Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso und der Hildesheimer Silberfund

Siegfriedsage

  1. Sigurd = Arminius
  2. Drachentöterverehrung auf dem Thüster Berg
  3. Gnitaheide = Gniestheide, Gnittenberg
  4. Gnitaheide = Knetterheide?

Gegenüberstellung Sigurd - Arminius

Nach der Sigurdsage , der nordischen Version der Nibelungensage  erstach Sigurd aus einer Grube den Lindwurm Fafnir, als dieser von der Gnitaheide , wo er den Nibelungenhort bewachte, zum Wasser kroch 1 .

Wenngleich der größte Teil der Sage auf ein halbes Jahrtausend spätere Ereignisse 2 zurückgeht, spricht einiges dafür, dass dieser Teil auf die Varusschlacht anspielt:

Sigurd / Siegfried Arminius, Römer in Norddeutschland
s Otr  (= deutsch/englisch Otter, altgriechisch Hydros, indoeuropäisch *udrusoi (siehe Duridanov 3 ) wurde vom Gott Loki getötet. Zur Strafe zwangen Otrs Vater und Brüder die Götter, ein hohes Wergeld zu zahlen, den späteren Nibelungenschatz. Drusus  starb 9 v. Chr. nach einem Sturz vom Pferde. Die Beziehung zu dem im Wasser lebenden Otter ist zweifach: Drusus begann im Jahre 12. v. Chr. seine Feldzüge zu Wasser mit einer Flotte; er baute einen Kanal, die [de] Fossa Drusiana (Wikipedia) . Die Vorformen des nordgermanischen Wortes Otr leiten sich von dem indoeuropäischen udrusoi ab, das dem Namen des Drusus klangähnlich war.
Regin  (= Herrscher, Rat, auch Gott), Bruder des Otr, übernahm die Pflege Sigurds . Tiberius , Bruder des Drusus, war Statthalter in Germanien und Vorgesetzter des Arminius, als dieser ab dem Jahre 4 n. Chr. eine cheruskische Abteilung in römischen Diensten führte und sich das römische Bürgerrecht und den Rang eines Ritters (Velleius II 118) erwarb. Arminius war in Rom aufgewachsen. Reginus  (= lat. königlich, Prinz) wäre eine treffender Beiname für den Prinzen aus kaiserlichem Hause  (Th. Mommsen) . Ein späterer Tiberius, der Asiarch Tiberius Iulius Reginus, trug ihn sogar. Germanisch Regin  und lateinisch Reginus  stammen aus derselben Wurzel reg- = herrschen (lat. rex = König, ostgermanisch (gotisch, ähnlich cheruskisch) reiks = König).
Fafnir (= Umarmer) , Bruder des Otr und des Regin, vertrieb diesen, als er den Schatz gerecht teilen wollte. Er verwandelte sich in einen Lindwurm und bewachte den Schatz auf der Gnitaheide.

Varus  löste Tiberius als Statthalter in Germanien ab. Velleius Paterculus 4 schilderte ihn als habgierig:

Wie wenig er aber das Geld verachtete, zeigte Syrien, wo er Statthalter war: Arm betrat er ein reiches Land, reich verließ er ein armes Land.
Hialprek, König in Thiodi Teutoburgiensis
Sigurd hinterließt einen dreijährigen Sohn Sigmund, der getötet wird. Armins dreijähriger Sohn Thumelicus und seine Mutter wurden im Triumphzug mitgeführt, wie es auf dem Gemälde von Carl Theodor von Piloty  dargestellt ist. 5
Sigurd / Siegfried badete in Drachenblut und wurde dadurch (fast) unverwundbar. Von Arminius wurde berichtet, er habe in der Schlacht bei Idistaviso sein Gesicht mit Blut beschmiert, um sich zu tarnen.
Sigurd / Siegfried wanderte kurz vor seiner Ermordung am pfadlosen Fuße der Felsen von Idha. 6 Die Felsen des Gebirgszugs Ith. [de]Ith .
Hagen von Tronje / Troia ( [de]Thidrekssaga ) Bis zur Karolingerzeit wurde Xanten Troja genannt 7 , nach der Colonia Traiana.

Siegfried   ist von mehreren Autoren 8 9 10 11  mit Arminius  gleichgesetzt worden, siehe Wikipedia-Artikel über die [de] Arminius, Namensherkunft12 . Im Folgenden sind diese Übereinstimmungen noch einmal aufgelistet:

Sigurd / Siegfried Arminius, Römer in Norddeutschland
Xanten , Heimatort Siegfrieds im deutschen Nibelungenlied Castra Vetera , 13/12 v. Chr. von Drusus errichtet, das Hauptlager der Römer in Deutschland zur Zeit der Varusschlacht, lag bei Xanten. Es war wahrscheinlich auch Ziel des Varus. Arminius war als Geisel der Römer oder als Kommandant römischer Hilfstruppen wahrscheinlich auch dort gewesen.
Sigurd, Siegfried Der Namensteil Sig-  war bei den Cheruskern geläufig: Segimer  (Vater des Arminius(?), Anführer der Germanen in der Schlacht bei Arbalo(?)), Segestes , Segimundus (Sohn des Segestes) 13 . Von Arminius kennen wir wie von seinem Bruder Flavus (= der Blonde ) nur den lateinischen Namen, der auf seine Stammeszugehörigkeit zu den Herminonen oder ebenfalls auf eine den Römern auffallende Eigenschaft anspielt: die blaue  Farbe seiner Augen, nach dem in Armenien gefundenen tiefblauen Mineral [de] Bergblau , einem Kupfersalz. Arminius, manchmal Armenius geschrieben, kommt aus dem Griechischen: Das griechische Η = Eta = langes E wird seit der nachklassischen Zeit bis heute als langes I gesprochen. Vergleiche auch die Diskussion unter Deutung des Namens Arminius .
Der Lindwurm Fafnir  wurde auf dem Wege zum Wasser von Sigurd von unten aus einer Grube, über die er kroch, erstochen. Varus  zog mit seinem Heereszug, der in seiner Länge von 20 km mit einem Lindwurm verglichen werden kann, nach Westen zum Rhein und wurde wiederholt aus dem Hinterhalt überfallen, eine ähnliche Strategie.
Siegfried / Sigurd wurde von den eigenen Verwandten getötet. Arminius gleichfalls.

Wir wissen von Tacitus , dass die Tat des Arminius ( [la]haud dubie libertator Germaniae 14 ) in Gesängen seines Volkes fortlebte.

Die Burgunder siedelten zur Zeitenwende noch nicht in Burgund, zu Wormse an dem Rheine , sondern waren östliche Nachbarn der Cherusker.

Drachentöterverehrung auf dem Thüster Berg

Wenn der Thüster Berg  der Teutoburgiensis Saltus  war, wurde im dortigen Heiligtum an der Sohleiche 15  vermutlich auch Arminius verehrt, und wenn die Gleichung Arminius = Siegfried gilt, also ein Drachentöter. Die Kapelle in Thüste ist dem Drachentöter St. Georg = St. Jürgen geweiht. 16 Bei der Christianisierung ging man behutsam vor: Ein heidnisches Heiligtum ersetzte man durch ein christliches ähnlicher Funktion.

Gnita heide = Gniest heide, Gnitten berg

Die Gniest auf der Karte des Fürstentums Hildesheim 1827 - 1840

Seit langem wird nach der Gnitaheide , dem Ort, wo Fafnir auf dem Gold lag, gesucht. Meines Wissens hat niemand einen in Frage kommenden Ort gefunden, dessen Name mit GNI beginnt. Solche Ortsnamen sind im Deutschen selten.

Da das Deutsche dazu neigt, ST  zu erhalten oder neu zu bilden, wo es in anderen Sprachen verschwindet (lat. nidus = Nest, franz. genêt = Ginster, Teuto = Thüste, Thuisto, norddeutsch fett = süddeutsch feist) müssen wir vielleicht statt nach GNIT  nach GNIST  suchen.

Wie die Karte des Fürstentums Hildesheim von 1827 - 1840 zeigt, gab es auf dem Stadtgebiet von Hildesheim eine Gniest-Heide.  Sie bezeichnete ein unfruchtbares Gebiet mit sandigem und kieshaltigem Boden, den die Innerste in der Eiszeit angeschwemmt hatte; noch heute erinnert der Name der Sandstraße in Himmelsthür daran. Einst umfasste die Gniest ein größeres Gebiet: Der benachbarte Mistacker  hieß wohl einst Gniestacker  und erhielt seinen zweiten Namen, weil er viel Düngung benötigte 17 . Der Hellweg führte durch sie hindurch.

Am unteren Bildrand rechts liegt die Beyersche Burg  und die Bennoburg, der Ort, an dem Hildesheim  gegründet sein soll.

Man beachte auch die Internetseite zur Gnitaheide von Heinrich Tischner 18 , mit dem ich eine fruchtbare Email-Diskussion zu diesem Thema geführt habe.

Karte des Unterlaufes des Bruchgrabens mit Gnittenberg, © Niedersachsen-Navigator 19

Die Gniest zog sich früher am Innerste-Ufer weiter nach Norden hin. Dort, wo der Bruchgraben = Elison  / Ilse  in die Innerste mündet, findet sich eine Flurbezeichnung, in der die Gnitaheide auch ohne das ST  fortlebt: der Gnittenberg  bei Sarstedt-Gödringen.

Gnita heide = Knetter heide?

Andere Autoren ( Otto Höfler, Rolf Bökemeyer 20 , Siegfried Schoppe 21 ) meinen in der Knetter heide bei Bad Salzufflen die Gnita heide der Edda zu erkennen. Ich halte den etymologischen Abstand Gnita - Knetter für mindestens ebenso groß wie den zwischen Gnita und Gniest / Gnitten. Ob Knetter oder Gniest — die Signifikanz der Ähnlichkeit bleibt gering, sofern keine weiteren Namensähnlichkeiten hinzukommen. Im Falle der Gniest kommt eine weitere hinzu, die Beyersche Burg .


1 Skaldskäparmal c. 39-42, 62

2 Heinrich Tischner: Die Wahrheit über die Nibelungen http://www.heinrich-tischner.de/50-ku/sagen/nibelung/pers/ht-sfr.htm

3 Ivan Duridanov: The Language of the Thracians http://www.kroraina.com/thrac_lang/thrac_4c.html

4 Velleius Paterculus: 2,117,2

5 Carl Theodor von Piloty (1826 - 1886): Thusnelda im Triumphzug des Germanicus 1873 http://www.pinakothek.de/neue-pinakothek/sammlung/rundgang/rundgang_inc.php?inc=bild&which=9647 ,

6 Jordan, Wilhelm: Sigfridsage

7 http://www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Troja_in_Xanten

8 Bickel, Ernst: Zeitschrift Rheinisches Museums für Philologie Nr. 98; 1955; Seiten 223 ff.

9 Sand, Carl Ludwig; 1820 , siehe [de]http://de.wikipedia.org/wiki/Arminius#Arminius-Siegfried

10 Giesebrecht, Adolf: Über den Ursprung der Siegfriedsage; in: Germania 2; 1837; Seite 203 ff.

11 Höfler, Otto: Siegfried, Arminius und die Symbolik ‒ Mit einem historischen Anhang über die Varusschlacht; Heidelberg 1961; Seiten 60–64.

12 Eine populärwissenschaftliche Darstellung findet man in Buchform bei S. Fischer-Fabian: Die ersten Deutschen: Über das rätselhafte Volk der Germanen (Bergisch Gladbach: Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, 1975, 2003), pp. 328f  und im Internet bei Þeedrich Ð. Yeat: Siegfried = Arminius [en]http://www.harbornet.com/folks/theedrich/hive/Medieval/Siegfried.htm

13 Tacitus: 57,2

14Tacitus: Annales, II, 88

15 http://www.salzhemmendorf.de/Burgen-und-Festungen.html

16 [de]Thüste - Die Kapelle

17 Ortschronik von Himmelsthür; Heft I; 1967, Seite 36

18 Heinrich Tischner: Gnitaheide http://www.heinrich-tischner.de/50-ku/sagen/nibelung/schpl/ht-gnth.htm

19 Niedersachsen-Navigator http://www.lgn.niedersachsen.de

20 Bökemeyer, Rolf: Die Varusschlacht; Grabert Verlag; Tübingen; 2000; Seite 97

21 Meyer zur Heide, Matthias: Gemetzel auf der Knetterheide; http://justupersner.de/Carsten/Dateien/Buchbesprechung-Schoppe_Westfalenblatt-5-2007.pdf