Horatius Sermo I 1
[la]Carmen de bello Saxonico
[de]Lied vom Sachsenkriege
[la]Catullus: Carmen IV
[de]Catull: Lied IV
[la]Celtis: Ad Apollinem repertorem poetices, ut ab Italis ad Germanos veniat
[de]Celtis: An Apoll, den Erfinder der Dichtkunst, auf dass er von den Italienern zu den Deutschen komme
[la]Celtis: De puella Romae reperta
[de]Celtis: De puella Romae reperta
[la]Horatius Flaccus: Epode XVI
[de]Horatius Flaccus: Epode XVI
[la]Horatius Liber carminorum I, 37 Cleopatra
[de]Horaz, Buch der Lieder, 37 Kleopatra
[la]Horatius Liber carminorum II, tertium
[de]Horaz, Buch der Lieder II, das dritte
[la]Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)
[de]Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)
[la]Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. - 17 n. Chr.): Phaeton (Metamorphoses II 19…)
[la]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Latein
[de]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Deutsch
[la]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Latein
[de]Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Deutsch
[de]Ovidius: Metamorphoses II 19 ff (Phaethon)
[la]Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Latein
[de]Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Deutsch
Vergilius: Ecloge IV
[la]Vergil: Heldenschau
[de]Vergil: Heldenschau
[de]Vergil: Aeneis, Laokoons Ende, I 2,199 - 205
[la]Petronius Arbiter: O litus
[de]Petronius Arbiter: O Gestade
Zum lateinischen Text
- Wie kommt's, Mäcenas, dass niemand mit seinem Geschicke –
- sei's aus eignem Entschluss, sei's zu ihm aus Zufall gestoßen –
- friedlich zu leben vermag, sondern preist der andern Berufe?
- «Glückliche Händler, ihr!» so ruft der ergraute Milite,
- der sich nach mühsamem Kampf mit gebrochenen Gliedern dahinschleppt.
- Anders der Händler spricht, dessen Schiff vom Südwind getrieben:
- «Kriegesdienst hat es gut! Warum? Weil im kurzem Gefechte
- entweder schneller Tod oder freudiger Sieg sich ereignet.»
- Ackerbau lobt der Jurist und gesetzeserfahrene Anwalt,
- wenn beim Hahnenschrei die Klienten ans Haustor schon klopfen.
- Jener, um Bürgen zu stell'n vom Land in die Stadt beordert,
- einzig als glücklich beseufzt die Lebenskünstler der Städte.
- Weiteres dieser Art mag selbst dem berüchtigten Schwätzer
- Fabius werden zu viel. Für dich sag ich ohne Zögern,
- wo ich hinaus drauf will: Wenn ein Gott nun sagte: «Wohlan denn,
- schon ist gemacht, was gewollt: Du einstiger Krieger wirst Kaufmann!
- Du, der Rechtsrat erteilt, machst nun einmal was Rustikales!
- Ihr gehet hin, ihr andern kommt her durch Tausch eurer Rollen!»
- Und was passieret? Nichts, wenn selbst ihr Glück sie erwählten.
- Wäre dies nicht ein Grund, dass Jupiter darauf in Rage
- mit einem dicken Hals verkündet, er werde in Zukunft
- nicht mehr so gnädig sein, Gebeten Gehör noch zu schenken?
- …
- Was aber hilft‘s,ein großes Gewicht von Gold oder Silber
- in ein verborgen und bange gegrabenes Erdioch zu senken?
- Wenn du‘s verbrauchst, so kannst du es schnell als wertlos dir denken.
- Wenn‘s aber nicht geschieht, was hat dann ein Geldhaufen Schönes?
- Mag deine Tenne auch hundert mal tausende Dreschtonnen fassen,
- nicht wird dann je dein Bauch noch mehr als der meinige fassen.
- Oder wenn mühsam als Sklave du schlepptest den Brotkorb von hinnen,
- nichts hätt‘st du mehr als jener, der in ihm trägt gar nichtj darinnen.
- Sag, was dem Landvolk das Pflügen von Ar oder Hektar bedeutet?
- Ist es nur schöner wenn etwas aus größerem Topf man erbeutet?
- Wenn du uns lässt aus dem kleineren Topf genauso zu schöpfen,
- warum erfreust du mit deinen dich mehr als mit unseren Töpfen?
- Und wenn dich könnte ein Kelch oder Krug nicht besser bedienen
- und du dann lieber am Fluss als an winziger Quelle erschienen,
- kann es gescheh‘n, dass jene, die nur auf die Vorräte schielen,
- mit einen Ufern der reißende Aufidus abwärts wird spulen.
- Aber wer soviel nur schöpft, wie zum Leben er würde bestellen,
- schpft mit dem Wasser nicht Schlamm und sein Leben nicht lässt in den Wellen?
- …
- Aber ein Großteil der Menschen. erklärt in falscher Begierde:
- «Nichts ist genug, denn allein was du hast gereicht dir zur Zierde!»
- Lass wie gewollt sie im Elend verharren wie angeblich jenen,
- den sein Geiz die neidischen Stimmen des Volks ließ verhöhnen:
- «Mag mir das Volk auch grollen, ich selbst jedoch nicht mich verachte,
- wenn ich zuhause mein Geld in den Schränken und Truhen betrachte.»
- Tantalus lechzende Lippen veridh die fliehenden Fluten!
- Wenn du auch lachst: Das gleiche Gerücht kann von dir man vermuten.
- Wer auf den Geldsäcken schläft ist dennoch ständig gehalten,
- seine Schätze zu schonen und bildergerecht zu vera1ten
- Weißt du nicht, welch einen Wert ein Taler hat, welch einen Nutzen?
- Brot kann man kaufen und Kohl, ein Viertelchen Wein vielleicht; aber
- Wozu bedarf das menschliche Wohl noch Abrakadaber
- Warum sich sichern mit Ärger und Angst in Nächten und Tagen
- Oder sich fürchten vor Räubern und Bränden und anderen Plagen,
- Diener, die dir bei der Flucht noch all deine Habe vernichten?
- Bei solchen Gütern bin arm ich und immer bereit zu verzichten:
- Aber wenn Schüttelfrost den erkrankten Körper geschunden
- Oder ein anderes Leid im Bette dich hält gebunden,
- sitzt dort wer, der dich pflegt und rufet den Arzt, den bekannten,
- dass er dich rette und gibi zurück den teuren Verwandten?
- Keine Gemahlin Gesundheit dir wünscht und auch keine Kinder
- Nachbarn hassen dich all, die Jungen und Mädchen nicht minder.
- Wundert es dich, dem alles vom Geld bisher war durchdrungen,
- keiner dir Liebe schenkt, die niemals du hast dir errungen?
- Wenn Verwandte man denkt, die ohne sich selbst zu entfalten
- Uns die Natur geschenkt, zu bewahren sich und zu erhalten,
- ist das verlorene Mühe, als wollte ein Esel parieren
- und. am Paradeplatz die rechte Passage trainieren.
- …
Übersetzung ©
Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim
, 2009-03-08