Die Schlachten bei Arbalo, Teutoburgiensis Saltus, Campus Idistaviso und der Hildesheimer Silberfund

Tulisurgium (Τουλισούργιον)

  1. Lage des Ortes bei Ptolemaios
  2. Lage bei Lelgemann et al. Seite 30
  3. = Teutoburg
  4. Erster Namensbestandteil tuli
  5. = Schulenburg
  6. = Sarstedt

Tulisurgium ist bei Ptolemaios ein Nachbarort der in dieser Abhandlung beschriebenen Orte und für deren Lokalisation wichtig.

Luppia auf der Karte des Ortelius

Lage des Ortes bei Ptolemaios

Tulisurgium / Τουλισούργιον  ist einer der Nachbarorte von Tropaea Drusi / Τρόπαια Δρούσου  und hat folgende Ferromeridian-Koordinaten:

Deutscher Name Lateinischer Name Griechischer Name Länge Breite
Siegesdenkmal des Drusus Tropaea Drusi Τρόπαια Δρούσου 33°45' 52°45'
Tulisurgium Τουλισούργιον 32°40' 53°20'
Weser Visurgis  ου ισούργιον (Acc.)

Auf der Karte des Ortelius liegt er nahe am Teutoburgiensis Saltus .

Der zweite Teil des Namens wird von vielen Autoren für eine Verschreibung von burgion  = Burg  gehalten, da …surgion  bei Ortsnamen sonst nicht vorkommt und die Buchstaben Beta und Sigma ähnlich sind. Auch die ähnliche Schreibung der Weser  mag dazu beigetragen haben (siehe dritte Zeile der Tabelle).

Lage bei Lelgemann et al. 1

Diese Autorengruppe lokalisiert Tulisurgium  bei Braunschweig und Tropaea Drusi  bei Halberstadt.

= Teutoburg

Mehrere Autoren ( Ferdinand von Fürstenberg 1617, Zeuss, Mehlis ) 2 halten Tulisurgium für eine Verschreibung von Teutoburgium . Mit Tuli beginnt auch in der Name des nördlicheren Tulifurdum 3 , was zur Verwechselung beigetragen haben mag. Die Namen erscheinen noch ähnlicher, wenn man sie in griechischen Kleinbuchstaben schreibt:

Τουλισούργιον
Τευτοβούργιον

Die bei Ortelius  nebeneinander an der Weser liegenden Orte wären dann ein und derselbe.

Wenn von Fürstenberg  Recht hat, kann Teutoburgiensis Saltus  schon auf Grund der Lelgemann'schen Lokalisation nicht bei Kalkriese gelegen haben.

Auch bei Ptolemaios  liegt Tulisurgium an der Weser 4 . Kalkriese liegt 50 km westlich, der Thüster Berg nur 10 km östlich der Weser. 5  Meine Gleichsetzung von Teutoburg  und Thüster Berg  würde dadurch gestützt; mehr dazu in einem späteren Kapitel ( Teutoburgiensis Saltus ).

Erster Namensbestandteil tuli

Tulisurgion wäre hochdeutsch "Züllesorg", wenn sich der Name hätte ungestört entwickeln können. Man kann aber eine Entwicklung nicht voraussagen. Der Ort liegt aber wohl im niederdeutschen Sprachbereich und müsste daher sein T- behalten haben. Heinrich Tischner (Bensheim): 2006 in einer E-Mail an den Verfasser

Das Bestimmungswort Tuli hält Karl H. Schulze für verwandt mit Tülle , von althochdeutsch sûr und übersetzt es mit Graben , übereinstimmend mit dem Grimmschen Wörterbuch, Artikel Tülle 6

Ich halte noch folgende Deutungen für möglich:

= Schulenburg

Karte Hildesheim - Schellerten

Falls die Gleichsetzung von …urgium eine Verschreibung von …burgium ist, lässt sich Tuliburgium vielleicht bei Schulenburg  lokalisieren.

Die relative Lage der Örtlichkeiten ist gut mit meiner Theorie verträglich. Die Weser bei Ortelius ist bei uns durch die Aller/Leine, 8 den nächst-östlichen Fluss in Süd-Nord-Richtung, ersetzt. Nicht zuletzt, weil sein Name dem der Weser ähnelt (siehe Tabelle oben), wurde der Ort an der Weser lokalisiert.

Zu erwarten ist deshalb, dass sich der Name in etwa zu heutigem *Zülleburg  entwickelt habe. Auf der modernen Karte liegt dort – allerdings nicht so weit nördlich – Schulenburg. Die Namensähnlichkeit ist schwach, so dass ich diese Deutung verwerfe.

= Sarstedt

Karl H. Schulze lokalisiert Tulisurgium nach umfangreichen Berechnungen bei Sarstedt, einer Stadt unweit der Mündung der Innerste in die Leine, etwa 11 km nördlich von Hildesheim, siehe obige Karte:

52° 16' N 9° 52' O Tulisurgium bei Sarstedt Bing Maps Google Maps

9 . Wie die Kartenanwendungen zeigen, liegt die Stelle noch etwas nördlicher bei Sarstedt.

Schulze übersetzt Tulisurgium mit Salzgraben. Ich nehme wie vermutlich auch er eine Verwandtschaft mit sauer, mhd. ahd. sûr an, das nach Grimm10 ursprünglich verdorben durch Gährung, faulig bedeutete. Tulisurgium hieße dann Faulgraben, es entspräche dem Bruchgraben, dem Namen der kanalisierten Ilse, der bei Sarstedt in die Innerste mündet. Auch im Ortsnamen Sarstedt steckt sûr.

Der Bruchgraben ist die kanalisierte Ilse, siehe das Kapitel Elison .

Wenn man das Bestimmungswort oder die Präposition tuli ignoriert, bleibt die Namensähnlichkeit.

Dies ist die von mir bevorzugte Deutung.


1 Lelgemann in: Ralf Loock: Die alten Römer nannten Frankfurt Colancorum http://www.portal-schwedt.de/stadtportrait/downloads/mozcolancorum.pdf Seite 30

2 Seite 67

3 Verden an der Aller? Der dazwischen liegende Ort Ascalingium wäre dann vielleicht Häuslingen (nach meiner Vermutung) oder Essel (nach Meinung von Karl H. Schulze (Dortmund) und Ulrich Lamm (Bremen), beide Orte an der Aller.

4Deren Verlauf ist freilich nur durch ihre Quelle und Mündung gegeben.

5   Seite 48

6 Grimm, Jacob und Wilhelm:DWB = Deutsches Wörterbuch; 16 Bde. in 32 Teilbänden; Leipzig 1854-1961; Quellenverzeichnis Leipzig 1971 http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GT14446#XGT14446 Tole = Abzugsgraben.

7 Ein bekanntes Beispiel dafür ist Istanbul aus εἰς τὴν Πόλιν in die Stadt.

8 An der Einmündung in die Aller führt die Leine etwas mehr Wasser als die Aller, ist hier also hydrografisch der Hauptfluss. [de]Aller, Geografie

9

Schulze, Karl H.: Die Ortskoordinaten des Klaudios Ptolemaios für Germanien; Dortmund; 2013-12-12; unveröffentlicht, brieflich; Seite 9

http://www.vexilli.net/w/Schulze

10 Eintrag sauer