Dieser Internetauftritt enthält Texte, die als Internetauftritt der Latina Andreana bis 2020-06-17 in deren Namen veröffentlicht waren. Inzwischen gibt es jenen nicht mehr.
Den größten Anteil nehmen die Übersetzungen lateinischer Gedichte durch Dr. Christoph Ottow (Hildesheim) ein. Der Artikel zum Sächsischen Kriege (De bello Saxonico) beruht auf einem Kurs, den ich im Herbst 2000 im Rahmen der Latina Andreana gehalten hatte.
Hildesheim, den 2020-09-13
Anlässlich der Napoleon-Ausstellung im Roemer-Pelizäus-Museum …
Im Oktober 1806, kurz vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt, verhafteten Vorposten der französischen Armee zwei Wanderer auf dem Wege von Gotha nach Leipzig: den schottischen Studenten John Sinclair of Ulbster junior und meinen Urururgroßvater Friedrich Ludwig Andreas Regel, nach Aufenthalt in Livland und St. Petersburg seit Kurzem Lehrer und Garnisonsprediger in Gotha. Wegen ihrer vom Herzog von Weimar unterzeichneten Pässe verdächtigte man sie der Spionage und brachte sie ins Hauptquartier der französichen Truppen nach Gera, wo sie vom Prinzen Murat und dem bayrischen Grafen von Frohberg verhört wurden. Der Graf brachte sie noch in der selben Nacht nach Auma zum Kaiser und zu Marschall Berthier. Napoleon, noch im Schlafrock und mit Nachtmütze, befragte zunächst Sinclair zu allerlei militärisch relevanten Dingen.
»Was beweist mir die Wahrheit Ihrer Antworten? Im Allgemeinen reisen die Engländer nicht zu Fuß und ohne Diener und in einem solchen Aufzug.«
Sinclair war in der Tat mit einem alten Überrock bekleidet und hatte eine sehr grobe braune Decke umgehangen, deren er sich als Reisedecke bediente.
»Allerdings, Sire«, antwortete er, »mein Verhalten mag ein wenig seltsam erscheinen, aber höhere Umstände und die Unmöglichkeit, mir Pferde zu verschaffen, zwangen mich dazu. Ich habe übrigens Briefe bei mir, die die Wahrheit meiner Behauptungen beweisen können.«
Bei diesen Worten zog er aus der Tasche seines alten Rockes ein paar Briefe älteren und neueren Datums hervor und reichte sie dem Kaiser. Dieser schob sie lebhaft dem Grafen Frohberg, der des Englischen mächtig war, zu, damit dieser sie lese. Graf Frohberg überflog sie und sagte darauf:
»Diese Briefe, Sire, sind von keinerlei Bedeutung und ganz privater Natur. Zum Beispiel schreibt der Vater des Herrn Sinclair, er hoffe, sein Sohn lerne, nachdem er in England Griechisch und Lateinisch gelernt, ebensogut Französisch und Deutsch während seines Aufenthaltes auf dem Kontinent.«
Da huschte ein Lächeln über die Lippen des Kaisers, und unvergesslich war der Ausdruck der Güte, mit dem er sagte: »Ah, Sie haben Griechisch und Lateinisch gelernt? Welche Schriftsteller haben Sie gelesen?«
Über diese unerwartete Frage ein wenig erstaunt, nannte Sinclair Homer, Thukydides, Cicero und Horaz. Worauf der Kaiser erwiderte:
»Es ist gut, sehr gut!« Dann sich gegen Berthier wendend:
»Ich glaube nicht, dass dieser junge Mann ein Spion ist; aber der andere ist vermutlich weniger unschuldig, und er wird sich ihm nur angeschlossen haben, um den Verdacht von sich abzulenken.«
Darauf neigte er leicht den Kopf, um Sinclair anzudeuten, dass er entlassen sei. Dieser grüßte und zog sich ins Vorzimmer zurück, worauf Regel vorgelassen wurde.
J. R., unter Verwendung der "Gespräche mit Napoleon" von Friedrich Sieburg und Material der National Agricultural Library, Beltsville.
Entstanden ca. 1075 p. Chr. n.; die Autorenschaft Lambert's von Hersfeld gilt inzwischen als widerlegt, siehe : Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 52.1 (1996), S. 85-133. . Wir danken Herrn Dr. Vogel http://www.geschichte.uni-erlangen.de/lehrstuehle/mittelalter/index.shtml für die Übersendung des Sonderdrucks!
Der unten widergegebene Text beruht auf der Pannenburg'schen Edition
Das
Carmen de bello Saxonico
Lamberts von Hersfeld
herausgegeben von
Dr. Albertus Pannenborg
Gymnasial-Oberlehrer
Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Königl. Gymnasiums und
Realgymnasiums zu Göttingen Ostern 1892
----
Göttingen 1892
Druck der Dieterich'schen Universitäts-Buchdruckerei.
(W. Fr. Kaestner.)
Üblicher ist die Verwendung der Ausgabe von Oswald Holder-Egger (Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi [17], 1889).
| 1050-11-11 | geboren als Sohn Heinrichs des Dritten und der Agnes von Poitou; |
| 1056 | Tod des Vaters, Regentschaft der Königin-Mutter; |
| 1062 Ostern | aus Kaiserswerth entführt vom heiligen Anno von Köln, Herzog Otto von Nordheim und weiteren Verschwörern; |
| 1073 - 1075 | Sachsenkrieg; |
| 1074 | Zugeständnisse im Vertrag von Gerstungen; |
| 1075-06-13 | kriegsentscheidender Sieg in der Schlacht an der Unstrut; |
| 1077-01-27 | Gang nach Canossa, Heinrich wird vom Papst Gregor dem Siebenten vom Banne gelöst; |
| 1084 Ostern | von Papst Clemens dem Dritten zum römischen Kaiser gekrönt; |
| Kampf gegen seinen Sohn Konrad, den Liebhaber seiner zweiten Gemahlin Praxedis von Kiew; | |
| 1104 | von seinem Sohn Heinrich dem Fünften gefangen genommen und zur Abdankung gezwungen; |
| 1106-08-07 | gestorben in Lüttich; |
| 1111 | auf Veranlassung Heinrichs des Fünften kirchlich in Speyer bestattet. |
Meginfridus - Burggraf von Magdeburg gefallen in der Schlacht bei Flarchheim am 27. Jan. 1080.
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Rêgis Heînr
ic
i_vôlo proêlia d
îc
ere quârti
Cóntra Sáxonúm ge ntém sua iûra negá ntem , Quaê dum fállen tês sociáret vîribus ár tes , Plûrima bélla dol îs fidêns commîsit et árm is . |
fallo - bringe zu Fall, täusche; socio - vereinige; |
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Álme deús, succúrre mihî proférre laténtes
Ûsque modô causâs; ea gêns quo laêsa dolôre Quídve timêns tan tôs bellî commôverit aês tus Ádversús reg ém nullî pietâte secúnd um , Cuîus et éxter nî gaudént iuga férre tyrán ni , Ét cui sê nunquám tulit ímpune óbvius hóstis. |
almus - nährend, gütig;
succurro - komme zu Hilfe; commovo - bewege, errege, rufe hervor; |
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Dómni rêg
is
adhûc puerî gens éffera láx
is
Dúm fluit ímpe riîs nec habêbat iûra tim ôris , Nôn falsúm ver ô nec îniquum sêgregat aêqu o . Quód fuerát libit úm sibi, quísque secûtus eôr um , Écclesiâs spoli ánt , viduîs sua dîripiêb ant , Pûpillôs miserôsque prem únt ; vi cúncta ger únt ur; Paûperîs haere dém statuít fortûna potén tem ; Plûs noc uít qui plûs pot uít ; lex nûlla coérc et ; Fâ sque nefâ sque sibî fuerát cuiú sque volúntas. |
efferus - wild, roh, rasend;
laxus - schlaff, geräumig; fluo - fließe, entfliehe; ius - Recht, Macht; segrego - sondere ab; libitum - Belieben, Gelüst; spolio - plündere; pupillus - Waisenknabe; fas - Recht. |
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12 13 14 15 16 17 18 19 |
|
Séd rex út tene
rôs
superát virtûtibus án
nos
,
Ánte nimîs lax âs huic génti strínxit habên as : Iûra ded ít , legês statu ít , cohibénda coérc et , Écclesi îs , vidu îs , miser îs vi rápta requîrit; Néc fecít quisqu ám posthaêc impûne rapín am . |
tener - zart;
habena - Zügel; stringo - streife, ziehe an; cohibeo - halte zusammen, hemme, zügele; requiro - untersuche, verlange; |
20
21 22 23 24 |
|
Tâlia quód popul
ús
tolerâbat frêna supérb
us
,
Pérdoluít, multúmque timêns, ne poêna sequâtur Tót malefácta su î , studuít contrâria rêg i Vîribus átque dol îs . Furor hínc evênerat ómn is , Hínc bell î causaê veniúnt, sub imâgine réct i . |
frenum - Zaum, Zügel |
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Côniurâta dolô gens út convênit in ûnum,
Cônsiliîs instrúcta suâs falléntibus ártes, Três orâtorês legâtos êligit ómni Éx numerô, sua quî deférrent núncia rêgi. Quî missî cursúm tendúnt ad rêgia técta. Út sunt íngress î , fuit ét locus áptus agénd i , Ínter eôs anim îs qui máximus éxtat et árm is , Vérbis Sáxonúm sic Mêginfrîdus agêbat: |
defero -
trage hinab, bringe; cursum tendo - begebe mich auf den Weg; aptus - passend; ago - trage vor; |
30
31 32 33 34 35 36 37 |
|
'Réx, tam vírtutúm quam rêgni nôbilis haêres
Pátris avîque tuî, merit îs contrâria nóstr is Plûrima pértulimús, tibi núnc sempérque fidêles. Vím qui férre solént ali îs in pártibus órb is , Hánc nob îs faciúnt: pupíllus et ádvena quîv is Índigenâs prohibént silvîs commúnibus ûti, Páscua praêripi únt , abig únt arménta gregêsque, Haêredês circúmveni únt , vi praêdia tóll unt , Ómnibus átque mod îs fit ab hîs iniûria nôb is . Quám, pie rêx, cohibê posthâc et córrige fácta: Lêges rédde tuîs ablâtaque pátria iûra! Quód tibi dêbe mús : si núnc optâta ferê mus , Quô nos cúnque vocánt, sequimúr tua iússa voléntes.' Síc fatús, regís respônsum tâle recêpit: 'Córrigo, sî qua piîs meritîs advérsa tulístis, Néc quisquám frustr â queritúr mihi víndice dígn a . Quám vos árguit ís , non ést iniûria néc v is . Nôn vestrâs legês, non iûs discíndere quaêrens Pássis ûsque mod ô miserîs vim rápta repósc o , Réddo, nec ábsist ám , donánte Deô mihi vît am . Sî qua tamén vestraê superést querimônia génti, Rêgni prîmat ês mihi cónveniántque fidêl es : Hôrum cónsili ô super hâc re súbpeditáb o . |
haeres = heres - Erbe;
meritum - Verdienst; advena - Ankömmling; pascuum - Weideland; praeripio - entziehe; armenta - Großvieh; circumvenio - bedränge; praedium - Grundstück, Gut; cohibeo - zügele; posthac - von nun an; cunque - wann immer; quocumque - wohin immer; fatus - gesprochen habend; vindex - Beschützer; discindo - zerreiße, ("zerschinde"); quero - trachte auf; absisto - trete weg, lasse ab; querimonia - Klage, Beschwerde; suppedito - unterstütze, verschaffe; |
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|
Míssi dícta su
îs
referúnt dum rêgia cástr
is
,
Înfelîx popul ús ruit ád bellúm studiôs us ; Aêque maîo rês , aequê furuêre minô res , Ílli, nê perd ánt quae plûrima rápta tenêb ant , Hî, quia paûperiém sperâbant víncere praêdis. Quísque manû patri úm sibi iûs ait éxperiúnd um . |
pauperies - Armut;
experior - erfahre, erstreite; |
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|
Tâlibus aûdit
îs
, constánti péctore fórt
is
Rêx iubet ád ses ê Saxônum quémque vocâr e Cóndiciône sub hâc, si sê velit ét sua sálva. |
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68 69 |
|
|
Néscia mêns homin
úm
, spectâns instántia tánt
um
,
Quót mala vîta rês , si prôvida vîvere scî res ! Hî modo gaûder ént , si rêgia iússa fuíss ent Séctatî; solvísse dolént sempérque dolêbunt. |
(instantia,ae - Ausdauer,
Heftigkeit); instans - bevorstehend, drohend, gegenwärtig; sector - laufe nach , hier: befolge); |
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Út perspéxit e
ôs
rex nôlle venîre vocât
os
,
Séx ibi cástell îs multô munîmine fírm is Praêsidia_imposu ít , victúm quoque lárgiter ádd it . Ípse rebéllan tês aciês ductûrus in hós tes , Îbat, utî proper ê condûceret árma virôsqu e . |
properus - eilig |
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75 76 77 78 |
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Sáxonúm popul
ús
digrésso rêge supérb
us
Lêges, iûra, magístratús, fas éxcidit ómne; Ánte sibî vetitás gaudét cumulâre rapînas: Écclesiaê, viduaê, pupíllus et ádvena quísque Nûper dêsuetî vim súnt iam dênuo pássi. Sîc indíscretê pravî rapiúntque ruúntque. Néc minus íntereâ circúmdant mîlite cástra Rêgia, praêsidiîs quae súnt commíssa relíctis. Hénnenbúrg, primúm, quod erát superâbile vîsum, Ággressî, bellô decértavêre cruénto. Nám castéllanî fortês an béllaque dócti, Ínvictîque forént, solúm si cóntinuíssent Crîmen avâritiaê, quod pérvertít bona quaêque. Hôc igitûr positúm montâno vértice cástrum Círcumdánt, vulgî tria mîlia nócte silénti. Vîx expéctabánt lucém, summîsque ruéntes Vîribus ád montém, certátim scándere témptant, Hóstica quô vitént actâ testûdine têla. Úndique cônfertî properánt super árdua nîti; Gréssum déxtra iuvát, manus árma sinístra gerêbat. Sîc ascéndentés et iám vallô propiántes, Écce vidént fortês occúrrere dêsuper hóstes, Îndutôs omnês insîgnia béllica quaêque. Éxoritû properê non párvus clâmor utrímque, Êminus êmissîs crebrêscunt vúlnera têlis. Póst haec rês agitúr gladiîs, miserâbile vîsu; Néc mora néc requiês, castéllanî, meliôres, Béllo, mágnificê vulgús fundúntque fugántque, Vúlnera múltiplicánt, iraêque satís faciêbant. Praêtereâ stantês ad prôpugnâcula cástri, Nê sine sê vincánt sociî, certâmina témptant. Férratôs fustês aliî mittúnt super hóstes, Tórmentîs aliî lapidês, quidám Baleâri Árcu dîmissîs hostês stravêre sagíttis. Plêbs devícta fugám facit hóstibus ét miserándam. Námque cadúnt plurês, dum dêscendúnt fugiéntes, Íntereúntque suîs infîxi córpora têlis. |
digredior - weiche ab;
excido - vernichte; advena - Ankömmling; pravi - krumm, schief; commissus - anvertraut; decerto - kämpfe entscheidend; avaritia - Habsucht, Geiz; vertex - Gipfel, Wipfel; certatim - um die Wette; scando - (be)steige; confertus - dichtgedrängt; nitor - stütze mich auf, steige, fasse Fuß; induo - ziehe an, lege an; eminus - von ferne; crebresco - wachse, vermehre; fundo - zersprenge; fugo - schlage in die Flucht; propugnaculum - Bollwerk; fustis - Prügel, Stock; |
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Hinzugefügt sind Akzente, um die betonten Silben hervorzuheben. Der Binnenreim ist teilweise durch Kursivschreibung kenntlich gemacht.
Jürgen Martin Regel, Sommer 2000.
Von König Heinrichs des Vierten Kämpfen gegen die Sachsen
will ich erzählen, deren Stamm seine Rechte negierte
und um zu einen die sinkenden Kräfte durch männliche Stärke
viele Kriege begann im Vertrauen auf Listen und Waffen.
Gütiger Gott, so stehe mir bei, die so sehr verborgen
Gründe aufzutun; dieser Stamm durch Leiden verletzt
und diese fürchtend erregte so viele Leidenschaften
jedweder Ehrfurcht zuwider gegenüber dem König,
dessen Joche zu tragen selbst fremde Tyrannen sich freuen
und dem sich straflos noch nie entgegenstellte ein Fremding.
Bisher hatte das wilde Volk sich den laxen Befehlen
des jungen Königs entzogen und ihn nicht gefürchtet,
konnte nicht Falsches vom Recht nicht, ungleich von gleich unterscheiden
wonach ihm grad der Sinn, verfolgte jeder von ihnen;
plünderten Kirchen und nahmen den Witwen das Hab und Gut,
unterdrückten die Waisen, die harte Erziehung genossen;
nur das Glück bewahrte den Armen genügendes Erbe;
mehr verdarb, wer mehr erwarb, kein Recht ihn beschränkte,
Unrecht und Recht war für jeden von ihnen die eigene Willkür.
Als der König jedoch die Jugend mit Tugend besiegte,
zog die Zügel er an, die lax dieses Volk nur umgaben:
Recht und Gesetz verkündete er, hielt alles zusammen,
Kirchen und Witwen und Armen erstattet er alles Geraubte,
und fortan tat niemand mehr einen straflosen Raubzug.
Während das stolze Volk also diese Kandare erduldet,
leidet es tief und fürchtet sehr, daß Strafe erfolge
auf jedes große Delikt, zugleich jedoch wider den König
kräftig und listig bemüht; so entwickelt sich jede Erregung,
Kommen die Gründe zum Krieg daher mit erhobenen Fahnen.
Listig verschworen kommt nun das Volk in einem zusammen,
aufgewiegelt durch täuschenden Rat über eigene Kräfte
wählt aus der ganzen Zahl drei redebegabte Gesandte,
die die eigenen Wünsche dem König vortragen sollten.
Diese Gesandten machen sich auf zu des Königs Behausung.
Als sie eingetreten ward es ein Ort der Verhandlung,
unter ihnen als größter erschien an Worten und Waffen
Meginfried, der so formulierte die Worte der Sachsen:
König! Der Tugenden und des Reiches würdiger Erbe
Deines Vaters und Ahn! Konträr zu unsern Verdiensten
hielten das meiste wir aus, Dir jetzt und immer ergeben.
Jene Gewalt, die gewöhnlich in andere Teile der Erde
bringen sie jetzt zu uns: Beliebige Waisen und Fremde
halten die Hiesigen ab vom Nutzen der heimischen Wälder,
wühlen das Weideland auf, verjagen das große und Kleinvieh,
drängen die Erben davon und nehmen die Güter gewaltsam;
Umfang und Art von ihnen getan bereitet uns Unrecht.
Drum, frommer Herr, so bremse fortan und beheb das Geschehne:
Gib uns Gesetze zurück und der Heimat verlorene Rechte!
wo und wann immer Du rufst, gern folgen wir Deinen Befehlen!"
Auf diesen Vortrag erhielt er folgende Antwort des Königs:
"Ich behebe, so Ihr Verdiensten zuwider geduldet,
niemand vergeblich beklagt sich bei mir als wertem Beschützer.-.
Was Ihr soeben beschreibt, kein Unrecht ist noch ein Verbrechen.
Eure Gesetze will nicht noch Rechte ich je untergraben,
wenn die Armen gelitten, verlang ich das Raubgut zurück.
Würden dennoch Beschwerden Eures Stammes verbleiben,
sollen die Fürsten des Reichs bei mir sich in Treue versammeln;
deren Ratschlag zur Sache will ich dann gern unterstützen."
Dieses Wort überbrachten die Boten derweil ihren Lagern,
doch in das Unglück stürzt sich das Volk zum Kriege entschlossen,
nicht nur die Reichen, sie wüteten arg, sondern auch die Verarmten,
jene, daß nicht sie verlören das meiste geraffte Vermögen,
diese voll Hoffnung, die Armut durch Beutebesitz zu besiegen.
Jeder eilt, mit der Faust sein heimisches Recht zu erstreiten.
Als er dieses vernahm, bestärkt es den König zu kämpfen,
jedweden Sachsen befiehlt er, zu sich nun herbeizuzitieren
in der Voraussetzung, daß er ihn und sein Heil unterstütze.
Argloser menschlicher Geist, nur Gegenwärtiges siehst du,
wieviel Leid miedest du, wenn Vorsicht dein Leben bestimmte!
So hätten sie sich beglückt, wenn Königsbefehlen sie folgten;
sie mißachtet zu haben,bringt Leid und weiterhin Leiden.
Da der König geahnt, daß kein Gerufner werd kommen,
legt er in sechs durch vielerlei Bollwerk befestigte Lager
Hilfstruppen hin und ergänzt auch den Vorrat zu Leben noch reichlich.
Um nicht selbst eine Schar gegen all die Verschwörer zu führen,
entfernte er sich, um Waffen und lilänner schnell zu versammeln.
Doch das sächsische Volk, nach Abzug des Herrn optimistisch,
löste nun Recht und Gesetz, Behörden und jegliche Sitten;
früher ihm streng untersagt häuft freudig es jetzt die Trophäen:
Nonnen und Witwen, Waisen und jedweder Fremdling im Land,
eben noch frei von Gewalt, sind wieder dem Leid unterworfen.
Offen verüben jetzt finstre Gestalten nun Raub und Zerrüttung.
Ebenso kreisen derweil die Königslager sie ein,
die anvertraut wurden den hilfsmilitärischen Truppen.
Hennenburg schien ihnen anfangs am leichtesten zu überwinden,
greifen es an und werfen's in blutigen Kämpfen darnieder.
Denn die tapfern und kriegserfahrenen Herren des Lagers
wären noch unbesiegt.
Dies also auf dem Bergesgipfel gelegene Lager
zingelten dreitausend Leute ein in nächtlicher Stille.
Kaum brach Tageslicht an, so stürmten mit höchsten Kräften
sie den Berg hinauf, einander in Hast überbietend,
feindliche Pfeile mit schützenden Schilden von sich weisend.
Überall dichtgedrängt besetzen sie eilends den Steilhang,
rechts den Gang unterstützend, links die Waffe in Händen.
Schon den Aufstieg geschafft und nahe dem Walle gekommen
sehen sie starke Feinde entgegenkommen von oben,
alle in voller Montur mit Kriegsgeräten gerüstet.
Nähergekommen erhob sich ein großes Geschrei beider Seiten,
durch die Geschossen von fern vergrößern sich allseits die Wunden.
Als auch die Schwerter gezückt, ergab sich ein trauriger Anblick;
ohne Verzug und Erholung zerschlugen die besseren Krieger
aus dem Lager heraus das Volk in die Flucht und von dannen,
waren von Wunden gezeichnet und außer sich vor Erregung.
Die am Bollwerk des Lagers bisher gestanden hatten,
suchten nun auch den Kampf, um Partner des Sieges zu werden.
Welche stürmten mit eisernen Stangen gegen die Feinde,
andre mit Steinwurfmaschinen; einzelne streckten die Feinde
mit den Pfeilen von balearischen Armbrüsten nieder.
Das durch die Feinde besiegte Volk mußt elend nun fliehen.
Denn die meisten fieln auf der Flucht beim Abstieg zu Boden,
starben, weil ihre Körper durch eigne Geschosse durchbohrt warn.
Wildes sächsisches Volk, warum faßt du nicht Zeichen wie dieses?
Sieh doch das deutlich erscheinende Mahnmal baldiger Abfuhr!
Denn schon wenige schlugen die Tausend im ersten Gefechte.
Doch weil bewahren nicht ließ sich des Untergangs schlimme Erfahrung
standest erneut du auf und ruhtest nicht als das besiegte.
Also umzingelt ein Pfalzgraf, der einzige unter den Sachsen,
mittels sechstausend vereinten Bewaffneten just dieses Lager
und erwirkte dadurch eine weitre Verlängrung des Krieges,
hoffend durch Not zu erobern, was nicht mit dem Schwert er erreichte.
Dieses ordnet er an, als keinerlei Fortschritt er spürte,
suchte die Ersten des Lagers durch Schmiergelder zu bewegen,
welche bedeuteten einen Wechsel der nobelen Sitten.
Während er ihnen geheim viel gab und viel mehr noch gelobte
bei Unterwerfung des Lagers, verdarb er ihre Gemüter,
daß sie für Geld dessen Freigabe schändlich bewirkten.
Was bist du gierig nach Gold, du pflichtenvergessener Krieger?
Gibst du für Geld die Ehre, wirst dafür den Lohn du erhalten;
was du als Preis vergibst, wirst wieder zurück du empfangen,
wenn du abwägen willst, wird wahnsinnig dir es erscheinen.
Nicht nur Steine des Lagers, nicht Holz allein hast du gegeben;
wohlfeil nimmst du als Preis und gibst was allen das Liebste,
was du immer entbehrst, sein Besitz bereichern dich würde.
Treulos kämpfst du, Soldat, und treulos vergiltst du Vertrauen.
Anders als du jedoch bewahren ihr Lob durch die Zeiten
jene dreihundert Mann, denen anvertraut wurde die Harzburg,
von ihrer Taperkeit künden in ferneren Zeiten
schaffen Idole, wenn Heldenlieder nur etwas vermögen.
[de] zur deutschen Übersetzung
Phaselus ille, quem videtis, hospites,
ait fuisse navium celerrimus,
neque ullus natantis impetum trabis
nequisse praeterire, sive palmulis
opus foret volare sive linteo.
Et hoc negat minacis hadriatici
negare litus insulasve Cycladas
Rhodumque nobilem horridamque Thraciam
Propontida trucemve Ponticum sinum,
ubi iste post phaselus antea fuit
comata silva; nam Cyrotioin iugo
loquente saepe sibilum edidit coma.
Amastri Pontica et Cytore buxifer,
tibi haec fuisse et esse cognitissima
ait phaselus, ultima ex origine
tuo stetisse dicit in cacumine,
tuo imbuisse palmulas in aequore,
et inde tot per impotentia freta
erum tulisse, laeva sive dextera
vocaret aura, sive utrumque Iuppiter
simul secundus incidisset in pedem;
neque ulla vota litoralibus deis
sibi esse facta, cum veniret a mari
novissimo hunc ad usque limpidum lacum.
Sed haec prius fuere; nunc recondita
senet quiete seque dedicat tibi,
gemelle Castor et gemelle Castoris.
Dies Boot aus Phaselis, ihr seht's im Wirtshausschein
versichert, einst das allerschnellste Schiff zu sein,
und keines andern sturmgepeitschter Klüverbaum
konnt' jemals überholen es im Meeresschaum,
egal ob Riemen oder Schoten es betrieb.
Das leugnet nicht der Felsenstrand der Adria
noch protestiert der Inselkranz der Kyklada,
nicht Rhodos das berühmte, nicht vor Thrakien
das Schwarze und das Meer von Alt-Herakleon,
wo einst das Schiff aus Phaselis gewesen ist
belaubter Wald: denn hoch auf den Citoriis
zum Waldesrauschen oftmals schwoll sein lispelnd Laub.
Amastris Schwarzmeerport, Cytorus' Buchsbaumland,
euch beiden dieses bestens war und ist bekannt,
so sagt das Schiff; denn schon im ersten Sonnenschein
soll hoch auf deinem Gipfel es gestanden sein,
in deine Wasser Ruder haben tauchen ein
und dann von dort den Handelsherrn herumgeführt
durch mächt'ge Buchten, gleich woher der Wind sich rührt,
ob Backbord oder Steuerbord ins Segel stieß,
ob unterstützend Juppiter von Achtern blies.
Und kein Gelübde für der Küstengötter Schutz
sei ausgesprochen je zu seinem Fromm und Nutz,
bis jetzt hierher es kam vom Meer zum klaren See.
Doch das ist nun vorbei: gemach es altert eh'
und widmet sich in der Verborgenheit
Dir, Castors und des Pollux Zweisamkeit.
Übersetzung © 2004 Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 HildesheimZur deutschen Übersetzung von Dr. Christoph Ottow
Phoebe qui blandae citharae repertor,
linque delectos Helicona Pindum et,
ac veni in nostras vocitatus oras
carmine grato.
Cernis ut laetae properent Camenae,
et canunt dulces gelido sub axe.
tu veni incultam fidibus canoris
visere terram.
Barbarus, quem olim genuit vel acer
vel parens hirtus, Latii leporis
nescius, nunc sic duce te docendus
dicere carmen.
Orpheus qualis cecinit Pelasgis,
quem ferae atroces, agilesque cervi,
arboresque altae nemorum secutae
plectra moventem.
Tu celer vastum poteras per aequor
Laetus a Graecis Latium videre,
Invehens musas, voluisti gratas
Pandere et artes.
Sic velis nostras rogitamus oras
Italas ceu quondam aditare terras,
Barbarus sermo fugiatque, ut atrum
Subruat omne.
Phöbus, Schöpfer du der geliebten Leier,
lass Dein Heimatland Helicon und Pindus,
folge dem Appell unsrer fernen Fremde
Liedern zuliebe!
Sorge Du dafür, dass die Musen eilen,
musizieren süß unter kaltem Nordlicht.
Komm du selbst zu sehn kulturelles Ödland
klangvoller Saiten!
Den Barbar, der einst von robusten Ahnen
ungeschlacht gezeugt und von Latiums Liebreiz
unberührt noch ist, musst du dazu bringen,
Lieder zu singen.
Orpheus sang dergleich den betagten Griechen,
rührte Raubgetier und die raschen Rehe,
hohe Bäume selbst in den hehren Hainen,
schlug er die Leier.
Griechenlandbeschwingt konntest du erblicken
übers Meer hinweg langgstrecktes Latium,
mit der Musen Kuss wolltest du die schönen
Künste verbreiten.
Innig bitten wir, dass du unsre Küsten
wie Italiens einst mögest frequentieren,
dass der Bocksgesang in der schwarzen Tiefe
möge verhallen!
Conrad Celtis, 1.2.1459 - 4.2.1508, schrieb dieses Gedicht in sapphischen Elfsilblern: -v---vv-v-x; übersetzt hat es © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2001.
[de] Zur deutschen Übersetzung
Conrad Celtis 1459 - 1508
Annos mille sub hoc tumulo conclusa iacebam,
haec nunc Romanis extumulata loquar:
non veteres video Romano more Quirites,
iustitia insignes nec pietate viros.
sed tantum magnas tristi cum mente ruinas
conspicio, veterum iam monumenta virum
si mihi post centum rursus revideberis annos,
nomen Romanum vix superesse reor.
Tausend Jahr habe von diesem Grab ich umschlossen gelegen,
Daraus von Römern befreit spreche zu ihnen ich jetzt:
Nicht die Quiriten nach römischer Art mehr kann ich erkennen,
Glänzend durch Rechtssinn zugleich und ihre Frömmigkeit,
Sondern mit traurigem Sinn erblick ich nur große Ruinen,
Sehe die Denkmäler nur alternder Helden um mich.
Wenn wiederum du wirst nach hundert Jahren mich sehen,
Rechn' ich, vom römischen Ruhm rar nur die Rede wird sein.
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2009
Nunc est bibendum, nunc pede libero
pulsanda tellus, nunc Saliaribus
ornare pulvinar deorum
tempus erat dapibus, sodales.
Antehac nefas depromere Caecubum
cellis avitis, dum Capitolio
regina dementis ruinas
funus et imperio parabat
contaminato cum grege turpium
morbo virorum, quidlibet impotens
sperare fortunaque dulci
ebria. Sed minuit furorem
vix una sospes navis ab ignibus,
mentemque lymphatam Mareotico
redegit in veros timores
Caesar, ab Italia volantem
remis adurgens, accipiter velut
mollis columbas aut leporem citus
venator in campis nivalis
Haemoniae, daret ut catenis
fatale monstrum: Quae generosius
perire quaerens nec muliebriter
expavit ensem nec latentis
classe cita reparavit oras,
ausa et iacentem visere regiam
voltu sereno, fortis et asperas
tractare serpentes, ut atrum
corpore conbiberet venenum,
deliberata morte ferocior:
saevis Liburnis scilicet invidens
privata deduci superbo,
non humilis mulier, triumpho.
Jetzt lasst uns trinken, jetzt mit dem Polkaschritt
den Boden stampfen; jetzt alle Tafeifreuden
zu laden auf den Thron der Götter
wär's an der Zeit, Ihr Kameraden!
Bisher war's Frevel, alten Cäcuberwein
heraufzuholen, wo für das Capitol
Regina die Entrechtung plante
und für das Reich ein Staatsbegräbnis
mit ihrem Tross von Wollust gezeichneten
verdorbnen Männern, während sie selbst noch schwebt
im Luftschloss und im Freudentaumel,
der allerdings gelangt zur Ruhe,
wie kaum ein Schiff vom Feuer noch unversehrt,
und den vom Nllwein paralysierten Geist
der Cäsar dann das Fürchten lehrte,
als er der Fliehenden von Italien
mit raschen Ruderschlägen noch weiter folgt,
wie Falkenjagd sich auf sanfte Tauben stürzt,
wie Hasenhatz im Schneegefilde,
um endlich Ketten anzulegen
dem Monsterweib, das würdigen Untergang
für sich ersehnte, nicht wie ein Klageweib
das Schwert gefürchtet und geflüchtet
schnell mit dem Schiff zu verborgnen Ufern,
stattdessen wagte, die stürzende Königsmacht
mit heitrem Sinn zu sehn und noch anzusetzen
die grausen nicht geheuren Nattern,
dass sich ihr Körper mit Gift ergebe
wohlüberlegtem Tode noch trotziger:
Wilden Liburnerschiffen missgönnte sie,
des Throns beraubt sie im Triumphe
heimzuführn — welch ein erhabenes Weibsstück!
[de] Zur deutschen Übersetzung
Aequam memento rebus in arduis
servare mentem, non secus in bonis
ab insolenti temperatam
laetitia, moriture Delli,
seu maestus omni tempore vixeris
seu te in remoto gramine per dies
festos reclinatum bearis
interiore nota Falerni.
Quo pinus ingens albaque populus
umbram hospitalem consociare amant
ramis? Quid obliquo laborat
lympha fugax trepidare rivo?
Huc vina et unguenta et nimium brevis
flores amoenae ferre iube rosae,
dum res et aetas et Sororum
fila trium patiuntur atra.
Cedes coemptis saltibus et domo
villaque, flavus quam Tiberis lavit,
cedes, et exstructis in altum
divitiis potietur heres.
Divesne prisco natus ab Inacho
nil interest an pauper et infima
de gente sub divo moreris,
victima nil miserantis Orci;
omnes eodem cogimur, omnium
versatur urna serius ocius
sors exitura et nos in aeternum
exilium impositura cumbae.
Gleichmut lass walten in dieser schweren Zeit,
wie in der alten guten Vergangenheit,
zu leerer Lustbarkeit niemals du hin gemusst,
weil dir Vergänglichkeit immer bewusst.
Sei's dass du schaurig trugest des Alltags Last,
sei's dass nicht traurig du dich im Winkel hast
sonntags verkrochen und ließest erfreun
von einem großen Falernerwein.
Wozu verleihen Pinie und Pappelbaum
dem gastlich freien Schatten der Zweige Raum?
Was kann die Quellen in dem beengten Lauf
über die Schnellen je halten auf?
Wein lass und Salben anreichen dir hierher,
Rosen und Alben, eh' sie verwelken sehr,
noch nähern Alter und nicht die Parzen sich
Lebensgestalter mit schwarzem Stich.
Du wirst verlassen wucherndes Weideland,
kannst nicht mehr fassen Hausgut am Tiberstrand,
bist nicht mehr Hüter dessen, was du gemacht,
Herr deiner Güter der Erbe, der lacht.
Ob reich du stammtest vom alten Inachus,
ob du verdammt bist, arm, ohne Überfluss,
wiegt nicht ein Lot, es ist bald Vergangenheit,
du bist des Todes ohne Barmherzigkeit.
Hilft kein Gezeter über das Schicksalsglück:
Früh oder später wirft alle das Geschick
uns auf den Nachen, welcher ins Jenseits fährt,
kein Weh und Ach, wenn ewig es währt.
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2005-01-24
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2009-03-08
Quo simul adclivi Clymeneia limite proles
venit et intravit dubitati tecta parentis, 20
protinus ad patrios sua fert vestigia vultus
consistitque procul; neque enim propiora ferebat
lumina: purpurea velatus veste sedebat
in solio Phoebus claris lucente smaragdis.
a dextra laevaque Dies et Mensis et Annus 25
Saeculaque et positae spatiis aequalibus Horae
Verque novum stabat cinctum florente corona,
stabat nuda Aestas et spicea serta gerebat,
stabat et Autumnus calcatis sordidus uvis
et glacialis Hiems canos hirsuta capillos. 30
Ipse loco medius rerum novitate paventem
Sol oculis iuvenem, quibus adspicit omnia, vidit
'quae' que 'viae tibi causa? quid hac' ait 'arce petisti,
progenies, Phaethon, haud infitianda parenti?'
ille refert: 'o lux inmensi publica mundi, 35
Phoebe pater, si das usum mihi nominis huius,
nec falsa Clymene culpam sub imagine celat,
pignora da, genitor, per quae tua vera propago
credar, et hunc animis errorem detrahe nostris!'
dixerat, at genitor circum caput omne micantes 40
deposuit radios propiusque accedere iussit
amplexuque dato 'nec tu meus esse negari
dignus es, et Clymene veros' ait 'edidit ortus,
quoque minus dubites, quodvis pete munus, ut illud
me tribuente feras! promissi testis adesto 45
dis iuranda palus, oculis incognita nostris!'
vix bene desierat, currus rogat ille paternos
inque diem alipedum ius et moderamen equorum.
Paenituit iurasse patrem: qui terque quaterque
concutiens inlustre caput 'temeraria' dixit 50
'vox mea facta tua est; utinam promissa liceret
non dare! confiteor, solum hoc tibi, nate, negarem.
dissuadere licet: non est tua tuta voluntas!
magna petis, Phaethon, et quae nec viribus istis
munera conveniant nec tam puerilibus annis: 55
sors tua mortalis, non est mortale, quod optas.
plus etiam, quam quod superis contingere possit,
nescius adfectas; placeat sibi quisque licebit,
non tamen ignifero quisquam consistere in axe
me valet excepto; vasti quoque rector Olympi, 60
qui fera terribili iaculatur fulmina dextra,
non agat hos currus: et quid Iove maius habemus?
ardua prima via est et qua vix mane recentes
enituntur equi; medio est altissima caelo,
unde mare et terras ipsi mihi saepe videre
fit timor et pavida trepidat formidine pectus;
ultima prona via est et eget moderamine certo:
tunc etiam quae me subiectis excipit undis,
ne ferar in praeceps, Tethys solet ipsa vereri.
adde, quod adsidua rapitur vertigine caelum 70
sideraque alta trahit celerique volumine torquet.
nitor in adversum, nec me, qui cetera, vincit
inpetus, et rapido contrarius evehor orbi.
finge datos currus: quid ages? poterisne rotatis
obvius ire polis, ne te citus auferat axis?
forsitan et lucos illic urbesque deorum
concipias animo delubraque ditia donis
esse: per insidias iter est formasque ferarum!
utque viam teneas nulloque errore traharis,
per tamen adversi gradieris cornua tauri 80
Haemoniosque arcus violentique ora Leonis
saevaque circuitu curvantem bracchia longo
Scorpion atque aliter curvantem bracchia Cancrum.
nec tibi quadripedes animosos ignibus illis,
quos in pectore habent, quos ore et naribus efflant,
in promptu regere est: vix me patiuntur, ubi acres
incaluere animi cervixque repugnat habenis.¬
at tu, funesti ne sim tibi muneris auctor,
nate, cave, dum resque sinit tua corrige vota!
scilicet ut nostro genitum te sanguine credas, 90
pignora certa petis: do pignora certa timendo
et patrio pater esse metu probor. adspice vultus
ecce meos; utinamque oculos in pectora posses
inserere et patrias intus deprendere curas!
denique quidquid habet dives, circumspice, mundus
eque tot ac tantis caeli terraeque marisque
posce bonis aliquid; nullam patiere repulsam.
deprecor hoc unum, quod vero nomine poena,
non honor est: poenam, Phaethon, pro munere poscis!
quid mea colla tenes blandis, ignare, lacertis? 100
ne dubita! dabitur (Stygias iuravimus undas),
quodcumque optaris; sed tu sapientius opta!'
Finierat monitus; dictis tamen ille repugnat
propositumque premit flagratque cupidine currus.
ergo, qua licuit, genitor cunctatus ad altos
deducit iuvenem, Vulcania munera, currus.
aureus axis erat, temo aureus, aurea summae
curvatura rotae, radiorum argenteus ordo;
per iuga chrysolithi positaeque ex ordine gemmae
clara repercusso reddebant lumina Phoebo. 1100
Dumque ea magnanimus Phaethon miratur opusque
perspicit, ecce vigil nitido patefecit ab ortu
purpureas Aurora fores et plena rosarum
atria: diffugiunt stellae, quarum agmina cogit
Lucifer et caeli statione novissimus exit.
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2016-06-05
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2016-06-05
Dorthin auf steigendem Steg Clymenes Sohn sich begibt nun,
klettert hinauf und betritt den Palast des vermeintlichen Vaters,
nähert sich suchenden Schritts der väterlichen Erscheinung,
zögert, da nicht imstande noch näheres Licht zu ertragen.
Eingehüllt im Purpurgewande sass auf seinem Throne
Sonnengott Phöbus im leuchtenden Glanz von klaren Smaragden.
Rechts von ihm und links der Tag, die Monde, der Jahrgang,
Lebensabschnitte auch und an gleichen Plätzen die Horen:
Da stand ein Frühlingskind gekrönt mit blühenden Kränzen,
eine im Sommerkleid, die führte gebundene Ähren,
das stand ein Herbstesknecht bespritzt von getretenen Trauben,
schließlich ein Wintergreis verwühlt die struppigen Strähnen.
Mitten an diesem Ort, der beeindruckt den zögernden Jüngling,
sieht ihn der Sonnengott an mit Augen, die alles erblicken.
„Welches Begehr führt des Weges dich her, was in diesen Mauern
suchst du, mein Sohn Phaeton, beim nicht dich verleugnenden Vater?“
Jener entgegnet: “0 leuchtendes Licht unermesslicher Welten,
Phöbus mein Vater, wenn dies Attribut du erlaubst zu gebrauchen
und nicht mit falschem Schein Clymene ihr Vergehen verdeckte,
gib mir, Erzeuger, Beweis, dass glaublich ich Wahres behaupte
und nimm jeden Zweifel hinweg von unseren Seelen!“
Sprachs und der Vater entfernt den funkelnden Glanz seines Hauptes
und befiehlt seinem Sohn, doch näher heranzutreten,
ihn umarmend er spricht: „Dich darf ich als mein nicht verleugnen
und Clymene verriet dir Wahres von deiner Herkunft.
Doch dass Dein Argwohn vergeht, erbitte dir nur eine Gabe,
die ich erfüllen kann! Für dies Versprechen sei Zeuge
jener beschworene Schlund, der selbst meinen Augen verborgen.“
Kaum er geendet, erbittet der Sohn den Wagen des Vaters
und einen Tag die Erlaubnis zu führn die geflügelten Pferde.
Reue erfasst den schwörenden Vater, der dreimal und viermal
schlägt sich das leuchtende Haupt und erklärt: „Du hast etwas Schlimmes
aus der Verheißung gemacht. Ach könnte ich doch widerrufen
vorschnellen Schwur! Ich gesteh, den würde dir, Bub, ich verweigern.
Abzuraten, das geht: Dies ist ein gefährlich Begehren!
Großes ersehnst du, Phäton, und Geschenke, die weit überschreiten
deine vorhandenen Kräfte und deine so kindlichen Jahre.
Sterblichkeit ist dein Geschick und Sterbliches nicht, was du forderst!
Mehr erstrebst du auch, als Höheren zukommen könnte,
Ahnungsloser du, ein jeder soll selbst sich genügen;
denn auf dem feurigen Ross kann keiner sich sicher behaupten,
ich bin die Ausnahme! Auch der Lenker des weiten Olympus,
der mit schrecklicher Hand verschleudert die zuckenden Blitze,
fährt diesen Wagen nicht: Und was könnte Zeus übertreffen?
Steil ist der Anfang des Wegs und selbst von den frichen Pferden
kaum zu ersteigen; und dann von der höchsten Stelle des Himmels
Meer und Länder zu sehen mir selbst bereitet Beklemmung
und in beklommener Angst erzittert der ganze Körper.
Jäh ist das Ende des Wegs und erfordert die sichere Lenkung;
Schließlich, wenn sie mich empfängt in den unter ihr liegenden Wellen,
Tethys auch selbst immer bangt, dass kopfüber ich könnte zerschellen.
Kommt noch hinzu, dass der Himmel vorbeizieht in ständigem Wirbel
und die höchsten Sterne bewegt in schneller Umdrehung.
Dagegen stemm ich mich, damit mich der Fahrtwind nicht umwirft,
und dreh im Gegenlauf zum Weltkreis die andere Kurve.
Angenommen du fährst, was tust du, wie kannst du erreichen,
zwischen den drehenden Polen die Linie nicht schnell zu verlieren?
Möglicherweise erwartest du auch, dass dort sich befinden
Stätten und Städte der Götter, Gebäude, die reich an Geschenken?
Widrigkeit säumet den Weg und Sternbilder grässlicher Bestien,
dennoch den Weg halte fest und Irrtum darf nicht dich verführen,
du musst die Hörner passieren des zugewendeten Stieres,
Bug vom Argiverschiff und die Schnauze des schnaubenden Löwen,
den Skorpion, der in wilder Umdrehung die Fänge entfaltet,
und den in nächtlicher Richtung sich windenden Wassermann.
Dir fällt es sicher nicht leicht, die Vierhufer mit ihrem Feuer,
das in der Brust sie entfachen und fauchen durch Maul und Nüstern,
schnell und richtig zu führen, wo mich schon kaum sie ertragen,
wenn erst ihr Feuer entfacht und der Nacken verweigert die Zügel.
Du aber hüte dich, dass nichts ich dir Schädliches schenke,
und mein Junge, solang es noch geht, korrigiere dein Votum!
Möglich, dass für die Vermutung, aus unserem Blute zu stammen,
sichre Beweise du suchst? Ich bringe Beweis durch die Sorge
und meine Vaterfurcht, wie nur sie ein Vater empfindet.
Sieh mein Gesicht, wenn schon du kannst nicht ins Herze mir blicken
und tief im Innersten des Vaters Befürchtung erfahren!
Sieh schließlich um dich herum, welch Reichtümer hat unser Erdbal1
und von Gütern des Himmels, der Erde und auch des Meeres
fordre so viel und so groß, ich werde dir keines verweigern!
Dringend erlass mir nur eins, was Strafe ist und keine Ehre:
Ja, Phäton, wirklich ist Strafe, was als Geschenk du erstrebest!
Was meinen Hals, du Tor, umfährst du mit schmeichelnden Armen?
Zweifle nicht, dass ich zedier — wir schworen bei Stygias Wellen —
was auch immer du wünschst, du musst nur Vernünftiges wünschen!“
So den Appell er beschloss. Doch jener verwirft das Gesagte,
wischt die Warnung hinweg und entbrennt in Gier auf den Wagen.
Also, nachdem so lange der Vater gezögert hatte,
führt seinen Sohn er hin zum hehren Geschenk des Vulkanus.
Golden war schon das Gestell und golden die Deichsel, die Felgen
sämtlicher Räder von Gold und von Silber die Staffel der Speichen.
Auf dem Joch Edelstein, aneinandergereihete Perlen,
die im Widerschein Phöbus' leuchtendes Licht reflektieren.
Während im Hochgefühl Phaeton noch das Kunstwerk bewundert,
siehe da öffnet die Wächtrin Aurora im glänzenden 0sten
purpurne Flügeltürn und die Vorhallen wuchernder Rosen:
Sterne vergehn, deren Haufen noch eben der Lucifer führte,
und aus der Öffnung des Himmels der neueste Tag geht hervor.
Als den die Erde berührn und den Himmel sich röten sah,
ferner die äußersten Spitzen der Mondsichel dort verschwinden,
scheucht der Titan die Horen, die Pferde jetzt anzuschirren.
Just wie befohln so befolgt, die führten die vierhufgen Gäule,
feuerspeiend und satt vom Saft aus erhabenen Krippen,
eilends heran und zäumten sie auf mit klirrenden Zügeln.
Dann salbt der Vater dem Sohn das Gesicht mit ambrosischen Ölen
und macht es so resistent gegen sengende Sonnenstrahlen,
setzt ihm aufs Haar den Strahlenkranz und aus ängstlicher Seele,
ringt sich erneut ein Trauriges fürchtender ahnender Seufzer:
„Folgtest, mein Junge, du bloß dem folgenden Rat deines Vaters:
Halte die Knute im Zaum und kräftiger nutze die Zügel!
Vorwärts sie traben allein, man muss an der Hetzjagd sie hindern.
Meid den gefälligen Weg direkt durch die fünf Hemisphären,
Seitwärts wird er begrenzt durch eine geräumige Krümmung,
reichen drei Sphären dir schon, so kannst du am End dich erwehren
südlicher Polregion und der nördlichen Winde des Bären.
Ob so der Weg, das findst du belegt durch die Spuren der Räder.
Und dass du Himmel und Erde in gleicher Erwärmung kannst halten,
lenk das Gefährt nicht zu tief und auch nicht zu hoch durch die Lüfte!
Fährst du zu hoch hinauf, so verbrennst du die himmlischen Dächer,
fährst du dagegen zu tief, die irdischen: Sichre die Mitte!
Fährst du zu weit nach rechts, so wirst du verschlagen zum Drachen,
fährst du zu weit nach links, so drückt dich das Rad zum Altare:
Halt zwischen beiden dich! Den Rest überlass ich Fortuna,
die, wie ich wünsche, dir hilft und dir mehr als du selber kann raten.
Während ich rede, versinkt die neblige Nacht schon im Westen
hinter dem Horizont. Uns bleibt keine freie Minute.
Wir müssen los, sonst vertreibt Aurora die flüchtigen Schatten.
Packe die Zügel behend! Und wenn dir noch Zweifel im Herzen,
dann so benutz meinen Rat und nicht meinen rollenden Wagen!
Wenn du noch kannst und solange du stehst auf sicherem Boden
wenn das verwünschte Gefährt noch fern den nicht kundigen Händen,
sieh dich als sicher an und lass mich die Länder erleuchten!“
Aber mit kindlichem Schwung bemächtigt sich der der Kalesche,
reckt sich empor und genießt, mit Händen zu greifen die Zügel,
die er soeben mit Dank vom sich sträubenden Vater empfangen.
Unterdessen ertönt von allen geflügelten Pferden:
Sonnenpferd Pyrois, Eos, Aethon und als viertem dem Phlegon
feuriges Wiehern und Hämmern der Hufe dem Schlagbaum entgegen.
Als diesen nun Tethys, vom Schicksal des Enkels nichts wissend,
wegzieht und damit eröffnet die Weite des herrlichen Himmels,
packen den Weg sie an und teilen mit wirbelnden Hufen
die ihnen durch die Lüfte entgegenziehenden Wolken,
sind mit erhobenen Flügeln noch schneller als östliche Winde.
Doch seine Last war zu leicht und das konnten sie nicht erkennen,
Pferde des Lichts, deren Joch des gewohnten Gewichtes entbehrte.
Wie ohne rechten Ballast die Schiffe zu schaukeln beginnen,
um ohne Sicherheit ein Spielball des Meeres zu werden,
so ohne übliche Last der Wagen schnellt in die Lüfte,
wird in die Höhe gerissen und gleicht einem Geisterfahrzeug.
Kaum sie das hatten gespürt, da fing das Gespann an zu zerren,
bricht aus der sichtbaren Bahn und läuft nicht in früherer Ordnung.
Jener bekommt's mit der Angst und weiß nicht die Zügel zu halten,
weiß nicht den Weg und, wenn er ihn wüsste, die Pferde zu lenken
Erstmals erglühen da in Wärme die starren Trionen
und übersehn das Verbot, im Meere sich abzukühlen.
Auch die dem eisigen Pol am nächsten gelegene Schlange,
vorher in Kälte erlahmt und niemandem jemals bedrohlich,
wärmte sich auf und geriet durch die Hitze in neue Erregung,
und auch dich, Bootes, erregt, beide mahnen zu fliehen,
wenn du auch zaghaft bist und deine Gespann dich zügeln.
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2018-06-28
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2018-06-28
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2018-06-28
[de] Zur deutschen Übersetzung
Nunc age, Dardaniam prolem quae deinde sequatur
gloria, qui maneant Itala de gente nepites,
iniustiis animas nostrumque in normen ituras,
expediam dictis et te tua fata docebo.
Ille - vides - (pura iuvenis qui nititur hasta,
proxima sorte tenet lucis loca) primus ad auras
aetherias Italo commixtus sanguine surget,
Silvius, Albanum nomen, tua postuma proles,
quem tibi longaevo serum Lavinia coniunx
educet silvis regem regumque parentem,
unde genus Longa nostrum dominabitur Alba.
...
...
Quin et avo comitem sese Mavortius addet
Romulus, Assaraci quem sanguinis Ilia mater
educet. Viden, ut geminae stant vertice cristae
et pater ipse suo superum iam signat honore?
En huius, nate, auspiciis illa incluta Roma
imperium terris, animos aequabit Olympo,
septemque una sibi muro circumdabit arces,
felix prole virum: Qualis Berecyntia mater
invehitur curru Phrygias turrita per urbes,
laeta deum partu, centum complexa nepotes,
omnis caelicolas, omnis supera alta tenentis.
Huc geminas nunc flecte acies, hanc aspice gentem
Romanosque tuos. Hic Caesar et omnis Iuli
progenies magnum caeli ventura sub axem.
Hic vir, hic est, tibi quem promitti saepius audis,
Augustus Caesar, Divi genus, aurea condet
saecula qui rursus Latio regnata per arva
Saturno quondam super et Garamantas et Indos
proferet imperium; iacet extra sidera tellus,
extra anni solisque vias, ubi caelifer Atlas
axem umero torquet stellis ardentibus aptum.
Huius in adventum iam nunc et Caspia regna
responsis horrent divum et Maeotia tellus
et septemgemini turbant trepida ostia Nili.
Nec vero Aicides tantum telluris obivit
(fixerit aeripedem cervam licet aut Erymanthi
pacarit nemora et Lernam tremefecerit arcu)
nec qui pampineis victor iuga flectit habenis
Liber agens celso Nysae de vertice tigris.
Et dubitamus adhuc virtutem extendere factis,
aut metus Ausonia prohibet consistere terra?
Quis procul ille autem ramis insignis olivae
sacra ferens? Nosco crinis incanaque menta
regis Romani, primam qui legibus urbem
fundabit, Curibus parvis et paupere terra
missus in imperium magnum. Cui deinde subibit,
otia qui rumpet patriae residesque movebit
Tullus in arma viros et iam desueta triumphis
agmina. Quem iuxta sequitur iactantior Ancus,
nunc quoque iam nimium gaudens popularibus auris.
Vis et Tarquinios reges animamque superbam
ultoris Bruti fascisque videre receptos?
Consulis imperium hic primus saevasque securis
accipiet, natosque pater nova bella moventis
ad poenam pulchra pro libertate vocabit,
infelix, utcumque ferent ea facta minores:
Vincet amor patriae laudumque immensa cupido.
Quin Decios Drusosque procul saevumque securi
aspice Torquatum et referentem signa Camillum.
Illae autem, paribus quas fulgere cernis in armis,
concordes animae nunc et dum nocte prementur,
heu quantum inter se bellum, si lumina vitae
attigerint, quantas acies stragemque ciebunt,
aggeribus socer Alpinis atque arce Monoeci
descendens, gener adversis instructus Eois!
Ne, pueri, ne tanta animis adsuescite bella
neu patriae validas in viscera vertite viris;
tuque prior, tu parce, genus qui ducis Olympo,
proice tela manu, sanguis meus!
Ille triumphata Capitolia ad alta Corintho
victor aget eurrum, caesis insignis Achivis;
eruet ille Argos Agamemnoniasque Mycenas
ipsumque Aeaciden, genus armipotentis Achilli,
ultus avos Troiae, templa et temerata Minervae.
Quis te, magne Cato, tacitum aut le, Cosse, relinquat?
Quis Gracchi genus aut geminos, duo fulmina belli,
Scipiadas, cladem Libyae, parvoque potentem
Fabricium vel te sulco, Serrane, serentem?
Quo fessum rapitis, Fabii? Tu Maximus ille es,
unus qui nobis cunctando restituis rem.
Excudent alii spirantia mollius aera
- credo equidem -, vivos ducent de marmore vultus,
orabunt causas melius caelique meatus
describent radio et surgentia sidera dicent:
Tu regere imperio populos, Romane, memento,
(hae tibi erunt artes) pacique imponere morem,
parcere subiectis et debellare superbos.
: Nach einer Phase der Läuterung trinken die Seelen der Verstorbenen aus dem "Fluss des Vergessens", um dann neuerdings auf die Erde zurückzukehren. Die Vorstellung bedeutender künftiger Römer ("Heldenschau") ermutigt Aeneas zur Fortsetzung seiner mühevollen Mission.
Nun also: Was dem Dardanischen Stamm zuteil wird am Ruhme,
welch eine Nachkommenschaft aus italischem Volke dagegen
glanzvolle Geisteshöhe erreicht in unserem Namen,
das will erläutern ich dir und dein eigenes Schicksal dir deuten:
Siehe nur hin (wie grad der Junge gestützt auf die Lanze
nächstens vom Lose zum Lichte bestimmt) als erster wird atmen
himmlische Lüfte mit Lungen, getränkt von italischem Blute.
Silvius ist der albanische Name des nach dir Gebornen,
den dir Verblichenen einst deine Gattin Lavinia aufzieht
aus den Wäldern heraus zum König und Vater der Herrscher,
von denen unser Geschlecht wird Alba Longa regieren.
...
Anschließend drängen Procas, der Ruhm des trojanischen Volkes,
Capys und Numitor sowie deines Namens Erhalter
Silvius Aeneas, ein Vorbild an Keuschheit und Kampfkraft,
wenn er dereinst übernehmen wird die Herrschaft in Alba.
Prächtige Burschen! Und sieh, welche Manneskräfte sie zeigen
und die verdunkelten Zeiten mit Zivilisierung erfüllen:
Sie stiften Städte wie Nomentum, Gabii und Fidenae,
sie besetzen die Berge mit Forts wie Collatia, Pometia,
sie legen Siedlungen an wie Inui, Bola und Cora,
die dereinst nennenswert sind, wenn auch jetzt noch ein Land ohne Namen.
Schon dem Ahnherrn Gefolgschaft leistet des Marsgottes Sprössling
Romulus, den von Assarakos Stamm die Ilia aufzieht.
Siehst du stehen auf seinem Haupt den doppelten Helmbusch,
wie sein Vater ihn schon bezeichnet mit göttlicher Ehre?
Unter dessen Segen, mein Sohn, wird Rom, das berühmte,
alle Länder regieren und Geistesgröße erlangen,
sieben Hügel vereint mit einer Mauer umgeben.
Hierher nun wende die Blicke ganz und betrachte den Volksstamm,
deine eigenen Römer mit Cäsar und aller von Julus
Nachkommenschaft, die aufsteigen wird zum Himmelsgewölbe.
Hier, ja hier ist der Mann, der versprochen des öftern dir wurde
Cäsar Augustus, des Göttlichen Sohn, der goldene Zeiten
sendet dem einst von Saturn regierten latinischen Acker
und die Herrschaft erstreckt zu den Garamantern und Indern;
außerhalb liegt ihr Gebiet von den uns vertrauten Gestirnen,
außerhalb unserer Zeitenrechnung, wo stützender Atlas
nackengebeugt bewegt den sternenstrahlenden Himmel.
Heut schon orakelbelehrt erzittern die Kaspischen Reiche
vor seiner Ankunft und ebenso das Land der Mäoten,
sind von Furcht bestürmt die sieben Gestade des Niles.
Nicht einmal Herakles durchmaß so viel von der Erde,
(mochte erhetzen er auch den Hirsch mit den ehernen Hufen,
mochte betäuben er dann die Wildsau im Wald Erymanthos,
mochte verschrecken zuletzt das Gift des Lernäischen Lindwurms)
noch auch der siegreiche Gott, der mit Weinlaub versehenen Zügeln
lenkte vom Gipfel des Nysos herab die Panther und Tiger.
Und da zögern wir noch, die Tugend zu steigern durch Taten,
oder verwehrt uns die Furcht ausonisches Land zu besetzen?
Wer ist nun dieser Held, erkenntlich am Zweig der Oliven,
Opfergeräte er hält? Ich erkenne den Graubart, den schiefen
jenes Königs von Rom, der als erster die Stadt lehrte Mores,
hergerufen aus ärmlichem Land, dem kärglichen Cures,
in das beherrschende Amt. Ihm folgt in der Reihe dann Tullus,
der aus der Trägheit das Land und die Männer aus wohligen Dämpfen
frisch zu den Waffen beruft und zu ihnen entfremdeten Kämpfen.
Nächstens folgt das Gesicht des hochauffahrenden Ancus,
jetzt bereits maßlos erpicht auf das Echo des Volks und des Dankes.
Brutus, willst du auch sehn die (3) Tarquinischen Herrscher, die rächenden
mit dem erhabenen Geist und der wiedergewonnenen Würde?
Erstmals ergreift er die Macht eines Konsuls und Scharfrichters Scherben
spricht als Vater die Acht zulasten der eigenen Erben,
straft den Staatsstreich ab zugunsten der Freiheiten Schimmer,
schicksalsgeschlagen, wie immer die Nachwelt mag dieses gestalten:
Vaterlandsliebe und Weltgeltungswille sie bleiben erhalten.
Siehe den Decius und Drusus als nächste dann stehen,
Scharfrichter Torquatus und Fahnenträger Camillus.
Jene beiden jedoch, sie glänzen mit streitbaren Mützen,
einiger Meinung noch und solange die Schatten sie schützen;
zu welchem Krieg werden sie, wenn des Lebens Licht sie erblicken,
zu welcher Strategie und zu welchem Blutbad sich schicken
absteigt der Schwiegerohm aus den Alpen und Monacos Posten
gegen den Schwiegersohn, gerüstet mit Truppen vom Osten!
Ja nicht, Ihr Jungen, gewöhnt Eure Sinne an solcherlei Kriege,
hohl für das Vaterland tönt dann die Kunde und Kraft Eurer Siege;
Schonung als obersten Zweck, du Sohn vom Olympos lass walten,
reiße die Waffen hinweg aus den blutigen Händen der Alten!
Jener fährt von Korinth zum Kapitol mit dem Wagen,
wo die Trophäen sind und die Griechen gänzlich geschlagen.
Dieser vernichtet Argos und Agamemnons Mykene,
schlägt den Perseus dann, den Enkel des mächt'gen Achilles,
rächt den troischen Ahn, den entrechteten Tempel der Pallas
Wer verschwiege den Ruhm des großen Cato und Cossus?
Wer der Gracchen Geschlecht, die glänzenden Scipionen,
Sieger in Libyen und jene, die Armut wird lohnen
mit des Fabricius Macht und der Feldarbeit des Serranus?
Wohin, ihr Fabii, entführt ihr den müden Propheten?
Du allein den Staat uns durch Warten wirst retten.
Version 1
Andere lassen aus Erz beseelte Figuren erkalten,
werden - gesteh ich - aus Stein lebendige Züge gestalten,
bessere Plädoyers und bessere Klimakarten
fertigen und verstehn die Sterne, die einst uns erwarten:
Du aber Römer bedenke, die Herrschaft der Völker zu haben
(sieh deine eigenen Gaben) in Frieden Ordnung erbringe,
schon' die Geschlagenen, die Zügellosen bezwinge!
Version 2 (2025)
Andere mögen aus Erz ein sanfteres Atmen gestalten,
meinetwegen aus Marmorgestein lebendige Mienen entfalten,
Gipfel der Redekunst und Wege des Himmels erklimmen,
Kreislauf und Untergang der Gestirne im Voraus bestimmen.
Herrscher der Völker zu sein, das sollst du, Römer, bedenken,
wird deine Fähigkeit sein, in Frieden Ordnung zu schenken,
Schonung dem Untersten und Niederkämpfung des Stolzen!
Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim ,2004
O litus vita mihi dulcius, o mare! felix
cui licet ad terras ire subinde meas!
o formosa dies! hoc quondam rure solebam
Naiadas alterna sollicitare manu!
hic fontis lacus est, illic sinus egerit algas:
haec statio est tacitis fida cupidinibus.
pervixi: neque enim fortuna malignior unquam
eripiet nobis quod prior hora dedit.
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O du Strand am Meer, mir erfreulicher als das Leben!
Glücklich, wem es vergönnt, an deinen Ufern zu wandeln!
O ihr Tage im Glück! Hier pflegte ich einst zu verführen
Wassernymphen zu Land immer mit lockerer Hand!
Hier ist der Quelle Gefäß, hier füttert ihr Busen die Pflanzen.
Hier ist beharrlicher Halt für die verborgne Begier.
Ich habe ausgelebt; denn niemals ein neidisches Schicksal
könnte entreißen uns, was es uns früher geschenkt.
Übersetzung nach Petronius Arbiter († 66 n. Chr.) © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , April 2020