| Vergil: Heldenschau | Seitenende | Oberverzeichnis | Druckansicht | Vergil: Aeneis, Laokoons Ende, I 2,199 - 205 |
[la]Celtis: Ad Apollinem repertorem poetices, ut ab Italis ad Germanos veniat
[la]Celtis: De puella Romae reperta
[de]Celtis: De puella Romae reperta
[la]Horatius Flaccus: Epode XVI
[de]Horatius Flaccus: Epode XVI
[la]Horatius Liber carminorum I, 37 Cleopatra
[de]Horaz, Buch der Lieder, 37 Kleopatra
[la]Horatius Liber carminorum II, tertium
[de]Horaz, Buch der Lieder II, das dritte
[la]Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)
[de]Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)
[la]Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. - 17 n. Chr.): Phaeton (Metamorphoses II 19…)
[la]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Latein
[de]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Deutsch
[la]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Latein
[de]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Deutsch
[de]Ovidius: Metamorphoses II 19 ff (Phaethon)
[la]Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Latein
[de]Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Deutsch
[de]Vergil: Aeneis, Laokoons Ende, I 2,199 - 205
: Nach einer Phase der Läuterung trinken die Seelen der Verstorbenen aus dem "Fluss des Vergessens", um dann neuerdings auf die Erde zurückzukehren. Die Vorstellung bedeutender künftiger Römer ("Heldenschau") ermutigt Aeneas zur Fortsetzung seiner mühevollen Mission.
Nun also: Was dem Dardanischen Stamm zuteil wird am Ruhme,
welch eine Nachkommenschaft aus italischem Volke dagegen
glanzvolle Geisteshöhe erreicht in unserem Namen,
das will erläutern ich dir und dein eigenes Schicksal dir deuten:
Siehe nur hin (wie grad der Junge gestützt auf die Lanze
nächstens vom Lose zum Lichte bestimmt) als erster wird atmen
himmlische Lüfte mit Lungen, getränkt von italischem Blute.
Silvius ist der albanische Name des nach dir Gebornen,
den dir Verblichenen einst deine Gattin Lavinia aufzieht
aus den Wäldern heraus zum König und Vater der Herrscher,
von denen unser Geschlecht wird Alba Longa regieren.
...
Anschließend drängen Procas, der Ruhm des trojanischen Volkes,
Capys und Numitor sowie deines Namens Erhalter
Silvius Aeneas, ein Vorbild an Keuschheit und Kampfkraft,
wenn er dereinst übernehmen wird die Herrschaft in Alba.
Prächtige Burschen! Und sieh, welche Manneskräfte sie zeigen
und die verdunkelten Zeiten mit Zivilisierung erfüllen:
Sie stiften Städte wie Nomentum, Gabii und Fidenae,
sie besetzen die Berge mit Forts wie Collatia, Pometia,
sie legen Siedlungen an wie Inui, Bola und Cora,
die dereinst nennenswert sind, wenn auch jetzt noch ein Land ohne Namen.
Schon dem Ahnherrn Gefolgschaft leistet des Marsgottes Sprössling
Romulus, den von Assarakos Stamm die Ilia aufzieht.
Siehst du stehen auf seinem Haupt den doppelten Helmbusch,
wie sein Vater ihn schon bezeichnet mit göttlicher Ehre?
Unter dessen Segen, mein Sohn, wird Rom, das berühmte,
alle Länder regieren und Geistesgröße erlangen,
sieben Hügel vereint mit einer Mauer umgeben.
Hierher nun wende die Blicke ganz und betrachte den Volksstamm,
deine eigenen Römer mit Cäsar und aller von Julus
Nachkommenschaft, die aufsteigen wird zum Himmelsgewölbe.
Hier, ja hier ist der Mann, der versprochen des öftern dir wurde
Cäsar Augustus, des Göttlichen Sohn, der goldene Zeiten
sendet dem einst von Saturn regierten latinischen Acker
und die Herrschaft erstreckt zu den Garamantern und Indern;
außerhalb liegt ihr Gebiet von den uns vertrauten Gestirnen,
außerhalb unserer Zeitenrechnung, wo stützender Atlas
nackengebeugt bewegt den sternenstrahlenden Himmel.
Heut schon orakelbelehrt erzittern die Kaspischen Reiche
vor seiner Ankunft und ebenso das Land der Mäoten,
sind von Furcht bestürmt die sieben Gestade des Niles.
Nicht einmal Herakles durchmaß so viel von der Erde,
(mochte erhetzen er auch den Hirsch mit den ehernen Hufen,
mochte betäuben er dann die Wildsau im Wald Erymanthos,
mochte verschrecken zuletzt das Gift des Lernäischen Lindwurms)
noch auch der siegreiche Gott, der mit Weinlaub versehenen Zügeln
lenkte vom Gipfel des Nysos herab die Panther und Tiger.
Und da zögern wir noch, die Tugend zu steigern durch Taten,
oder verwehrt uns die Furcht ausonisches Land zu besetzen?
Wer ist nun dieser Held, erkenntlich am Zweig der Oliven,
Opfergeräte er hält? Ich erkenne den Graubart, den schiefen
jenes Königs von Rom, der als erster die Stadt lehrte Mores,
hergerufen aus ärmlichem Land, dem kärglichen Cures,
in das beherrschende Amt. Ihm folgt in der Reihe dann Tullus,
der aus der Trägheit das Land und die Männer aus wohligen Dämpfen
frisch zu den Waffen beruft und zu ihnen entfremdeten Kämpfen.
Nächstens folgt das Gesicht des hochauffahrenden Ancus,
jetzt bereits maßlos erpicht auf das Echo des Volks und des Dankes.
Brutus, willst du auch sehn die (3) Tarquinischen Herrscher, die rächenden
mit dem erhabenen Geist und der wiedergewonnenen Würde?
Erstmals ergreift er die Macht eines Konsuls und Scharfrichters Scherben
spricht als Vater die Acht zulasten der eigenen Erben,
straft den Staatsstreich ab zugunsten der Freiheiten Schimmer,
schicksalsgeschlagen, wie immer die Nachwelt mag dieses gestalten:
Vaterlandsliebe und Weltgeltungswille sie bleiben erhalten.
Siehe den Decius und Drusus als nächste dann stehen,
Scharfrichter Torquatus und Fahnenträger Camillus.
Jene beiden jedoch, sie glänzen mit streitbaren Mützen,
einiger Meinung noch und solange die Schatten sie schützen;
zu welchem Krieg werden sie, wenn des Lebens Licht sie erblicken,
zu welcher Strategie und zu welchem Blutbad sich schicken
absteigt der Schwiegerohm aus den Alpen und Monacos Posten
gegen den Schwiegersohn, gerüstet mit Truppen vom Osten!
Ja nicht, Ihr Jungen, gewöhnt Eure Sinne an solcherlei Kriege,
hohl für das Vaterland tönt dann die Kunde und Kraft Eurer Siege;
Schonung als obersten Zweck, du Sohn vom Olympos lass walten,
reiße die Waffen hinweg aus den blutigen Händen der Alten!
Jener fährt von Korinth zum Kapitol mit dem Wagen,
wo die Trophäen sind und die Griechen gänzlich geschlagen.
Dieser vernichtet Argos und Agamemnons Mykene,
schlägt den Perseus dann, den Enkel des mächt'gen Achilles,
rächt den troischen Ahn, den entrechteten Tempel der Pallas
Wer verschwiege den Ruhm des großen Cato und Cossus?
Wer der Gracchen Geschlecht, die glänzenden Scipionen,
Sieger in Libyen und jene, die Armut wird lohnen
mit des Fabricius Macht und der Feldarbeit des Serranus?
Wohin, ihr Fabii, entführt ihr den müden Propheten?
Du allein den Staat uns durch Warten wirst retten.
Version 1
Andere lassen aus Erz beseelte Figuren erkalten,
werden - gesteh ich - aus Stein lebendige Züge gestalten,
bessere Plädoyers und bessere Klimakarten
fertigen und verstehn die Sterne, die einst uns erwarten:
Du aber Römer bedenke, die Herrschaft der Völker zu haben
(sieh deine eigenen Gaben) in Frieden Ordnung erbringe,
schon' die Geschlagenen, die Zügellosen bezwinge!
Version 2 (2025)
Andere mögen aus Erz ein sanfteres Atmen gestalten,
meinetwegen aus Marmorgestein lebendige Mienen entfalten,
Gipfel der Redekunst und Wege des Himmels erklimmen,
Kreislauf und Untergang der Gestirne im Voraus bestimmen.
Herrscher der Völker zu sein, das sollst du, Römer, bedenken,
wird deine Fähigkeit sein, in Frieden Ordnung zu schenken,
Schonung dem Untersten und Niederkämpfung des Stolzen!
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim ,2004
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