 aufgenommenen Photographien zeigen die Nordost-Ecke der Struktur, einmal von Norden, einmal von Westen. Man sieht den Rest eines Walles und außen eines Grabens.

Entfernung zum Römerlager bei Wilkenburg

Google Maps errechnet die fußläufige Entfernung zwischen dem kürzlich entdeckten [de] römischen Marschlagers bei Wilkenburg und dem Dehnacker auf 22,5 km. Das ist die typische Entfernung, die das Heer an einem Tage zurücklegen konnte.

[de] Tagesmarsch :

Mit Tagesmarsch (Tagemarsch) bezeichnet man die Marschleistung einer Gruppe, z. B. einer militärischen Truppeneinheit während 24 Stunden. Für das Militär rechnete man früher in Friedenszeiten für alle Truppen den Tagesmarsch zu 22,5 km.

Fazit des Abschnitts Arbalo

Schellerten und Umgebung, , © Niedersachsen-Navigator, mit Eintragungen von J. Regel Arbalo12Arbalo Ad caput Iuliae13Scelerata#Juliaquelle Lupias15Lupias Castra Scelerata13Scelerata Elison14Elison Lupias15Lupias 1

Am Hellweg, dem Ostwest-Handelsweg, dessen Verlaufe die heutige Bundestraße 1 folgt, gibt es östlich der Weser eine Stelle, an der zwei gleich große Bäche zusammenfließen ( συμμίγνυνται ), deren Namen sich auf die von Cassius Dio überlieferten zurückführen lassen: Ilse   = Elison (Ἐλίσων)   und Ding elbe r Klunkau = Lupias (Λουπίας) , zwischen Schellerten = Castra Scelerata, dem Sterbeort des Drusus, und Garbolzum = Arbalo .

Schellerten   liegt an der Schelle quelle = ad caput Juliae .

Auf der Karte des Ptolemaios   findet sich an dieser Stelle ein Ort Luppia (Λουππία) , was belegt, dass mit Lupias hier ausnahmsweise nicht die Lippe gemeint ist.

Sein westlicher Nachbarort Tropaia Drusu (Τρόπαια Δρούσου)   Muss nach den Koordinaten im Raum Elze = Aliso   gelegen haben, vieleicht bei der Poppenburg , wo sich einst ein Ost-West- und ein Nord-Süd-Handelsweg kreuzten (Bundesstraßen 1 und 3).

Elze   liegt an der Saale . Im Gebiet der Sala   war Drusus gestorben und stand sein Denkmal. Aliso   wird bei Tacitus   im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Drususaltars erwähnt.

Von Dingelbe führt ein Dammweg nach Salzgitter, der mit Burgen befestigt war und Lange Brücken genannt wurde. Er entspricht den von Tacitus   erwähnten Pontes longi , dem Ort einer Schlacht im Jahre 15 n. Chr..

Teutoburg

Teutoburgiensis Saltus

Lage des Saltus teutoburgiensis

Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. befand sich Varus mit seinen Legionen im Gebiet der scheinbar mit ihm verbündeten Cherusker, unweit der Weser und der Burg des Cheruskerfürsten und Römerfreundes Segestes , die mehrere Autoren bei Segeste  südlich von Hildesheim lokalisieren. Ein Teil der Truppen unter der Führung des Caedicius lag in Aliso und hielt es besetzt.

Cassius Dio :

… indem sie Varus so willkommen hießen, als wollten sie alles tun, was er befehlen würde, lockten sie ihn weit vom Rheine ins Cheruskerland und zur Weser … 1

Die Angabe vom Rheine  ist unpräzise: War er von Süden gekommen, wie einst Drusus 9. v. Chr, und wollte dahin zurück? Oder von Westen? Ein Teil des Heeres zumindest war in Castra Vetera bei Xanten stationiert, wo das Grabdenkmal des in der Schlacht gefallenen Centurios Marcus Caelius gefunden worden ist. Die meisten Historiker nehmen einen Zug nach Westen an.

Die einzige Textstelle, in der der Name des Schlachtortes überliefert ist, Tacitus : Annales I 60 , ad ultimos Bructorum … haud procul Teutoburgiensi saltu , weist in dieselbe Gegend (Weser und Cheruskerland).

Varus sei mit dem Großteil seines Heeres in eine entfernte Gegend gezogen, um einen Aufstand niederzuwerfen — entfernt  von Varus aus gesehen oder vom Rhein? Auf dem größten Teil seines 4 - 5 tägigen Marsches, aber nicht gleich zu Anfang, sei es von den Germanen wiederholt überfallen worden. 2

… erhoben sich als erste entfernt von ihm siedelnde Einwohner , damit Varus gegen sie vorrückte, so dass er von ihnen auf dem Marsche leichter zu bezwingen wäre … und stießen wieder zu ihm, als er sich schon in undurchdringlichen Wäldern befand. Da nun gaben sie sich auf ein Mal als Feinde statt als Unterworfene zu erkennen …
3

Die Schlacht am Teutoburger Wald fand nicht an einer einzigen Stelle statt, sondern an der Wegstrecke eines mehrtägigen Marsches, wenn man nicht dem Bericht des Flavus folgt. Der Marsch führte in Richtung Rhein, auf einem Umweg zwar, doch nicht vom Rheine weg; schließlich war das Ziel, Heer und Tross ins Winterquartier zu führen.

Die Wegstrecke

Feldzug des Varus von Segeste über Porta Westfalica von Google Maps berechnet
Stationen des Varus-Feldzuges 9 n. Chr.
B Segestes / Segeste
C Irmenseul
D Winzenburg
J Castra scelerata / Schellerten
I Hildesheim
H Aliso / Elze
G Porta Westfalica
F Kalkriese

Die meisten Autoren lokalisieren die Varusschlacht westlicher als ich. Da sie nicht an einem einzigen Ort sondern entlang eines mehrtägigen Marsches stattfand, ist das kein Widerspruch.

Kalkriese

Schon 1885 hatte Theodor Mommsen  den Schlachtort bei Kalkriese vermutet; ab 1987 fand dort der Amateurarchäologe Major Anthony Clunn  zahlreiche Münzen und Wurfgeschlosse aus Blei, die Mommsen's These stützten. ( Museum und Park Kalkriese 4 ). Im August 2008 wurden an der Weser bei der Porta Westfalica Hinweise auf ein Lager gefunden,  in dem der römische Feldherr Varus lagerte, bevor er im Jahr 9 nach Christus in die Schlacht gezogen ist. 5

Argumente für die clades Variana bei Kalkriese  finden sich z. B. bei Ralf G. Jahn 6

Zweifel an Kalkriese

Dass in Kalkriese eine Schlacht der zweiten Hälfte des Römische-Germanischen Krieges stattgefunden habe, ist unstrittig; weiterhin wird aber bezweifelt, dass es die clades Variana gewesen sei, so von Peter Kehne, Reinhard Wolters 7

Siegfried G. Schoppe sieht in Kalkriese den Ort der Schlacht am Angrivarierwall unter Germanicus im Jahre 16 n. Chr.. Die clades Variana lokalisiert er am östlichen Hange des Lippischen Waldes in der Gegend zwischen Detmold und Salzuflen. 8

Kalkriese liegt weit vom Kerngebiet der Cherusker entfernt; es fällt schwer, sich vorzustellen, dass der Cherusker Arminius den Römern dort ihre schwerste Niederlage zugefügt habe.

Vereinbarkeit mit meiner Theorie

Ob wir dem folgen, dass Varus über die Porta Westfalica nach Kalkriese gezogen sei, wo sein Heereszug aufgerieben worden sei, oder annehmen, dass dies an oder unweit der klassischen Stelle im möglicherweise erst in später Zeit so genannten Teutoburger Wald geschehen sei – in beiden Fällen zog das Römerheer aus der Gegend von Hildesheim auf dem Hellweg in Richtung Westen. Der von Google Maps automatisch berechnete Verlauf, der im Detail nicht zutreffen mag, zeigt, dass das Gebiet, von dem nach unserer Theorie der Feldzug seinen Ausgang nahm (A - D), sich in gerader Linie über die Porta Westfalica mit Kalkriese verbinden lässt. Der Verlauf über den Hellweg (die heutige Bundesstraße 1) oder den Lauensteiner Berg 9 über Hameln in Richtung Bad Meinberg wäre nicht so weit vom Raume Hildesheim entfernt und mit meiner Theorie besser verträglich.

Auch die Annahme, der Heereszug habe sich in entgegengesetzter Richtung aus der Gegend um Hameln in Richtung Mainz bewegt, steht nicht in Widerspruch zu meiner Theorie. In allen Fällen zog Varus mit seinen Legionen am Thüster Berg  vorbei.

Thüster Berg, Thüste = Teuto

Der heute so genannte Teutoburger Wald  hieß Osning   und erhielt seinen Namen im 17. Jahrhundert von Philipp Clüver. Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof von Paderborn und Münster, setzte diesen Namen dann durch. Der Teutoburgiensis saltus  ist also nicht notwendig mit ihm identisch.

Teutoburgiensis  lässt sich nicht nur, wie allgemein üblich, als Volksburg herleiten 1 ; möglich ist auch die Herleitung vom Gott Tuisto .

Ich stelle die These auf, dass der Teutoburgiensis saltus  der Thüster Berg  ist.

Der Ursprung des Ortsnamens Thüste

Ältere Schreibweisen sind: Thüeste, Duiste . 2 , sowie nicht ganz sicher Tiuguste, Thiuguste 3 Man beachte, dass sich das G in Tiuguste , so wie es zur Zeitenwende ausgesprochen wurde, im Lateinischen nicht darstellen ließ, wie im Kapitel Arbalo  erläutert. Die Vertauschung von u  und e/i  in Thueste / Teuto  wäre damit erklärt. Die Ortschaft Thüste besitzt den ältesten Siedlungsnamen im Flecken. Wahrscheinlich ist, dass Thüste eine Cheruskersiedlung mit dem Namen Tiusti war. 4

Ich vermute, dass der Ortsname Thüste  sich vom Namen des Gottes Tuisto  ableitet.

Tuisto

Der Gott Tuisto bei Tacitus

Tacitus  erwähnt in seiner Germanica, 2  den erdentsprossenen Gott Tuisto , in einigen Abschriften auch Tuisco :

[la] Celebrant carminibus antiquis, quod unum apud illos memoriae et annalium genus est, Tuistonem deum terra editum. Ei filium Mannum, originem gentis conditoremque, Manno tris filios adsignant, e quorum nominibus proximi Oceano Ingaevones, medii Herminones, ceteri Istaevones vocentur. 5
[de] Sie feiern in alten Gesängen, was bei ihnen eine Art des Gedenkens und der geschichtlichen Aufzeichnung ist, den Tuisto als aus der Erde entsprossenen Gott. Ihm ordnen sie einen Sohn namens Mann zu, den Ursprung und Gründer des Menschengeschlechts, und dem Manne drei Söhne, nach deren Namen die dem Ozean nächsten Ingväonen, die ihm zweitnächsten Hermionen 6 und als übrige die Istväonen benannt sind.

Übersetzt von J. Regel

Tuisto = Tuisco = Teuto

Jacob Grimm  vermutete die Äquivalenz von Tuisto, Tuisco und Teuto:

Übrig bleibt nun des Mannus eigner vater, der erdgeborne Tuisco. wie wenn das wort gleich mannisco gebildet und verkürzt aus tiudisco wäre? nicht unähnlich machte die altfranz. sprache Thyois, Tyois, Tiois aus Tydois, Thionville aus Thiodonisvilla. der gott hieße in goth. mundart Thiudisla, in hochdeutscher Diutisvo, der aus dem volk (límala, cliot) selbst entsprossene. mit Tiulisco könnte der volksname Teuto , Tiuto (ahd. Dieto) nah verwandt sein. 7

Der keltische Gott Teutates

Tuisto  ist wahrscheinlich mit dem keltischen Gott Teutates  identisch; zu deuten entweder wie allgemein üblich als Teut|ates = Volksvater oder — wozu ich tendiere — Teu|tates = griechisch Zeus pater, germ. Tiu/Ziu-Vater, lat. Iupiter (vgl. walisisch tad = Vater, englisch dad = Vater).

Um die Zeitenwende lag Thüste im Übergangsbereich zwischen Kelten und Germanen.

Karte der Kelten und Germanen in Deutschland um die Zeitenwende Legende zur Karte
Ausbreitung der Germanen ins Gebiet der Kelten nach Putzger [2000], Seite 85.

Teuto burgiensis Saltus = Thüster Berg

Thüster Berg

Ob Varus mit seinem Heer aus der Gegend um Hildesheim nach Westen in Richtung Castra Vetera oder aus der Gegend um Hameln nach Südosten in Richtung Mainz zog — er passierte den nach dem Ort benannten Thüster Berg 8 , einen Höhenrücken, der nach Nordosten in einen markanten, seit langer Zeit als Steinbruch genutzten Felsen ausläuft. Man findet ihn am westlichen Rande der Karte. 9

52° 03' 28" N 9° 37' 56" O Kanstein, der höchste Gipfel des Thüster Berges Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps
Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator 10 Karte des alten Deutschlands von Ortelius

Die geographische Lage und die etymologische Herleitung spechen dafür, dass der Thüster  Berg mit dem Teuto burgiensis saltus (Teutoburger Bergwald, Tacitus Annales I 60 ) identisch ist  und dort die Überfälle auf die Legionen des Varus begannen.

Wenn bei Elze Tropaea Drusi lag, muss der Teutoburgiensis Saltus sich im Westen anschließen, wie auch die Karte des Ortelius  zeigt.

Thüster Burg

Bei Thüste gab es eine Burg. Sie ging um 1500 in Trümmer; die letzten Reste der Ruine fielen dem Steinbruch zum Opfer.

Jahr 1500: In Thüste steht auf der sogenannten "Borg" tatsächlich eine Steinburg, die um 1500 in Trümmer geht. Die Steine sind mit Gipsmörtel aus dem Weenzer Bruch fest zusammengefügt. Es handelte sich wahrscheinlich um eine frühmittelalterliche Anlage zur Wegekontrolle. 1923 wird hier eine Lanzenspitze gefunden. Heute ist leider nichts mehr von der Burg zu sehen.
11

Die Thüster Burg kontrollierte im Mittelalter die sogenannte Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße, die die Leine bei Freden querte, unterhalb der Winzenburg  durch den Römergrund verlief und weiter am Nordrand des Harzes in die Gegend von Quedlinburg / Halberstadt führte.

12
Östlich von Thüste liegt ein Steinbruchgebiet, an dem der Name „die Burg“ haftet. Ihre Reste fielen dem bereits in den 1840er Jahren vorhandenen Steinabbau zum Opfer. Die Anlage soll die Form eines Ringwalles von 75 bis 80m Durchmesser und einen vorgelagerten Graben gehabt haben.
13

Hier die sich aus dem obigen Zitat ergebende Lage der Thüster Burg in einigen Internet-Karten:

52.022798 N 9.652508 O Thüster Burg Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps
Thüster Burg vom Thüster Berg

Auch wenn die Anlage im Mittelalter umgestaltet wurde, mag ihr Vorläufer die von Tacitus (Annales I 60)   überlieferte Teutoburg  sein. Die Photographie, aufgenommen vom Südhang des Thüster Berges, zeigt die Reste des Steinbruchs, wo einst die Burg stand.

Tuisto-Altar

Nördlich oberhalb der Thüster Burg auf dem Thüster Berge befand sich der Altar des Gottes Tuisto :

Wie schon bei der ältesten Besiedelung angegeben wurde, glaubten die alten Cherusker an den erdgeborenen Gott Tuisto, dem auf dem Thüster Berg ein Heiligtum gewidmet war: die Soleiche (Sol - von Suhle - von Wildschweinen durchwühlt). Die Reste der uralten, hohlen Eiche waren noch lange ein Unterschlupf von Eulen. Im Jahre 1932 pflanzte dicht daneben der alte C. Möhle eine junge Eiche, unter der eine Botschaft in einer Flasche vergraben ist mit Angaben über die damaligen Verhältnisse des Ortes. Auf dem Wege in der Ebnisse soll ein Steinaltar  gewesen sein, der zum Teil abgetragen zum Teil versunken ist. Zu diesem führt auch der Hilligenweg, ein Pfad, der noch zu sehen ist.

14
… Daher waren viele Wälder und Berge dem Tuisto als Heiligtümer und Stätten der Anbetung und des Opfers geweiht. Und so auch der Platz auf der „Ebnis” (Ebene) im Thüster Walde, 2 Kilometer von dem heutigen Thüste, wo sich der Altar   befand, auf dem Tuisto geopfert wurde. Noch jetzt ist neben der uralten „Sohleiche” (Sohl = Suhl, Sumpf) der heilige Ort zu erkennen. Der Altar selbst ist tief versunken, und ein Steinweg führt über ihn hin, aber die alte Sohleiche ist noch lebensfähig, obwohl sie vollkommen hohl, eine Brutstätte der Eulen ist.
Soleiche bei Thüste, photographiert von Jürgen Regel

1996 wurde wieder eine junge Eiche an Stelle der alten gepflanzt, 1997 ein Gedenkstein gesetzt. 15

So(h)l  mit Suhle  gleichzusetzen erscheint mir abwegig; ich plädiere für So(h)l  = Säule . 16

52° 02' 44" N 9° 38' 52" O Sohleiche auf dem Thüster Berg http://www.panoramio.com/photo/51346198 , http://www.panoramio.com/photo/51341742 , http://www.panoramio.com/photo/51341713 . Danke für Ihre Unterstützung! Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Unmittelbar nördlich befindet sich ein kleiner Steinbruch, aus dessen Wand große quaderförmige Stücke herausgebrochen wurden. Östlich wird das Gelände sumpfig. Die dort dicht stehenden Brennesseln weisen auf Stickstoff und Phosphor im Boden hin, vielleicht auf die Reste der geopferten Tiere oder Menschen.

Steinbruch unmittelbar nördlich der Soleiche mit quaderförmigen Fehlstellen

Vielleicht ist der Altar bei Thüste einer der von Tacitus erwähnten germanischen Opferaltäre, die Germanicus 15 n. Chr. im Saltus teutoburgiensis aufsuchte:

[la] Lucis propinquis barbarae arae, apud quas tribunos ac primorum ordinum centuriones mactaverant.
In den nahen Hainen barbarische Altäre, bei denen sie die Generäle und Stabsoffiziere geopfert hatten. 17

Drusus-Altar

Ein typischer römischer marmorner Grabaltar der Zeit 14 - 68 n. Chr.

Tacitus  erwähnt in den Annalen II 17 , dass Germanicus einen seinem Vater Drusus geweihten Altar in der Gegend um Aliso wiedererrichtet habe. Das Bild zeigt einen typischen römischen Grabesaltar jener Zeit. 18 Folgende Bedingungen helfen bei der Suche nach ihm:

Es gibt einen einzigen Altar, auf den diese Bedingungen zutreffen: Den oben genannten Altar bei Thüste. Wegen seiner Lage mitten im Walde kommt er als ursprünglicher Standort des Drususaltar aber nicht in Frage.

Es liegt nahe, dass die Germanen nach dem Abzug des Germanicus den Altar für ihre eigenen sakralen Zwecke verwendeten, zur Götterverehrung oder als Sockel eines Arminsdenkmals , wie es Sebastian Münster dargestellt hat. Dazu schafften sie ihn in eines ihrer Heiligtümer, gewiss nicht allzu weit vom ursprünglichen Standort. Baring  erwähnt, dass auf dem Thüster Berg ein Idolum oder Götze  gestanden habe. 20

Thüste ist berühmt für seinen wertvollen [de] Thüster Kalkstein , der bis in unsere Zeit für Grabdenkmäler verwendet worden ist. Er eignete sich für den Bau beider Altäre. Die Thüster Burg  ist, wie oben geschrieben, einem Steinbruch für hochwertigen Stein gewichen. Sie wäre der ideale Standort für den Drususaltar gewesen.

Hinweise auf ein Römerlager nordwestlich des Thüster Berges

Im Jahre 1891 wies Carl von Veith  auf ein mögliches Römerlager auf einem dazu sehr geeigneten Vorsprunge der Thüster Berge  hin. 21

Ein Luftbild eines möglichen Lagers nordwestlich Hemmendorf's und des Thüster Berges zwischen dem Ith und dem Hemmendorfer Ortsteil Heide findet sich bei Hülsemann . 22

Ith = Gnita?

Alte Namen des Ith s lauteten  Igath, Gigath, Montes Niterini, Nithe-Mons / Nithe-Berg, Nieth . 23 Wenn man versucht, daraus eine gemeinsame Urform konstruieren, gelangt man zu GNIT(H)E . Das vom Ith im Westen, dem Thüster Berg im Südosten und dem Osterwald (Ort Heide) im Nordosten begrenzte Dreieck, das von salzigen Bächen durchzogen wird, wäre dann die Ith-Heide  = Gniteheide . Dieses Wort ähnelt der im Nibelungenlied erwähnten Gnitaheide , auf der Siegfried den Lindwurm Fafner erschlug.

Selter

Teutoburgiensis Saltus  = Selter

In welchen deutschen Ortsnamen dürfte sich das lateinische Wort Saltus   transformiert haben? Sehen wir es als Eigen- und nicht als Gattungsnamen an! Wir orientieren uns an der Transformation bekannter Wörter.

Saltus kanonisch transformiert
Lateinisch Deutsch
Bekannte Transformationen
sal Salz
altus alter 1
[fontes] salientes Selters [an der Lahn] 2
Vermutete Transformation
saltus Salter oder Selter

Wir suchen also in der Nähe des Thüster Berges nach einem Höhenzug namens Salter  oder Selter .

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

Wie die Karte zeigt, ist der Thüster Berg nur der nordwestliche Teil des längsten Höhenzuges im Gebiet (30 km), der als Ganzes keinen Namen hat. Sein südöstlcher Teil heißt Selter . Mit Teutoburgiensis Saltus  = Thüster Berg - Selter   bezeichnet man treffend den gesamten Höhenzug. Der Name des Selter 's zur Zeit Ludwigs des Frommen, Salter , war dem lateinischen Saltus  noch ähnlicher. 3

Saltus  vertritt Selter  im lateinischen Text, entweder, weil der Selter nach dem lateinischen Wort für Pass, Waldgebirge 4  benannt worden ist, oder, weil der Klang des Wortes die Römer an Saltus  erinnerte (Volksetymologie). Warum heißt es saltus   Teutoburgiensis , sonst aber Hercynia  silva, mons Taunus, silva Gabreta, Carpates montes ?

Der Selter ist nicht nur die Fortsetzung eines Höhenzuges, dessen Name sich auf Teuto  zurückführen lässt, sondern hat auch einen solchen Gipfel, den Thödings-Berg , wie der rechten Karte zu entnehmen ist. 5

Der Weg von Mainz

Der alte Nord-Süd-Weg, heute Bundesstraße 3, auf dem Drusus und Tiberius im Jahre 9 v. Chr. zogen, verläuft um den Selter und überquert ihn auf einem Pass , dem einzigen übrigens auf einer weiten Strecke.

Bisher hat man nach Saltus = Pässen   am Hellweg gesucht. Der einzige nennenswerte ist der über den Osning östlich Paderborns, der darum fälschlich in Saltus Teutoburgiensis  = Teutoburger Wald    umbenannt worden ist. Der Weg von Mainz (im Gebiet die Bundesstraße 3), über den das Gebiet um Hildesheim ebenfalls erreicht wurde, ist vernachlässigt worden, obwohl ihn Drusus in den Jahren 10 und 9 v. Chr. und Tiberius 9 v. Chr. nahmen.

Von GoogleMaps berechneter Fußweg von Mainz über Rödgen und Hedemünden nach Elze Überquerung des Selter's

Man kann sich den optimalen Fußweg von Mainz (A) über die bekannten Römerlager aus der Zeit der Drusus-Feldzüge, Rödgen (B) und Hedemünden (C) nach Elze (D) von Google Maps ausrechnen lassen und erkennt:

Aliso ab dem Jahre 9

Aliso  = Elze  ab dem Jahre 9 n. Chr.

Die Schlacht am Teutoburger Wald endete mit der Clades Variana, der Niederlage des Varus gegen Arminius.

Nach Veleius Paterculus  hätten sich viele versprengte Römer nach Aliso  geflüchtet. Der Lagerkommandant Caedicius habe dort einer riesigen Übermacht der Germanen standgehalten und sei mit seiner kleinen Streitmacht und dem Tross entkommen, nachdem er einen günstigen Augenblick abgewartet habe. Velleius Paterculus  über Caedicius

Aliso  lag also nicht weit vom Teutoburgiensis saltus  entfernt. Elze   liegt auf dem Wege von Schellerten oder Hildesheim zum Thüster Berg  ungefähr 7 km von diesem entfernt. Am Thüster Berg entlang nach Aliso  / Elze  fließt die Sala(s)  / Saale .

Der Zusammenhang zwischen Aliso , Elze , Salas  und Saale   ist im Kapitel über Aliso  behandelt.

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

Der Drususaltar bei Aliso

Dass Aliso und Teutoburgiensis saltus   einander nahe waren, folgt auch aus den Annalen des Tacitus  II 7 ; denn Germanicus ließ, als er Aliso  besuchte, die Gefallenen der Varusschlacht bestatten und den Altar seinen Vaters Drusus wieder herstellen.

Zur Lokalisierung des Altars siehe das Kapitel über Thüste

Aliso = Elze am Kreuz zweier Wege

Hellweg und Weg von Mainz
K Kalkriese (vermuteter Schlachtort).
J Kürzlich entdecktes Römerlager an der Porta Westfalica. Zwischen Elze (I) und Porta Westfalica (J) liegt der Thüster Berg.
I Aliso  / Elze , in der Nähe das Tropaion des Jahres 11 v. Chr.
F Castra scelerata / Schellerten.
E Magdeburg, vermutlich östlichster Punkt der Expedition und Standort der Tropaia 9 v. Chr..
G Schlachtfeld bei Kalefeld / Wiershausen aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert.
H Römerlager bei Hedemünden. Zwischen Hememünden und Elze wird der Selter überquert.
A Mainz.

Nach Hedemünden gabelt sich der Weg in zwei Äste:

Die Karte zeigt den von Google Maps berechneten Fußweg von Mainz nach Elze und von Magdeburg zum Schlachtfeld bei Kalkriese. Auf den Wegen liegen die erst vor Kurzem entdeckten Römerlager oder Schlachtfelder bei Hedemünden, Kalefeld / Wiershausen und Porta Westfalica. Im Winkel H–I–J liegt der Höhenzug Thüster Berg / Selter.

Noch eimal: Mommsen's Lokalisation bei Elsen

Schon an anderer Stelle habe ich auf Mommsens Lokalisation in Elsen bei Paderborn  hingewiesen. Dorthin hätten sich Versprengte nur flüchten können, wenn es unweit des Marschwege gelegen hätte. Wenn Mommsen den Ort der Schlacht bei Kalkriese lokalisiert, liegt Elsen zu weit ab. Wie Ralf G. Jahn  kürzlich gezeigt hat, spricht vieles dafür, dass bei Kalkriese die Endphase der mehrtätigen Schlacht stattfand 1 Der Weg vom Selter nach Kalkriese läuft im Wesentlichen in westlicher Richtung, und Elze liegt am Wege. Ein Marschweg aus der Gegend von Paderborn nach Kalkriese in nördlicher Richtung erscheint mir für ein Heer, das ins Winterlager am Rhein ziehen will, unplausibel. Versprengte hätten eher versucht, sich zum Rhein durchzuschlagen denn nach Elsen.

Dasselbe gilt für die anderen an der Lippe vermuteten oder nachgewiesenen Römerlager. Allenfalls Haltern liegt so weit westlich, dass es als Fluchtziel von Kalkriese aus in Frage kommt.

Varus

Wie hätte sich der Name Varus  transformiert?

Wir können spekulieren und fragen, ob der Name des Varus selbst Spuren in der Hildesheimer Gegend hinterlassen habe. Wonach hätten wir zu suchen? Der Name erschiene in Genitiv- oder Adjektiv-Form: Vari / Varianus, Variana, Varianum / Varicus, Varica, Varicum 1 . Ein in früh- oder vormittelalterlicher Zeit ins Deutsche eingedrungenes V  hätte sich heute in B  verwandelt, analog Valeriana  ↣ Baldrian , Schlacht bei Ravenna  ↣ Rabenschlacht , Theoderich von Verona  ↣ Dietrich von Bern . So wären zum Beispiel folgende Herleitungen möglich:

lateinische Form Zwischenform (* hypotetisch) heutiger Name
*Varian{us,a,um} *Barianrode Barienrode , Dorf südlich Hildesheims
*castellum Vari *barische Burg Beyersche Burg , eine Straße in Hildesheim.
*Varici Villa Barigi (1004), siehe [de] Börry Geschichte
52° 01' 58" N 9° 27' 42" O Börry Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Beyersche Burg

2

Beyersche Burg heißt eine Straße in Hildesheim.

Benannt nach einer Hofstätte in der Dammstadt (1332 zerstört) beim Beyerschen Tor (1324), die erstmals 1330 als "Beygerscheburch" bezeugt ist... Den Namen trägt das Grundstück zweifellos nach einer Person mit dem Namen Beyer (als Vorname belegt), worauf die besitzanzeigende Endung -(i)sch deutet.

Knott 3

Die Straße Beyersche Burg  liegt an der Ost-West-Straße genau gegenüber der Straße Bennoburg . Beide wurden erst in neuerer Zeit benannt, doch liegen sie ungefähr an Stelle ihrer Namensgeber. Im Mittelalter war "Bennopolis" als Alias für Hildesheim geläufig. Auf dem alten Stadtplan von 1693 sieht man im Osten die Hildesheimer Stadtmauer und in der Mitte das Gelände der Beyerschen Burg. Sie war von Armen der Innerste umgeben, deren einziger Rest der Blänkebach ist.

Im Mittelalter lag dort die Dammstadt, ein Stadtviertel von Hildesheim. Befestigt war das Gelände durch die umgebenden Gräben. Da die Innerste, die im Harz entspringt, für ihre Hochwässer nach der Schneeschmelze berüchtigt war, eignete es sich nicht zum ganzjährigen Aufenthalt, wohl aber als Sommerlager.

Die Schlacht fand statt, als sich Varus und seine Legionen auf dem Rückweg ins Winterhauptquartier befanden. [de] Varus´ Untergang
52° 09' 00" N 9° 56' 1" O Beyersche Burg in der Hildesheimer Dammstadt Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Börry

Rolf Bökemeyer  vermutete dort ein Römerlager. 4 Die auch auf modernen Luftbildern noch erkennbare, einem römischen Lager ähnliche Struktur gegenüber dem Atomkraftwerk Grohnde mag meines Erachtens auch ein Überbleibsel eines französischen Feldlagers aus dem Juli 1757 sein.

Auf Grund von Münzfunden konstruierte Bökemeyer   eine römische Straße Bad Pyrmont - Weserfurt - Börry - Ithpass - Lauenstein - Thüster Berg.

Gründung Hildesheims

Tiberius und die Gründung Hildesheims —— Eintrag in den Hildesheimer Annalen

In den Annales Hildesheimenses  wird in einem nachträglich hinzugefügten Satz berichtet, dass Hildesheim zur Regierungszeit des Kaisers Tiberius gegründet worden sei.

[577] Tiberius ann. 6. Langobardi, pulsis Romanis, Italiam adeunt. Gothi in Spania bifarie divisi mutua cede vastantur. 5781
[Bennapolim d fundatur Hildens. civitas].
d) post add.

Annales Hildesheimenses 1

Den Hinweis verdanke ich Wolfgang Meyer 2

Übersetzung

Im 6. Regierungsjahr des Tiberius dringen die Langobarden, nachdem sie die Römer vertrieben haben, in Italien ein. In Spanien schlachten die Goten, die sich in zwei Parteien abgespaltet haben, einander gegenseitig nieder. Später wurde hier in die Handschrift noch eingetragen (sagt der Herausgeber): Bennopolis, d. h. die Stadt Hildesheim, wird gegründet. Bennopolis ist eine auch sonst gebräuchliche Bezeichnung für das mittelalterliche Hildesheim.

Prof. Fidel Rädle 3

Die Bennoburg 4 lag neben der Beyerschen Burg.

Welcher Tiberius?

Porträt des Kaisers Tiberius II Constantin (578-582) auf einer Münze Feldzug des Tiberius Aus dem Kontext geht hervor, dass nicht der Tiberius (Kaiser von 14 v. Chr. ‒ 37 n. Chr.), der Bruder des Drusus, sondern [de] Τιβέριος Α′ Κωνσταντίνος / Tiberius I Constantinus  (oströmischer Kaiser von 578 - 582 n. Chr.) gemeint ist. Die abgebildete Münze zeigt sein Porträt. Naheliegend deutet man den Nachtrag so, dass in seine Regierungszeit die Gründung Hildesheims fiel, mit der er nichts zu tun hatte.

Eine ferner liegende Deutung ist die folgende: Der Autor des Nachtrages wusste, dass Hildesheim entweder von Tiberius I von Westrom selbst, als er Oberbefehlshaber in Germanien war (11 v. Chr. bis 6 n. Chr), oder später zu dessen Regierungszeit (14 v. Chr. - 37 n. Chr.) gegründet worden war, und trug das unter der Ära des Tiberius I von Ostrom in die Chronik ein, ohne zu merken, dass ein anderer gemeint war. Er war zugleich gelehrt und nachlässig.

Nach der Karte im Putzger-Geschichtsatlas zog Tiberius im Jahre 4 n. Chr. durch Hildesheim. In diesem Jahr schlug er das einzige rechtsrheinische römische Winterlager auf, von dem berichtet wird, das schon erwähnte ad caput Juliae.   Es liegt nach dieser Theorie genau da, wohin auf der Karte der grüne Pfeil zeigt, in Schellerten. Es allein war zu klein, die große römische Armee aufzunehmen. Es liegt also auch ohne den Hinweis in den Hildesheimer Annalen nahe, dass Tiberius in dessen Nachbarschaft ein oder mehrere weitere Lager errichten ließ, zumal auf dem Gebiet des heutigen Hildesheim, wo sich schon damals am Innersteübergang zwei Handelswege kreuzten (heute die Bundesstraßen 1 und 6).

Seinen Namen Hildesheim = Kampfesheim könnte es wegen der Schlacht bei Idistaviso   im Jahre 16 n. Chr. erhalten haben. 5

War Hildesheim eine Römergründung?

So lautet der Titel eines Aufsatzes von H. Dobbertin 6 . Darin bezieht er sich darin auf das oben wiedergegebene Zitat aus den Hildesheimer Annalen. Er stellt ferner die These auf, die ohne Zweifel aus einer Toranlage des Hellwegs umgebaute [de] Heilig-Kreuz-Kirche  sei römischen Ursprungs. Die Bennoburg deutet er als Binnenburg, an die die Stadt herangebaut worden sei.

Es gibt einen alten 7 wissenschaftlichen Streit darüber, ob Hildesheim schon vor der Gründung des Bistums (oder vor dessen Verlegung aus Elze) eine befestigte Stadt gewesen sei. 8 . Dass der Papst Elze als Sitz des Bistums nicht akzeptierte und dessen Verlegung nach oder Gründung in Hildesheim erzwang, wird damit erklärt, dass Hildesheim im Gegensatz zu Elze damals schon befestigt gewesen sei. 9

Siegfriedsage

Gegenüberstellung Sigurd - Arminius

Nach der Sigurdsage , der nordischen Version der Nibelungensage  erstach Sigurd aus einer Grube den Lindwurm Fafnir, als dieser von der Gnitaheide , wo er den Nibelungenhort bewachte, zum Wasser kroch 1 .

Wenngleich der größte Teil der Sage auf ein halbes Jahrtausend spätere Ereignisse 2 zurückgeht, spricht einiges dafür, dass dieser Teil auf die Varusschlacht anspielt:

Sigurd / Siegfried Arminius, Römer in Norddeutschland
s Otr  (= deutsch/englisch Otter, altgriechisch Hydros, indoeuropäisch *udrusoi (siehe Duridanov 3 ) wurde vom Gott Loki getötet. Zur Strafe zwangen Otrs Vater und Brüder die Götter, ein hohes Wergeld zu zahlen, den späteren Nibelungenschatz. Drusus  starb 9 v. Chr. nach einem Sturz vom Pferde. Die Beziehung zu dem im Wasser lebenden Otter ist zweifach: Drusus begann im Jahre 12. v. Chr. seine Feldzüge zu Wasser mit einer Flotte; er baute einen Kanal, die [de] Fossa Drusiana (Wikipedia) . Die Vorformen des nordgermanischen Wortes Otr leiten sich von dem indoeuropäischen udrusoi ab, das dem Namen des Drusus klangähnlich war.
Regin  (= Herrscher, Rat, auch Gott), Bruder des Otr, übernahm die Pflege Sigurds . Tiberius , Bruder des Drusus, war Statthalter in Germanien und Vorgesetzter des Arminius, als dieser ab dem Jahre 4 n. Chr. eine cheruskische Abteilung in römischen Diensten führte und sich das römische Bürgerrecht und den Rang eines Ritters (Velleius II 118) erwarb. Arminius war in Rom aufgewachsen. Reginus  (= lat. königlich, Prinz) wäre eine treffender Beiname für den Prinzen aus kaiserlichem Hause  (Th. Mommsen) . Ein späterer Tiberius, der Asiarch Tiberius Iulius Reginus, trug ihn sogar. Germanisch Regin  und lateinisch Reginus  stammen aus derselben Wurzel reg- = herrschen (lat. rex = König, ostgermanisch (gotisch, ähnlich cheruskisch) reiks = König).
Fafnir (= Umarmer) , Bruder des Otr und des Regin, vertrieb diesen, als er den Schatz gerecht teilen wollte. Er verwandelte sich in einen Lindwurm und bewachte den Schatz auf der Gnitaheide.

Varus  löste Tiberius als Statthalter in Germanien ab. Velleius Paterculus 4 schilderte ihn als habgierig:

Wie wenig er aber das Geld verachtete, zeigte Syrien, wo er Statthalter war: Arm betrat er ein reiches Land, reich verließ er ein armes Land.
Hialprek, König in Thiodi Teutoburgiensis
Sigurd hinterließt einen dreijährigen Sohn Sigmund, der getötet wird. Armins dreijähriger Sohn Thumelicus und seine Mutter wurden im Triumphzug mitgeführt, wie es auf dem Gemälde von Carl Theodor von Piloty  dargestellt ist. 5
Sigurd / Siegfried badete in Drachenblut und wurde dadurch (fast) unverwundbar. Von Arminius wurde berichtet, er habe in der Schlacht bei Idistaviso sein Gesicht mit Blut beschmiert, um sich zu tarnen.
Sigurd / Siegfried wanderte kurz vor seiner Ermordung am pfadlosen Fuße der Felsen von Idha. 6 Die Felsen des Gebirgszugs Ith. [de] Ith .
Hagen von Tronje / Troia ( [de] Thidrekssaga ) Bis zur Karolingerzeit wurde Xanten Troja genannt 7 , nach der Colonia Traiana.

Siegfried   ist von mehreren Autoren 8 9 10 11  mit Arminius  gleichgesetzt worden, siehe Wikipedia-Artikel über die [de] Arminius, Namensherkunft 12 . Im Folgenden sind diese Übereinstimmungen noch einmal aufgelistet:

Sigurd / Siegfried Arminius, Römer in Norddeutschland
Xanten , Heimatort Siegfrieds im deutschen Nibelungenlied Castra Vetera , 13/12 v. Chr. von Drusus errichtet, das Hauptlager der Römer in Deutschland zur Zeit der Varusschlacht, lag bei Xanten. Es war wahrscheinlich auch Ziel des Varus. Arminius war als Geisel der Römer oder als Kommandant römischer Hilfstruppen wahrscheinlich auch dort gewesen.
Sigurd, Siegfried Der Namensteil Sig-  war bei den Cheruskern geläufig: Segimer  (Vater des Arminius(?), Anführer der Germanen in der Schlacht bei Arbalo(?)), Segestes , Segimundus (Sohn des Segestes) 13 . Von Arminius kennen wir wie von seinem Bruder Flavus (= der Blonde ) nur den lateinischen Namen, der auf seine Stammeszugehörigkeit zu den Herminonen oder ebenfalls auf eine den Römern auffallende Eigenschaft anspielt: die blaue  Farbe seiner Augen, nach dem in Armenien gefundenen tiefblauen Mineral [de] Bergblau , einem Kupfersalz. Arminius, manchmal Armenius geschrieben, kommt aus dem Griechischen: Das griechische Η = Eta = langes E wird seit der nachklassischen Zeit bis heute als langes I gesprochen. Vergleiche auch die Diskussion unter Deutung des Namens Arminius .
Der Lindwurm Fafnir  wurde auf dem Wege zum Wasser von Sigurd von unten aus einer Grube, über die er kroch, erstochen. Varus  zog mit seinem Heereszug, der in seiner Länge von 20 km mit einem Lindwurm verglichen werden kann, nach Westen zum Rhein und wurde wiederholt aus dem Hinterhalt überfallen, eine ähnliche Strategie.
Siegfried / Sigurd wurde von den eigenen Verwandten getötet. Arminius gleichfalls.

Wir wissen von Tacitus , dass die Tat des Arminius ( [la] haud dubie libertator Germaniae 14 ) in Gesängen seines Volkes fortlebte.

Die Burgunder siedelten zur Zeitenwende noch nicht in Burgund, zu Wormse an dem Rheine , sondern waren östliche Nachbarn der Cherusker.

Drachentöterverehrung auf dem Thüster Berg

Wenn der Thüster Berg  der Teutoburgiensis Saltus  war, wurde im dortigen Heiligtum an der Sohleiche 15  vermutlich auch Arminius verehrt, und wenn die Gleichung Arminius = Siegfried gilt, also ein Drachentöter. Die Kapelle in Thüste ist dem Drachentöter St. Georg = St. Jürgen geweiht. 16 Bei der Christianisierung ging man behutsam vor: Ein heidnisches Heiligtum ersetzte man durch ein christliches ähnlicher Funktion.

Gnita heide = Gniest heide, Gnitten berg

Die Gniest auf der Karte des Fürstentums Hildesheim 1827 - 1840

Seit langem wird nach der Gnitaheide , dem Ort, wo Fafnir auf dem Gold lag, gesucht. Meines Wissens hat niemand einen in Frage kommenden Ort gefunden, dessen Name mit GNI beginnt. Solche Ortsnamen sind im Deutschen selten.

Da das Deutsche dazu neigt, ST  zu erhalten oder neu zu bilden, wo es in anderen Sprachen verschwindet (lat. nidus = Nest, franz. genêt = Ginster, Teuto = Thüste, Thuisto, norddeutsch fett = süddeutsch feist) müssen wir vielleicht statt nach GNIT  nach GNIST  suchen.

Wie die Karte des Fürstentums Hildesheim von 1827 - 1840 zeigt, gab es auf dem Stadtgebiet von Hildesheim eine Gniest-Heide.  Sie bezeichnete ein unfruchtbares Gebiet mit sandigem und kieshaltigem Boden, den die Innerste in der Eiszeit angeschwemmt hatte; noch heute erinnert der Name der Sandstraße in Himmelsthür daran. Einst umfasste die Gniest ein größeres Gebiet: Der benachbarte Mistacker  hieß wohl einst Gniestacker  und erhielt seinen zweiten Namen, weil er viel Düngung benötigte 17 . Der Hellweg führte durch sie hindurch.

Am unteren Bildrand rechts liegt die Beyersche Burg  und die Bennoburg, der Ort, an dem Hildesheim  gegründet sein soll.

Man beachte auch die Internetseite zur Gnitaheide von Heinrich Tischner 18 , mit dem ich eine fruchtbare Email-Diskussion zu diesem Thema geführt habe.

Karte des Unterlaufes des Bruchgrabens mit Gnittenberg, © Niedersachsen-Navigator 19

Die Gniest zog sich früher am Innerste-Ufer weiter nach Norden hin. Dort, wo der Bruchgraben = Elison  / Ilse  in die Innerste mündet, findet sich eine Flurbezeichnung, in der die Gnitaheide auch ohne das ST  fortlebt: der Gnittenberg  bei Sarstedt-Gödringen.

Gnita heide = Knetter heide?

Andere Autoren ( Otto Höfler, Rolf Bökemeyer 20 , Siegfried Schoppe 21 ) meinen in der Knetter heide bei Bad Salzufflen die Gnita heide der Edda zu erkennen. Ich halte den etymologischen Abstand Gnita - Knetter für mindestens ebenso groß wie den zwischen Gnita und Gniest / Gnitten. Ob Knetter oder Gniest — die Signifikanz der Ähnlichkeit bleibt gering, sofern keine weiteren Namensähnlichkeiten hinzukommen. Im Falle der Gniest kommt eine weitere hinzu, die Beyersche Burg .

Segestes

52° 02' 09,41" N 9° 56' 41,39" O Segeste Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Varus hielt sich mit seinem Heer vor der Schlacht im Cheruskergebiet auf, in der Heimat des Cheruskerfürsten Segest (Nom. Segestes , Akk. Segesten ), etwa dort, wo dessen Burg stand.

Was die Frage anlangt, wo die Burg zu suchen ist, in der Segestes  sich verteidigte 1 , so ist des öfteren vermutet worden, daß der Name des Dorfes Segeste , 12 km südlich von Hildesheim, mit der Gestalt des Segestes  in Verbindung stünde.

Lindemann 2

Unter den Autoren, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, ist vor allen Hermann Kreye 3 zu nennen.

Karte der Umgebung von Segeste, © Niedersachsen-Navigator 4

Irminsul

Karte der Umgebung von Irmenseul, © Niedersachsen-Navigator 1

Der Name des wenige Kilometer von Segeste entfernten Ortes Irmenseul , früher auch Armenseul , weist auf das Stammesheiligtum der Cherusker, die Irminsul, hin. Sie gehörten zu den Herminonen , einer Gruppe von Germanenstämmen.

Gibt es eine Beziehung Irmin - Arminius? Wie lassen sich die Säule und ihr Name deuten? Stand sie beim Dorf Irmenseul?

Deutung von Irmen

Irmen = Menhir

Die Kelten verehrten ihre Götter, insbesondere ihren höchsten Gott Teutates, an hohen aufgerichteten Findlingen, den Menhiren  (men = Stein, hir = lang). Auch die an der Grenze zwischen Germanen und Kelten siedelnden germanischen Cherusker verehrten in Thüste den Tuisto = Teutates, einen keltischen Gott. Es liegt nahe, dass sie es - dem keltischen Brauche folgend - an einem Menhir oder etwas Vergleichbarem taten. Als Germanen stellen sie das Adjektiv dem Nomen voran: aus Menhir wurde Hirmen. Da sie die keltische Bedeutung nicht mehr verstanden, wurde das Grundwort Säule hinzugefügt: Irminsul. Die Herminonen  wären danach die Stämme, die solche Säulen kultisch verehrten.

Irmin = allgemein, gewaltig

Irmin , urgermanisch *ermina  bedeutet allgemein, umfassend, gesamt, gewaltig , siehe [de] Wikipedia-Artikel Herminonen , ist also nicht der Name eines germanischen Gottes. Die Herminonen  sind also ein Stammeszusammenschluss, man vergleiche Alemannen = alle Mannen .

Deutung des Namens Arminius

Arminius = Angehöriger des Stammes der Herminonen

Unabhängig davon, welche der beiden Deutungen man bevorzugt, mag Arminius  nach seinem Stamm benannt worden sein. Die Cherusker gehörten nach Plinius dem Älteren nämlich zu der Stammesgruppe der [de] Herminonen . 2 Dagegen spricht, dass die Anfangsbuchstaben A und I / HE zu verschieden sind.

Arminius = der vom blauen Stein, der blaue

Armenier Stein Armenius lapis, ist ein Stein, so zwar dem Namen nach erst aus Armenien gekommen, nun mehr aber sich gar häufig in Teutschen Bergwerken befindet, und mehrenteils in Silber-Gruben, neben dem Berg-Grün, siehet grün-blau aus; daher das Berg-Blau vor die Mahler, daraus gemachet wird, davon eine Sorte immer feiner als die andere ist, nachdem nehmlich der Stein wohl gerieben, gewaschen und von Sand gesaubert worden.
3

Die altgriechische Form des Namens Arminius lautet Ἀρμηνίος,Ἀρμενίος / Armenios . 4

Florus schreibt den Namen ebenfalls mit e: … duce Arm e nio arma corripiunt … 5

Die germanische Form des Namens des Arminius ist nicht überliefert. Seine römische Form bedeutet: Der vom blauen Stein  oder der blaue.

Die deutsche etymologische Entsprechung des Namens seines Bruders Flavus = der Blonde ist der Blaue.

Noch heute ist ein Blauer Stein das Wahrzeichen der Stadt [de] Alfeld an der Leine und mit der Lippoldssage (siehe folgende Seite)  verknüpft; da diese im Kernland der Cherusker liegt, vermute ich, dass Arminius und sein Bruder Flavus nach diesem blauen Steine benannt worden sind. Später mögen die Namen der Brüder dann auf körperliche Eigenschaften (blaue Augen, blondes Haar) bezogen worden sein.

Deutung Irminsul

Irminsul = Weltenbaum Yggdrasil

Irminsul als Weltenbaum, Zeichnung von   Marianne Klement

Bei den Germanen und anderen Völkern gab es die Vorstellung, dass das Himmelsgewölbe auf einer Säule als Drehachse ruhe, die am Nordpol stehe. Diese Deutung wird in der deutschen Wikipedia im Artikel [de] Irminsul  vertreten. Rudolf von Fulda 6  fasst die Irminsul = allgemeine Säule  als Columna universalis = Weltallsäule   auf. (Vergleiche die oben diskutierte Wortbedeutung .) Damit ist sie der Weltesche Yggdrasil  gleichgesetzt. Sie leitet sich nicht von der Person des Arminius ab.

Die Irminsul als Arminsdenkmal

Die Irminsul nach Sebastian Münster. Holzschnitt aus Cosmographey, ca.1590 7 Hermannsdenkmal aus Wikipedia 8

Rechts eine Darstellung der Irminsul nach Sebastian Münster um 1590 (siehe Wikipedia-Artikel [de] Irminsul, Die Irminsul im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit ). Er meinte in seiner Cosmographia von 1550, mit der Irmenseul  sei der Gott Hermes  geehrt worden (vermutlich wegen der Ähnlichkeit Irmen - Hermes ). Es gab aber keinen Gott namens Irmen . So liegt es nahe, dass die dargestellte Person Arminius der Cherusker war. Der Name Irminsul  leitet sich nur indirekt (über Volksstamm und Person des Arminius) von irmin = allgemein  ab.

Ernst von Brandel , der Erbauer des [de] Hermannsdenkmals , mag davon inspiriert worden sein.

Dass Arminius dargestellt war, meint auch Johann Letzner 9 :

Es hat aber mit dem Bildnis der Armenseul/ die gestalt auff einer gantz schönen und zierlichen Marmolseul/ hat ein Bildtnis eines geharnischeten Kreigesmannes/ gestanden/ in mannigerley art Rosen und Blumen/ der hat ein Schwerdt an seiner Seite hangend/ und einen Hanen auff seinem Haupt fürend. In der rechten Hand aber füret er eine Fahne/ darin eine Rose gestanden/ unnd in der linckern Hand eine Wage. Auff der blossen Brust einen gemaleten Beren/ darunter ein Schild mit einem Lawen/ uber dem Lawen im Schilde/ eine Wage/ unnd unter dem Lawen eine Rose.

Dieses ist das Bildnis der Armenseul/ welchs in Monte Martis zu Marsburg oder Eresburg/ jtzt Stadt Berge genandt/ auff der Marmol Seul gestanden/ dem Arminio zu Ehren gesetzt/ aber von den heidnischen Sachsen zum Gott gemachet wurden.

Man soll zu Corbei/ bey der Armenseul/ sonst noch einen Stein gefunden haben/ darauff folgend Schrifft gestanden. Dux ego gentis Saxonum, Victoriam certam polliceor me venerantibus. Das ist/ Ich bin der Sachsen führer/ sage zu gewissen Sieg/ denen die mich ehren.

Die Irminsul im Hildesheimer Dom

Im Jahre 772 ließ Karl der Große die Irminsul zerstören. 50 Jahre später sollten die Reste, die bei Corvey aufgefunden worden waren, zum Hildesheimer Dom gebracht werden. Die Säule war zerbrochen, die darauf gestandene Figur war von den Sachsen schon wieder erlangt worden. Beim heutigen Ort Irmenseul hätten Sachsen den Tross überfallen, um auch der Säule wieder habhaft zu werden, doch ohne Erfolg. Noch heute steht im Hildesheimer Dom eine Mariensäule, die seit alters her Irmensäule  genannt wird. (Aus der heidnischen Irmensäule eine christliche Mariensäule zu machen, legte wieder eine Namensähnlichkeit nahe: IRMen -> MaRIen .) Sie besteht aus Kalksinter ‒ während eine gewöhnliche Irminsäule als Holz bestand. 10

Noch einmal Johann Letzner :

Als nun Carolus Magnus Anno Christi 772. Indict 10. Die Sachsen bey Osenburgk erlegt und geschlagen/ hat er diesen Götzen zerbrochen unnd hernider geworffen. Und weil er vermerckt/ das sie die Seul ja so heilig achteten als das Bild/ hat er bey nachtschlaffender zeit/ und in aller geheim/ die Seul biß an die Weser führen und bringen lassen/ und an den ort da jtzund das Keiserliche frey stifft Corbei stehet begraben lassen. Der Meinung wann sie ersten den leuten auß den augen keme/ würde sie auch dem Hertzen bald entfallen. Nach Caroli Magnus absterben aber/ unnd als sein Sohn Lodowicus Pius/ Römischer Keyser wurden/ das Closter Corbei unnd das Stifft Hildesheim gestifftet/ und die Seul zu Corbei ungefehrlich gefunden würden/ hat sie Lodowicus Pius/ damit dadurch die Sachsen deß orts nicht widerumb mochten erreget werden/ gen Hildesheim in das newe Stifft führen und bringen lassen/ wie Conradus Fontanus monachus schreibt. Nun kündt gleichwol dieses so heimlich nich verrichtet werden/ die Westvalen würden dessen gewahr/ versammelten sich/ unnd wurden der sachsen miteinander einig/ der Armenseul zu folgen/ unnd die wider uber die Weser zu bringen. Nun sind sie gantz grimmiglich und ernstlich/ dem Wagen biß in die Graffschaft Wintzenburgk gefolget/ und an dem ort da jetzundt das Dorff Armenseul stehet/ an den Wagen komen/ denselben mit ernst angeffallen/ der meinung/ der Seul worauff ihr Gott gestanden/ mechtig zu werden. Da gegen die andern/ so bey den Wagen verordenet sich tapffer gewehret/ und manhafftig vor die Seul gestritten/ also das daselbst in so geringem Scharmützel/ umb eines todten steins wille[n] acht man von beiden theilen todt liggende blieben sindt. Die Keiserschen aber haben den Platz behalten/ und die Marmelseul zu Hildesheim in den Thum bracht. Man hat aber zum Gedechtnis den ort/ da das Scharmützel gehalten/ Armenseul genandt/ auch dahin etzliche Leichstein gesetzt und auffgericht/ so ist auch nach zeiten ein Claus mit einer Capell dahin gebawet/ die man gleichfals Armenseul genandt hat. Endtlich ist dabey ein Dorff wurden/ dabey die Junckern von Stockheim erstlich von den Graffen von der Wintzenburgk/ darnach vom Bischoff zu Hildesheim etzliche Güter in Lehnschafft gehabt/ unnd noch jtzundt von den Fürsten von Brunschwig in Lehnschafft haben.... Man soll zu Corbei/ bey der Armenseul/ sonst noch einen Stein gefunden haben/ darauff folgend Schrifft gestanden. Dux ego gentis Saxonum, Victoriam certam polliceor me venerantibus. Das ist/ Ich bin der Sachsen führer/ sage zu gewissen Sieg/ denen die mich ehren.

Letzner erwähnt noch einen alten Hildesheimer Brauch, der sich anscheinend auf die Irmensäule bezieht:

So wird auch noch alle Jahr/ daselbst zu Hildesheim/ Sonabends nach Laetare/ vielbemelter Armen Seul (weil sie vielleicht am selben tage dahin mag komen sein) eine Memoria auff dem kleinen Thumhoffe/ folgender gestalt gehalten. Am selben tage (wie jtzt vermeldet) kömpt dahin ein Bawresman/ sonderlich dazu deputirt und bestellet/ unnd bringet mit sich zwey Höltzer/ jglichs eines Klaffters lang daneben zwey zugesitzte Höltzer/ in form und gestalt eines kiegels zugericht. Die beiden grossen Höltzer aber/ setzt er gegen einander in die Erden/ unnd die kleinen gespitzeten Höltzer oder Kiegel darauff. Baldt unnd in der eil/ versammeln sich dahin allerley Buben und jung Gesindlein/ werffen mit steinen und Stocken/ damit die zugespitzten Höltzer oder Kiegel (wodurch die Heidnischen oder Teufflischen Götzen gemeinet unnd verstanden) herab geworffen werden/ Baldt sind andere da/ denen dieses Spiel so wol gesellig ist/ und setzen die gespitzten Höltzer wieder auff/ unnd so fort/ Wie dann auch die Sachsen ihre abgeschaffete und nidergeworffene Götzen/ vielmals wieder auffgerichtet. Also wird daselbst alle Jahr auff benandten tag/ der Armen Seul gedechtnis gehalten."

Letzner  l.c.. 11

Einen ähnlichen Brauch gab es auch in Halberstadt. 12

Stand die Irminsul bei Irmenseul?

Die neue Irminsul bei Irmenseul

Folgt man Letzner 's Bericht, so stand die Irminsul nicht bei Irmenseul, sondern wurde dort, wo später das Dorf entstand, nur vorbeitransportiert. Er nimmt an, sie sei identisch mit der von Karl dem Großen zerstörten Irminsul, die wahrscheinlich auf der Eresburg bei Obermarsberg gestanden hatte.

Sie kann nicht vom Typus Baumstamm als Weltensäule  gewesen sein, wie Rudolf von Fulda (gestorben 865) sie beschreibt:

Truncum  quoque ligni  non parvae magnitudinis in altum erectum sub divo colebant, patria eum lingua Irminsul appellantes, quod Latine dicitur universalis columna, quasi sustinens omnia.
Sie verehrten auch unter freiem Himmel einen senkrecht aufgerichteten Baumstamm  von nicht geringer Größe, den sie in ihrer Muttersprache ,Irminsul‘ nannten, was auf lateinisch ,columna universalis‘ (dtsch. All-Säule) bedeutet, welche gewissermaßen das All trägt.
13

Die von Letzner  beschriebene Hildesheimer Armenseul war vom Typus Arminsdenkmal ;  sie bestand aus Stein ( Marmelseul ) und nicht aus Holz ( truncum ligni ) wie die von Rudolf von Fulda beschriebene. Auch der Ort Irmenseul  hieß einst Armeseul .

Letzner über die Armenseul 14

Wenn man es für unplausibel hält, dass die Trümmer der Säule ein halbes Jahrhundert (von 772 bis 822) im Boden vergraben liegen gelassen wurden, um sie dann über 72 km nach Hildesheim zu schaffen, bietet sich noch folgende alternative Erklärung an: Unweit des späteren Dorfes Irmenseul stand eine weitere Irminsäule mit einem Standbild, das noch kultisch verehrt wurde. Ludwig der Fromme ließ sie gewaltsam abreißen (daher die 16 Gefallenen) und zum neuen Dom von Hildesheim bringen. Oberhalb von Irmenseul liegt ein Berg namens Teufelskirche , der als Standort in Frage kommt (siehe Karte am Seitenanfang ). Solche Flurbezeichnungen weisen auf alte heidnische Heiligtümer hin.

Lippoldsage

Der Blaue Stein von Alfeld

Der Blaue Stein erscheint als Schildbuckel im Wappen der Stadt Alfeld. Der Blaue Stein liegt noch heute vor dem Rathaus der Stadt Alfeld. 1

Auf der vorigen Seite  habe ich gezeigt, dass Armenius lapis   blauer Stein  bedeutet.

Der Blaue Stein  ist das Wahrzeichen der Stadt Alfeld; 2 , als Schildbuckel ziert er seit dem Jahre 1492 das Stadtwappen und liegt noch heute vor dem Rathaus. 3 Er und die Lippoldshöhle  sind durch die Lippoldssage  verknüpft.

Lippoldssage

Die Sage gibt es in mehreren Versionen: 4

Ihre Fabel ist folgende: Der in der nach ihm benannten Höhle hausende Wegelagerer Lippold raubt eine Braut aus vornehmer Familie macht sie zu seinem Weibe. Er tötet die gemeinsamen Kinder und hängt sie an Bäume. Die junge Frau hat geschworen, keinem Menschen etwas zu verraten, und klagt ihr Leid dem Blauen Steine, was Umstehende mithören. Ihr Vater oder ihr ehemaliger Bräutigam lassen Lippold strangulieren.

Friedrich Timmermann   setzte Lippold mit Arminius gleich. 5 Die Sage errinnert in mehreren Punkten an das, was über Arminius überliefert ist:

6

Die Lippoldshöhle

… liegt genau zwischen der Thüster Burg und der Winzenburg (siehe folgende Seite ) und ist wie jene eine alte Sperrburg.

51° 58' 59"" N 9° 45' 19"" O Lippoldshöhle Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps
Im Mittelalter dürfte die Höhle dann zu einer Sperrburg ausgebaut worden sein. Mit der Glieneburg, wahrscheinlich ebenfalls schon viel älter, und der Burg Hohenbürchen war es jedenfalls möglich, zwei wichtige Wege unseres Raumes, nämlich den Weg vom Leineübergang südlich Greene nach Coppenbrügge zwischen Selter - Helleberg - Reuberg - Duinger Berg - Thüster Berg auf der einen und Hils - Ith auf der andern Seite als Flankenschutz, sowie den Zugangsweg vom Leinetal her duch die Schlucht (das Lippoldshohl genannt) zu dieser vorher genannten Wegeverbindung und damit in den Weserraum gründlich zu sperren.
7 Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

Der Blaue Stein befindet sich am Rathaus von Alfeld, die Lippoldshöhle am Reuberg (Teil des Höhenzuges Thüster Berg - Selter) zwischen Limmer (einem nördlichen Ortsteil von Alfeld) und Coppengrave. Die Thüster Burg befand sich am Thüster Berg, die Winzenburg, eine weitere Sperrburg, nordöstlich des Selters und östlich von Freden. Sie wird auf der nächsten Seite  behandelt.

Winzenburg

Wo waren die schwer passierbaren Gebirgswälder?

Gerhard Schwanke  (Bielefeld) hat mich in einer E-Mail auf folgenden Widerspruch hingewiesen:

Das Gelände bei Kalkriese stimmt in keiner Weise mit den Schilderungen der Örtlichkeit in den Annalen des Tacitus überein. … Bei Kalkriese hat höchstens ein Überfall auf die nach der Schlacht um 9 n.Chr. geflüchtete Reiterei der Römer oder im Jahre 15 n. Chr. ein Überfall auf die Truppen des Germanicus stattgefunden haben, als Germanicus das Schlachtfeld zur Bestattung der gefallenen Römer gesucht hat.

Aus der Germania und den Annalen geht klar hervor , dass die Cherusker nicht im Raume des heutigen Osnabrück sondern östlich der Weser lebten. Armin wird aus strategischen Gründen die Überfälle, die vernichtende Schlacht und die Fallen in einem ihm und den germanischen Truppen gut bekannten Gebiet und Gelände geplant und vorbereitet haben , das heißt also, in dem Gebiet der Cherusker, das den römischen Truppen völlig unbekannt war.

Ich stimme mit ihm überein und füge noch hinzu: Auch die Geländeverhältnisse, wie Cassius Dio sie geschildert hat, passen nicht zu Kalkriese. Ich postuliere zwar einen Marsch aus der Gegend um Hildesheim und dem nördlichen Harzvorland nach Westen, ungefähr wie auf der Karte eingezeichnet. Aber zumindest dessen erster Teil kann nicht nur dem Hellweg gefolgt sein, da Cassius Dio  schreibt:

… zogen nun gegen ihn, als er schon in schwer passierbare Gebirgswälder geraten war.

Von Dio  wissen wir, dass sich Varus zwar auf dem Rückmarsch befand , aber wohl einen Umweg machte, um einen kleineren Aufstand nebenbei niederzuschlagen. So war er in das gefährliche Gebiet gelockt worden.

Feldzug des Varus von Segeste über Porta Westfalica von Google Maps berechnet
Stationen des Varus-Feldzuges 9 n. Chr.
B Segestes / Segeste
C Irmenseul
D Winzenburg
J Castra scelerata / Schellerten
I Hildesheim
H Aliso / Elze
G Porta Westfalica
F Kalkriese

Wenn der Marsch in der Gegend um Hildesheim oder östlich davon begann, dann bedeutet ein Umweg durch Gebirgswälder einen Umweg nach Süden; denn nördlich von Hildesheim gibt es keine. Der Hellweg (die heutige Bundesstraße 1) entspricht nicht der Beschreibung Cassius Dio' s. Welche Wege nach Süden kommen in Frage?

Das Bild zeigt den von Google-Maps berechneten Fußweg von Hildesheim an Segeste und Irmenseul vorbei in Richtung Selter bei Freden nach Winzenburg. Die erste Waldschlucht, die erreicht wird, ist der Römergrund 1 bei Winzenburg.

Hierzu schreibt Schwanke:

Das Tal zwischen den beiden Wallburgen ist wie ein Trichter oder wie eine Fischreuse, wenn eine große Truppeneinheit erst in dem Tal ist, gibt kein Zurück mehr. Die Römer konnten hier von drei Seiten vernichtend angegriffen werden. Übrigens, bei Google hat das Tal die verblüffende Bezeichnung „Römergrund“.

Natürlich mag das Waldgebirge Sackwald noch an anderer Stelle überquert worden sein, zum Beispiel bei Alfeld. Doch keine Stelle ist so günstig für einen Überfall, und keine liegt so nahe am Selter, den ich für den südlichen Teil des Saltus Teutoburgiensis halte.

In den Apenteichen bei der Winzenburg sind römische Münzen aus dem ersten vor- und nachchristlichen Jahrhundert gefunden worden. [de] Freden (Leine) Geschichte

Als Karl der Große die Sachsen unterwarf, ließ er auf der Hohen Schanze  eine Missionsstation errichten. 2 Später diente die Winzenburg der Verteidigung des Bistums Hildesheim nach Süden.

Kontrolle der Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße

Die Winzenburg, die Burgen um die Lippoldshöhle und die Thüster Burg  = Teutoburg  kontrollierten im Mittelalter die sogenannte Rhein-Weser-Leine-Oker-Elbe-Straße , die den Selter  = Saltus beim Dör und die Leine bei Freden querte, unterhalb der Winzenburg  durch den Römergrund verlief und weiter am Nordrand des Harzes in die Gegend von Quedlinburg / Halberstadt führte. 3

Die Hödeken-Sage

Nach einer sehr alten Sage hatte die Winzenburg einen Schutzgeist namens Hödeken  = Hütchen , der, sonst unsichtbar, nur an seinem kleinen weißen Filzhut zu erkennen war.   4 .

Dieses Attribut wird sonst Siegried (Tarnkappe) oder Wotan (Filzhut) zugeordnet. Vielleicht ist hier ein Rest des mit der Irminsul  verehrten Gottes in der Sage erhalten geblieben.

Auch vom Thüster Berge erzählt man eine ähnliche Sage; Hödeken  heißt dort Hoike . 5

Wenn Hödeken und Robin Hood  identisch sind, wie Leslie Stephen  behauptete, 6 spricht das für ein hohes Alter der Sage.

Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator Google-Maps Geländebild Winzenburg - Freden,   der Höhenzug, den die B3 überquert, ist der Selter Quelle: © Archäologieführer Deutschland / wek-Verlag

Fazit des Abschnitts Teutoburg

Nach Cassius Dio  zog Varus mit seinen Legionen durch schwer passierbare Gebirgswälder. Wenn wir davon ausgehen, dass der Marsch in der Gegend um Hildesheim oder östlich davon begann, kann er nur südlich des Hellweges (der heutigen B1) marschiert sein. Es kommt dann als nördlichster solcher Weg die Linie Winzenburg - Selter - Burgen um die Lippoldshöhle - Thüster Burg in Frage.

Argumente für diese These sind:

Das Lager Aliso(n) , wohin sich Überlebene der Schlacht flüchteten, lag nicht auf dem Rückweg der Legionen, aber seitlich davon. Wir lokalisieren es bei Elze . Auch dafür sprechen frühere Namensformen von Elze ( Alison, Alizun ).

Eine Verbindung zum ersten Teil dieses Aufsatzes, dem über Arbalo , ergibt sich aus der dem dort lokalisierten Ort der Tropaia Drusu , die sich unweit von Aliso befanden.

Hildesheim wurde zur Zeit eines Tiberius gegründet. Auf mögliche Spuren des Namens Varus in und um Hildesheim ist hingewiesen worden.

Feldzug des Varus von Segeste über Porta Westfalica von Google Maps berechnet
Stationen des Varus-Feldzuges 9 n. Chr.
B Segestes / Segeste
C Irmenseul
D Winzenburg
J Castra scelerata / Schellerten
I Hildesheim
H Aliso / Elze
G Porta Westfalica
F Kalkriese

Idistavisisches Feld

Idistaviso

Die Schlacht auf dem Campus Idistaviso   (Idistavisischen Felde)   16 n. Chr. war wohl die größte des römisch-germanischen Krieges. Auf römischer Seite sollen 80000 Mann beteiligt gewesen sein. Nach Tacitus : Annalen II, 16  habe der Ort zwischen der Weser und einer bewaldeten Hügelkette gelegen. Die Breite dieser Ebene habe entsprechend dem Abstand des Flusses von den Hügeln variiert.

Die bisherigen Lokalisierungen beziehen sich auf diese Textstelle und suchen den Ort an der Weser.

Bisherige Lokalisationsversuche

Schmidt, Mommsen: bei Bückeburg

Nach Mommsen  griff Germanicus die Cherusker auf dem rechten Ufer der Weser  an. Er legt sich, was den genauen Ort von Idistaviso  angeht, nicht genau fest, hält aber die Gegend von Bückeburg, Schmidt folgend, für plausibel.

Dobbertin: bei Evesen

Dobbertin  vermutet Idistaviso  bei F Evesen .

Schoppe: vor dem Ith bei Bodenwerder

S. G. Schoppe und Söhne 1 lokalisieren Idistaviso am rechten Weserufer bei Bodenwerder und Tuchtfeld vordem Hange des Ith's.

Das Gelände entspricht der Überlieferung: Östlich der Weser steigt es zunächst steil an, bildet, indem es leicht abfällt dann wieder leicht ansteigt, einer Hochebene, die von den Klippen des Ith's wie von einer Mauer begrenzt wird. Auf dem Foto blickt man vom Hange des Iths über Hunzen und Tuchtfeld nach Nordwesten auf die Hügel, hinter denen die Weser liegt.

Meines Erachtens lässt sich der Name Ith  nicht von Id istaviso  herleiten; denn frühe Namensformen lauten Igath, Gigath, Montes Niterini, Nithe-Mons / Nithe-Berg, Nieth . 2

Lag Idistaviso  an der Innerste  ( Indrista, Indistria ) ?

Idistaviso  scheint aus zwei Teilen zu bestehen: Idista - viso(n).

Der zweite Teil, zu dem in den obliquen Kasus ein n  zu ergänzen ist, entspricht wohl unserem Wort Wiese,   campus  wäre dann seine Übersetzung ins Lateinische. Bis hierher stimme ich mit Jakob Grimm überein, siehe Schmich 3  Die Übereinstimmung gilt sowohl für den Wortstamm vis-   Wies-   wie auch für die Deklination: lateinisch -o, Gen. -onis ist der deutschen schwachen Deklination -e, Gen. -en(s) äquivalent, siehe Wikipedia [en] Gothic language .

Damals war Deutschland weitgehend von Wald bedeckt. Auch heute ist Wald die vorherschende potenziell natürliche Vegetation. Ein Schlachtfeld als freie Fläche konnte es nur in Folge von Rodung oder Überflutung durch einen Fluss geben.

Das Wort Wiese  hatte vor 2000 Jahren eine etwas andere Bedeutung, die im Namen [en] Ouse  einiger englischer Flüsse, im Namen des belgisch-französischen Flusses Oise  und in der englischen etymologischen Entsprechung ooze  fortlebt:

ooze = soft liquid mud, esp. on a river-bed, the bottom of a pond, lake, etc…. 4

Der campus Idistaviso  war also ein Gebiet an einem Fluss (wie Tacitus es beschreibt), auf dem sich wegen häufiger starker Überschwemmungen kein Wald halten konnte.

viso  lautet ähnlich wie Visurgis  / Weser  (mit dem es etymologisch verwandt sein dürfte). Das mag Tacitus dazu verleitet haben, Idistaviso  an der Weser anzusiedeln. Doch liegt es näher, dass das Bestimmungswort Idista  den Fluss bezeichnet, der das Land überschwemmte.  Ihrem Namen liegt die indogermanische Wurzel oid   zu Grunde, die schwellen  bedeutet (vgl. griechisch Ödem , siehe Brockhaus-Artikel ).

Ich erkenne in Idista die Innerste,  an der Hildesheim liegt. Bevor es die Innerste-Talsperre gab, war sie ein Fluss, der nach der Schneeschmelze stark anschwoll und starke Überschwemmungen verursachte. Ihr heutiger Name scheint wenig mit Idista  zu tun zu haben. Ältere Formen des Namens ( Indrista  aus dem Jahre 1013, Indistria  1313, siehe Brockhaus-Artikel)  zeigen jedoch eine starke Ähnlichkeit. 5

Karte vom Unterlauf der Innerste, © Niedersachsen-Navigator 6

Wenn die Hypothese zutrifft, bleibt für den Campus   Idistaviso  = Innerstewiese    nicht mehr viel Raum: Er muss sich im Bereich des Unterlaufes der Innerste befunden haben, dort, wo das Tal breit genug ist, aber noch vor ihrem Eintritt in die norddeutsche Tiefebene, also nicht nördlich Hildesheims, das Kampfesheim  bedeutet ‒ ein treffender Name für den Ort der ersten Völkerschlacht auf deutschem Boden.

Silva Herculi sacra

Sammelplatz germanischer Truppen östlich der Weser 16 n. Chr.

Karte des Unterlaufes der Innerste, © Niedersachsen-Navigator 1

Aus Tacitus : Annales II 12  wissen wir, dass sich die germanischen Truppen unter Arminius unmittelbar vor der Schlacht bei Idistaviso  = Innerste-Wiese  in einem dem Herkules heiligen Haine sammelten. Germanicus, der die Weser überquert hatte, erfuhr es von einem Überläufer.

[la]

Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae; convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram  ausurosque nocturnam castrorum oppugnationem.

Ortelius' Karte des alten Deutschlands

Der griechisch-römische Gott Herakles / Hercules  wird dem germanischen Donar  = Donner zugeordnet. 2 Wir suchen also am Unterlauf der Innerste (siehe Karte) nach Ortsbezeichnungen, die auf Donar  zurückgehen.

Noch aus einem anderen Grund haben wir es hier zu suchen: Ortelius lokalisierte den Herkuleshain zwischen Tropaea Drusi  und Luppia , nach unserer Theorie also zwischen Elze und Dingelbe .

Jede Theorie, die das Idistavisische Feld lokalisiert, sollte auch einen dem Herkules heiligen Hain vorweisen können. Natürlich mag es viele Orte geben, deren Name sich auf Herkules = Donar zurückführen lässt, in dem Gebiet, das für die Schlacht in Frage kommt, grob geschätzt 250000 km², vielleicht 100 Orte. In dem schmalen Streifen am Unterlauf der Innerste von ca. 10 km Breite und 25 km Länge, wo ich die Schlacht lokalisiere, sind dann 250 km² / 250000km² * 100 = 0,1 solche Orte zu erwarten, also eigentlich keiner. Wenn wir dennoch einen finden, spricht das für die Theorie, weil es unwahrscheinlich ist.

Derneburg

Karte der Umgebung von Derneburg © Niedersachsen-Navigator
52° 05' 39,57" N 10° 08' 03,92" O Derneburg Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Das Schloss Derneburg  steht am Hang des Donnerberges . Die alte Derneburg ist längst zerfallen; die heute so genannte Derneburg  ist ein mittelalterliches Kloster, das Georg Friedrich Ludwig Laves in den Jahren 1846 – 1848 im Auftrage des Grafen von Münster zum Schloss umgebaut hat. Zuvor hatte Laves auf dem Gipfel des Donnerberges den sogenannten Tee-Tempel errichtet. Als Vorbilder dienten Laves die dorischen Tempel Süditaliens, deren ältester der des Herakles und deren größter der des Zeus ist – beide in Agrigent. War er sich der Gleichung Donar  = Herkules  oder Jupiter  bewusst?

Donnerberg mit dorischem Tempel im Jahre 1886

 Die Photographie aus dem Jahre 1886 zeigt den Donnerberg, im Vordergrund den Schatten des Schlosses, links in der Ferne das dorische Tempelchen. Weitere Informationen bei Gemeinde Holle 3  und Glashaus 4 .

Ob der Name Derneburg  etwas mit Donar  zu tun hat, mag bezweifelt werden; üblich ist die Deutung Tarnburg  von altsächsisch derni  = versteckt, getarnt . Der Name des Donnerberges , an dessen Hang sie steht, leitet sich aber von Donar  ab.

Der Tempel wurde neben einem überlebensgroßen Standbild des heiligen Josephs errichtet. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sich hier schon ein germanischer Kultplatz befand, und dass das christliche Kultmal an dieser Stelle die religiöse Tradition des Ortes aus germanischer Zeit fortführte. 5

Die Feldzüge der Jahre 15 und 16 n. Chr. bei Lindemann

Kurt Lindemann: Der Hildesheimer Silberfund / Varus und Germanicus, Seite 56 Karte aus Kurt Lindemann: Der Hildesheimer Silberfund / Varus und Germanicus, Seite 72

Kurt Lindemann  lokalisierte die Teutoburg im Innerstetal oberhalb Hildesheims unweit des Silberfundes. Folglich nahm er auch an 6 , Germanicus sei auf seinem Rachefeldzuge 15 n. Chr. ins untere Innerste-Tal vorgedrungen.

Ich vermute hier den Ort der Schlacht auf dem Campus Idistaviso 16 n. Chr.., die Lindemann , Tacitus  folgend, an der Weser lokalisierte. Manche seiner Überlegungen lassen sich übernehmen. Dass beide Schlachtorte nicht weit von einander entfernt waren, ergibt sich daraus, dass Germanicus wie schon 15 n. Chr. kurz vor der zweiten Schlacht den Ort der ersten aufsuchte, siehe Tacitus : Annales II 7 . Lindemann 's Karte zeigt, dass das Gelände der dortigen Beschreibung entspricht: is medius inter Visurgim et collis, ut ripae fluminis cedunt aut prominentia montium resistunt, inaequaliter sinuatur.  

Ordnete Lindemann  den Silberfund  der Schlacht bei Teutoburgiensis saltus  zu, so halte ich einen Zusammenhang mit der bei Idistaviso  für wahrscheinlicher.

Walshausen

Der Campus Idistaviso  wird also am rechten Innersteufer zwischen Derneburg und dem Fundort des Silberschatzes lokalisiert. Ein Ortsname, der vielleicht auf die Schlacht zurückgeht, ist der des Gutes [de] Walshausen , erstmals im Jahre 1146 erwähnt als Waleshusen . Wal  bedeutet Schlachtfeld  und ist in Wörtern wie Walküre, Walstatt  erhalten geblieben. 7

52° 6′ 30.01″ N 10° 0′ 45.75″ O Bing Maps GeoHack Google Maps Mapquest Yahoo Maps

Auch auf dem Sarkophag aus dem Jahre 1153 des Bischofs Bernhard in der Kirche St. Godehard zu Hildesheim ist der Ort genannt. 8

Der Name des Nachbarortes Heersum  geht nicht auf Heer zurück, sondern ist eine Verkürzung von Haederichesem, Hathericeshem, Haderichesem . 9 10

Hildesheimer Silberfund

Hildesheimer Silberfund

Die Römer waren nicht lang in der Gegend von Hildesheim; bald nach der mäßig erfolgreichen Schlacht auf dem Idistavisischen Felde 16 n. Chr. ordnete Kaiser Tiberius den Rückzug aus dem nördlichen Deutschland an. Neben der schon erwähnten Wegbefestigung  haben sie eine bedeutende Spur in Hildesheim hinterlassen:

Athenaschale

Im Jahre 1868 entdeckte der Soldat August Armbrecht bei der Anlage eines Schießstandes am Fuße des Hildesheimer Galgenberges unweit der gleichnamigen Gaststätte einen Silberschatz aus römischer, vermutlich augusteischer Zeit. Er umfasst ungefähr 60 silberne Gefäße mit einem Gesamtgewicht von 54 kg.

Der Schatz scheint hastig vergraben worden zu sein, mit dem Ziel, ihn nach kurzer Zeit wieder zu bergen.

Münzen fehlen leider. Der Schatz lässt sich darum nur schwer datieren.

Aus den Inschriften macher Stücke lässt sich darauf schließen, dass sie einst römischen Soldaten gehörten: Die Embleme der Kybele-Schale und der Attischale z. B. gehörten einem Quintus Agrius aus der Centurie des Nasonius und waren wohl Tapferkeitsauszeichnungen. 1 Besitzer war also kein hoher  römischer Offizier (z. B. dem Varus), sondern eine Gruppe besser gestellter Legionäre (vgl. aber Gehrig ). Da Agrius noch kein Cognomen führte, muss die Inschrift wahrscheinlich vor 50 n. Chr. geschrieben worden sein; denn ab dann wurden Cognomen zur Regel.

Es ist vermutet worden, dass die Stücke einem Händler gehört hätten. Da aber Speisegeschirre nie in germanischen Grabinventaren gefunden worden sind, ist es unwahrscheinlich, dass jemand damit handelte. 2

Also steht der Schatz wahrscheinlich mit einer militärischen Aktion im Zusammenhang. Die spätest mögliche wäre der Bataveraufstand 69/70 n. Chr. 3 , doch spricht die Entfernung dagegen.

Manche Gegenstände, die man paarig erwartet, sind nur einmal vorhanden, was darauf hindeutet, dass der Schatz geteilt worden war. 4 Aber es gibt auch vollständige Speisegeschirre als Dreiersatz, wie man aus durch Inschriften nachweisten kann. Dreiersätze kennt man nur aus Gallien und Germanien.

Der Schatz wurde vielleicht geopfert. Wenn es Römer waren, dann kommt als Anlass die Errichtung des Altars für Drusus (siehe Tacitus : Annales II 7 ) nach dessen Tode im Jahre 9 v. Chr. in Frage.

Heraklesschale Der Fund wurde auch in den Zusammenhang mit der Niederlage des Varus gegen Armin den Cherusker in der Schlacht beim Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr gebracht, so von Kurt Lindemann  (1967). Jedoch konnte seine Vermutung, die Schlacht habe bei Derneburg stattgefunden, nicht bewiesen werden. Gehrig 5 meint in seinem Buch über den Hildesheimer Silberfund:

Beide Theorien, wie jede Vermutung über die Herkunft des Silbers, sind unbeweisbar, und die Lösung dieser Fragen ist mit den heutigen Kenntnissen nicht möglich. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der unvollständige Silberschatz wahrscheinlich als der Besitz einer einzigen Person anzusehen ist. Die Vergrabung mag in einer unglücklichen Situation während eines Feldzuges des Drusus , Tiberius oder des Germanicus von einem Römer vorgenommen worden sein, doch läßt sie sich nicht mit einembestimmten historischen Ereignis verknüpfen.

Am wahrscheinlichsten ist noch, dass der Schatz während der Varusschlacht erbeutet wurde, da sie als einzige mit einer Niederlage endete.

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Quelle

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Verweise auf Literatur und Internet

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    • Pörtner, Rudolf: Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit, Städte und Stätten deutscher Frühgeschichte; Econ Verlag; Düsseldorf 1962
  • Castra Scelerata
  • Elison (Ἐλίσων)
    • Pörtner, Rudolf : Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit, Städte und Stätten deutscher Frühgeschichte; Econ Verlag; Düsseldorf 1962 ; Seite 26.
    • SFV Sarstedt: Photographien des Bruchgrabens
  • Lupias (Λουπίας)
    • Groß-Lobke (Internet-Präsenz der Gemeinde) http://www.gross-lobke.de .
    • Johann Ludwig Klüber: Versuch über die Geschichte der Gerichtslehen, Erlangen, 1785, Seite 82
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    • Mehlis, Christian: Des Claudius Ptolemaeus "Geographia und die Rhein-Weserlandschaft; in: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in München, 13. Band, 1. Heft, 1918; zitiert nach Lelgemann."
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    • Tacitus: Annales I 63
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    • Tacitus: Annales I 64.
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  • Lage der Tropaea Drusi
  • Tropaea Drusi bei Historikern unserer Zeit
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    • Germania
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    • Schulze, Karl H.: Die Ortskoordinaten des Klaudios Ptolemaios für Germanien; Dortmund; 2013-12-12; unveröffentlicht, brieflich; Seite 9
  • Aliso Literaturstellen
    • Cassius Dio: 54,33
    • Friedrich Koepp: Die Römer in Deutschland, Bielefeld und Leipzig 1905, Seite 22.
    • Tacitus: Annales II 7
    • Tacitus: Annales II 7
    • Velleius Paterculus: 2
    • Velleius Paterculus: bei George Mason University; 2, 105
  • Wo andere Aliso lokalisieren
    • Aßkamp, Rudolf: zitiert von Elisabeth Höving in Aliso lag wohl an der Lippe, 13.08.2010, http://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/Aliso-lag-wohl-an-der-Lippe-id3556509.html
    • Bökemeier, Rolf: Die Varusschlacht — Der Untergang der römischen Legionen im Teutoburger Wald; Tübingen, Grabert-Verlag, 2000; ISBN 3-87847-190-4; , Seite 84
    • Friedrich Koepp: Die Römer in Deutschland, Bielefeld und Leipzig 1905, Seite 16
    • Haltern war Aliso, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2010-09-03, Seite 33
    • Schnurbein, Prof. Dr. Siegmar von: Schreiben vom 2005-08-30 an den Verfasser.
  • Aliso = Elze
    • Baring, Daniel Eberhard: Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein, Lemgo 1745, Seite 230
    • Baring, Daniel Eberhard: Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein, Lemgo 1745, Seite 259
    • Conrad Celtis: Germania generalis; 1502
    • Curs, Otto: Die Gaue Deutschlands ums Jahr 1000; Dissertation; Göttingen; 1908.
    • Dobbertin, Hans: Das Verwandtschaftsverhältnis der "schwäbischen" Edlen Ida von Elsdorf zum Kaiserbruder Ludolf IV. von Braunschweig (+ 1038) und zu Papst Leo IX. (+ 1054), Kapitel III
    • Dobbertin, Hans: Neues zur Frühzeit Hildesheims, Heimatland, Hannover 2/1993, Seite 38.
    • Karte der Gemarkung Sehlde, kopiert ca. 1848 aus einer älteren Karte,
    • Koepp, Friedrich: Die Römer in Deutschland, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig; 1905; Seite 20
    • Lauenstein, Joachimus Berwardus: Descriptio dioecesis Hildesheimiensis medii aevi; Hildesheim; 1745; Seite 28.
    • Niedersachsen-Navigator
    • Regierungsrat i. R. Albrecht: Beitrag zur Ortschronik der Gemeinde Himmelsthür Umdruck ca. 1965 Seite 3.
    • Schnurbein, Prof. Dr. S. v.: Schreiben vom 2005-08-30 an den Verfasser.
    • Strabon: 7,1, 3
    • Tacitus: Annales II 7
    • Tacitus: Annales II 7
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    • Museum und Park Kalkriese
    • Museum und Park Kalkriese
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    • Jahn, Ralf G.: Der Kampf der Arminius-Koalition gegen Rom; 1. Auflage; GRIN Verlag; Geldern; 2012; Seite 105 ff.
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    • Bökemeyer, Rolf: Deutungsversuche von Fundplätzen römischer Münzen aus republikanischer bis in die frühtiberische Zeit zwischen Solling und Elm
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    • Dobbertin, Hans: Neues zur Frühzeit Hildesheims; Heimatland; Hannover; 2/1993, Seite 41
    • Hans Dobbertin: War Hildesheim eine Römergründung? Celler Zeitung 1991-10-26
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    • S. Fischer-Fabian: Die ersten Deutschen: Über das rätselhafte Volk der Germanen (Bergisch Gladbach: Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, 1975, 2003), pp. 328f
    • Sand, Carl Ludwig; 1820
    • Skaldskäparmal c. 39-42, 62
    • Tacitus: 57,2
    • Þeedrich Ð. Yeat: Siegfried = Arminius
    • [de] Thüste - Die Kapelle
    • Velleius Paterculus: 2,117,2
  • Segestes
    • Kreye, Hermann: Hermanns Befreiungskämpfe gegen Rom; Hannover 1930.
    • Lindemann, Kurt: Der Hildesheimer Silberfund - Varus und Germanicus. Verlagsbuchhandlung August Lax, Hildesheim 1967.
    • Niedersachsen-Navigator http://www.lgn.niedersachsen.de
    • Seite 71
  • Irminsul
    • [de] http://de.wikipedia.org/wiki/Irminsul .)
    • Bergwerckslexicon: Armenier Stein
    • Florus: Epitoma de Tito Livio II,30
    • Fulda, Rudolf von: De miraculis sancti Alexandri, Kap. 3
    • Jelusic, Marko; Friebe, F. H.: Das Jupitersteinigen
    • Letzner, Johann: Historia Caroli Magni, Des Grossmechtigsten, Christlichen Römischen vnd ersten Teutschen Keysers, Von seiner Ankunfft, Erziehung, löblichen vnd grossen Thaten, Vnd gewaltigen Zügen, Kriegen, Schlachten und Reisen ..., Hildeßheim, 1603 [VD17 23:236377N]
    • Letzner, Johann: Historia Caroli Magni Des Großmechtigsten/Christlich Römischen und ersten Teutschen Keysers … Gedruckt zu Hildesheim/durch Andream Hantzsch 1602
    • Letzner, Johann: zitiert bei http://www.suehnekreuz.de/VA/aufsaetze09.html
    • Meyers Konversations-Lexikon 1888, Artikel Irmensäulen
    • Niedersachsen-Navigator: http://www.lgn.niedersachsen.de
    • Plinius Senior: IV, 100
    • Strabon: Geographia, VII, 1, 4
  • Lippoldsage
    • Düerkop, Walter: Die Lippoldshöhle - Teil eines mittelalterlichen Sperrsystems
    • Timmermann, Friedrich: Das Leinetal - die Heimat der Nibelungensage; Zeitschrift Niedersachsen, 16. Jahrgang Nr. 15; 1911-05-01.
  • Winzenburg
    • Niedersachsens Sagenborn; 6. Aufl.; Hildesheim; 1946; Seite 205.
    • Stephen, Leslie, Sir: Dictionary of national biography; London; 1891; Eintrag Hood, Robin.
  • Idistaviso
    • Advanced learner's dictionary of current English, London, Oxford University Press, 1962
    • Gebauer, J.: Geschichte der Stadt Hildesheim, Band I; August Lax Verlagshandlung; Hildesheim und Leipzig; 1922; Seite 4.
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    • Schmich, Otto Klaus: Was bedeutet Idistaviso?
    • Schoppe, Siegfried; S., Chistian M. und S., Stephan A: Weißbuch Hermannschlacht; Osning Verlag; Hamburg 2014; Seite 76.
    • Tacitus: Annalen II, 16
  • Silva Herculi sacra
    • Christine Wulf: Inschriftenkatalog Stadt Hildesheim, DI 58, Nr. 35†, http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0035.html , urn:nbn:de:0238-di058g010k0003500.
    • Das Glashaus Kultur- und Veranstaltungszentrum der Gemeinde Holle
    • Der Spiegel 1966-03-21: Simserim am Galgenberg
    • Dobbertin, Hans: Das Verwandtschaftsverhältnis der "schwäbischen" Edlen Ida von Elsdorf zum Kaiserbruder Ludolf IV. von Braunschweig (+ 1038) und zu Papst Leo IX. (+ 1054)
    • Gemeinde Holle
    • Gemeinde Holle, Ortsteil Derneburg
    • Gerber, Heinz-Peter: Der Laves-Kulturpfad in Holle-Derneburg; Gerstenberg; Hildesheim; 1. Aufl. 2005, Seiten 32, 34.
    • Glashaus
    • Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, Band 27, Spalte 1063.
    • Lindemann, Kurt: Der Hildesheimer Silberfund / Varus und Germanicus, Seite 72 (Der Vorstoß zum Teutoburgiensis saltus)
    • Lüntzel, Hermann Adolf: Die Gaueinteilung der Diözese Hildesheim um das Jahr 1000, Karte, 1837
    • Tacitus: Annales II 12
    • Tacitus: Annales II 7
  • Hildesheimer Silberfund
    • Boetzkes, Manfred; Stein, Helga (Herausgeber): Der Hildesheimer Silberfund - Original und Nachbildung - vom Römerschatz zum Bürgerstolz; 1997; ISBN 3-8067-8552-X, Seite 37
    • Bogaers, J. E: Zum Geheinmnis von Hildesheim; in BABESCH Bulletin Antieke Beschaving No. 57 — 1982, Seiten 182 ff.
    • Gehrig, Ulrich: Hildesheimer Silberfund. Herausgegeben von den Staatlichen Museen Berlin Dahlem, Gesamtherstellung Brüder Hartmann Berlin, 1967
    • Tacitus: Annales II 7
    • Zedelius, V.: Hildesheimer Silberfund – ein Händlerdepot? Alt-Hildesheim 48, S. 83 ff.
  • Cassius Dio: Elison
  • Cassius Dio: Drusus' Tod
    • Cassius Dio: Drusus' Tod
    • Cassius Dio:  LV 1 über den Feldzug des Drusus im Jahre 9 v. Chr. und dessen Tod
  • Cassius Dio: Varusschlacht
    • Cassius Dio: Varusschlacht
  • Florus: Tropaeum
    • Florus: Bellum Germanicum II 30
    • Florus: Tropaeum
    • Lucius Annaeus Florus: Drusi Tropaeum
  • Frontinus: caput Juliae
    • F. Krohn: de Aquaeductu urbis Romae; Teubner; Leipzig; 1922.
    • Frontinus: caput Juliae
    • Sextus Iulius Frontinus: De aquaeductu urbis Romae (Nach AD 97)
  • Obsequens: Lager des Drusus
  • Plinius: Arbalo
    • Masen, Jacob SJ: Speculum Imaginum Veritatis Occultae. Liber I. De recondito imaginum figuratarum usu, repertoribus, ac fontibus variis.
    • Plinius: Arbalo
    • Plinius: Nat. Liber XI, XXVIII, 55, erschienen 77 n. Chr.
    • Plinius: Schlacht bei Arbalo
  • Ptolemaios
    • Ptolemaios
  • Sigurdsage
    • Bökemeyer [2000].
    • Jürgens [1940]
    • Skaldskäparmal c. 39-42, 62
  • Strabon: VII 1,4 Varusschlacht
    • Strabon: VII 1,4 Varusschlacht
  • Leben des Tacitus
  • Tacitus: I 60 Teutoburgiensis saltus
    • Tacitus: Annales I 60
    • Tacitus: I 60 Saltus Teutoburgiensis als Ort der Varusschlacht
    • Tacitus: I 60 Teutoburgiensis saltus
  • Tacitus: II 7 Drususaltar
    • Tacitus, Cornelius: Annalen lat. u. dt. / P. Cornelius Tacitus. Hrsg. von Erich Heller. - München; Zürich: Artemis Verlag 1982 (Sammlung Tusculum). Einheitssacht.: Annales. ISBN 3-7608-1645-2 NE: Heller, Erich [Hrsg.]
    • Tacitus: II 7 Drususaltar
  • Tacitus: Ann. II 12: Idistaviso
    • Tacitus: Ann. II 12: Idistaviso
    • Tacitus Cornelius: Annalen: lat. u. dt. / P. Cornelius Tacitus. Hrsg. von Erich Heller. - München; Zürich: Artemis Verlag 1982 (Sammlung Tusculum); Einheitssacht.: Annales; ISBN 3-7608-1645-2 NE: Heller, Erich [Hrsg.]
  • Tacitus: Ann. II 16 dessen Lage
  • Valerius Maximus: Drusus' Tod"
    • Valeri Maximi: Factorum et Dictorum Memorabilium V, 5, 3
    • Valerius Maximus: Drusus' Tod"
    • Valerius Maximus:  Factorum et Dictorum Memorabilium Liber VI 5.3
  • Velleius Paterculus: Ad caput Juliae
  • Velleius Paterculus: Caedicius
    • VELLEI PATERCULI: HISTORIAE ROMANAE LIBRI DUO AD M. VINCIUVM COS. LIBER POSTERIOR [120], 4
    • Velleius Paterculus: Caedicius
  • Brockhaus: Ilse
    • Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, Brockhaus Multimedia 2002
    • Sorbus torminalis (L.) CRANTZ - Elsbeere  Vorkommen: In Laubwäldern, auf sonnenwarmen trockenen, sonnseitig exponierten Kalkesteinböden.
    • Werner Müller: Flora von Hildesheim, Hildesheim 2001, Seite 262.
  • Brockhaus: Innerste
    • Berwardus Joachimus Lauenstein: Descriptio dioecesis Hildesheimiensis …; Hildesheim; 1745; Seite 8
    • Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, Brockhaus multimedia 2002
  • Brockhaus: Hildesheim
    • Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, zitiert aus Brockhaus Multimedia 2002
  • Dobbertin: Schellerten
    • Dobbertin, H.: Neues zur Flottenlandung des Germanikus, in: Niedersachsen 1983/3, S. 105; H. Blume, Beiträge zur Geschichte des Altkreises Marienburg i. H., Hildesheim 1958, S. 147-149 (Schellerten).
    • Dobbertin, H.: Zeitschrift Heimatland, 1986, Heft 6, S. 189-190.
    • Dobbertin: Schellerten
    • Schnurbein, S. v.: Untersuchungen zur Geschichte der römischen Militärlager an der Lippe, in: Bericht d. RGK 62, 1981182, S. .5-102;
  • Eckstein: Asel
    • Eckstein, K.: zitiert aus: August Söding: Heimaterde - Landschaft und Siedlungen im Altkreis Hildesheim-Land, August-Lax-Verlag, Hildesheim 1971
    • Eckstein: Asel
    • Internetpräsenz der Gemeinde Harsum: Asel . http://www.harsum.de/ortschaften/asel.html  [Zitiert 2005-08-29]
  • Gerstenberg: Bennopolis
    • Dobbertin, Hans: Neues zur Frühzeit Hildesheims; Heimatland; Hannover; 2/1993, Seite 41
    • Gerstenberg, J. D.(Herausgeber): Beiträge zur Hildesheimiſchen Geſchichte, 1. Band, Hildesheim, 1828, Seite 11 ff.
    • Gerstenberg: Bennopolis
  • Pörtner: Aliso
    • ; S. 26
    • Pörtner: Aliso
  • Mommsen: Aliso
    • Mommsen: Aliso
    • Mommsen: Römische Geschichte, Buch 8, 1904, Seite 40
  • Mommsen: Arbalo
    • , Buch VIII, 1. Kapitel
    • Mommsen: Arbalo
    • Mommsen: Römische Geschichte, 1904
  • Mommsen: Idistaviso
    • Mommsen: Idistaviso
  • Kalkriese und Halberstadt
  • Cassius Dio: Drususfeldzug 11 v. Chr.
    • Cassius Dio: Drususfeldzug 11 v. Chr.
  • Ad caput Juliae 4 n. Chr
    • Frontinus

Technische Hinweise

XSLT-Framework

Diese Präsentation ist mit dem Arbalo-Framework für XSLT-Präsentationen erstellt worden und dessen Referenzanwendung. Dazu gibt es ein gleichnamiges Projekt bei SourceForge.net (http://sourceforge.net/projects/arbalo) .

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Fachartikel in developerWorks®

In der Internet-Fachzeitschrift IBM   developerWorks®  erschien dazu der Artikel Using XSLT as a stylesheet for HTML

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Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso und der Hildesheimer Silberfund
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    Anmerkungen, Zitate

    Antike Quellen

    Cassius Dio: Elison

    Cassius Dio  LIV 33,2ff über den Feldzug des Drusus im Jahre 11 v. Chr.

    [grc] ἅμα δὲ τῷ ἦρι πρὸς τὸν πόλεμον αὖθις ὥρμησε, καὶ τόν τε Ῥῆνον ἐπεραιώθη καὶ τοὺς Οὐσιπέτας κατεστρέψατο, τόν τε Λουπίαν  ἔζευξε καὶ ἐς τὴν τῶν Συγάμβρων ἐνέβαλε, καὶ δι´ αὐτῆς καὶ ἐς τὴν Χερουσκίδα προεχώρησε μέχρι τοῦ Οὐισούργου. Ἠδυνήθη δὲ τοῦτο ποιῆσαι, ὅτι οἱ Σύγαμβροι τοὺς Χάττους, μόνους τῶν προσοίκων μὴ ἐθελήσαντάς σφισι συμμαχῆσαι, ἐν ὀργῇ σχόντες πανδημεὶ ἐπ´ αὐτοὺς ἐξεστράτευσαν, κἀν τῷ καιρῷ τούτῳ ἔλαθε τὴν χώραν αὐτῶν διεξελθών. Zu Beginn des Frühlings zog er [Drusus] wieder zu Felde, überquerte den Rhein und unterjochte die Usipeter. Er überbrückte die Lippe 1  und drang ins Land der Sugamber und durch es ins Land der Cherusker bis zur Weser ein. Das alles war möglich, weil die Sugamber gegen die Hessen, die einzigen unter ihren Nachbarn, die sich nicht mit ihnen hatten verbünden wollen, aus Wut mit ihrem ganzen Volke zu Felde zogen; die Gunst der Stunde nutzend durchquerte er ihr Land unbemerkt.
    [grc] Καὶ διέβη ἂν καὶ τὸν Οὐίσουργον, εἰ μὴ τῶν τε ἐπιτηδείων ἐσπάνισε καὶ ὁ χειμὼν ἐνέστη καί τι καὶ σμῆνος  ἐν τῷ στρατοπέδῳ αὐτοῦ ὤφθη. Und er hätte wohl auch die Weser  überquert, wären nicht die Vorräte ausgegangen, der Winter gekommen und auch noch ein Bienenschwarm  in seinem Lager gesehen worden.
    [grc] Οὔτ´ οὖν περαιτέρω διὰ ταῦτα προεχώρησε, καὶ ἐς τὴν φιλίαν ἀνακομιζόμενος δεινῶς ἐκινδύνευσεν· οἱ γὰρ πολέμιοι ἄλλως τε ἐνέδραις αὐτὸν ἐκάκωσαν, καί ποτε ἐς στενὸν καὶ κοῖλον χωρίον   κατακλείσαντες ὀλίγου διέφθειραν, κἂν πασσυδὶ ἂν ἀπώλεσαν, εἰ μὴ καταφρονήσαντές σφων ὡς καὶ ἑαλωκότων καὶ μιᾶς ἐπικοπῆς ὄντων ὁμόσε αὐτοῖς ἀσύντακτοι ἐχώρησαν. Folglich rückte er nicht weiter vor, sondern zog sich in Freundesland zurück – unter großen Gefahren: denn die Feinde lauertem ihm überall auf, und einmal stellten sie ihn in einem Engpass 2  und hätten fast sein Heer aufgerieben; in der Tat, sie hätten jene vernichtet, wenn sie sich nicht ungeordnet genähert hätten, jene missachtend, als wären jene schon gefangen und bräuchten nur noch den Gnadenstoß.
    [grc] Νικηθέντες γὰρ ἐκ τούτου οὐκέθ´ ὁμοίως ἐθρασύνοντο, ἀλλὰ πόρρωθεν μέν σφας παρελύπουν, ἐγγὺς δὲ οὐ προσῄεσαν, ὥστε τὸν Δροῦσον ἀντικαταφρονήσαντα αὐτῶν ἐκεῖ τε ᾗ ὅ τε Λουπίας  καὶ ὁ Ἐλίσων  συμμίγνυνται φρούριόν τί σφισιν ἐπιτειχίσαι, καὶ ἕτερον ἐν Χάττοις παρ´ αὐτῷ τῷ Ῥήνῳ. So wurden sie besiegt und waren dann nicht mehr so kühn, belästigten aber weiterhin geringfügig seine Truppen aus der Entfernung, ohne näher zu kommen; Drusus verachtete sie nun seinerseits und legte dort, wo der Lupias  und der Elison  sich vermischen, eine Festung an und eine weitere in Hessen 3 beim 4  Rheine selbst.
    [grc] Διὰ μὲν οὖν ταῦτα τάς τε ἐπινικίους τιμὰς καὶ τὸ ἐπὶ κέλητος ἐς τὸ ἄστυ ἐσελάσαι, τῇ τε τοῦ ἀνθυπάτου ἐξουσίᾳ, ἐπειδὰν διαστρατηγήσῃ, χρήσασθαι ἔλαβε. Τὸ γὰρ ὄνομα τὸ τοῦ αὐτοκράτορος ἐπεφημίσθη μὲν ὑπὸ τῶν στρατιωτῶν καὶ ἐκείνῳ τότε καὶ τῷ Τιβερίῳ πρότερον, οὐ μέντοι παρὰ τοῦ Αὐγούστου ἐδόθη, καίπερ αὐτοῦ ἀπ´ ἀμφοτέρων τῶν ἔργων τὸν ἀριθμὸν τῆς ἐπικλήσεως αὐξήσαντος. Für diese Erfolge erhielt er die Ehre eines Triumphes, das Recht, zu Ross in die Stadt 5 zu reiten, und prokonsularische Macht nach seiner Prätur. Ferner wurde er von den Soldaten wie Tiberius zuvor zum Imperator ausgerufen; doch Augustus bestätigte das nicht, obwohl durch die Taten beider auch die Anzahl seiner Ausrufungen zu diesem Titel vermehrt wurde.

    Übersetzt von Jürgen Regel.



    Nach unserer Hypothese hat Drusus die Weser doch überquert, und alle Orte sind entsprechend nach Osten zu verschieben.

    In der Zeit von 11 v. Chr. bis 8 v. Chr. unterhielten die Römer im Zusammenhang mit den Feldzügen des Drusus ein großes Legionslager in Oberaden.

    [de] http://de.wikipedia.org/wiki/Oberaden

    Nach der heutigen Lehrmeinung handelt es sich dabei um das Lupias-Elison-Lager:

    Das Lippe-Elison-Lager des Cassius Dio ist mit großer Wahrscheinlichkeit identisch mit Oberaden, das nach dendrochronologischen Ergebnissen im Herbst 11 v. Chr. angelegt worden ist. Aliso ist sicher damit nicht identisch, denn es fehlen in Oberaden alle Funde, die in die fragliche Zeit gehören (9 n. Chr. etc.).

    Schnurbein, Prof. Dr. S. v. : am 2005-08-30 brieflich an den Verfasser.

    Nach unserer Theorie kann es sich dabei aber nur um das zweite von Dio erwähnte Lager oder ein weiteres aus jener Zeit handeln. Bedenkt man, dass Drusus im Jahre 11 v. Chr. mindestens bis zur Weser vorgedrungen ist, dann liegt Oberraden (jetzt ein Stadtteil von Bergkamen) fast schon beim Rheine. Die Hessen waren, wie aus dem Text hervorgeht, die Nachbarn der Sauerländer (Sugamber). Mommsen vermutete ebenfalls das Elison-Lupias-Lager weiter östlich an der oberen Lippe bei Aliso.

    L. Claudius Cassius Dio Cocceianus wurde 155 in Nicaea (griechisch Nikaia) in Bithynien geboren und starb nach 229. [de] http://de.wikipedia.org/wiki/Cassius_Dio

    Cassius Dio: Drusus' Tod

    Cassius Dio :  LV 1 über den Feldzug des Drusus im Jahre 9 v. Chr. und dessen Tod

    [grc] Ταῦτα μὲν ἐπί τε τοῦ Ἰούλλου Ἀντωνίου καὶ ἐπὶ Φαβίου Μαξίμου ὑπάτων ἐγένετο, τῷ δὲ ἐχομένῳ ἔτει ὁ Δροῦσος μετὰ Τίτου Κρισπίνου ὑπάτευσε, καὶ αὐτῷ σημεῖα οὐκ ἀγαθὰ συνηνέχθη· πολλὰ μὲν γὰρ καὶ ἄλλα καὶ χειμῶνι καὶ κεραυνοῖς, πολλοὶ δὲ καὶ ναοὶ ἐφθάρησαν, ὥστε καὶ τὸν τοῦ Διὸς τοῦ Καπιτωλίου τῶν τε συννάων αὐτοῦ κακωθῆναι. οὐ μέντοι καὶ ἐφρόντισέ τι αὐτῶν, ἀλλ´ ἔς τε τὴν τῶν Χάττων ἐσέβαλε καὶ προῆλθε μέχρι τῆς Σουηβίας, τήν τε ἐν ποσὶν οὐκ ἀταλαιπώρως χειρούμενος καὶ τοὺς προσμιγνύντας οἱ οὐκ ἀναιμωτὶ κρατῶν. κἀντεῦθεν πρός τε τὴν Χερουσκίδα μετέστη, καὶ τὸν Οὐίσουργον διαβὰς ἤλασε μέχρι τοῦ Ἀλβίου, πάντα πορθῶν. ἐκεῖνον γάρ (ῥεῖ δὲ ἐκ τῶν Οὐανδαλικῶν ὀρῶν, καὶ ἐς τὸν ὠκεανὸν τὸν προσάρκτιον πολλῷ μεγέθει ἐκδίδωσιν) ἐπεχείρησε μὲν περαιωθῆναι, οὐκ ἠδυνήθη δέ, ἀλλὰ τρόπαια στήσας ἀνεχώρησε· γυνὴ γάρ τις μείζων ἢ κατὰ ἀνθρώπου φύσιν ἀπαντήσασα αὐτῷ ἔφη "ποῖ δῆτα ἐπείγῃ, Δροῦσε ἀκόρεστε; οὐ πάντα σοι ταῦτα ἰδεῖν πέπρωται. ἀλλ´ ἄπιθι· καὶ γάρ σοι καὶ τῶν ἔργων καὶ τοῦ βίου τελευτὴ ἤδη πάρεστι." θαυμαστὸν μὲν οὖν τό τινα φωνὴν παρὰ τοῦ δαιμονίου τοιαύτην τῳ γενέσθαι, οὐ μέντοι καὶ ἀπιστεῖν ἔχω· παραχρῆμα γὰρ ἀπέβη, σπουδῇ τε ὑποστρέψαντος αὐτοῦ καὶ ἐν τῇ ὁδῷ νόσῳ τινί, πρὶν ἐπὶ τὸν Ῥῆνον ἐλθεῖν, τελευτήσαντος. καί μοι τεκμηριοῖ τὸ λεχθὲν ὅτι καὶ λύκοι περὶ τὸ στρατόπεδον ὑπὸ τὸν θάνατον αὐτοῦ περινοστοῦντες ὠρύοντο, καὶ νεανίσκοι δύο διὰ μέσου τοῦ ταφρεύματος διιππεύοντες ὤφθησαν , θρῆνός τέ τις γυναικεῖος ἠκούσθη, καὶ ἀστέρων διαδρομαὶ ἐγένοντο. Das alles ereignete sich während des Konsulats des Jullus Aslideius und des Fabius Maximus. Im folgenden Jahre wurde Drusus zusammen mit Titus Crispinus Konsul, und es gab für ihn keineswegs günstige Vorzeichen: Viele Gebäude wurden durch Sturm oder Blitzschlag zerstört, darunter viele Tempel, sogar der des capitolinischen Jupiters und der mit ihm verehrten Götter wurde beschädigt. Drusus jedoch drang dessen ungeachtet in das Land der Hessen (Chatti) ein und rückte weiter vor bis in das der Schwaben (Suebi); er eroberte das durchquerte Gebiet unter Schwierigkeiten und besiegte die Truppen, die ihn angriffen, erst nach beträchtlichem Blutzoll. Von dort zog er weiter in das Land der Cherusker, überquerte die Weser und gelangte bis zur Elbe, wobei er alles am Wege verheerte. Die Elbe entspringt im vandalischen Gebirge und mündet als gewaltiger Strom in die Nordsee. Drusus scheiterte bei seinem Versuch, diesen Fluss zu überqueren, errichtete Siegesdenkmäler 1 und brach den Feldzug ab. Denn eine Frau übernatürlicher Größe begegnete ihm und sprach: „Lass ab, bitte, warum hastest du so, unersättlicher Drusus? Dir ist es nicht bestimmt all diese Lande zu schauen. Stattdessen ziehe ab! Denn das Ende deiner Mühen und deines Lebens ist nah.“ Wahrlich ist es wunderbar, dass die Stimme einer Gottheit sich an einen Mann wendet, aber ich vermag an der Erzählung nicht zu zweifeln; denn Drusus zog sofort ab, und während er in Eile zurückkehrte, starb er unterwegs an einer Krankheit, bevor er den Rhein erreichte. Und mir wird die Geschichte durch folgende Vorkommnisse bestätigt: Wölfe schlichen über das Lager und heulten kurz vor seinem Tode, man sah zwei Jünglinge 2 mitten durch das Lager reiten   und hörte ein Geräusch wie das Klagen eines Weibes, und am Himmel erschienen Sternschnuppen.

    Übersetzt von Jürgen Regel.

    Cassius Dio: Varusschlacht

    Cassius Dio  LVI 18 ff. zur Varusschlacht

    18 [grc] ἄρτι τε ταῦτα ἐδέδοκτο, καὶ ἀγγελία δεινὴ ἐκ τῆς Γερμανίας ἐλθοῦσα ἐκώλυσέ σφας διεορτάσαι. ἐν γὰρ τῷ αὐτῷ ἐκείνῳ χρόνῳ καὶ ἐν τῇ Κελτικῇ τάδε συνηνέχθη. εἶχόν τινα οἱ Ῥωμαῖοι αὐτῆς, οὐκ ἀθρόα ἀλλ´ ὥς που καὶ ἔτυχε χειρωθέντα, διὸ οὐδὲ ἐς ἱστορίας μνήμην ἀφίκετο· καὶ στρατιῶταί τε αὐτῶν ἐκεῖ ἐχείμαζον καὶ πόλεις συνῳκίζοντο, ἔς τε τὸν κόσμον σφῶν οἱ βάρβαροι μετερρυθμίζοντο καὶ ἀγορὰς ἐνόμιζον συνόδους τε εἰρηνικὰς ἐποιοῦντο. οὐ μέντοι καὶ τῶν πατρίων ἠθῶν τῶν τε συμφύτων τρόπων καὶ τῆς αὐτονόμου διαίτης τῆς τε ἐκ τῶν ὅπλων ἐξουσίας ἐκλελησμένοι ἦσαν. καὶ διὰ τοῦτο, τέως μὲν κατὰ βραχὺ καὶ ὁδῷ τινι μετὰ φυλακῆς μετεμάνθανον αὐτά, οὔτε ἐβαρύνοντο τῇ τοῦ βίου μεταβολῇ καὶ ἐλάνθανόν σφας ἀλλοιούμενοι· ἐπεὶ δ´ ὁ Οὐᾶρος ὁ Κυιντίλιος τήν τε ἡγεμονίαν τῆς Γερμανίας λαβὼν καὶ τὰ παρ´ ἐκείνοις ἐκ τῆς ἀρχῆς διοικῶν ἔσπευσεν αὐτοὺς ἀθροώτερον μεταστῆσαι, καὶ τά τε ἄλλα ὡς καὶ δουλεύουσί σφισιν ἐπέταττε καὶ χρήματα ὡς καὶ παρ´ ὑπηκόων ἐσέπρασσεν, οὐκ ἠνέσχοντο, ἀλλ´ οἵ τε πρῶτοι τῆς πρόσθεν δυναστείας ἐφιέμενοι, καὶ τὰ πλήθη τὴν συνήθη κατάστασιν πρὸ τῆς ἀλλοφύλου δεσποτείας προτιμῶντες, ἐκ μὲν τοῦ φανεροῦ οὐκ ἀπέστησαν, πολλοὺς μὲν πρὸς τῷ Ῥήνῳ πολλοὺς δὲ καὶ ἐν τῇ σφετέρᾳ τῶν Ῥωμαίων ὁρῶντες ὄντας, δεξάμενοι δὲ τὸν Οὐᾶρον ὡς καὶ πάντα τὰ προστασσόμενά σφισι ποιήσοντες προήγαγον αὐτὸν πόρρω ἀπὸ τοῦ Ῥήνου ἔς τε τὴν Χερουσκίδα καὶ πρὸς τὸν Οὐίσουργον, κἀνταῦθα εἰρηνικώτατά τε καὶ φιλικώτατα διαγαγόντες πίστιν αὐτῷ παρέσχον ὡς καὶ ἄνευ στρατιωτῶν δουλεύειν δυνάμενοι. Kaum waren diese Beschlüsse verabschiedet, da hielten schlimme Nachrichten aus Germanien sie vom Feiern ab. Darüber, was in jener selben Zeit im Keltenlande 1 geschah, ist Folgendes berichtet worden. Die Römer besaßen Teile davon, aber nicht zusammenhängende, sondern zufällig unterworfene, so dass es nicht in die Geschichte eingegangen ist; Soldaten von ihnen überwinterten dort, Städte wurden gegründet; die Barbaren fügten sich in ihre Weltordnung ein, sie gewöhnten sich Märkte abzuhalten und tagten in friedlichen Versammlungen. Nicht jedoch vergaßen sie der väterlichen Sitten, der angeborenen Gesinnung, des unabhängigen Lebens und der Macht der Waffen. Darum wurden sie, so lange sie das allmählich und gewissermaßen unter Aufsicht verlernten, durch die geänderten Lebensverhältnisse nicht verärgert und bemerkten nicht, wie sie sich veränderten. Als dann aber Quintilius Varus 2  den Oberbefehl über Germanien erlangte und über die Herrschaft hinaus ihre Angelegenheiten verwaltete, trieb er sie an, sich auf vielerlei Weise zu ändern, und weil er außerdem ihnen wie Sklaven Befehle gab und von ihnen wie von Unterworfenen Abgaben forderte, wandten sie sich von ihm ab; aber obgleich die Fürsten nach ihrer vormaligen Machtstellung verlangten und das gemeine Volk die gewohnten Verhältnisse der Fremdherrschaft vorzog, begehrten sie nicht offen auf, weil sie sahen, dass viele Truppen der Römer beim Rheine und viele in ihrem Lande waren; sondern indem sie Varus so willkommen hießen, als wollten sie alles tun, was er befehlen würde, lockten sie ihn weit vom Rheine ins Cheruskerland und zur Weser , und dadurch, dass sie sich sehr friedlich und freundlich verhielten, flößten sie ihm Vertrauen ein, dass sie auch ohne Soldaten unterworfen werden könnten.
    19 [grc] οὔτ´ οὖν τὰ στρατεύματα, ὥσπερ εἰκὸς ἦν ἐν πολεμίᾳ, συνεῖχε, καὶ ἀπ´ αὐτῶν συχνοὺς αἰτοῦσι τοῖς ἀδυνάτοις ὡς καὶ ἐπὶ φυλακῇ χωρίων τινῶν ἢ καὶ λῃστῶν συλλήψεσι παραπομπαῖς τέ τισι τῶν ἐπιτηδείων διέδωκεν. ἦσαν δὲ οἱ μάλιστα συνομόσαντες καὶ ἀρχηγοὶ τῆς τε ἐπιβουλῆς καὶ τοῦ πολέμου γενόμενοι ἄλλοι τε καὶ Ἀρμήνιος καὶ Σηγίμερος, συνόντες τε αὐτῷ ἀεὶ καὶ συνεστιώμενοι πολλάκις. θαρσοῦντος οὖν αὐτοῦ, καὶ μήτε τι δεινὸν προσδεχομένου, καὶ πᾶσι τοῖς τό τε γιγνόμενον ὑποτοποῦσι καὶ φυλάττεσθαί οἱ παραινοῦσιν οὐχ ὅπως ἀπιστοῦντος ἀλλὰ καὶ ἐπιτιμῶντος ὡς μάτην αὐτοῖς τε ταραττομένοις καὶ ἐκείνους διαβάλλουσιν, ἐπανίστανταί τινες πρῶτοι τῶν ἄπωθεν αὐτοῦ οἰκούντων ἐκ παρασκευῆς, ὅπως ἐπ´ αὐτοὺς ὁ Οὐᾶρος ὁρμήσας εὐαλωτότερός σφισιν ἐν τῇ πορείᾳ, ὡς καὶ διὰ φιλίας διιών, γένηται, μηδὲ ἐξαίφνης πάντων ἅμα πολεμωθέντων αὐτῷ φυλακήν τινα ἑαυτοῦ ποιήσηται. καὶ ἔσχεν οὕτως· προέπεμψάν τε γὰρ αὐτὸν ἐξορμῶντα, καὶ παρέμενοι ὡς καὶ τὰ συμμαχικὰ παρασκευάσοντες καὶ διὰ ταχέων οἱ προσβοηθήσοντες τάς τε δυνάμεις ἐν ἑτοίμῳ που οὔσας παρέλαβον, καὶ ἀποκτείναντες τοὺς παρὰ σφίσιν ἕκαστοι στρατιώτας, οὓς πρότερον ᾐτήκεσαν, ἐπῆλθον αὐτῷ ἐν ὕλαις ἤδη δυσεκβάτοις ὄντι. κἀνταῦθα ἅμα τε ἀνεφάνησαν πολέμιοι ἀνθ´ ὑπηκόων ὄντες, καὶ πολλὰ καὶ δεινὰ εἰργάσαντο. Folglich hielt er die Heeresabteilungen nicht, wie es in Feindesland zu erwarten gewesen wäre, zusammen, sondern teilte viele von ihnen den Machtlosen auf deren Bitten zu, sie möchten bestimmte Orte bewachen, Räuber verhaften oder Lebensmittellieferungen Geleitschutz geben. Es waren aber die Hauptverschwörer und Anführer des Anschlages und des Krieges neben anderen Arminius 3 und Segimeros geworden, die mit ihm immer zusammenwaren und oft tafelten. Als er daher Mut fasste, nichts Schlimmes befürchtete und allen denen, die das, was geschah, beargwöhnten und ihm rieten, wachsam zu sein, nicht nur keinen Glauben schenkte, sondern sie tadelte, dass sie unnötig beunruhigt wären und jene verleumdeten, erhoben sich als erste entfernt von ihm siedelnde Einwohner , damit Varus gegen sie vorrückte, so dass er von ihnen auf dem Marsche leichter zu bezwingen wäre, da er durch vermeintliches Freundesland zöge, und damit, wenn ihn alle plötzlich zugleich bekämpften, er sich nicht mit einer Schutztruppe einigelte. Und so geschah es; sie begleiteten ihn, als er ausrückte, verließen ihn, um angeblich Hilfstruppen aufzustellen und ihm bald zu Hilfe zu kommen, übernahmen die bereitstehenden Streitkräfte, schlachteten die ihnen jeweils zugeteilten Soldaten ab, die sie zuvor angefordert hatten, und stießen wieder zu ihm, als er sich schon in undurchdringlichen Wäldern befand. Da nun gaben sie sich auf ein Mal als Feinde statt als Unterworfene zu erkennen und bewirkten viel Grauenhaftes.
    20 [grc] Τά τε γὰρ ὄρη καὶ φαραγγώδη καὶ ἀνώμαλα καὶ τὰ δένδρα καὶ πυκνὰ καὶ ὑπερμήκη ἦν, ὥστε τοὺς Ῥωμαίους, καὶ πρὶν τοὺς πολεμίους σφίσι προσπεσεῖν, ἐκεῖνά τε τέμνοντας καὶ ὁδοποιοῦντας γεφυροῦντάς τε τὰ τούτου δεόμενα πονηθῆναι. Ἦγον δὲ καὶ ἁμάξας πολλὰς καὶ νωτοφόρα πολλὰ ὡς ἐν εἰρήνῃ· παῖδές τε οὐκ ὀλίγοι καὶ γυναῖκες ἥ τε ἄλλη θεραπεία συχνὴ αὐτοῖς συνείπετο, ὥστε καὶ κατὰ τοῦτ' ἐσκεδασμένῃ τῇ ὁδοιπορίᾳ χρῆσθαι. Κἀν τούτῳ καὶ ὑετὸς καὶ ἄνεμος πολὺς ἐπιγενόμενοι ἔτι καὶ μᾶλλόν σφας διέσπειραν· τό τε ἔδαφος ὀλισθηρὸν περί τε ταῖς ῥίζαις καὶ περὶ τοῖς στελέχεσι γενόμενον σφαλερώτατα αὐτοὺς βαδίζειν ἐποίει, καὶ τὰ ἄκρα τῶν δένδρων καταθραυόμενα καὶ καταπίπτοντα διετάρασσεν. Ἐν τοιαύτῃ οὖν δή τινι ἀμηχανίᾳ τότε τῶν Ῥωμαίων ὄντων, οἱ βάρβαροι πανταχόθεν ἅμα αὐτοὺς ἐξαπιναίως δι' αὐτῶν τῶν λοχμωδεστάτων, ἅτε καὶ ἔμπειροι τῶν τριμμῶν ὄντες, περιεστοιχίσαντο, καὶ τὸ μὲν πρῶτον πόρρωθεν ἔβαλλον, ἔπειτα δέ, ὡς ἠμύνετο μὲν οὐδεὶς ἐτιτρώσκοντο δὲ πολλοί, ὁμόσε αὐτοῖς ἐχώρησαν· οἷα γὰρ οὔτε ἐν τάξει τινὶ ἀλλὰ ἀναμὶξ ταῖς τε ἁμάξαις καὶ τοῖς ἀόπλοις πορευόμενοι, οὔτε συστραφῆναί πῃ ῥᾳδίως δυνάμενοι, ἐλάττους τε καθ' ἑκάστους τῶν ἀεὶ προσμιγνύντων σφίσιν ὄντες, ἔπασχον μὲν πολλά, ἀντέδρων δὲ οὐδέν. Die Berge waren durch Schluchten getrennt und unregelmäßig, und die Bäume standen dicht und waren überhoch, so dass die Römer, schon bevor sich die Feinde auf sie stürzten, nur mit Mühe jene absägten, Wege bahnten und wo nötig Brücken schlugen. Sie führten viele Lastwagen und Lasttiere mit sich wie im Frieden; und nicht wenige Kinder und Frauen sowie eine Menge Knechte folgten ihnen, so dass sie von der auseinandergezogenen Marschordnung Gebrauch machten. Unterdessen aufgekommener Platzregen und Sturm zerstreute sie noch mehr; der Boden, der um die Wurzeln und Stämme schlüpfrig wurde, ließ sie nur sehr schwankend gehen, und die abbrechenden und herabfallenden Wipfel der Bäume stifteten Verwirrung. Als die Römer nun in solch einer verfahrenen Lage waren, wurden sie zugleich von allen Seiten unvermutet von den Barbaren aus dem dichtesten Buschwerk umzingelt, da die der Schleichwege kundig waren, und zuerst schossen sie nur aus der Ferne, dann aber, als sich niemand wehrte und viele verletzt wurden, rückten sie ihnen zu Leibe; wie sie (die Römer) nun ohne irgendeine Ordnung und durcheinander zwischen Lastwagen und Unbewaffneten marschierten und sich nicht leicht irgendwo zusammenschließen konnten, waren sie immer weniger als die, die sich ihnen näherten, und sie erlitten zwar Vieles, vergalten aber nichts.

    Übersetzt von Jürgen Regel.

    Dieses ist der ausführlichste Bericht über die Varusschlacht.

    Florus: Tropaeum

    Lucius Annaeus Florus : Drusi Tropaeum

    Florus : Bellum Germanicum II 30
    [la] 23. Missus in eam provinciam Drusus primos domuit Usipetes, inde Tencteros percurrit et Chattos. Nam Marcomannorum spoliis et insignibus quendam editum tumulum  in tropaei  modum excoluit. 23. Drusus wurde in diese Provinz abgesandt und unterwarf als erster die Usipeter, danach durchzog er das Gebiet der Tenkterer und der Chatten. Mit Beutestücken und Feldzeichen der Markomannen schmückte er einen hohen Hügel wie ein Siegesdenkmal 1 .
    [la] 24. Inde validissimas nationes Cheruscos Suebosque et Sicambros pariter agressus est, qui viginti centurionibus  in crucem actis hoc velut sacramento sumpserant bellum, adeo certa victoriae spe, ut praedam in anticessum pactione diviserint. 24. Dann griff er gleichzeitig die stärksten Stämme an, die Cherusker, Sueben und Sugambrer, die zwanzig Centurionen 2  ans Kreuz geschlagen und, als hätten sie damit einander den Treueid geleistet, den Krieg begonnen hatten.

    Übernommen aus http://www.geschichte.uni-osnabrueck.de/projekt/pages/quelle3.html

    Frontinus: caput Juliae

    Sextus Iulius Frontinus : De aquaeductu urbis Romae (Nach AD 97)

    Zitiert nach: F. Krohn : de Aquaeductu urbis Romae; Teubner; Leipzig; 1922.

    Die Phrase ad caput Iuliae  kommt in der antiken Literatur genau an zwei Stellen vor: Bei Velleius Paterculus und an der hier wiedergegebenen Stelle bei Frontin. Damit wird bewiesen, dass viele Historiker (auch Mommsen) den Text des Paterculus zu Unrecht in ad caput Lupiae umdeuteten und vielmehr Koepp recht hat, der das monierte. Siehe Abschnitt über das Lager an der Quelle der Julia im Kapitel über Schellerten.

    Liber primus

    9.

    [la] Agrippa aedilis post primum consulatum imperatore Caesare Augusto II L. Volcatio cos., anno post urbem conditam septingentesimo nono decimo 1  ad miliarium ab urbe duodecimum Via Latina deverticulo euntibus ab Roma dextrorsus milium passuum duum alterius aquae proprias vires collegit et Tepulae rivum intercepit. Adquisitae aquae ab inventore nomen Iuliae  datum est, ita tamen divisa erogatione, ut maneret Tepulae appellatio. Ductus Iuliae  efficit longitudinem passuum quindecim milium quadringentorum viginti sex S.: opere supra terram passuum septem milium: ex eo in proximis urbem locis a septimo miliario substructione passuum quingentorum viginti octo, reliquo opere arcuato passuum sex milium quadringentorum septuaginta duum. Praeter caput Iuliae 2  transfluit aqua quae vocatur Crabra. Hanc Agrippa omisit, seu quia improbaverat, sive quia Tusculanis possessoribus relinquendam credebat; ea namque est quam omnes villae tractus eius per vicem in dies modulosque certos dispensatam accipiunt. Sed non eadem moderatione aquarii nostri partem eius semper in supplementum Iuliae vindicaverunt, nec ut Iuliam augerent, quam hauriebant largiendo compendi sui gratia. Exclusi ergo Crabram et totam iussu imperatoris reddidi Tusculanis, qui nunc, forsitan non sine admratione, eam sumunt ignari cui causae insolitam abundantiam debeant. Iulia autem revocatis derivationibus, per quas surripiebatur, modum suum quamvis notabili siccitate servavit. Eodem anno Agrippa ductus Appiae, Anionis, Marciae paene dilapsos restituit et singulari cura compluribus salientibus instruxit urbem.

    Liber secundus

    68

    [la] Tepulae in commentariis adscriptus est modus quinariarum quadringentarum. Huius aquae fontes nulli sunt; venis quibusdam constabat, quae interceptae sunt in Iulia. Caput ergo eius observandum est a piscina Iuliae . Ex ea enim primum accipit quinarias centum nonaginta, deinde statim ex Marcia quinarias nonaginta duas, praeterea ex Anione Novo ad hortos Epaphroditianos quinarias centum sexaginta tres. Fiunt omnes quinariae quadringentae quadraginta quinque, amplius quam in commentariis quadraginta quinque, quae in erogatione comparent.

    69.

    [la] Iuliae  in commentariis adscriptus est modus quinariarum sexcentarum quadraginta novem. Ad caput mensura iniri non potuit, quoniam ex pluribus adquisitionibus constat, sed ad sextum ab urbe miliarium universa in piscinam recipitur, ubi modus eius manifestis mensuris efficit quinarias mille ducentas sex, amplius quam in commentariis quinariis quingentis quinquaginta septem. Praeterea accipit prope urbem post hortos Pallantianos ex Claudia quinarias centum sexaginta duas. Est omne Iuliae  in acceptis quinariae mille trecentae sexaginta octo. Ex eo dat in Tepulam quinarias centum nonaginta, erogat suo nomine octingentas tres. Fiunt quas erogat quinariae nongentae nonaginta tres; amplius quam in commentariis habet quinariis trecentis quadraginta quattuor; minus quam in piscina habere posuimus ducentis decem tribus, quas ipsas apud eos, qui sine beneficiis principis usurpabant, deprehendimus.

    Obsequens: Lager des Drusus

    Iulius Obsequens : Über die Bienen im Lager des Drusus

    [la] In Germania in castris Drusi  examen apium  in tabernaculo Hostilii Rufi, praefecti castrorum, consedit ita ut funem praetendentem praefixamque tentorio lanceam amplecteretur. Multitudo Romanorum per insidias subiecta est. In Germanien im Lager des Drusus  ließ sich ein Schwarm Bienen  im (Beobachtungs-)Zelt des Lagermeisters Hostilius Rufus so nieder, dass er das vorgespannte Seil und die an das Zelt geheftete Lanze umgab. Eine Menge Römer unterlag durch einen Hinterhalt.

    Iulii Obsequentis : Ab anno urbis conditae DV prodigiorum liber, Paulo Fabio Q. Aelio coss. [A.U.C. 743 / 11 A.C.N], 72 http://www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/obsequens.html  [Zitiert 2005-08-29]

    Übersetzt von Jürgen Regel .

    Diese Textstelle liefert das Jahr des Hinterhalts: Sie befindet sich ganz am Schluss seines Werkes, das mit dem Jahre 11. v. Chr. endet.

    Mehr zu Julius Obsequens  findet man bei der George Mason University, Fairfax, Virginia http://www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/obsequens.html

    Annette Pohlke  hat den gesamten Text ins Deutsche übersetzt:

    http://www.aillyacum.de/la/Obsequens/ObLat72.html

    http://www.aillyacum.de/la/Obsequens/ObDeu72.html

    Derselbe Bienenschwarm kommt in der Naturgeschichte des Plinius  vor, der uns als den Ort des Hinterhalts Arbalo  nennt.

    Plinius: Arbalo

    Plinius : Schlacht bei Arbalo

    … in seiner Naturgeschichte in einem Kapitel über Bienen:

    [la] Tunc ostenta faciunt privata ac publica, uva dependente in domibus templisque; saepe expiata magnis eventibus. sedere in ore infantis tum etiam Platonis, suavitatem illam praedulcis eloquii portendentes. sedere in castris Drusi  imperatoris, cum prosperrime pugnatum apud Arbalonem  est, hautquaquam perpetua haruspicum coniectura, qui dirum id ostentum existimant semper. Diese Anzeichen machen sie privat und öffentlich, an Trauben, die in Häusern und Tempeln herabhängen; oft die Sühne für große Ereignisse. Sie saßen auch im Munde des Platon, als er noch Kind war, und kündigten so seine süße Beredsamkeit an. Sie saßen im Lager des Feldherrn Drusus,  als mit viel Glück bei Arbalo  gekämpft wurde, keineswegs den Vermutungen der Weissager entsprechend, die darin immer ein böses Vorzeichen sehen.

    Plinius : Nat. Liber XI, XXVIII, 55, erschienen 77 n. Chr.

    Diese Textstelle wird z. B. zitiert in: Masen, Jacob SJ : Speculum Imaginum Veritatis Occultae. Liber I. De recondito imaginum figuratarum usu, repertoribus, ac fontibus variis.

    Obsequens  berichtet über dieselben Bienen und liefert uns so auch die Jahreszahl des Ereignisses: 11 vor Chr.

    Ptolemaios

    Der Geograph Ptolemäus (griech. Κλαύδιος Πτολεμαῖος, Klaúdios Ptolemaíos, lat. Claudius Ptolomaeus) lebte im zweiten Jahrhundert n. Chr. in Ägypten ( [de] Wikipedia-Artikel)

    Sigurdsage

    Sigurd und der Lindwurm Fafnir

    Die Sage

    Geht die Sage von Sigurds Kampf mit dem Lindwurm Fafnir auf die Varusschlacht und den Hildesheimer Silberschatz zurück?

    Sigurd ersticht Fafnir, http://www.pitt.edu/~dash/door3936.jpg

    Fafnir fuhr auf die Gnitaheide,  machte sich da ein Bett, nahm Schlangengestalt an und lag auf dem Gold. Da fuhr Regin zu Hialprek, König in Thiodi,  und wurde dessen Schmied; auch übernahm er die Pflege Sigurds,  des Sohnes Sigmunds,  des Sohnes Wölsungs. Seine Mutter war Hjordis, König Eilimis Tochter. Sigurd war der gewaltigste aller Heerkönige nach Geschlecht, Kraft und Sinn. Regin sagte ihm davon, dass Fafnir dort auf dem Gold läge, und reizte ihn, sich des Goldes zu bemächtigen. Da machte Regin ein Schwert, das Gram hieß und so scharf war, dass es, als Sigurd es in fließendes Wasser hielt, eine Wollflocke zerschnitt, die der Strom gegen seine Schneide trieb; danach klobte Sigurd mit dem Schwert Regins Amboss bis auf den Untersatz entzwei. Darauf fuhr Sigurd mit Regin zur Gnitaheide. Da grub Sigurd eine Grube auf Fafnirs Weg und setzte sich hinein. Als nun Fafnir zum Wasser kroch und über die Grube kam , da durchbohrte ihn Sigurd mit dem Schwert, und das war sein Tod.

    Skaldskäparmal c. 39-42, 62

    Der tödlich verwundete Fafnir warnt Sigurd:

    Nun rat ich dir, Sigurd, nimm an den Rat

    Und reit heim von hinnen.

    Das gellende Gold, der glutrote Schatz,

    Diese Ringe verderben dich.

    Die Gnitaheide ist der Ort, wo Fafnir sich lagerte, und nicht notwendig der Ort des Kampfes.

    Der Schatz bringt Sigurd kein Glück; er stirbt später durch Verrat. Auch Arminius wurde von Verwandten getötet.

    Die Gnitaheide in späteren Zeugnissen

    Die Gnitaheide wurde im Mittelalter als historischer Ort angesehen. Der isländische Abt Nikulas Bergsson (1155-1159) besuchte ihn auf seiner Pilgerfahrt nach Rom (vielleicht Knetterheide bei Bad Salzuflen, wie Bökemeier [2000] meint). Von einem anderen skandinavischen Touristen berichtet folgende, vom Hamelner Heimatforscher Timmermanns überlieferte Sage:

    König Gylfi stieg nach der Sage [nach der alten schwedischen, aufgezeichneten Sage, die Timmermann kannte bzw. besaß] nach Niflheim hinab, um von den Zwergen Näheres über die Götter und deren Wohnsitz zu erfahren. Von den Zwergen erfuhr er, dieser liege im Cheruskerlande . Gylfi begab sich auf die Reise dahin. Nach der Fahrt über die Nordsee landete er mit seinen Begleitern in der Emsmündung und wanderte von hierab allein bis zur Gnittaheide . Von hier wanderte er gegen Abend und kam an eine lange Mauer, wanderte an dieser entlang. Ehe diese zu Ende war, gelangte er an eine bewohnte Höhle, wo man ihm sagte, wohin er gehen müsse. Als die Mauer zu Ende war, erreichte er das Idafeld , dann stieg er den Hlidsgalf hinauf, wo er den Göttersitz, die Walhalla , fand.

    Alte schwedische Sage, zitiert nach Bökemeyer [2000].

    Gnita = Gniest

    Etwas kühn interpretieren wir sie so, dass der König den Wohnsitz der Götter beim Ort Himmelsthür (ursprünglich "Himnesdore") suchte, der an der Gniestheide   (siehe Abschnitt über die Gnitaheide)  lag. Von hier schickte man ihn auf dem Ost-West-Handelsweg nach Westen, bis er an den Höhenzug Ith  gelangte, der nach Westen eine steile, 22 km lange Mauer bildet. In ihm gibt es mehrere Karst-Höhlen , z. B. die einst bewohnte Rothesteinhöhle, unweit der Ithwiesen ( Idafeld, Iðavöllr (ð = dh) ) , die heute als Segelfluggelände genutzt werden. Zwischen Ith und Thüster Berg  ( Teutoburg ) liegt der Ort Wallensen   Wallhuson  ( Walhalla )

    Die Lage Wallensens in der Senke zwischen Ith und dem Thüsterberg ist  verkehrstechnisch nicht günstig, die erste größere Ansiedlung erfolgte hier wahrscheinlich aus kirchlichen Interesse im 11. Jahrhundert an der Stelle eines `heidnischen´ Kult- oder Versammlungsplatzes. Die das Tal erschließene Straße berührt von Eschershausen aus nordwärts führend Wallensen und trifft in Hemmendorf die alte Verbindungsstraße Hildesheim – Hameln.  Der Ort liegt in einer Bodensenke hinter einer flachen Erhebung, eine bereits im späten Mittelalter militärisch höchst ungünstige Situation. Unmittelbar vor dem südlichen Stadtgraben erstreckt sich dieser Höhenzug und verhinderte jede Bewachung des Vorgeländes.

    Jürgens [1940]

    Nach der germanischen Mythologie ist das Idafeld der Ort, an dem die Asen ihre glückliche Jugend verbrachten (wie Zeus im Idagebirga auf Kreta, und Adam im Garten Eden):

    Auf Idafeld kamen / die Asen zusammen,

    Altäre zu schaffen / und Tempel zu bauen;

    Sie gründeten Essen, / das Gold zu schmieden,

    Hämmerten Zangen / und Handwerkszeug.

    Im Hofe übten sie / heiter das Brettspiel -

    An blitzendem Golde / gebrach's ihnen nicht -

    Bis die mächtigen drei / Mädchen kamen,

    Die Töchter der Riesen / aus Thursenheim.

    Von seinem Thron Hliðskjálf überblickt Odin die Welt.

    Strabon: VII 1,4 Varusschlacht

    [grc] γνώριμα δὲ ταῦτα κατέστη τὰ ἔθνη πολεμοῦντα πρὸς Ῥωμαίους, εἶτ᾽ ἐνδιδόντα καὶ πάλιν ἀφιστάμενα ἢ καὶ καταλείποντα τὰς κατοικίας: κἂν πλείω δὲ γνώριμα ὑπῆρξεν, εἰ ἐπέτρεπε τοῖς στρατηγοῖς ὁ Σεβαστὸς διαβαίνειν τὸν Ἄλβιν μετιοῦσι τοὺς ἐκεῖσε ἀπανισταμένους. Bekannt geworden sind diese Stämme durch Kriege gegen Römer, in denen sie sich entweder ergaben und wieder aufbegehrten oder ihre Heimat verließen; und sie wären noch bekannter geworden, hätte Augustus den Feldherren erlaubt, die Elbe zu überqueren, um die sich dorthin Zurückziehenden zu verfolgen.
    [grc] νυνὶ δ᾽ εὐπορώτερον ὑπέλαβε στρατηγεῖν τὸν ἐν χερσὶ πόλεμον, εἰ τῶν ἔξω τοῦ Ἄλβιος καθ᾽ ἡσυχίαν ὄντων ἀπέχοιτο καὶ μὴ παροξύνοι πρὸς τὴν κοινωνίαν τῆς ἔχθρας. So aber meinte er mit seinen Händen den Krieg auf einem gangbareren Wege zu führen, wenn er die jenseits der Elbe in Frieden Lebenden schonte und nicht reizte, sich mit dem Feinde zu vereinigen.
    [grc] ἤρξαντο δὲ τοῦ πολέμου Σούγαμβροι πλησίον οἰκοῦντες τοῦ Ῥήνου, Μέλωνα ἔχοντες ἡγεμόνα: κἀκεῖθεν ἤδη διεδέχοντο ἄλλοτ᾽ ἄλλοι δυναστεύοντες καὶ καταλυόμενοι, πάλιν δ᾽ ἀφιστάμενοι, προδιδόντες καὶ τὰ ὅμηρα καὶ τὰς πίστεις. Es begannen aber den Krieg die Sugamber, die am Rheine siedelten, mit Melon als Führer; bald ergriffen Nachahmer die Macht, wurden wieder gestürzt und begehrten wieder auf, womit sie Geiseln und Vertrauen verspielten.
    [grc] πρὸς οὓς ἡ μὲν ἀπιστία μέγα ὄφελος, οἱ δὲ πιστευθέντες τὰ μέγιστα κατέβλαψαν, καθάπερ οἱ Χηροῦσκοι καὶ οἱ τούτοις ὑπήκοοι, παρ᾽ οἷς τρία τάγματα Ῥωμαίων μετὰ τοῦ στρατηγοῦ Ὀυάρου Κουιντιλλίου παρασπονδηθέντα ἀπώλετο ἐξ ἐνέδρας. Gegenüber diesen war Misstrauen von großem Nutzen; denn die, denen man vertraute, schadeten am meisten, ganz so wie die Cherusker und ihre Anhänger, von denen drei Legionen mit dem Feldherrn Varus Quintilius durch Vertragsbruch aus dem Hinterhalt vernichtet wurden.
    [grc] ἔτισαν δὲ δίκας ἅπαντες καὶ παρέσχον τῷ νεωτέρῳ Γερμανικῷ λαμπρότατον θρίαμβον, ἐν ᾧ ἐθριαμβεύθη τῶν ἐπιφανεστάτων ἀνδρῶν σώματα καὶ γυναικῶν, Σεγιμοῦντός τε Σεγέστου υἱός, Χηρούσκων ἡγεμών, καὶ ἀδελφὴ αὐτοῦ, γυνὴ δ᾽ Ἀρμενίου τοῦ πολεμαρχήσαντος ἐν τοῖς Χηρούσκοις ἐν τῇ πρὸς Ὀυᾶρον Κουιντίλλιον παρασπονδήσει καὶ νῦν ἔτι συνέχοντος τὸν πόλεμον, ὄνομα Θουσνέλδα, καὶ υἱὸς τριετὴς Θουμέλικος: ἔτι δὲ Σεσίθακος, Σεγιμήρου υἱὸς τῶν Χηρούσκων ἡγεμόνος, καὶ γυνὴ τούτου Ῥαμίς, Οὐκρομήρου θυγάτηρ ἡγεμόνος Χάττων, καὶ Δευδόριξ, Βαιτόριγος τοῦ Μέλωνος ἀδελφοῦ υἱός, Σούγαμβρος. Aber alle verbüßten ihre Strafe und verschafften dem jüngeren Germanicus einen höchst rühmlichen Triumph, in welchem über die berühmtesten Männer und Frauen triumphiert wurde, über Segimunt, einen Sohn Segest's und Fürsten der Cherusker, und über seine Schwester Thusnelda, die Frau Armin's, des Heerführers der Cherusker, der damals Varus Quintilius verraten hatte und nun noch am Kriege festhält, über ihren dreijährigen Sohn Thumelicus; ferner über Sesithacus, Sohn Segimer's, eines Fürsten der Cherusker, und seine Frau Rhamis, Tochter Ukromer's, eines Fürsten der Hessen, und über Deudorix, Sohn Baiporyg's, eines Bruders des Melon's, einen Sugamber.
    [grc] Σεγέστης δὲ ὁ πενθερὸς τοῦ Ἀρμενίου καὶ ἐξ ἀρχῆς διέστη πρὸς τὴν γνώμην αὐτοῦ καὶ λαβὼν καιρὸν ηὐτομόλησε καὶ τῷ θριάμβῳ παρῆν τῶν φιλτάτων, ἐν τιμῇ ἀγόμενος. Segestes aber, der Schwiegervater Armin's, widersetzte sich von Anfang an dessen Meinung, wechselte, die Gunst der Stunde nutzend, die Seiten und nahm am Triumph über seine Liebsten als Ehrengast teil.
    [grc] ἐπόμπευσε δὲ καὶ Λίβης τῶν Χάττων ἱερεύς, καὶ ἄλλα δὲ σώματα ἐπομπεύθη ἐκ τῶν πεπορθημένων ἐθνῶν, Καούλκων Καμψανῶν Βρουκτέρων Οὐσίπων Χηρούσκων Χάττων Χαττουαρίων Λανδῶν Τουβαττίων. Mit im Triumphzuge ging auch Libes, ein Priester der Hessen, und andere aus den verheerten Völkern (Kaulkern, Kampsanen, Brukterern, Usipern, Cheruskern, Hessen, Chattuariern, Landern und Tubatiern) wurden mitgeführt.
    [grc] διέχει δὲ τοῦ Ἄλβιος ὁ Ῥῆνος περὶ τρισχιλίους σταδίους, εἴ τις εὐθυπορούσας ἔχοι τὰς ὁδούς: νυνὶ δὲ διὰ σκολιᾶς καὶ ἑλώδους καὶ δρυμῶν κυκλοπορεῖν ἀνάγκη. Entfernt von der Elbe wäre der Rhein nur um die 3000 Stadien, hätte man gerade Wege; so aber muss auf gewundenen und sumpfigen durch Wälder ein Bogen gemacht werden.

    Übersetzt von Jürgen Regel

    Leben des Tacitus

    Über Tacitus' (wörtlich: „der Schweigsame“) Leben existieren nur verstreute Zeugnisse von ihm selbst oder von seinen Zeitgenossen, vor allem dem jüngeren Plinius. Seine Familie stammte eventuell aus einer der römischen Provinzen, vielleicht Gallia cisalpina oder Gallia Narbonensis. Tacitus begann unter Kaiser Vespasian die typische politische Karriere eines römischen Senators (cursus honorum), die ihren formalen Höhepunkt mit dem Consulat im Jahre 97 und dem Proconsulat der Provinz Asia (auf dem Gebiet der heutigen Türkei) zwischen 112 und 116 erreichte.

    Entnommen aus [de] Wikipedia: Tacitus

    Tacitus: I 60 Teutoburgiensis saltus

    Tacitus : I 60 Saltus Teutoburgiensis als Ort der Varusschlacht

    [la] Ductum inde agmen ad ultimos Bructerorum quantumque Amisiam et Lupiam amnes inter vastatum haud procul Teutoburgiensi saltu  in quo reliquiae Vari legionumque insepultae dicebantur. Es wurde dann das Heer zu den äußersten Brukterern geführt und alles Land zwischen Ems und Lippe verwüstet, nicht eben weit vom Teutoburgiensis saltus , wo, wie es hieß, die Gebeine des Varus und der Legionen noch unbestattet lagen.

    Tacitus : Annales I 60

    Der Text handelt vom Feldzuge des Jahres 15 n. Chr., 6 Jahre nach der Clades Variana, und ist die einzige Quelle, in der der Name des Schlachtortes genannt ist: Teutoburgiensis Saltus . Ich deute Teutoburgiensis  als Thüster Burg

    Tacitus: II 7 Drususaltar

    [la] Sed Caesar, dum adiguntur naves, Silium legatum cum expedita manu inruptionem in Chattos facere iubet; ipse, audito castellum Lupiae  flumini adpositum obsideri, sex legiones eo duxit. neque Silio ob subitos imbres aliud actum quam ut modicam praedam et Arpi principis Chattorum coniugem filiamque raperet, neque Caesari copiam pugnae obsessores fecere, ad famam adventus eius dilapsi. tumulum tamen nuper Varianis legionibus structum et veterem aram Druso sitam  disiecerant. restituit aram honorique patris princeps ipse cum legionibus decucurrit; tumulum iterare haud visum. et cuncta inter castellum Alisonem  ac Rhenum novis limitibus aggeribusque permunita. Während nun die Schiffe zusammengezogen wurden, ließ der Caesar den Legaten Silius mit einer leichtbewaffneten Truppe einen Einfall in das Chattenland machen; er selbst führte auf die Nachricht, ein an der Lippe angelegtes Kastell werde belagert, sechs Legionen dorthin. Doch konnte weder Silius wegen plötzlicher Regengüsse etwas anderes ausrichten, als ein wenig Beute zu machen und des Chattenfürsten Arpus Frau und Tochter zu entführen, noch gaben dem Caesar die Belagerer Gelegenheit zum Kampf, da sie auf die Kunde von seinem Anrücken auseinandergelaufen waren. Sie hatten jedoch den kürzlich für die Legionen des Varus errichteten Grabhügel und einen alten, für Drusus erbauten Altar  zerstört. Germanicus stellte den Altar wieder her und führte zu Ehren des Vaters persönlich an der Spitze der Legionen eine feierliche Parade an; den Grabhügel zu erneuern schien nicht zweckmäßig. Schließlich wurde das ganze Gebiet zwischen dem Kastell Aliso und dem Rhein durch neue Heerstraßen und Dammwege erschlossen und gesichert.

    Tacitus, Cornelius : Annalen lat. u. dt. / P. Cornelius Tacitus. Hrsg. von Erich Heller. - München; Zürich: Artemis Verlag 1982 (Sammlung Tusculum). Einheitssacht.: Annales. ISBN 3-7608-1645-2 NE: Heller, Erich [Hrsg.]

    Im Jahre 16 n. Chr., kurz vor der Schlacht bei Idistaviso, besuchte Germanicus wie im Jahr zuvor den Ort der Varusschlacht. Er hatte die Gefallenen in Grabhügeln bestatten lassen. Die Textstelle belegt, dass Teutoburgiensis Saltus , der alte Drususaltar  und das Kastell Aliso  nicht weit von einander entfernt waren.

    Tacitus: Ann. II 12: Idistaviso

    Tacitus : Die Schlacht auf dem Idistavisischen Felde (Annales II 12)

    [la] Caesar transgressus Visurgim  indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae; convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram  ausurosque nocturnam castrorum oppugnationem. habita indici fides et cernebantur ignes, suggressique propius speculatores audiri fremitum equorum inmensique et inconditi agminis murmur attulere. igitur propinquo summae rei discrimine explorandos militum animos ratus, quonam id modo incorruptum foret secum agitabat. tribunos et centuriones laeta saepius quam comperta nuntiare, libertorum servilia ingenia, amicis inesse adulationem; si contio vocetur, illic quoque quae pauci incipiant reliquos adstrepere. penitus noscendas mentes, cum secreti et incustoditi inter militaris cibos spem aut metum proferrent. Der Caesar erfuhr nach Überschreiten der Weser 1 aus dem Bericht eines Überläufers, dass Arminius ein Schlachtfeld ausgewählt habe, dass auch andere Stämme in einen dem Hercules heiligen Hain 2  zusammengekommen seien und einen nächtlichen Angriff auf das Lager wagen würden. Man vertraute dem Bericht, zumal Feuer gesichtet wurden und Kundschafter, die sich näher angeschlichen hatten, meldeten, das Wiehern von Pferden und das Gemurmel eines gewaltigen, ungeordneten Heerhaufens gehört zu haben. Weil er meinte, für die anstehende wichtige Entscheidung den Mut seiner Soldaten erforschen zu müssen, überlegte er bei sich, wie er das unverfälscht erreichen könne: Die Tribunen und Hauptleute würden öfter das Erfreuliche als das Erfahrene melden, die Freigelassenen hätten einen Untertanengeist und die Freunde neigten zur Schmeichelei. Wenn eine Versammlung einberufen würde, würden auch dort wenige etwas beginnen und die übrigen es nachbrüllen. Ihre innersten Gesinnungen wären zu erkunden, während sie geheim und unbeobachtet beim gemeinsamen Essensausgabe ihre Hoffnung und Furcht äußerten.

    Tacitus Cornelius : Annalen: lat. u. dt. / P. Cornelius Tacitus. Hrsg. von Erich Heller. - München; Zürich: Artemis Verlag 1982 (Sammlung Tusculum); Einheitssacht.: Annales; ISBN 3-7608-1645-2 NE: Heller, Erich [Hrsg.]

    Tacitus: Ann. II 16 dessen Lage

    Tacitus : Die Lage des Idistavisischen Feldes (Annales II 16)

    [la] [16] Sic accensos et proelium poscentis in campum, cui Idistaviso nomen, deducunt. is medius inter Visurgim et collis 1 , ut ripae fluminis cedunt aut prominentia montium resistunt, inaequaliter sinuatur. pone tergum insurgebat silva editis in altum ramis et pura humo inter arborum truncos. campum et prima silvarum barbara acies tenuit: soli Cherusci iuga insedere ut proeliantibus Romanis desuper incurrerent. noster exercitus sic incessit: auxiliares Galli Germanique in fronte, post quos pedites sagittatii; dein quattuor legiones et cum duabus praetoriis cohortibus ac delecto equite Caesar; exim totidem aliae legiones et levis armatura cum equite sagittario ceteraeque sociorum cohortes. intentus paratusque miles ut ordo agminis in aciem adsisteret.
    Tacitus: P. CORNELI TACITI ANNALIVM LIBER SECVNDVS 16, The Latin Library

    Valerius Maximus: Drusus' Tod"

    Valerius Maximus :  Factorum et Dictorum Memorabilium Liber VI 5.3

    Tiberius sucht seinen Bruder Drusus vor dessen Tode auf:

    [la] o vetustas, illo saeculum nostrum ornatum est, cui contingit fraternum iugum Claudiae prius, nunc etiam Iuliae gentis intueri decus: tantum enim amorem princeps parensque noster insitum animo fratris Drusi habuit, ut cum Ticini, quo victor hostium ad conplectendos parentes venerat, gravi illum et periculosa valitudine in Germania fluctuare cognosset, protinus inde metu attonitus erumperet. iter quoque quam rapidum et praeceps velut uno spiritu corripuerit eo patet, quod Alpes Rhenumque transgressus die ac nocte mutato subinde equo CC milia passuum 1 per modo devictam barbariam Namantabagio duce solo comite contentus evasit. sed eum tum maximo labore et periculo implicatum mortaliumque frequentia defectum sanctissimum pietatis numen et di fautores eximiarum virtutum et fidissimus Romani imperi custos Iuppiter comitatus est. Drusus quoque, quamquam fato iam suo quam illius officio propior erat, vigore spiritus et corporis viribus conlapsus, eo ipso tamen, quo vita ac mors distinguitur, momento legiones cum insignibus suis fratri obuiam procedere iussit, ut imperator salutaretur. praecepit etiam dextera in parte praetorium ei statui, et consulare et imperatorium nomen optinere eum voluit, eodemque tempore et fraternae maiestati cessit et vita excessit. his scio equidem nullum aliud quam Castoris et Pollucis 2  specimen consanguineae caritatis convenienter adici posse.

    Valeri Maximi : Factorum et Dictorum Memorabilium V, 5, 3 bei Bill Thayer http://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Valerius_Maximus/5*.html#5.3

    Leben des Velleius Paterculus

    Zum Leben des Velleius Paterculus

    Er gehörte einer vornehmen kampanischen Familie an und trat in jungen Jahren in die Armee ein. Er diente als Militärtribun in Thrakien, Makedonien, Griechenland und dem Osten, und war im Jahr 2 beim Zusammentreffen zwischen Gaius Caesar, dem Enkel des Augustus und dem parthischen König am Euphrat dabei. Ab 4 diente er als Reiterpräfekt und legatus acht Jahre lang in Germanien und Pannonien unter Tiberius. Für seine Dienste wurde er im Jahr 8 Quaestor und im Jahr 15, zusammen mit seinem Bruder, Praetor. Er lebte noch im Jahr 30, da sein Werk viele Hinweise auf das Konsulat des Marcus Vinicius in diesem Jahr enthält. Es wird vermutet, dass er im Jahr 31 als Freund des Sejan getötet wurde.

    Entnommen aus [de] Wikipedia: Velleius Paterculus

    Velleius Paterculus: Ad caput Juliae

    Velleius Paterculus : Über das Lager an der Julia -Quelle, 4 n. Chr.

    C. VELLEI PATERCULI HISTORIAE ROMANAE LIBRI DUO AD M. VINCIUVM COS., LIBER POSTERIOR [105]

    1

    [la] Intrata protinus Germania, subacti Canninefates, Attuarii, Bructeri, recepti Cherusci (gentis eius Arminius mox nostra clade nobilis), transitus Visurgis, penetrata ulteriora, cum omnem partem asperrimi et periculosissinu belli Caesar vindicaret sibi, iis, quae minoris erant discriminis, Sentium Saturninum, qui iam legatus patris eius in Germania fuerat, praefecisset,

    2

    [la] virum multiplicem virtutibus, gnavum, agilem, providum militariumque officiorum patientem ac peritum pariter, sed eundem, ubi negotia fecissent locum otio, liberaliter lauteque eo abutentem, ita tamen, ut eum splendidum atque hilarem potius quam luxuriosum aut desidem diceres. De cuius viri claro ingenio celebrique consulatu praediximus.

    3

    [la] Anni eius aestiva usque in mensem Decembrem producta inmanis emolumentum fecere victoriae. Pietas sua Caesarem paene obstructis hieme Alpibus in urbem traxit, at tutela imperii eum veris initio reduxit in Germaniam, in cuius mediis finibus ad caput Lupiae  Juliae 1  fluminis hiberna digrediens princeps locaverat.

    http://www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/vell2.html#105

    George Mason University

    Department of Modern and Classical Languages

    233 Thompson Hall, Mail Stop 3E5

    Fairfax, VA 22030-4444

    Velleius Paterculus: Caedicius

    Velleius Paterculus : Caedicius verteidigt Aliso

    [la] L. etiam Caedicii praefecti castrorum eorumque, qui una circumdati Alisone  immensis Germanorum copiis obsidebantur, laudanda virtus est, qui omnibus difficultatibus superatis, quas inopia rerum intolerabilis, vis hostium faciebat inexsuperabi1is, nec temerario consilio nec segni providentia usi speculatique opportunitatem ferro sibi ad suos peperere reditum. Anerkennung verdient auch die Tüchtigkeit des Lagerkommandanten L. Caedicius und derer, die, mit ihm zusammen in Aliso  eingeschlossen, durch riesige Massen von Germanen belagert wurden: unter Überwindung aller Schwierigkeiten, die der Mangel an Lebensmitteln unerträglich und der Ansturm der Feinde unüberwindlich machte, faßten sie weder übereilte Entschlüsse noch begnügten sie sich mit tatenloser Vorsicht: sie warteten den geeigneten Moment ab, dann bahnten sie sich mit dem Schwerte die Rückkehr zu den ihrigen.

    C. VELLEI PATERCULI : HISTORIAE ROMANAE LIBRI DUO AD M. VINCIUVM COS. LIBER POSTERIOR [120], 4

    Namensdeutung

    Deutung des Namens Aliso

    Germanisch Aliso (mit weichem S) bezeichnet die Eller oder Erle (mittelniederdeutsch Else ), die sich daraus ableiten, wie man in jedem etymologischen Lexikon nachlesen kann. Der Flussname Ilse wird einerseits auf den Baumnamen zurückgeführt, andererseits auf einen alteuropäischen Gewässernamen. (vgl. Brockhaus-Artikel zu Ilsenburg ). Bestehe nun ein etymologischer Zusammenhang oder nicht: die Namensähnlichkeit hat mehrere Autoren vermuten lassen, dass das Römerlager unweit des Elison 's mit dem in der Literatur mehrmals erwähnten Aliso identisch sei.

    Brockhaus: Ilse

    Zum Namen des Flusses Ilse  bei Ilsenburg

    Ilsenburg, Stadt (seit 1959) am Nordrand des Harzes, Sachsen-Anhalt, entstand bei einer Burg über der Ilse,  die Kaiser Otto III. 998 den Bischöfen von Halberstadt zur Errichtung eines Benediktinerklosters schenkte. Das Kloster, das bes. im 11.Jahrhundert blühte, kam im 15. Jahrhundert an die Grafen von Stolberg-Wernigerode und wurde zur Residenz ausgebaut. Im Dorf entstand ein Hüttenwerk. Der Name 1187 Ilseneburg, 1184 Illsinburch, 1003 Elisen aburg, 995 Elysynaburg bezeichnete ursprünglich die ottonische Burg, er ist gebildet mit dem alten Namen des Harzflusses Ilse  (links zur Oker), 1003 Ilsina, 995 Elisina. Dieser Flussname kann als Erlenbach mit einem n-Suffix von germanisch aliso  Eller, Erle abgeleitet sein (vgl. mittelniederdeutsch else  Eller), doch gehört er eher zu den unter Elsenz und Elz behandelten alteuropäischen Gewässernamen, für die als weiteres Beispiel hier auch die Else (links zur Werre zur Weser) genannt sei, die im 13.Jahrhundert Elsene heißt.

    Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, Brockhaus Multimedia 2002

    Hier ist zwar ein anderer Fluss mit dem Namen "Ilse" gemeint, doch dürfte die etymologische Herleitung dieselbe sein.

    Ob germanisch aliso , mittelniederdeutsch Else  dem Baum Eller  oder Erle. entspricht, ist zu bezweifeln. Wahrscheinlicher ist eine Beziehung zur Els beere , französisch Alisier tominal . Die Elsbeere ist ein seltener, mit der Eberesche verwandter Laubbaum.

    Sorbus torminalis (L.) CRANTZ - Elsbeere  Vorkommen: In Laubwäldern, auf sonnenwarmen trockenen, sonnseitig exponierten Kalkesteinböden.

    Werner Müller : Flora von Hildesheim, Hildesheim 2001, Seite 262.

    Die Karte der Verbreitung des Baumes in Hildesheim zeigt ihn nur an wenigen Stellen, u. a. am Ilsenberg.

    Brockhaus: Innerste

    Zum Namen des Flusses Innerste

    Innerste, rechter Nebenfluss der Leine, Niedersachsen, entspringt im Harz südlich von Clausthal-Zellerfeld, mündet bei Sarstedt. 1577 Innerste, 1567 Inderste geht zurück auf 1313 Indistria, 1065 Entrista, 1013 Indrista.  Dies ist eine vorgermanische Bildung mit st-Suffix zu der erweiterten nasalierten Form ind-r- von indogermanisch oid- »schwellen«, die auch in baltischen Flussnamen wie lettisch Indra (zur Düna), litauisch Indrajà vorliegt und ohne r-Erweiterung im Namen der Inde, links zur Ruhr bei Jülich, Nordrhein-Westfalen, 834 Inda, erscheint.

    Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, Brockhaus multimedia 2002

    Indrista , die früheste bekannte Form des Namens der Innerste , kann der erste Bestandteil des Namens Idistaviso  sein. In Idistaviso fand im Jahre 16 n. Chr. eine Schlacht zwischen den Truppen des Germanicus und des Arminius statt.

    In Lauensteins Description 1   finden sich die alten Namen der Innerste mit einer Deutung:

    Brockhaus: Hildesheim

    Die Bedeutung des Namens Hildesheim

    Hildesheim, Stadt südöstlich von Hannover, Niedersachsen, entstand am Übergang des Hellwegs über die Innerste (rechts zur Leine) aus einer Kaufmannssiedlung (Wik) des 8.Jahrhunderts (heute: Alter Markt) und der südlich davon erbauten Domburg des um 815 von Kaiser Ludwig dem Frommen gegründeten Bistums Hildesheim. Namengebend für die Siedlung war wohl ein älteres Dorf (Straßenname Altes Dorf beim heutigen Hauptbahnhof). Unter den Bischöfen Bernward (993-1022) und Godehard (1022-1038) entwickelte sich Hildesheim räumlich nach Osten hin, wo um 1030 am Schnittpunkt des Hellwegs mit einer Straße zur Ostsee die Andreaskirche und ein neuer Markt entstanden; Stadtrecht um 1217, Beitritt zur Hanse 1367. Der Name Hildesheim  (so seit Anfang des 13.Jahrhunderts) ist verkürzt aus 12.Jahrhundert Hildinisheim , 1022 Hildeneshem , 1004 Hiltenesheim . Er enthält den alten deutschen Personenname Hildin oder Hildini (zu althochdeutsch hiltia Kampf). Den gleichen Namen wie Hildesheim haben Hillesheim in der Eifel, Rheinland-Pfalz, 675 Hildenesheim, und Hillesheim bei Alzey, Rheinland-Pfalz, 893 Hildensheym.

    Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001, zitiert aus Brockhaus Multimedia 2002

    Dobbertin: Schellerten

    Hans Dobbertin : Starb Drusus in Schellerten ?

    Zeitschrift Heimatland, 1986

    1

    Im Jahre 9 v. Chr. zog der Augustus-Stiefsohn Drusus vom Taunus aus kämpfend durch die an die Sueben angrenzenden Chatten zu den Cheruskern und drang dort über die Weser bis zur Mittelelbe vor. Dort sagte ihm eine körperlich große germanische Seherin den nahen Tod voraus. In der Tat starb Drusus »zwischen Saale und Rhein« kurze Zeit später nach einem Reitunfall und anschließendem einmonatigen Krankenlager in Anwesenheit seines 200 Meilen weit eilends herbeigeholten Bruders Tiberius im Sommerlager, das fortan oder deswegen (»ex eo«) Scelerata  genannt wurde (Sueton, Claudius 1).

    »Zu ,Scelerata’ möchte ich ergänzen, daß damit nicht ein Ortsname gemeint ist, sondern die Tatsache, daß es sich wegen des Todes des Drusus um ein beflecktes (= scelerata) Lager handelt«, meint in einem Brief vom 13. 8. 1986 der Archäologe Dr. Siegmar v. Schnurbein (Römisch-Germanische Kommission Frankfurt/M.).

    Nun gibt es aber am Quellbach Schelle bei Hildesheim – zwischen Weser und Elbe, Saale und Rhein, 200 Meilen vom Taunus entfernt – den einmaligen Ortsnamen Schellerten , und zwar unmittelbar an einer alten Fernstraße, wie sie die Römer benutzt haben werden: an der B 1, unmittelbar dort, wo nach menschlichem Ermessen Drusus verunglückt und gestorben ist. Gehen wir davon aus, daß dieses Dorf Schellerten  (1244 Schelerthe , 1266 Scelerthe ) nach dem Bach Schelle benannt und unter Drusus schon vorhanden war, so kann es durchaus sein, daß die Römer beim Hören beider (!) Namen im Zusammenhang damit nach dem Tode des Drusus abergläubisch an Befleckung (= scelus) / befleckt (sceleratus) dachten. Sei es, daß sie die Schuld am Tode Drusus den Cheruskern, der germanischen Seherin an der Elbe, den unaufmerksamen Truppen bei Schellerten oder dem Drusus selbst zuschrieben oder dem Unglücksort selbst.

    Man beachte hierzu, daß Velleius Paterculus, ein Zeitgenosse des Tiberius, zum Jahreswechsel 4/5 n. Chr. schreibt, Tiberius habe in Germanien am Ende (caput) des Flusses »Julia« überwintert und anschließend die Langobarden und Chauken bezwungen. Velleius dachte also beim Flußnamen Lupias (= Lippe) unwillkürlich gleich an die Julier, das Geschlecht des Julius Cäsar. Drusus hatte 11 v. Chr. am Zusammenfluß von Lupias  und Elison  ein Standlager von 300 mal 700 m Größe (= Anreppen) erbaut. Bei diesem »castellum Aliso(n)« wurde 15 n. Chr. ein »alter Drusus-Altar« vom Drusus-Sohn Germanikus wiedererrichtet (auf dem Abdinghof zu Paderborn). Frühestens Tiberius wird ihn 8 v. Chr. errichtet haben. Nachträglich hierzu könnte man erwägen, ob »Julia« statt der Lippe die Schelpe bei Selicasa war, ob Tiberius also in Corvey seine Winterresidenz hatte, nicht in Aliso.

    Größenmäßig stimmt das ovale Kastell Aliso mit der Grundfläche von Schellerten überein. Sein Name rührt gleichfalls letztlich von einem Bachlauf her (der bei Elsen entspringenden Gunne) und blieb bis heute im Ortsnamen Elsen seit der Römerzeit erhalten wie Vetera (= Birten bei Xanten), ldistaviso (= Evesen bei Minden, wohl ursprünglich Haus des Idistav, Gustav) und Amaseia oppidum (= Embsen bei Bremen und Verden).

    Es gibt Anzeichen dafür, daß Drusus auf dem späteren Platz eines von Karl dem Großen »mit allen Altären« zerstörten Diana-Idols in der Magdeburg westlich der ottonischen Pfalzaula einen Siegespfahl (tropaion) errichtet hatte (Grabung 1965) und daß Tiberius auf den Spuren des Drusus Baumaßnahmen in Paderborn, Hucxori/Selicasa(Corvey) und Bennopolis  (der Hildesheimer Domburg) veranlaßt hat. Germanikus landete jedenfalls 16 n. Chr. nicht in der Ems, sondern bei Embsen an der Unterweser und drang an die Westfälische Pforte bis in die Feldmark   Evesen = den campus Idistaviso  - und zum Angrivarierwall (bei Leese) vor.

    Weitere Literatur

    Eckstein: Asel

    Eckstein : Zur Herkunft des Namens Asel

    Der Name Asel  wird allgemein von dem lateinischen Worte „asylum“ hergeleitet, was soviel wie Zufluchtsort oder Freistätte bedeutet. Diese Auslegung des Namens ist bei der Nähe der Stadt erklärlich, wenn man zum Vergleich u. a. die Kreuz- und Domfreiheit der Stadt heranzieht. Demnach müßte hier in Asel ein Kirchlein oder eine Kapelle gestanden haben, welche Verfolgten gegen ihre Häscher so lange Schutz gewährte, wie sie sich im Schatten des Gotteshauses befanden. In späterer Zeit hat sich vielleicht ein „Herr von Asel“ besondere Verdienste um den Landesherrn erworben, daß ihm der Grafentitel verliehen wurde, denn der Ausdruck „Grafschaft Asel“ ist nicht nur hiesigen Orts, sondern in der ganzen Umgebung bekannt. Auch der Name Hogrefe (Holtgreve, Holtgräfe, Holtgraf, deren Träger heute noch in Asel ansässig sind, möge diese Annahme erhärten. Die Örtlichkeit des Schlosses wird in die Wiese am Unsinnbache, die jetzt zum Heinekeschen Hofe gehört, verlegt. Das Schloß selbst soll gegen Ende des 30jährigen Krieges von den alles verheerenden schwedischen Kriegshorden dem Erdboden gleichgemacht sein.

    Eckstein, K. : zitiert aus: August Söding: Heimaterde - Landschaft und Siedlungen im Altkreis Hildesheim-Land, August-Lax-Verlag, Hildesheim 1971

    Auf der Suche nach Orten, deren Name sich aus Aliso entwickelt haben mag, kommt neben Elze auch Asel in Betracht. Es liegt am Unterlauf des Ilsenbaches, der dort verballhornend Unsinnbach genannt wird.

    Internetpräsenz der Gemeinde Harsum : Asel . http://www.harsum.de/ortschaften/asel.html  [Zitiert 2005-08-29]

    Leese

    Seit langem wird vermutet, dass bei Leese die Schlacht am Angrivarierwall stattgefunden habe. Mit Aliso ist der Ort meines Wissens noch nicht in Verbindung gebracht worden.

    Funde aus alter Zeit bezeugen eine teilweise Besiedlung Leeses schon seit der Jungsteinzeit, man bearbeitete die leichten Flugsandböden im Osten des heutigen Dorfes mit primitiven Pflügen, die Bestattung der Körper erfolgte später unter Hügelgräbern, über 20 Stück konnten nachgewiesen werden, das Alter etwa auf 1800 Jahre vor Christus geschätzt. Weitere einzelne Ansiedlungen lagen am Terrassenrand zur Weser (Zappenberg). Ausgrabungen des Instituts für Denkmalspflege bestätigten im Kleinen Feld den größten Friedhof der vorrömischen Eisenzeit Norddeutschlands mit ca. 1100 Einzelgrabstätten, die Urne im Leeser Wappen weist darauf hin. Um Christi Geburt wohnten hier die germanischen Angrivarier (= Wiesenleute), südlich davon die Cherusker. Lange gilt Leese als Ort der Schlacht am Angrivarierwall um 16 nach Christus zwischen den Römern unter Germanicus und den Germanen unter Hermann, dem Cherusker. Die Reste eines alten Verteidigungswalls, der wohl quer durch das Dorf führte, der Anfangs als Beleg für diese Vermutung diente, wurde allerdings später als aus dem Mittelalter stammend eingeschätzt.

    http://www.leese-weser.de

    Eine der ersten menschlichen Siedlungen im Mittelwesergebiet war das Dorf Leese am Schnittpunkt uralter Heerstraßen. Diese Wege wurden in späteren Jahrhunderten auch von der Post benutzt. So war in Leese vor 150 Jahren eines der größten Postämter in der hiesigen Gegend. Zahlreiche vorgeschichtliche Funde beweisen, daß schon in der Steinzeit, also vor ungefähr 4000 Jahren, hier Menschen wohnten. Die erste schriftliche Urkunde über Leese stammt aus dem Jahre 1183. Sie ist in den Calenberger Urkunden des Klosters Loccum aufgezeichnet.

    Samtgemeinde Landesbergen - Gemeinde Leese http://www.landesbergen.de/gemeinden/leese.html

    Namenstransformation

    Wie findet man überlieferte geographische Namen wieder?

    Wie erkennt man geographische Namen, die vor 2000 Jahren in lateinischer oder griechischer Sprache festgehalten wurden, in heutigen Namen wieder, obwohl sie sich vielleicht stark verändert haben? Wie macht man die Ähnlichkeit messbar? Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist ein heutiger Ortsname aus einem überlieferten entstanden? Wie vermeidet man Fehldeutungen?

    Ein Vergleich: Ein Stück Holz wird in einen See geworfen. Wie findet man es nach einiger Zeit wieder? Man beginnt an der Stelle zu suchen, an der man es hineingeworfen hat. Wenn man in der Nähe dieser Stelle ein Stück Holz entdeckt, ist es mit einiger Wahrscheinlichkeit das gesuchte. Je näher, desto wahrscheinlicher.

    Nun wird das Stück Holz in einen Fluss geworfen. Man wird die Suche nicht an der Einschlagstelle beginnen, sondern zunächst schauen, wohin die Strömung es in der verstrichenen Zeit getrieben haben dürfte. Dann aber lässt sich dieselbe Methode wie oben anwenden. Ein Stück Holz, das man zu späterer Zeit an der Einschlagstelle findet, ist wahrscheinlich nicht das gesuchte, weil es von der Strömung woanders hin getrieben worden wäre.

    Wie ermittelt man die Strömung? Indem man andere Stücke Holz hineinwirft und sie verfolgt. Natürlich wird das Wiederfinden erleichtert, wenn nicht allzu viel Zeit verstrichen ist.

    Auf die Sprache übertragen bedeutet das: Man ermittelt, wie sich Namen aus römischer Zeit transformiert haben, deren heutige oder besser deren mittelalterliche Form zweifelsfrei bekannt ist. Beispiele dafür sind:

    AMISIO EMS
    LUPIAS LIPPE
    THEODERICH VERONA DIETRICH  von BERN
    RAVENNA RABEN  (Rabenschlacht)

    Aus den Beispielen erkennt man, dass Vokale sich aufhellen( A zu E, EO zu I, U zu I) und V zu B wird). Falls zum Beispiel der Name VARUS eine Spur in einem heutigen Ortnamen hinterlassen hat, dann ist zu erwarten, dass der Name mit BE statt mit VA beginnt. Der Name ELISON dürfte heute mit I beginnen (ILSE).

    Um zu beurteilen, ob sich ein heutiger Name aus einem überlieferten herleitet, führen wir ein Maß für die Unähnlichkeit, eine Art Abstandsbegriff, ein: Wir zählen die elementaren Transformationen, die von der zu erwartenden Form zu der heute vorgefundenen Form nötig sind. Transformationen, die zu erwarten sind, werden mit 0, solche, die häufig vorkommen, mit 1, seltene mit 2, sonst nicht vorkommende mit 3 gewichtet. Der Summenwert ist durch die Anzahl der Silben des überlieferten Namens zu dividieren. Je größer der Wert, desto unwahrscheinlicher ist die Herleitung. Diese Methode ist auf einige Namen aus der Hildesheimer Gegend angewandt worden.

    Moderne Historiker

    Gerstenberg: Bennopolis

    J. D. Gerstenberg

    Die neuern Geſchichtsſchreiber, welche dem Ursprunge der Stadt Hildesheim nachforſchten, theilen ſich in zwei Klaſſen. Die eine derſelben will behaupten, die Stadt habe ihre Entſtehung nicht der Verlegung des Stifts von Elze nach Hildesheim zu verdanken, ſondern ſie habe weit früher und ſchon zu des Kaiſers Tiberius Zeiten im Jahre 578 exiſtirt, und damals Bennoburg geheißen, welches aus einem Lateinischen Manuſcripte, das in der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel befindlich ſey, erhellen ſoll, indem daſſelbe mit klaren Worten ſowohl des Jahrs 578, als des Kaiſers Tiberius erwähne, mit dem Zuſatze: dieſer Tiberius ſey bekanntlich vom Kaiſer Juſtin II., kurz vor ſeinem Tode, ihm in der Regierung des Reichs beigeſellet worden. Um dieſer Meinung, und — was daraus folgen würde — daß Hildesheim ſchon lange vor der Gründung des Stifts eine mit Mauern verſehene Stadt geweſen ſey, noch mehr Gewicht zu geben, wird auch dieſer Umſtand angeführt: weil nämlich der Pabst die Beſtätigung zu der Errichtung des Stifts zu Elze aus dem Grunde verweigert habe, weil dieſer Ort, ſicher gegen die Einfälle der heidniſchen Sachſen, zu einem Bisthum ſich nicht geeignet, und weil ohnedieß die Kirchenverſammlung zu Sardika die Errichtung von Bisthümern in Dörfern oder kleinen Städten durch eine beſondere Verordnung unterſagt habe; daß aber die verlangte Beſtätigung auf die Verlegung des Stifts von Elze nach Hildesheim als einem mehr befeſtigten, und wegen der nahe dabei gelegenen Bennoburg von dem Fränkiſchen Heere gegen die Einfälle der Sachſen leicht zu vertheidigenden Orte, ohne weitere Schwierigkeiten erfolgt ſey.

    Der aus dem angeführten Manuſscript, welches von der eigenen Hand des Meißnischen Bischofs und vormaligen Abts des Michaelis=Kloſters in Hildesheim, Benno, ſeyn ſoll, gezogene Beweis: daß nämlich die Stadt lange vor der Errichtung des Stifts und bereits im Jahre 578 exiſtiret, und damals den Namen Bennoburg gehabt habe, würde nun zwar für jene Meinung allerdings von Wichtigkeit — aber auch ſelbst der bekannten und weiter unten zu prüfenden Deutung der erſt mit der Verlegung des Stifts von Elze begonnenen Benennung Hildesheim gewiſſermaßen behülflich ſeyn; — allein die Kritik der Geſchichtsſchreiber, welche der entgegengeſetzten Meinung ſind, hat auch ihrerſeits Gründe aufgeſtellt, welche nicht bloß negativ es außer Zweifel ſetzen ſollen, daß eine ſolche Stadt vor der Errichtung des Stifts Hildesheim nicht exiſtirt habe, ſondern daß erſt die Verlegung des Stifts von Elze dahin auch die Ära der Entſtehung der Stadt ſey.

    Gerstenberg, J. D.(Herausgeber) : Beiträge zur Hildesheimiſchen Geſchichte, 1. Band, Hildesheim, 1828, Seite 11 ff.

    Der wissenschaftliche Streit über diese Textstelle begann schon um das Jahr 1060. 1

    Pörtner: Aliso

    Pörtner : Zur Lage von Aliso

    Drusus ließ, wie man weiß, am Zusammenfluß von Lupias und Elison ein befestigtes Lager errichten. Als Lupias  kommt nur die Lippe  in Frage. Nach dem Elison  aber hat man bislang vergebens gefahndet. Die Alme bei Paderborn, die Ahse bei Hamm, die Seseke bei Lünen, die Glenne bei Lippstadt und die Stever bei Haltern, sie alle sind als elisonverdächtig in die Diskussion gezogen - ohne daß bis heute eine Entscheidung gefallen wäre. Der Name des Drususlagers ist nicht bekannt. Die Lagebezeichnung am Elison  legt jedoch die Vermutung nahe, daß es mit jenem Aliso  identisch ist, das in den späteren Feldzügen eine so große Rolle spielte: zum ersten Mal nach der Schlacht im Teutoburger Walde, da es, nach Vellejus, als einziges Kastell im Lippegebiet Widerstand leistete, nachdem es zahlreiche Versprengte aus der Schlacht aufgenommen hatte, darunter Frauen und Kinder. Von starken germanischen Kräften belagert, hielt es damals unter Führung des Caedicius so lange stand, bis sich Gelegenheit bot, in Richtung Vetera durchzubrechen. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß man es auch bei dem Kastell, das sieben Jahre später von Germanicus entsetzt wurde, wiederum mit Aliso  zu tun hat, denn der Bericht des Tacitus erwähnt, daß daraufhin die ganze Strecke zwischen Aliso  und dem Rhein mit Wegen und Dämmen versehen wurde.

    ; S. 26

    Mommsen: Aliso

    Mommsen 's Vermutung Aliso  = Elsen

    Daß das Kastell am Zusammenfluß des Lupias  und des Helison  bei Dio 54, 33 identisch ist mit dem öfter genannten Aliso  und dies an der oberen Lippe gesucht werden muß, ist keinem Zweifel unterworfen, und daß das römische Winterlager an den Lippequellen (ad caput Lupiae, Vell. 2, 105), unseres Wissens das einzige derartige auf germanischem Boden, eben dort zu suchen ist, wenigstens sehr wahrscheinlich. Daß die beiden an der Lippe hin laufenden Römerstraßen und deren befestigte Marschlager wenigstens bis in die Gegend von Lippstadt führten, haben namentlich Hölzermanns Untersuchungen dargetan. Die obere Lippe hat nur einen namhaften Zufluß, die Alme, und da unweit der Mündung dieser in die Lippe das Dorf Elsen  liegt, so darf hier der Namensähnlichkeit einiges Gewicht beigelegt werden. Der Ansetzung von Aliso an der Mündung der Glenne (und Liese) in die Lippe, welche unter andern Schmidt vertritt, steht vornehmlich entgegen, daß das Lager ad caput Lupiae dann von Aliso verschieden gewesen sein muß, überhaupt dieser Punkt von der Weserlinie zu weit abliegt, während von Elsen aus der Weg geradezu durch die Dörenschlucht in das Werretal führt. Überhaupt bemerkt Schmidt (Westfählische Zeitschrift für Gesch. und Alterthumskunde 20, 1862, S. 259), kein Anhänger der Identifikation von Aliso und Elsen, daß die Höhn von Wever (unweit Elsen) und überhaupt der linke Talrand der Alme der Mittelpunkt eines Halbkreises sind, welchen die vorliegenden Gebirge bilden, und diese hochgelegene, trockene, bis zu dem Gebirge eine genaue Übersicht gestattende Gegend, welche das ganze lippische Land deckt und selbst in der Front durch die Alme gedeckt ist, sich gut eignet zum Ausgangspunkt eines Zuges gegen die Weser.

    Mommsen : Römische Geschichte, Buch 8, 1904, Seite 40 , siehe http://www.fullbooks.com/R-mische-Geschichte-Book-81.html

    Wenn Mommsen Recht hat außer, dass Aliso an der oberen Lippe gesucht werden müsse, und wir ad caput Lupiae  durch ad caput Iuliae  ersetzen, wie Friedrich Koepp es fordert , dann folgt die Gleichung

    Castra Scelerata  = Schellerten  =  = ad caput Iuliae  = an der Quelle der Schelle  = Lupias-Elison -Lager = Elbe-Ilse -Lager  = Aliso

    Mommsen: Arbalo

    Mommsen  zur Schlacht bei Arbalo

    Nachdem also die Küste umfaßt war, begann im nächsten Jahr (743 11) die Unterwerfung des Binnenlandes. Sie wurde wesentlich erleichtert durch den Zwist unter den mittelrheinischen Germanen. Zu dem im Jahre vorher versuchten Angriff auf Gallien hatten die Chatten den versprochenen Zuzug nicht gestellt; in begreiflichem, aber noch vielmehr unpolitischem Zorn hatten die Sugambrer mit gesamter Hand das Chattenland überfallen, und so wurde ihr eigenes Gebiet sowie das ihrer nächsten Nachbarn am Rhein ohne Schwierigkeit von den Römern besetzt. Die Chatten unterwarfen sich dann den Feinden ihrer Feinde ohne Gegenwehr; nichtsdestoweniger wurden sie angewiesen, das Rheinufer zu räumen und dafür dasjenige Gebiet zu besetzen, das bis dahin die Sugambrer innegehabt hatten. Nicht minder unterlagen weiter landeinwärts die mächtigen Cherusker an der mittleren Weser. Die an der unteren sitzenden Chauker wurden, wie ein Jahr zuvor von der Seeseite, so jetzt zu Lande angegriffen und damit das gesamte Gebiet zwischen Rhein und Weser wenigstens an den militärisch entscheidenden Stellen in Besitz genommen. Der Rückweg wäre allerdings, eben wie im vorigen Jahre, fast verhängnisvoll geworden; bei Arbalo  (unbekannter Lage) sahen sich die Römer in einem Engpaß von allen Seiten von den Germanen umzingelt und ihrer Verbindungen verlustig; aber die feste Zucht der Legionäre und daneben die übermütige Siegesgewißheit der Deutschen verwandelten die drohende Niederlage in einen glänzenden Sieg 7.

    7 Daß die Schlacht bei Arbalo  ( Plin. nat. 11, 17, 55 ) in dieses Jahr gehört, zeigt Obsequens 72  und also geht auf sie die Erzählung bei Dio 54, 33 .

    Mommsen : Römische Geschichte, 1904 , Buch VIII, 1. Kapitel

    Mommsen: Idistaviso

    Mommsen  über Idistaviso

    Nachdem er dieses Frühjahr wie das vorige zu raschen Vorstößen am Main und an der Lippe verwendet hatte, schiffte er im Anfang des Sommers auf der inzwischen fertiggestellten gewaltigen Transportflotte von 1000 Segeln sein gesamtes Heer an der Rheinmündung ein und gelangte in der Tat ohne Verlust bis an die der Ems, wo die Flotte blieb, und weiter, vermutlich die Ems hinauf bis an die Haasemündung und dann an dieser hinauf in das Werretal, durch dieses an die Weser. Damit war die Durchführung der bis 80000 Mann starken Armee durch den Teutoburger Wald, welche namentlich für die Verpflegung mit großen Schwierigkeiten verbunden war, vermieden, in dem Flottenlager für die Zufuhr ein sicherer Rückhalt gegeben, und die Cherusker auf dem rechten Ufer der Weser statt von vorn in der Flanke angegriffen. Auf diesem trat den Römern das Gesamtaufgebot der Germanen entgegen, wiederum geführt von den beiden Häuptern der Patriotenpartei, Arminius und Inguiomerus; über welche Streitkräfte dieselben geboten, beweist, daß sie im Cheruskerland zunächst an der Weser selbst, dann etwas weiter landeinwärts ²², zweimal kurz nacheinander gegen das gesamte römische Heer in offener Feldschlacht schlugen und in beiden den Sieg hart bestritten.

    ²² Die Annahme Schmidts (Westfälische Zeitschrift 20, 1862, S. 301), daß die erste Schlacht auf dem Idistavisischen  Feld, etwa bei Bückeburg, geschlagen sei, die zweite, wegen der dabei erwähnten Sümpfe, vielleicht am Steinhuder See, bei dem südlich von diesem liegenden Dorf Bergkirchen, wird von der Wahrheit sich nicht weit entfernen und kann wenigstens als Veranschaulichung gelten. Auf ein gesichertes Ergebnis muß bei diesem wie bei den meisten Taciteischen Schlachtberichten verzichtet werden.

    Kalkriese und Halberstadt

    Vergleich mit den Theorien Kalkriese und Halberstadt

    Die heute von der Wissenschaft favorisierte Kalkriese -Theorie und die Harz-Theorie von Friebe 1  sind weitgehend mit meiner und erst recht untereinander inkompatibel. So lehne ich Friebe's Deutung TE UTO BURGI ENSI SALTU  ab, und Arbalo lokalisiere ich nicht im Arbke-Tal. Anders als Friebe nehme ich an, Varus sei von Osten nach Westen gezogen 2 . Allenfalls als Ausgangspunkt für den Zug des Varus kommt die Gegend um Halberstadt in Betracht; Kalkriese nur als Endpunkt.

    Gibt man bei Google Maps als Suchkriterium ein von Halberstadt nach Kalkriese   und wählt die Option Fußweg , so wird eine Route errechnet, die genau durch Hildesheim führt. Gibt man als Zwischenstation Winzenburg  ein, errechnet Google Maps einen Weg durch den Römergrund am Thüster Berg und der Porta Westfalica vorbei nach Kalkriese. Dies könnte der kleine Umweg gewesen sein, auf den Varus gelockt wurde.

    Damit wären die Theorien Kalkriese, Harz/Halberstadt (Friebe), Winzenburg (Schwanke)   und meine bei allen Unterschieden im Detail zum ersten Male in Beziehung gesetzt.

    Vortrag

    Vorwort

    Thema

    Methode

    Cassius Dio: Drususfeldzug 11 v. Chr.

     …

     …

    Drususfeldzug 11 v. Chr.

    Drususfeldzüge aus Putzger, F. W.: Historischer Weltatlas, 88. Auflage., S.34

    Garbolzum

    Karte der Gemeinde Schellerten mit Ortsteil Garbolzum

    Castra Scelerata

    Karte von Schellerten

    Im Jahre 9 v. Chr. gelangte Drusus bis an die Elbe. Mommsen:

    Sueton:

    morbo obiit in aestivis castris, quae ex eo Scelerata  sunt appellata.

    Hans Dobbertin hat Castra Scelerata bei Schellerten  lokalisiert. Castra Scelerata  kann nicht der offizielle  Name des Lagers gewesen sein!

    Garbolzum  = Arbalo  liegt in der Nähe. Aber wo fließen Λουπίας  und Ἐλίσων  zusammen?

    Ad caput Juliae 4 n. Chr

    Schellerten = Schelle-Ort = caput Juliae  (althochdeutsch Ort = Spitze, Anfang)

    Praeter caput Iuliae transfluit aqua quae vocatur Crabra.
    Frontinus

    Elison (Ἐλίσων) = Ilse

    Elison  =  Ilse  =  Klunkau  =  Bruchgraben

    Karte der Gegend östlich Hildesheims, © Niedersachsen-Navigator Karte des Fürstbistums Hildesheim und der angrenzenden Fürstentümer von Albert Karl Seuter.

    Lupias (Λουπίας) = Elbe

    Geographischer Beweis Luppia  = Ding elbe

    Ortelius' Karte des alten Deutschlands

    Etymologischer Beweis Lupias  = Elbe

    Tropaia Drusu (Τρόπαια Δρούσου)

    Facsimilie einer Zeile aus Hofman's Lexikon Universale Ortelius' Karte des alten Deutschlands Links Marienburg, rechts Poppenburg

    Aliso (Literaturstellen)

    Wo lag Aliso?

    Zeile aus Celtis: Germania generalis Elze an der Saale, © Niedersachsen-Navigator

    Fazit

    Schellerten und Umgebung, , © Niedersachsen-Navigator, mit Eintragungen von J. Regel Links Marienburg, rechts Poppenburg

    Teutoburgiensis Saltus

    Wo und was suchen wir?

    • nach Ortelius: am Westufer der Weser; bei uns: einen Fluss östlicher!
    • in der Nähe von Aliso = Elze ( Versprengte nach der Schlacht )
    • am Hellweg (Bundesstraße 1) und westlich des Weges von Mainz (Bundesstraße 3)
    • einen Bergpass = Saltus
    • einen Höhenzug namens Salter
    • einen Höhenzug namens Teute, Düte oder ähnlich
    Karte des alten Deutschlands von Ortelius
    Τουλισούργιον
    Τευτοβούργιον
    Saltus kanonisch transformiert
    Lateinisch Deutsch
    Bekannte Transformationen
    sal Salz
    altus alter 1
    [fontes] salientes Selters [an der Lahn] 2
    Vermutete Transformation
    saltus Salter oder Selter
    Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

    Thüster Berg / Selter

    Varus

    V B
    Valeriana Baldrian
    Verona Bern
    Variana Barien ?
    Vari Beyersch ?

    Gründung Hildesheims

    Tiberius und die Gründung Hildesheims

    Porträt des Kaisers Tiberius II Constantin (578-582) auf einer Münze Feldzug des Tiberius

    Siegfriedsage

    Sigurd / Siegfried Arminius
    Otr  (= Otter, Hydros, *udrusoi), getötet von Loki Drusus (Fossa Drusiana, klangähnlich).
    Regin  Bruder des Otr, Stiefvater Sigurds . Tiberius , Bruder des Drusus Reginus  (= Prinz)
    Fafnir (= Umarmer) , Bruder des Otr und des Regin, vertrieb diesen, als er den Schatz gerecht teilen wollte. Er verwandelte sich in einen Lindwurm und bewachte den Schatz auf der Gnitaheide.

    Varus,  habgierig, löste Tiberius als Statthalter in Germanien ab.

    Hialprek, König in Thiodi Teutoburgiensis
    Sigurd hinterließt einen dreijährigen Sohn Sigmund, der getötet wird. Armins zweijähriger Sohn Thumelicus und seine Mutter wurden im Triumphzug mitgeführt.
    Sigurd / Siegfried badete in Drachenblut und wurde dadurch (fast) unverwundbar. Arminius beschmierte in der Schlacht bei Idistaviso sein Gesicht mit Blut, um sich zu tarnen.
    Xanten , Heimatort Siegfrieds im deutschen Nibelungenlied Castra Vetera , das Hauptlager der Römer in Deutschland.
    Sigurd, Siegfried Der Namensteil Sig-  war bei den Cheruskern geläufig: Segimer  (Vater des Arminius(?), Anführer der Germanen in der Schlacht bei Arbalo(?)), Segestes . Arminius = bergblau (Mineral aus Armenien).
    Der Lindwurm Fafnir  wurde auf dem Wege zum Wasser von Sigurd aus einer Grube, über die er kroch, erstochen. Der Heereszug des Varus , ca 20 km lang wurde aus dem Hinterhalt überfallen.
    Siegfried / Sigurd wurde von den eigenen Verwandten getötet. Arminius gleichfalls.
    Gnitaheide Gniest Die Gniest auf der Karte des Fürstentums Hildesheim 1827 - 1840

    Segestes

    Karte der Umgebung von Segeste, © Niedersachsen-Navigator

    Irminsul

    Die Irminsul nach Sebastian Münster. Holzschnitt aus Cosmographey, ca.1590 Hermannsdenkmal aus Wikipedia Letzner über Arminius Die neue Irminsul bei Irmenseul Karte der Umgebung von Irmenseul, © Niedersachsen-Navigator
    • Armenius lapis = Blauer Edelstein aus Armenien, Arminius = der vom blauen Stein oder der mit blauen Augen
    • Flavus bedeutet: blond, etymologisch = blau

    Lippoldsage und Blauer Stein von Alfeld

    Lippold = Arminius?

    Umgebung der Stadt Elze, © Niedersachsen-Navigator

    Winzenburg

    Google-Maps Geländebild Winzenburg - Freden,   der Höhenzug, den die B3 überquert, ist der Selter Quelle: © Archäologieführer Deutschland / wek-Verlag

    Schutzgeist der Winzenburg: Hödeken mit der Tarnkappe, = Hoike beim Thüster Berg

    Fazit

    • 4 - 5 n. Chr.: Tiberius überwintert ad caput Juliae  = an der Schelle quelle
    • Tiberius ann. 6 : fundatur Hildens. civitas
    • 7 - 9 n. Chr.: Varus in Germanien
    • *Castellum Vari  = Beyersche Burg
    • Teutoburgiensis Saltus  = Thüster Berg / Selter
    • Sigurdsage: Otr = Drusus , Regin  = Reginus , Fafnir  = Varus , Sigurd  = Arminius , Gnita  = Gniest
    • Arminius  = Irmen seul
    • Segestes  = Segeste
    • Aliso  = Elze
    Thüster Berg / Selter

    Idistaviso

    Schlacht auf dem Idistavisischen Felde 16 n. Chr.

    • Die Römer siegen unter Germanicus ohne nachhaltigen Erfolg mit 80000 Mann gegen Arminius und seine Truppen.
    • Lage nach Tacitus, Annalen II, 16 : Nach Überschreiten der Weser zwischen deren Ufer und einer bewaldeten Hügelkette.
    • Bisher an der Weser lokalisiert.
    • Idista | viso(n)
    • Idista    = Indrista, Indistria   ( Brockhaus-Artikel ) = Innerste
    • viso = Wiese , nicht Weser = Visurgis
    Karte vom Unterlauf der Innerste, © Niedersachsen-Navigator

    Silva Herculi sacra

    Annalen des Tacitus II 12:
    [la]

    Caesar transgressus Visurgim indicio perfugae cognoscit delectum ab Arminio locum pugnae; convenisse et alias nationes in silvam Herculi sacram  ausurosque nocturnam castrorum oppugnationem.

    Ortelius' Karte des alten Deutschlands

    Herakles / Hercules  oder Zeus / Juppiter  = Donar / Donner

    Karte der Umgebung von Derneburg © Niedersachsen-Navigator Donnerberg mit dorischem Tempel im Jahre 1886 Karte aus Kurt Lindemann: Germanicus 15 n. Chr., aus: Der Hildesheimer Silberfund / Varus und Germanicus, Seite 72

    Hildesheimer Silberfund

    Athenaschale
    • Schwer datierbar (Münzen fehlen)
    • Besitzer war eine Gruppe besser gestellter römischer Legionäre
    • Cognomen fehlt, vor 50 n. Chr.
    • Händler
    • Zusammenhang mit militärischer Aktion
    • Einer von zwei Teilen
    • Opfer?

    Zusammenfassung

    Alte Orts-, Fluss- und Personennamen
    Römerzeit Mittelalter Neuzeit
    apud Arbalonem bei Garbolzum
    Aliso Else Elze
    Arminius (blauäugig) Arme seul Irmen seul
    Drusus Otr
    Elison Elisen Ilse
    Gnita Gniest, Gnittenberg
    Herculi silva sacra Donnerberg bei Derneburg (Donar ≘ Hercules)
    Idistaviso(n) Indistria Innerstewiese(n) zwischen Walshausen (Wal = Schlachtfeld) und Hildesheim (Hiltja = Kampf)
    ad caput Juliae Schellequelle in Schellerten
    Lupias, Luppia Dingelber Klunkau, Ding elbe
    Reginus (Tiberius) Regin
    Sala(s) Saale bei Elze
    Scelerata Scelerthe Schellerten
    Segestes Segeste
    Teutoburgiensis Saltus (Τουλισούργιον?) Tuisto Thüster Berg / Selter
    Tropaeum (Tropaea) Drusi Poppenburg
    *Castellum Vari Beyersche Burg
    *Varianus,-a,um Barien-

    Gegründet wurde Hildesheim nicht zur Zeit des öströmischen Kaisers Tiberius I (577 n. Chr.), sondern vom späteren weströmischen Kaiser Tiberius I (6 n. Chr.)