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Vorwort

Vorwort

Non vitae sed scholae discimus1

Anlass

Zur 50-jährigen Jubelfeier unseres Abiturs im Jahre 1974 habe ich Anekdoten, Bilder und Hintergrundtexte zur Schulzeit gesammelt.

Wer mit beitragen will, sende mir ( mailto:juergen.regel@gmx.de ) am besten seine Fotos, PDFs oder seinen unformatierten Text als E-Mail. Ich würde ihn dann in diese Präsentation einfügen.

Technische Details

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1 Seneca: epistulae morales ad Lucilium , auf dem Fußboden unserer Anstalt falsch zitiert als Non scholae sed vitae discimus.

Anekdoten

Jan Hauenstein


Herman Hupfeld (Komponist),

Jan Hauenstein (Gesang),

Jürgen Regel (Klavier):

As time goes by

Zusammenlegung der Klassen A und B

Nach meiner Erinnerung hieß unsere Klasse A/B, wahrscheinlich irre ich mich. Wir wurden aus zwei zu kleinen Klassen, eine Englisch, eine Latein, zusammengewürfelt. Achim Block hatte in seiner unendlichen Weisheit und Güte beschlossen, dass die Lateiner Extra-Englischstunden bekamen, die Engländer nix.

Das hätte sich ein Schulleiter trauen sollen, als ich Elternvertreter war... BOOM!!

1

Herr Boestfleisch

Boestfleisch schlich sich mit bitterböser Miene und Lineal an eingeschlafene (wen wundert's) Schülerinnen und Schüler heran, um sie dann rüde mit einem Linealschlag auf die Pfoten zu wecken.

Herr Brock (Musik)

Herr Brock tat mir immer etwas leid. Er bleibt als Gnummus bei der Vorstellung von Pictures at an Exhibition in ewiger Erinnerung. Mir hat er eine 2 gegeben, weil ich ihn nicht genervt habe — musste die Latein-Hausaufgaben in seiner Musikstunde abschreiben. Zur Strafe kann ich keine Noten lesen, bin trotzdem ein ordentlicher Musiker geworden.

Herrn Fauths Schüttelreime

Ins Meer gefall'ne Sahnekuchen
Muss man mit dem Kahne suchen.

Wenn Römer auf den Kuppen trotzen,
Sieht man Jugurthas Truppen kotzen.

Herr Gerlach (Chemie)

Nach meiner Erinnerung verdiente sich Käsewilli seinen Namen dadurch, dass er hartnäckig, manchmal schuhlos, seine Käsemauken auf dem Pult plazierte.

Er neigte zu Faulheit, das ging soweit, dass er bei Klassenarbeiten die offenen Chemiebücher auf den Knien nicht bemerkte.

Ein unangehmer Gesell. Ca. ein Jahr nach dem Abi schlenderte er durch die Fußgängerzone, Kollisionskurs mit einem arabisch aussehenden Herrn. Aus dem Weg, Kameltreiber! schnauzte Gerlach. Noch ein Wort, und ich zeige Sie an, Herr Gerlach! brüllte ich ihn an.

Herr Hauptvogel

Etwas zu Charlie Pinguin — der Deutschlehrer Karl Hauptvogel wurde ob seiner spitzen Nase so genannt. Mit Begeisterung verteilte er Strafarbeiten. Leider immer dieselbe.

Beim fünfzigsten Mal war der Lack ab, wenn er sich die Hände rieb und mit glänzenden Augen und verschmitztem Grinsen rief: Und nun das Thema der Strafarbeit! Vom Faustkeil zur Atomrakete! Gähn …

Frau Hegerfeld

Frau Hegerfeld, unsere Englisch-Fachkraft (na ja), hatte die erfreuliche Idee, uns ein feines Lied zur Diskussion stellen zu lassen. Ich brachte Lola von den Kinks. Frau Hegerfeld entging die offensichtliche Tatsache, dass es sich bei Lola keineswegs um ein weibliches Wesen handelt(e).

Herr Hennig (Deutsch, Gemeinschaftskunde)

Gammel verdient ein Er hat sich bemüht . Das will und kann ich ihm nicht absprechen. Es mangelte ihm erheblich an Sprachgefühl. Die Noten, die er für flüssig und elegant geschriebene Texte verteilte, verdienen die Note 5. Ich spreche hier nicht nur über meine Deutscharbeiten:

Burkhard Klein hat für eine meiner schönsten Erinnerungen gesorgt - Henning hatte ihm in einer Klassenarbeit eine 4 verpasst, und Burkhard marschierte aus seiner letzten Reihe wutentbrannt zum unseligen Pädagogen und rief die unsterblichen Worte: Ich hätte nicht übel Lust, Ihnen dieses Heft links und rechts ins Gesicht zu klatschen! Gut gemacht.

Frau Knauer (Musik)

In der Mitte die Aula, in der Frau Knauer bei wichtigen Veranstaltungen als Dirigentin, auf einem Schemel stehend, unerwünschte Unterrock-Einblicke gewährte.

Frau Jacquot (Französisch)

Ich möchte als nunmehr alter weißer Mann anmerken, dass Marjolaine Jacquot Michael Hautsch und mich mehrere Wochen bei dem für uns freiwilligen Französich-Unterricht in ihren Bann geschlagen hat, indem sie im kurzen Mini vorn auf dem Lehrerpult saß und mit ihren sehr ansehnlichen Beinen wippte. Testosteron, du Teufel …

Herr Neitzel (Sport, Mathe)

Wir Engländerinnen und Engländer hatten als Sportlehrer Breitkreuz und Neitzel (stets im Bärenfell, also Hemd sofort runter, üppiges Rumpfhaarkleid stolz präsentiert), an Tegethoff erinnere ich mich nicht.

Wir hatten Neitzel auch in Mathe; meine 3 im Abizeugnis verdanke ich der Tatsache, dass ich in der entscheidenden Arbeit keinen einzigen Fehler gemacht hatte. Neitzel war, verständlich, bass erstaunt.

Er hatte allerdings übersehen, dass ich von vier Aufgaben nur drei bearbeitet hatte.

Herr Schuseil

Welche Leerkraft ging eigentlich zum Backmann, wie der muntere Martin Schuseil (ein erfreulicher Lehrer, große Ausnahme) das Lädchen nannte, reckte stolz die verbliebenen drei Finger der rechten Hand in die Höhe und rief: Fünf Brötchen! ? War das der hochtonige Solf?


1J. R.: Siehe auch Wenskus, Otta: Teilung und Zusammenlegung der Klassen und Andreas Koltzes Anmerkung dazu.

Klaus Heidelberg

Originaltext als PDF

Meine Erinnerungen an die Zeit am Max-Planck-Gymnasium und das Abitur 1974 nach 50 Jahren

Vorab sei angemerkt: Es sind meine Erinnerungen und meine Wahrheiten, aber auch hier gilt für mich: „nihil nocere“ - Nie jemanden schaden und „de mortuis nil nisi bene“ - Über Tote nichts außer Gutes.

Auch wenn irgendwo auf dem Fußboden unseres Max-Planck-Gymnasiums der Spruch eingelassen war: „non scholae sed vitae discimus“, so hat sich mir schon während der Schulzeit sehr deutlich gezeigt, dass der alte Seneca in seinem Brief an Lucillus es grundsätzlich anders gemeint hatte: non vitae sed scholae discimus: „Kinderspiele sind es, die wir da spielen. An überflüssigen Problemen stumpft sich die Schärfe und Feinheit des Denkens ab; derlei Erörterungen helfen uns ja nicht, richtig zu leben, sondern allenfalls, gelehrt zu reden. Lebensweisheit liegt offener zu Tage als Schulweisheit; ja sagen wir’s doch geradeheraus: Es wäre besser, wir könnten unserer gelehrten Schulbildung einen gesunden Menschenverstand abgewinnen. Aber wir verschwenden ja, wie alle unsere übrigen Güter an überflüssigen Luxus, so unser höchstes Gut, die Philosophie, an überflüssige Fragen. Wie an der unmäßigen Sucht nach allem anderen, so leiden wir an einer unmäßigen Sucht auch nach Gelehrsamkeit: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.

Herr Schwarz (Latein, Altgriechisch)

Nicht dass ich den Brief selbst übersetzt hätte. Schon im Lateinunterricht hatte ich den praktischen Nutzen einer Reklamklitsche erkannt. Unser Klassen- und Lateinlehrer, Herr Schwarz, kürzte unsere mühsamen Übersetzungsversuche gerne mit der Bitte an mich ab, ich möge aus der sowieso unter der Bank bereitliegenden Reklamklitsche einfach den Text vorlesen. Das sparte Zeit und wir konnten über den Inhalt ausführlich diskutieren.

Senecas Kritik an einer zu wenig am praktischen Leben orientierten Ausrichtung der Schulbildung unterstreiche ich auch nach fünfzig Jahren noch vollumfänglich. Weder Latein, Griechisch noch Mathematik haben mir die grundlegenden Fähigkeiten für die zurückliegenden Herausforderungen geliefert. Wenn dann waren es kurze, aber prägnante Ereignisse im Unterricht, die lange nachgewirkt haben. Urheber waren Lehrer, deren Handlungen und Charaktere sich bei mir tief eingebrannt haben.

Herr Neitzel (Mathematik)

Allen voran stehen bei mir Frau Riebe, unsere Englischlehrerin, Herr Schwarz, s.o. und Herr Neitzel. Letzterer unterrichtete Mathe und Sport. Er war ein genialer Pädagoge! Er hat mir, so was von unsportlichem Knaben, beigebracht, wie man am Seil bis zur Hallendecke emporklettert und dann oben, sich nur mit den Füßen und Hals haltend, mit beiden Händen an die Decke klatschen konnte. Auch meine Angst vor dem Kastensprung hat er weggeblasen, indem er sich direkt dahinter stellte und mir zurief: "Spring einfach in meine Arme!" Ich habe ihn über den Haufen gesprungen und wir beide kugelten lachend und prustend vor Freude über den Hallenboden.

Die Welt der Zahlen hat er uns in den beiden Jahren vor dem Mathe-Abitur - das wurde als Vorabi abgeprüft, um den erhabenen Wert der humanistischen Bildung im Haupt-Abi nicht ungebührlich zu mindern - in einer ganz eigenen Art und Weise vor Augen geführt. Minimax-Gleichungen wurden mit der realen Aufgabe verbunden, Milchtüten mit einem möglichst geringen Kartonverbrauch zu berechnen.

Eines Tages kam er in die Klasse, nahm ein Stück Kreide und malte einen Strich von der einen Ecke der Stirnwand über die Tafel bis zur Fensterseite, darunter einen kurzen mitten auf die Tafel und schrieb „g“ an den langen und „AB“ an den kurzen, drehte sich dann um und fragte grinsend: "Was ist der Unterschied?" Wir schmissen uns unter die Bänke. Das war unterste Geometrie und das uns, so kurz vor der Reifeprüfung. Es folgte eine lange und heftige Diskussion über die Krümmung der Geraden im Unendlichen, die beiden Unendlichkeiten, ob negativ oder positiv, und ihre vermeintliche Einswerdung. Er führte uns die Nichtigkeit der durch ihre Endpunkte definierten Strecke vor Augen und nahm uns mit auf dieses „g“. Dort ist er für mich bis heute geblieben!

Herr Schwarz und Frau Riebe sind für mich nicht durch ihren Unterricht, sondern durch ihre aufopfernde Begleitung auf unserer Abschlussfahrt nach London in bester Erinnerung geblieben.

Tanzinstitut Frobenius

Bilder/Heidelberg Frobenius.jpg

Nachdem ich die neunte Klasse wiederholen durfte und in der darauffolgenden zehnten wieder erkennen musste, dass die den A und B-Zügen vorbehaltene „echte humanistische Bildung“ nicht für mich geeignet war, konnte ich meine Eltern davon überzeugen, dass ein Wechsel in den C-Zug die bessere Option gewesen ist.

Anschließend hatten wir viel Spaß und der Leistungsdruck hielt sich in Grenzen. Nur so war es für mich möglich, Schule und Leben miteinander zu verbinden. Herr Schwarz hatte für meine außerschulischen Aktivitäten volles Verständnis und übergab mir am Ende des Monats immer eine Liste mit meinen Fehlstunden mit der Bitte, die Entschuldigung als Sammelausführung nachzureichen.

Begonnen hat diese Interessenkollision mit dem Tag, als aus welchem Grund auch immer in unserer Klasse plötzlich Tanzschule angesagt war. Wir diskutierten schon eine ganze Zeit darüber, ob Frobenius mit dem Tanzclub Schwarz-Gold oder die Konkurrenz Grün-Orange besser sei. Frobenius war altbacken und es gab zunächst getrennten Anstandsunterricht, damit die Geschlechter nicht unkontrolliert aufeinanderprallten. Grün-Orange war eher eine Diskothek. Ich entschied mich mit einigen Klassenkameraden für Frobenius. Das war unser Abschlussballfoto und wer mag, kann versuchen, sich oder andere wiederzuerkennen. Ansonsten lassen wir alle Beteiligten in der schützenden Anonymität.

Etliche Kurse folgten und letztendlich war Turniertanz angesagt. Zudem durfte ich den Herrn neben Frau Frobenius als Tanzschulassistent ersetzen und meine damalige Tanzpartnerin hatte mich mit dem „Reitsportvirus“ infiziert.

Ab jetzt wurde es für die Schule richtig eng. Nachmittags war Reiten angesagt. Dafür musste ich erst nach Hause, mich umziehen, zum Bahnhof und mit dem Bus nach Lutterhausen, reiten, zurück, duschen, umziehen, Tanzschule bis nach Mitternacht. An Tagen, an denen kein Tanzkurs stattfand, blieb ich gerne bis zum nächsten Morgen in Lutterhausen, da die Abende im Reiterstübchen nicht ohne Reiz waren. Anrufe meiner besorgten Mutter konnte ich abwehren. Problematisch war, dass dieser Hetze nicht nur die sechste Schulstunde zum Opfer fallen musste, sondern auch meine Teilnahme am nachmittäglichen Sportunterricht verhinderte. Der "Blaue Brief" mit den Worten "Klaus gefährdet das Bestehen der Reifeprüfung..." liegt noch in meinen Unterlagen.

Die Vernunft hat damals gesiegt!

Abschluss-Klassenfahrt nach London mit Frau Riebe und Herrn Schwarz

Überfahrt von Bremerhaven nach Harwich

Bilder/Heidelberg Soho.jpg Bilder/Heidelberg Schiffskabine.jpg

Das nächste Highlight war die Abschlussfahrt nach London. Wir fuhren hin mit dem Schiff über Bremerhaven nach Harwich und quartierten uns in einem Jugendhotel in Bayswater ein. Der Aufenthalt war geprägt vom pädagogisch sicher ehrenwerten Versuch von Frau Riebe, uns die englische Kultur hautnah erleben zu lassen. Herr Schwarz entledigte sich schon auf der Zugfahrt nach Bremen seines ewig steifen dunklen Anzugs und kam in Jeans wieder von der Toilette zurück. Ab da waren die Interessen beider Pädagogen nicht mehr deckungsgleich.

Während der Hauptteil der Klasse brav hinter Frau Riebe herzog, klinkten Schwarz und ich uns aus und machten Soho unsicher, fanden aber abends immer wieder zusammen, und die diversen Fotodokumente belegen die zahlreichen pädagogisch wertvollen gemeinsamen Momente.

Rudern in Cambridge

Bilder/Heidelberg Mann über Bord.jpg Bilder/Heidelberg Stefans Freundin.jpg

Dann musste Stefan rudern und ich konnte seine Freundin verwöhnen.

Dass unser Stocherkahn bei einem Cambridgebesuch von Joachim gerammt wurde und ich in der Cam baden ging, war einer von drei dramatischen Höhepunkten.

Herr Schwarz als Patient

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Der zweite folgte in Verbindung mit dem reichlichen Genuss von Cider. Herr Schwarz hatte sich eine schwere Fußverletzung zugezogen und Elisabeth assistiert mir bei der Wundversorgung.

Herr Schwarz als Arzt an Bord

Der dritte folgte auf der Rückfahrt mitten auf der Nordsee. Per Bordlautsprecher wurde notfallmäßig Herr Dr. Schwarz als vermeintlicher Arzt ausgerufen: „Dr. Schwarz, please contact the information desk in a case of emergency!“ Er wählte mich, da ich gerade einen Erste Hilfekurs beim DRK absolviert hatte, zu seinem persönlichen Assistenten und wir leisteten dem Aufruf gemeinsam Folge. Der Hinweis, dass er zwar einige Semester Medizin studiert habe, der Dr. aber nur der Philosophie geschuldet sei, störte den Ersten Offizier wenig. Es sei aber kein weiterer Arzt an Bord und die Senatorin wünsche umgehend eine Visite. Gnädige Frau hatte sich in London von ihrem Leibarzt operieren lassen und zeigte uns in der Kapitänssuite bereitwillig ihre OP-Wunde. Der Erste Offizier erklärte ihr meine Funktion korrekt und ich diagnostizierte eine winzige Wunddehiszenz, die ich mit Einlage eines Leukasekegels und einem Pflaster fachmännisch versorgte. Das war der erste Akt. In der Pause folgte ein ausgelassener und langer Abschiedsabend in der Borddisko. Am nächsten Morgen fühlte ich mich verpflichtet, der Senatorin noch eine Abschiedsvisite zukommen zu lassen. Sie war gerührt, fühlte sich auch schon viel besser und ließ mir vom Ersten Offizier als Dank eine Packung exquisiten Pfeifentabaks überreichen. Diese frühe Erkenntnis, dass auch nicht notwendige medizinische Maßnahmen honoriert werden, hat evtl. meine spätere Berufswahl mit beeinflusst. Der Tabak war ausgezeichnet, und ich muss beim Smalltalk der Senatorin wohl von meinem Laster des Pfeiferauchens erzählt haben.

Krankenpfleger bei der Bundeswehr und Medizin-Studium

Das letzte Schuljahr war aber auch das einzige, in dem ich das Gefühl hatte, doch das richtige Gymnasium gewählt zu haben. Trotzdem bahnte sich das Leben außerhalb seine Bahn. Die Bundeswehr stand vor der Tür und Wehrpflicht kam für mich nicht infrage. 18 Monate ohne Einkommen waren nicht denkbar, also musste ich mich verpflichten. Die in Aussicht stehende Abinote war mit Sicherheit nicht geeignet, auf einen Medizin-Studienplatz sofort im Anschluss hoffen zu können. Es gab damals die Möglichkeit, mit vier Jahren seinen Krankenpfleger über den Sanitätsdienst der BW machen zu können, also bewarb ich mich darauf.

Die Eignungs- und Verwendungsprüfung in Hannover bestand ich im Gegensatz zum Abitur mit Bravour. Somit war der weitere Weg für mindestens vier Jahre fest vorgezeichnet und das Überleben gesichert. Mein Abizeugnis übereichte mir unser Direktor, Herr Block, wie allen anderen des C-Zuges auf der Hintertreppe des Gymnasiums mit den süffisanten Worten: "Na Klaus, bei ihnen ist die Note doch unerheblich. Sie gehen ja zur Bundeswehr."

Beruf und Familie

Dieser Akt hatte ein Nachspiel. Anlässlich eines Theaterbesuches mit meiner Frau im DT in Göttingen trafen wir im Foyer wieder aufeinander. Herr Block hat mich bemerkenswerterweise sofort wiedererkannt. Mein Studium lag schon geraume Zeit hinter mir und die erstaunte Frage: "Was machen Sie denn beruflich? Sie wollten doch zur Bundeswehr!", konnte ich mit "Arzt" kurz und knapp beantworten. Er wich förmlich zwei Schritt zurück und fragte nach: "Wohl auch noch promoviert, was?" Mit meinem "Ja!" war das Eis gebrochen. Ich glaube, er hat sich sogar gefreut. Jedenfalls bin ich, als Geschäftsführer Medizin, Pflege und IT eines diakonischen Krankenhauskonzerns, ihm, als Aufsichtsratsmitglied des Ev. Krankenhauses Weende, noch etliche Male in Göttingen begegnet und wir haben immer fröhlich miteinander geplaudert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte mich das reale Leben schon fest im Griff. Unsere drei Töchter waren geboren, die Zeit als Oberarzt der Gynäkologie im Friederikenstift Hannover lag schon einige Jahre hinter mir und die Tätigkeit als Geschäftsführer hat mich zuletzt quer durch Deutschland getrieben. Unser Familiensitz ist bis heute aber das beschauliche Algermissen geblieben. Erst mit 60 habe ich wieder den weißen Kittel angezogen und mich auf meine ursprünglich gewünschte Rolle als „Arzt“ zurückgezogen. Trotz Renteneintritts vor fünf Jahren lässt mich mein Vollzeitjob in der psychiatrischen Institutsambulanz des AMEOS Klinikums Hildesheim nicht los. “Dass sie nicht in den Himmel wachsen, dafür sorgt schon das Leben.” Zitat aus der Feuerzangenbowle.

Klaus Heidelberg

Malte Lücke

Eure Mails habe ich sehr gern gelesen - und sie haben mich wieder an die Zeit am Theaterplatz und in der Baurat Gerber Straße zurückdenken lassen. Vielen Dank an euch alle, die Ihr diese Korrespondenzchronik erstellt habt!

Zu den Lehrern

In der Rückschau ist mir sehr deutlich geworden, was für ein Glück ich/wir mit der Lehrerschaft zwischen 1966 und 1974 gehabt habe/n. Natürlich erinnere ich mich mit immer noch abrufbarer Empörung :-) an die Tiraden, die ich von Frau Hillmer (Krampenschuss vom Nebentisch > inquisitorisches IndieAugenStieren durch Frau H. bei allen in unserem Bereich > reflexhaftes Erröten bei mir > Standpauke) oder auch von Frau Knauer (die Chorleute der 7a entzogen sich der musikalischen Untermalung der Fünftklässereinschulung, um der ersten Englischstunde bei Herrn Gidion beiwohnen zu können) eingesteckt habe.

Aber ich denke auch an den absolut charismatischen Christoph von Wedemeyer (hohe Backenknochen, Knopfaugen, breites Lachen, Einladungen der Klasse zum Rodeln in den Schillerwiesen und danach zum Kakaotrinken bei ihm zuhause,…), den verschmitzt lippenschürzenden Blacky Schwarz , die wunderbare Marjolaine Jacquot (danke, lieber Jürgen, für den Faktencheck in Sachen Petersdom - ich wusste nicht um Deinen Handlungsbeitrag!), den großzügigen Herrn Labusch in Latein ( um Gottes willen, paraphrasieren Sie - bloß nicht Wort für Wort übersetzen, ich will lieber wissen, dass Sie's inhaltlich verstanden haben!), den beeindruckenden Wolfgang Natonek , der einen unglaublich abgewogenen Unterricht über die DDR machte und von dem ich, fast beschämt, erst später erfuhr, dass er als Anführer der Leipziger Studentenaufstände jahrelang in Stasi Haft gesessen hatte (was für eine Größe, dann trotzdem so unparteiisch über die DDR sprechen zu können!), und, vor allem, Günter Trittel ( was Sie verstanden haben, erkenne ich an Ihren Fragen, nicht an Ihren Antworten! ), dem weltbesten Deutsch-, Geschichte- und Gemeinschaftskundelehrer überhaupt. Elisabeth von Thadden hat ihm irgendwann einen Artikel in der ZEIT ( Hintergrund/2003 Thadden Trittel.pdf ) gewidmet und mir mit jedem Wort der Dankbarkeit aus dem Herzen gesprochen.

Hans-Detlef Müller-Mahn

Herr Solf

Es beginnt mit dem Übertritt auf das Gymnasium. Der erste Schultag auf dem MPG hat sich mir eingeprägt. Ich war sehr aufgeregt und ein bisschen stolz. Wir waren vier Fahrschüler in der Klasse, drei aus Adelebsen (Jürgen Meyer, genannt Borstel, Mathias Meyer, und ich), und Jürgen Kramer aus Hardegsen. Von unserem Mathelehrer Solf wurden wir vier vom Dorf in der ersten Stunde mit den Worten begrüßt Ihr seid Schrott! und in die letzte Reihe gesetzt, weil wir mit unserer ländlichen Rückständigkeit nicht den Unterricht behindern sollten.

Herr Breitkreuz (Englisch)

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Unser Englischlehrer [de]Hartmut Breitkreuz (der später auf eine PH-Professur in Heidelberg wechselte und über False Friends publizierte) gründete für sieben oder acht Jungen aus der Klasse eine Pfadfindergruppe, der ich begeistert beitrat. Schon nach kurzer Vorbereitung fuhr unser Gruppenleiter mit uns zu einem riesigen Pfadfinderlager bei Eckernförde an der Ostsee, half uns noch, unsere Köte aufzubauen, und ließ uns dann eine ganze Woche inmitten von mehreren tausend Pfadfindern alleine zurück. Ich wäre beim Versuch, zusammen mit meiner Gruppe einen kleinen See zu durchschwimmen, um Haaresbreite ertrunken, wenn mich nicht mein Mitschüler Stephan Zieseniss gerettet hätte. Dafür bin ich ihm immer noch dankbar.

Herr Schuseil (Latein)

Unseren ersten Lateinlehrer Martin Schuseil habe ich in angenehmer Erinnerung. Vor seiner Staatsexamensprüfung bereitete er die Klasse intensiv auf die Lehrprobe vor, wir alle gaben vor der Prüfungskommission unser Bestes, und Schuseil belohnte uns dann am nächsten Tag mit einer großen Tasche voller Süßigkeiten. Offensichtlich hatten wir ihm zu einer guten Note verholfen.

Herr Neitzel (Mathe)

Ein anderer Lehrer, an den ich mit Respekt denke, ist der Mathelehrer Neitzel. Zur Vorbereitung auf das Matheabi ging er mit der gesamten Klasse für eine Woche in Klausur in einer Skihütte im Harz, wo wir konzentriert den Unterrichtsstoff der letzten Monate wiederholten und danach noch draußen im Schnee mit Ski oder Schlitten unterwegs waren. Die Abende waren wohl gelegentlich ziemlich alkoholgeladen. An einem Abend schaufelten einige Scherzbolde (keine Namen!) den Innenraum des VW-Käfers unseres Lehrers bis unter das Dach voll Schnee, als Dank für seinen Einsatz. Aus heutiger Sicht finde ich es bewundernswert, dass Herr Neitzel Haltung bewahrte, nicht ausrastete, und noch mitten in der Nacht seinen Wagen wieder freischaufelte.

Das Matheabi habe ich übrigens als einziger nicht zum Haupttermin mitschreiben können, weil ich mich wenige Tage zuvor bei einem missglückten Experiment mit selbstgebasteltem Sprengstoff gefährlich verletzt hatte. Das war ziemlich blöd und beendete schlagartig mein Interesse an angewandter Chemie.

Herr Hennig (Deutsch)

Zur Ehrenrettung unseres Deutschlehrers Henning, genannt Gammel, muss ich noch eine Anekdote beisteuern. Sein Unterricht zeichnete sich durch eine geradezu groteske Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit aus. Dabei war Gammel eigentlich ganz wohlwollend, merkte aber nicht, dass wir Schüler ihm ständig auf der Nase herumtanzten. In einer Unterrichtseinheit sollten wir uns mit Zeitungen befassen. Meine Arbeitsgruppe erhielt großes Lob für den Nachweis, dass die untersuchten Ausgaben der Bildzeitung über einen hohen Anteil an Bildern verfügten und die Zeitung deshalb ihren Namen zu recht trüge. In Deutsch musste ich im Abitur in die mündliche Prüfung. Als mir das mitgeteilt wurde, ließ mich Herr Henning wissen, ich solle ihn vorher nochmal zu Hause anrufen. Am Telefon fragte er mich beiläufig, ob ich "Die Physiker" von Dürrenmatt gelesen hätte. Ich hielt das für eine Finte und konzentrierte mich bei der Abivorbereitung weiter auf Goethe und Schiller - ein Fehler.

Zur Schule im Allgemeinen

Ich weiß nicht, was mich bewegt hat, ausgerechnet Erdkunde, das anspruchsloseste aller unserer Schulfächer, für ein Parkstudium auszuwählen. Jedenfalls packte mich ziemlich schnell die Leidenschaft für die Geographie und die geographische Forschung. Meiner Spezialisierung im Bereich Development Geography verdanke ich viele Jahre in verschiedenen arabischen und afrikanischen Ländern, und bin in dem Feld bis heute mit viel Freude als Seniorprofessor tätig.

Fazit: Ob ich in der Schule wirklich, wie es eine der in den Flurfußboden eingelassenen Weisheiten 1 verspricht, etwas für das Leben lernen konnte, würde ich nur mit Einschränkung bejahen. Ich denke, dass ich meinen Lebensweg nicht wegen, sondern trotz dieser Schule gefunden habe. Aber Schwamm drüber — ich freue mich auf die Begegnung mit den ehemaligen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden und die Auffrischung längst verschütteter Erinnerungen.


1

J. H.: An die auf dem Boden aufscheinenden Weisheiten erinnere ich mich - war nicht vor dem Sekretariat, damals am Anfang des Flurs rechts, Odi profanum vulgus (Horaz) oder so ähnlich eigelassen?

Passt zur damaligen Arroganz der Lehranstalt.

Jürgen Regel

Herman Hupfeld (Komponist),

Jan Hauenstein (Gesang),

Jürgen Regel (Klavier):

As time goes by

Fats Waller, Harry Brooks (Komponisten),

Jürgen Regel (Klavier):

Ain’t Misbehavin’

Antônio Carlos Jobim (Komponist),

Jürgen Regel (Klavier):

Garôta de Ipanema

Herr Direktor Doktor Block und das Primanerseminar

Bilder/1973-05 Herr Direktor Doktor Block gibt der 6a Eis aus.jpg

Ich sprach ihn auf dem Flur einmal mit Herr Block an. Dafür gab es gleich einen Anschiss: Für Sie bitte immer noch ‚Herr Direktor Block‛ oder ‚Herr Dr. Block‛! (Ich war nicht der einzige, dem das passiert ist.) Von da an sagte ich nur noch Herr Direktor Doktor Block zu ihm, was auch in den Schülerratsprotokollen dokumentiert ist.

Dank guter Beziehungen zum konservativen Akademischen Forum der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung organisierte Herr Direktor Doktor Block ein Seminar für von ihm ausgewählte Primaner (warum ich dabei war, weiß ich nicht), das am 22. und 23. Juni 1973 im Hotel Andreesberg in Hannoversch-Münden stattfand. Der ORR a. D. und Rechtsanwalt Hans-Günter Heym referierte zum Thema Rhetorik.

Das Seminar begann schon um 9:15 Uhr. Um 6:29 fuhren Hannelore und ich mit dem von einer 44-er Güterzug-Dampflok gezogenen Zug über Dransfeld nach Hann.-Münden. Weil diese Bahnstrecke bald darauf eingestellt werden sollte, wollten wir uns das nicht entgehen lassen.

Ich habe dort viel gelernt. Im Mittelpunkt standen Techniken der Argumentation, sowohl faire 1 als auch unfaire. 2 Jeder hielt eine Argumentationsrede; Schlagfertigkeit wurde eingeübt.

Herr Boestfleisch (Geschichte)

Bilder/RegelUweSommer.jpg

Am Anfang des Geschichtsunterrichts mit Herrn Boestfleisch war die Vorgeschichte das Thema: Er ließ Uwe Sommer nach vorne kommen, drückte seinen Kopf etwas nach vorne unten und erklärte: So sah der Neanderthaler aus. Eine pädagogische Meisterleistung; ich weiß heute noch, wie er aussieht. Wurde hier etwa jemand diskriminiert? Wenn ja, wer?

Mir ist Uwe (Bulu) noch unangenehm in Erinnerung, weil er meine Schultasche auf das Vordach des Chemie-Pavillons warf, um mich zu ärgern. Die Sache wurde dadurch schlimm, dass sich darauf eine Pfütze befand…

Herr Brock und Frau Knauer (Musik)

Euch allen ist wohl nicht klar, wie fortschrittlich das MPG war. Ich hatte zuvor das Kaiser-Karl-Gymnasium in Itzehoe (in der tiefsten Provinz Schleswig-Holsteins) besucht. Dort ging es wie in der Feuerzangenbohle zu. Wir saßen in Zweierbänken mit einem nicht mehr benutzten Tintenfass in der Mitte. Die Klassen wurden noch lateinisch bezeichnet: Sexta, Quinta, Quarta … . Der Klassensprecher stand an der Tür und meldete den kommenden Lehrer; Lehrerinnen gab es nicht. Guten Morgen, Quinta G! Wir standen zackig auf und antworteten im Chor: Guten Morgen, Herr xxx. Setzen! Wenn man sich gemeldet hatte und etwas sagen durfte, stand man auf und trat aus der Bank; dann setzte man sich wieder.

Im Jahrgang gab es nur ein einziges Mädchen, und das nur im geschichtlichen (altsprachlichen) Zweig. Das Mädchengymnasium bot nämlich kein Latein als erste Fremdsprache an. Die Koedukation beschränkte sich ansonsten auf das gemeinsame jährliche Schulfest mit Ball.

Der Lateinzweig hatte noch einen weiteren Vorteil: ihn besuchten nur 26 Schüler, den neusprachlichen und naturwissenschaftlichen Zweig hingegen je über 42 bzw. 44. Anders als am MPG übersetzten wir auch vom Deutschen ins Lateinische. Um das zu erleichtern, beschränkte sich die Grammatik zunächst auf die a- und o-Deklination und die a-Konjugation. Im Rückblick glaube ich, dass das nicht verkehrt war.

3

In der Aula übte der hochgeehrte alte Musikdirektor Paulsen (darum der Spitzname Paula) mit dem schuleigenen Knabenchor vaterländische Gesänge ein: Wildgänse rauschen durch die Nacht, Wir Landknechte sind ja zum Sterben geborn.

Am MPG bei Frau Knauer ging es friedlicher zu: Ihr kleinen Vögelein, ihr Waldergötzerlein, stimmt mit mir überein: Ich will den Herren preisen, mit meinen Liebesweisen, ich will von Herzensgrund ihm auftun meinen Mund! Um das von Herzen tun zu können, übten wir gefühlt endlos pfaupfu pfaupfu pfaupfu pfaupfu … und nonnenenne nonnenenne nonnenenne ….

Musiklehrer Brock war ebenso kauzig, wenn auch auf eine ganz andere Art. Die Jazzplatten mit Louis Armstrong waren miserabel aufgenommen und wurden zerkratzt und staubig abgespielt; ich lernte daraus, dass es auf die technische Qualität nicht so sehr ankommt.

Wenn Brock fragte: Habt ihr das wirklich gehört? Hört doch mal genau zu!, erinnerte er mich an Sokrates, der nichts Handfestes zu Papyrus gebracht und allgemeine Verunsicherung und Ratlosigkeit hinterlassen hatte; ich lernte, dass man seine Vorurteile hinterfragen soll.

Brock spielte uns aus einer Schallplatte mit dem irreführenden Titel Plüsch und Pomp Werke von Erik Satie vor, einem zu Lebzeiten wenig geachteten Exzentriker, der dem Alkohol zum Opfer gefallen war. Das ist nicht Plüsch und Pomp, sondern das genaue Gegenteil, sagte er und hatte Recht. Auch die Interpretation des Stücks als eine Art Wellness-Musik schien mit nicht zur Vortragsanweisung douloureux (schmerzerfüllt) zu passen; denn Satie hatte dabei kaum an Rheuma gedacht. Ich nahm mir vor, das Stück anders zu spielen. Nach 50 Jahren setzte ich den Entschluss um.

Unfreiwillig spielte er in der höchsten Liga der Kleinkunst. Seine Loewe-Interpretationen (Archibald Douglas: Ich hab es getragen sieben Jahr, Zu Ross, wir reiten nach Linlithgow, Prinz Eugen, und unübertroffen: Der Nöck: Komm wieder Nöck, du singst so schön waren durchaus vergleichbar mit Karl Valentin's Lied vom Sonntag ; statt Tu den Hund 'naus rief er Kinder, seid doch mal still, ich kann mich nicht konzentrieren. Davon beeindruckt übte ich einige der Lieder selbst auf dem Klavier ein, allerdings ohne zu singen: Prinz Eugen Der Wirtin Töchterlein

Um die Langeweile zu bekämpfen, konstruierte ich für die drei auffälligen Warzen in seinem Gesicht in Gedanken die Mittelpunkte des In- und Umkreises und bewies, weil das Dreieck rechtwinklig war, den Pythagoras. Dabei fixierte ich sein Gesicht, so dass er mich für einen aufmerksamen Schüler halten musste.

Mit Joachim Schwahn stimme ich überein, dass Brock unterschätzt wurde. Auf der Meta-Ebene seines Paradestücks, des Nöcks von Loewe, also im Unterricht, befand sich Brock in derselben Situation wie der Protagonist: von den Knaben während des Gesanges verspottet und nicht ernst genommen. Vielleicht gab es ähnliche Übereinstimmungen auch bei anderen Musikstücken, die er durchnahm. Auffallend häufig ging es um unerwiderte Liebe und Suizidphantasien. Zur Arie Sie hat mich nie geliebt aus Verdis Don Carlos sagte er: Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen eine solche Enttäuschung im Leben erspart bleibt. Den Text des Kinderliedes Horch, was kommt von draußen 'rein interpretierte er so, dass die Hauptperson, nachdem ihre große Liebe jemanden anderen geheiratet hat, Selbstmord begeht und deshalb nicht christlich begraben wird (Setzt mir keinen Leichenstein). Im Schubert-Lied Am Brunnen vor dem Tore erwägt der Wanderer, ob er sich am Lindenbaum aufhängen soll.

Herr Gerken (Physik, Mathematik)

Wir begannen mit geometrischer Optik und erzeugten mit einer Lochblende Bilder. Martin Lohse fragte ihn, ob man auch mit einem Spiegel solche Bilder erzeugen könne. Nein, das geht nicht. Martin hakte nach: Auch nicht, wenn der Spiegel sehr klein ist? Nein. Mir war sofort klar, dass Martin Recht hatte. Einen Moment wollte ich ihm zu Hilfe kommen, tat es aber nicht. Martin wusste es, ich wusste es, Gerken kapierte es nicht. Roma locuta, causa finita. Ein schönes Gefühl, sich klüger zu fühlen als der Lehrer.

Einmal berichteten wir Herrn Gerken, dass Herr Trittel etwas physikalisch völlig Unsinniges gesagt hatte. Gerken: Natürlich ist das verkehrt. Aber Herr Trittel hat schon sein Abitur.

Herr Gidion (Englisch)

4 Einmal hatte Otta in einer Arbeit nur eine 2+, weil sie einen Fehler aus dem Lehrbuch übernommen hatte. Sie beschwerte sich zu Recht und jammerte solange, bis Gidion die Arbeit auf 1 hochstufte. In der Klasse kam das gar nicht gut an. Hätte jemand eine 5+ gehabt, die zu einer 4 geworden wäre, hätte sich niemand entrüstet, so aber galt Gidion als ungerecht und Otta als Streberin, zumal sie die 1 auf dem Zeugnis ohnehin bekommen hätte. 5

Gidion war ein angenehmer Lehrer, der motivieren konnte. Seinen Nachfolger Breitkreuz ( of course of course , first looser, second looser, third looser ) fand ich schrecklich.

Herr Goldbach (Latein) und Fahrt nach Rom

Claus Goldbach: Predigt über Theologie, Philosophie, Kunst und den Sinn des Lebens

Heimlich aufgenommen Anfang 1974. Nach über 8 Minuten erlöst uns Uwe Sommer, indem er zum neuen Thema Zugverbindungen nach Rom wechselt.

Bilder/1974 Augustusmausoleum in Rom.jpg Bilder/Maria_dei_Sette_Dolori.JPG

Am 20. März 1974 um 19:01 Uhr bestiegen wir den Nachtzug mit Liegewagen nach Rom. Eigentlich hätte uns Herr Tamm als Klassenlehrer begleiten sollen. Der aber wollte nicht, warum auch immer. So begleiteten uns Herr Goldbach, der als Lateinlehrer eine Affinität zu Rom hatte, mit Gattin und unsere Französischlehrerin Marjolaine Jacquot , die auch Italienisch sprach und die Rolle der Anstandsdame übernahm.

Goldbach, von seinem Unterrichtsfach Latein überzeugt, sprach mit lauter, geradezu predigerhafter Stimme.

Mit Taxis wollten wir am letzten Tage von der Chiesa di Santa Maria dei Sette Dolori zum Bahnhof Termini fahren, um dort den Nachtzug nach Göttingen zu nehmen. Sie trudelten einzeln ein, mit immer längeren Pausen dazwischen. Die Zeit lief uns davon; Panik machte sich breit. Goldbach aber behielt die Ruhe. Ins letzte Taxi stiegen er, seine Frau, Otta und ich. Während der Fahrt versuchte er sich mit dem Fahrer zu unterhalten, auf Latein natürlich, und führte uns damit dessen Nützlichkeit als Weltsprache vor Ohren.

Mit Müh und Not erreichten wir den Zug, der glücklicherweise nicht ganz pünktlich abfuhr.

Herr Hennig (Deutsch, Gemeinschaftskunde)

Henning Hennig genannt Gammel: Verkündigung der Zensuren der Deutscharbeit

Heimlich aufgenommen vermutlich Anfang 1973

Ein Vater wollte ihn am Elternsprechtag aufsuchen, weil sein Sohn im Fach Deutsch Probleme hatte. Er fragte einen Schüler, der die Eltern zu den Lehrern lotsen sollte, wie er zu Herrn Gammel gelangen könne. Zu Herrn Gammel? Zu Herrn Gammel wollen Sie … Herrn Gammel finden Sie im letzten Raum ganz links. Sonst fragen Sie bitte dort noch mal nach Herrn Gammel. Er traf ihn auch dort an und begrüßte ihn mit dessen Aliasnamen. Die Sache war umso peinlicher, als der Vater selbst Studiendirektor an einer anderen Göttinger Schule war.

Am 21. Juni 73 kam Hennig nicht pünktlich zum Unterricht. Joachim Vogt und ich gingen in die Bücherei, um Schach zu spielen. Dort erwischte er uns. Ich schimpfte ihn aus, weil er zu spät zum Unterricht gekommen sei.

Von dem von vielen so verachteten Herrn Hennig (ebenso wie von Herrn Brock) hielt ich mehr als die meisten anderen. Wer war das mit den Sprachspielen? W… W… W… Die Klasse im Chor: Wittgenstein! . Meine Deutschnote, die nach dem Wechsel zum MPG und dem damit verbundenen Kulturschock bei Frau Lohse-Flitner ― das Stuttgarter Hutzelmännlein war nicht mein Fall ― übergangslos von 2 auf 4 abgesackt war und sich bei Herrn Trittel dort einpendelte, erreichte bei Gammel wieder die 2, was Herrn Trittel so ärgerte, dass er mich im Treppenhaus darauf ansprach.

Als wir im Biologieunterricht die Vererbung durchnahmen, schien uns Lamarcks Theorie der Vererbung erworbener Eigenschaften schon dadurch widerlegt, dass keines von Gammels Kindern mit Holzbein auf die Welt gekommen war (gemein, ich weiß…).

Hennig liebte nichts mehr als Bücher. Durch meine Mitarbeit in der Schülerbücherei stand ich in seiner Gunst weit oben. Literaturauswahl war das Allerwichtigste.

Als ich ein Referatthema gestellt bekam, wollte ich mit Literatur punkten, die er nicht selbst vorgeschlagen hatte. In meiner Not fiel mir ein, dass es im Friedrich-Nansen-Haus eine kleine, aber feine Bibliothek gab. Dort war nicht so viel Trubel wie in der Stadtbücherei. Schüchtern wandte ich mich an die Bibliothekarin, eine Dame mittleren Alters: Ich muss ein Referat über die Psychologie der Macht halten. Können Sie mir bitte bei der Literaturauswahl helfen? Ich bin ihr dankbar dafür, dass sie mir bereitwillig half und einen ganzen Haufen ausgemusterter Bücher schenkte. Später unterstütze sie mich bei der Auswahl für meine Abitur-Autoren Sartre und Becket.

Meine Schwäche in Deutsch führte ich darauf zurück, dass ich zu wenig Selbstvertrauen hatte und meine Gedanken schon verwarf, bevor ich sie zu Papier gebracht hatte. Zu Hennig hatte ich ein besseres Verhältnis als zu seinen Vorgängern. Ich nahm mir vor, in den Deutschaufsätzen mehr drauf los zu schreiben, selbst wenn ich das Thema nicht genau traf. Das zahlte sich aus.

Herr Jaehne (Religion)

Einmal versprach er uns, in der nächsten Stunde den Psalm 23 auf Hebräisch vorzutragen. Tatsächlich tat er das zu unserer großen Bewunderung:

א מִזְמוֹר לְדָוִד: יְהוָה רֹעִי, לֹא אֶחְסָר.

Neben den alten Sprachen beherschte er auch Russisch (er stammte aus Bunzlau in Schlesien) und bereiste die Sowjetunion. Doch stand er dem Regime kritisch gegenüber und machte gerne Witze über Russen und den Sozialismus. Zur Hochform lief er auf, wenn er Professor Quatschnie von den Insulanern nachmachte https://www.youtube.com/watch?v=qmo9l0Y4iZc

Bilder/1971 Steno Bezirksjugendtreffen.jpg

Als Rainer Stockmann einem Judoclub beitrat, waren Joachim Vogt und ich uns einig, dass wir dem etwas entgegen setzen mussten. Zufälligerweise machte mich Herr Jaehne, der auch ein begeisterter Stenograph war, auf den VfB Göttigen aufmerksam (nicht Verein für Ballspiele, sondern Bürowirtschaft). Dort könne ich Steno und Maschine lernen. Er stellte den Kontakt zu Horst Fisch, dessen Präsidenten, her. Der wollte mich gern aufnehmen, suchte er doch nach Schülern, die mit Fremdwörtern gut zurechtkamen. Auch Joachim war einverstanden.

So fanden wir uns, zwei 15-jährige Jungen, in einer Klasse junger Damen wieder, die davon träumten, Chefsekretärin zu werden, und die von Fischs Assistentin, Roswitha Kaese, geleitet wurde. Das machte jedenfalls mehr Spaß als Latein und Griechisch.

Die Beispielsätze in Kurzschrift, die wir lustig fanden, dienten auch dem Einüben der Kommaregeln, auf die Herr Fisch größten Wert legte, zum Beispiel folgender: Ein voranstehender bekleideter Infinitiv mit zu, welcher das Subjekt vertritt, wird nicht durch Komma abgetrennt. Das Beispiel dazu lautete: Sich selbst zu besiegen ist der schönste Sieg. (Ein voranstehender Nebensatz, welcher das Subjekt vertritt, wird natürlich trotzdem durch Komma abgetrennt, Beispielsatz: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. ) Uns wurde auch ein Teil der Rede, die Theodor Heuss im Deutschen Reichstag zur Einführung der Einheitskurzschrift gehalten hatte, diktiert.

Ich lernte Kurzschrift und Maschine 6 und kann es heute besser als damals.

Am 19. Oktober 1974 diente ich in der Zietenkaserne. Der UvD 7 rief plötzlich nach mir. Zu meiner großen Überraschung hatte sich Jaehne die Telefonnummer der Kaserne besorgt und mich angerufen, um mir zum Geburtstag zu gratulieren.

Mademoiselle Jacquot (Französisch)

Bilder/Marjolaine Jacquot in Rom fotografiert von Rainer.jpg

Auf der letzten Klassenfahrt nach Rom besuchten wir auch den Petersdom. Das Problem war nur, dass Marjolaine in ihrem Minirock von den Security-Priestern nicht hineingelassen wurde. Sie legte also ihre Jacke um die Hüfte, verknotete vorne die Ärmel und legte den Minirock 30 cm tiefer. Ich durfte die Konstruktion halten, eine ebenso verantwortungsvolle wie anstrengende Aufgabe, schließlich ging es durch den halben Vatikan, bis in die Kuppel und wieder zurück. Dafür qualifiziert hatte ich mich, indem ich mit ihr ein paar Stunden durch Rom gebummelt war, was noch Ärger gab, weil wir uns nicht von der Gruppe abgemeldet hatten.

Als ich bei ihr eine Tätowierung erblickte — ein Schweinchen oder Igelchen — fragte ich sie, ob sie noch welche auf anderen Körperstellen habe. Sie lächelte: Jürgen, du bist fresch!

Einmal erwischte sie Joachim V., wie er von mir abschrieb. Das schlug sich in der Note wieder: 5 - 1 = 6 stand unter der Arbeit. Mathematisch sehr fragwürdig.

Am meisten gelernt habe ich aus den kleinen auswendig gelernten Sketchen aus dem Lehrbuch, die Otta und ich vortrugen, wie zum Beispiel L'égoïste.

Als ich mich entschied, Französisch nicht ins Abitur aufzunehmen, nannte mich Hannelore einen Feigling; doch es war nur kalte Berechnung: Die zu minimierende Funktion war die für den NC zählende Durchschnittsnote. Jedes Fach mit einer Note > 1 war abzuwählen, weil es sie vergrößern würde. Die Logik war richtig, die Zielfunktion aber erwies sich als irrelevant.

Herr Kreer (Physik)

Er kümmerte sich wenig um das, was wir im Fach Mathematik gelernt hatten, und ging pragmatisch vor. Gedämpfte Schwingungen berechneten wir mit Hilfe komplexer Differentialgleichungen. Natürlich kannten wir die noch nicht, aber wir kamen trotzdem damit zurecht; vor allem kamen wir schnell weiter. Dafür bin ich ihm dankbar.

Einmal sprach ich ihn an, weil ich ein Referat über den Laser halten wollte. Schön, aber wir haben keinen Laser. Kreer wollte Versuche und gab sich nicht mit einer rein literarischen Lösung zufrieden. Den Laser musste ich also selbst auftreiben. An der Arnoldischule wurde ich fündig. Dort wies mich ein junger Physiklehrer, Quereinsteiger wie Kreer, in dessen Bedienung ein. Zusammen mit meinem Vater brachte ich das kostbare Gerät zum MPG, um mit Kreer den Versuchsaufbau zu proben. Er hatte sein Töchterchen mitgebracht. Mein Vater ging auf es zu: Na, wo hast du denn deine Mutti gelassen? Er wusste nicht, dass Kreers Frau bald nach der Geburt gestorben war.8 Zwischen den Apparaten in der Physiksammlung stand eine Flasche Korn.

Frau Lohse-Flitner (Deutsch)

Neben dem Stuttgarter Hutzelmännchen , zu dem die Mütter aufgefordert waren, Hutzelbrot zu backen, lasen wir von Johann Peter Hebel das Schatz-Kästlein des rheinischen Hausfreundes. In der Klassenarbeit schrieb ich den Namen des Dichters mit zwei B: Hebbel. Frau Lohse kommentierte mit roter Farbe: Stand das nicht oft genug an der Tafel? Es gibt auch einen Dichter Hebbel!

Auswendig zu lernen war ein wichtiges Unterrichtsziel, nicht nur lange Gedichte, sondern auch eine Geschichte aus dem Hausfreund . Die waren von sehr unterschiedlicher Länge. Wer faul war, lernte die kürzeste:

Ein Büblein klagte seiner Mutter: Der Vater hat mit eine Ohrfeige gegeben! Der Vater aber kam dazu und sagte: Lügst du wieder? Willst du noch eine?

Wer sich dann noch beim Vortragen verhaspelte, hatte die Sechs sicher. Um den Ärger zu minimieren, lernte man also eine Geschichte mittlerer Länge auswendig. Um so erstaunter waren wir, als Renate Gritzmann, die sonst im Fach Deutsch nicht besonders hervorgetreten war, die längste Geschichte vortrug, die über mehrere Seiten ging. Als sie geendet hatte, applaudierten wir.

Herr Scheibe (Mathematik)

Wir hatten unseren Klassenraum noch im Hauptgebäude, als am ersten Schultage nach den Sommerferien auf der Tafel stand: MATHEMATIK BEI HERRN SCHEIBE Es dauerte nicht lange, da hatte das zweite B eine verdächtige Unterlänge, obwohl das versale SZ noch nicht erfunden war.

Er nahm alles sehr genau und war ein Pflichtmensch. Nicht nur, dass der ein überkorrektes Deutsch sprach (siehe Ottas Bemerkung dazu ); auch in den Matheaufgaben und Klassenarbeiten legte er großen Wert auf die äußere Form. So mussten z. B. X- und Y-Achse immer in einem Pfeil enden.

Ich nahm das leider nicht so wichtig. Als meine Mathe-Klassenarbeiten zur Bewertung des Abiturs eingereicht werden sollten, bot mir Joachim Vogt freundlicherweise an, sie zu verschönern. Er ergänzte in den Diagrammen die Pfeile und zeichnete einige Kurven ordentlicher.

Scheibes Arbeitsethik war vorbildlich. Während einer Klassenarbeit im Kunstsaal führte er Aufsicht, obwohl es ihm schlecht ging.

Herr Schwarz (Altgriechisch)

Angenehm war das sich über Wochen hinstreckende Stammformenraten bei Blacky im Fach Griechisch. Statt stumpfsinnig auswendig zu lernen, versuchte man kreativ Muster zu erkennen. Während ich es für möglich hielt, dass Latein für etwas nützlich sei, zweifelte ich am Sinn des Faches Altgriechisch. Selbst Augustinus hasste als Schüler die griechische Sprache, aber er konnte sie später wenigstens gut gebrauchen. Ich suchte nach der unnützesten Vokabel; folgende zwei erreichten die Endauswahl:

πεντακοσιομέδιμνος = einer, der 50 Scheffel mindestens erntet

καταβροχθισθησόμενος = ein verschlungen werden werdender (Partizip Futur Passiv) / einer, der verschlungen werden soll / um verschlungen zu werden/ ein zu verschlingender

Was sein Unterrichtsfach Altgriechisch angeht, war Schwarz nicht so verbohrt wie andere Lehrer; vermutlich weil er selbst nicht von dessen Sinn völlig überzeugt war.

Viele Jahre später lief er mir in Hildesheim zufällig über den Weg, weil er Bekannte besuchen wollte. Ich sprach ihn an; er erinnerte sich zwar nicht mehr an mich, doch wir führten ein nettes Gespräch. Am Schluss sagte er nach kurzer Pause: Sie sind ein ein glücklicher Mensch! Zu jener Zeit hatte er damit wohl Recht; mich wunderte aber, dass er das aussprach.

Herr Tamm (Altgriechisch)

Im Jahre 1971 hatte ich Gelegenheit, mit einer Schulklasse der Arnoldischule zur Autoausstellung nach Frankfurt zu fahren. Ich entschied mich, meinen Klassenlehrer Herrn Tamm um Befreiung vom Schulunterricht zu bitten, was mir ein wenig peinlich war. Er meinte zwar, das möchte wohl kein kulturell hochstehendes Ereignis sein; angesichts meiner guten schulischen Leistungen stellte er aber in Aussicht, dass der Antrag genehmigt werden dürfte.

So fuhr ich denn auch zur IAA nach Frankfurt. Überraschend begegnete mir dort Burkhard Klein, der einfach die Schule geschwänzt hatte.

Als er mir als Klassenlehrer ausnahmsweise einmal eine Bundesjugendspiele-Urkunde überreichte, war ich von der Steifigkeit des Papiers so angetan, dass ich daraus gleich ein Flugzeug faltete. Er war darüber nicht amüsiert.

Herr Tegethoff (Sport)

Uwe Sommer war der einzige, der schaffte, sich im Fach Sport bei Herrn Tegethoff eine Strafarbeit einzufangen, weil er mit Steinen geworfen hatte. Die las er in der nächsten Stunde vor; es ging darum um den geworfen habenden Schüler.

Einmal mussten wir im Sportunterricht idiotischerweise im Schlusssprung über die Reckstange hüpfen. Leider blieb Stephan Schlange-Schöningen mit einem Fuß hängen , fiel nach vorn und brach sich doppelt den Unterarm, so dass sogar der Knochen sichtbar wurde. Der Sportunterricht wurde abgebrochen.

Herr Trittel (Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde)

Berlinfahrt

Bilder/1972-03-04WühlmäuseBerlin.jpg Bilder/1972-03-09Rücktauschbescheinigung.jpg Bilder/1972EintrittDDR.jpg
1972-03-03

Um 8:36 Uhr (damals war die Bahn noch pünktlich) fuhren wir im Kurswagen nach Berlin. Im Jugendgästehaus in der Kluckstraße wurden wir untergebracht. Noch am selben Abend bummelten wir zusammen mit Trittel durch die Stadt. Wir gerieten in eine Demonstration. Trittel, ganz der progressive Linke, ärgerte sich über die Polizisten, die ihn kontrollierten. In einer Kneipe spielten wir Billard.

1972-03-04

Am nächsten Tage unternahmen wir eine große Stadtrundfahrt, sahen die Kunsthalle, die Philharmonie, das Brandenburger Tor, das sowjetische Ehrenmal, den Reichstag, den Kudamm, das Olympia-Stadion, das Schöneberger Rathaus, Kreuzberg und die Berliner Mauer, das Europacenter und Berlins Zoo. Am Abend wandten sich Schüler einer abreisenden Gruppe an Joachim Schwahn, Rainer Stockmann und mich. Sie hatten noch Karten für das Kabarett Die Wühlmäuse , die sie nicht mehr gebrauchen konnten. Wir kauften sie ihnen für 5 DM statt 8 DM ab und zogen auf eigene Faust los. Auf dem Heimweg besuchten wir eine Kneipe und tranken Bier (1,60 DM).

1972-03-05

Am Vormittag besuchten wir das Rundfunkmuseum und den Funkturm, am Nachmittag das märkische Viertel, am Abend das Planetarium und die Sternwarte. Weil der Himmel bedeckt war, zeigte man uns nur den Mercedes-Stern auf dem Europacenter.

1972-03-06

Wir nahmen an der Info-Veranstaltung Berlin — eine sterbende Stadt? teil. Am Nachmittag besuchten wir die Nationalgalerie. Abends spielten wir in einer Kneipe Billard.

1972-03-07

Mit der S-Bahn zum Wannsee; Spaziergang. Völkerkundemuseum.

1972-03-08

Stadtrundfahrt durch Ostberlin. Am Nachmittag Ägyptisches Museum und Amerkahaus.

1972-03-09
Bilder/1972-03-09 Eintrittskarte Berliner Ensemble.jpg

Vortrag Gesellschaftspolitik der DDR . Am Nachmittag in den Osten zur Friedrichstraße. Abends Dreigroschenoper im Theater am Schiffbauerdamm.

1972-03-10
Bilder/1972-03-10 Eintrittskarte Schloss Charlottenburg.jpg

Schloss Charlottenburg (mit Trittel, Otta, Joachim Schwahn) Am Nachmittag Diskussion mit drei Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses. Am Abend Billardspiel in der Kneipe Quartier Latin

Herr v. Wedemeyer (Latein, Geschichte, Gemeinschaftskunde)

Er motivierte. Die rechte Faust wiederholend in die linke Handfläche schlagend, stürmte er während des Lateinunterrichts durch die Klasse: Jetzt kommen die Denker!

Um so erstaunter war ich, als er meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit des altsprachlichen Unterrichts dadurch nährte, dass er einmal verkündete, er halte den nicht mehr für zeitgemäß und werde seine Kinder nicht dorthin schicken.viert

V. W. erklärte uns die Begriffe Okzident und Orient: occidere = niederfallen, untergehen, Okzident = wo die Sonne untergeht. oriri = sich erheben, aufgehen, Orient = wo die Sonne aufgeht. Am Schluss fragte er: Wo liegt von Rom ausgesehen also der Orient?

Die Antwort lag auf der Hand: Im Osten. Ich aber witterte eine Falle. Auf der Landkarte in meiner Konfirmationsbibel stand Der alte Orient , gemeint war Ägypten und Israel. Und das lateinische Wort australis bedeutet anders als die etymologisch verwandten Wörter in anderen Sprachen (ost, east, ...) südlich , vermutlich weil in Italien die östlichen Landesteile auch die südlichen sind. Ich meldete mich und sagte: Im Südosten.

Mit Verachtung antwortete er: Im Osten!

Es ärgerte mich ungemein, dass ich das verpatzt hatte. Zwar fühlte mich als ein von ihm beschworener Denker, hatte aber zu kompliziert gedacht und war zu argwöhnisch gewesen. Ich hätte wissen können, dass Lehrer lieber das Einfache, Selbstverständliche, was man sowieso schon weiß, erklären.

Tanzstunde

Joseíto Fernández (Komponist),

Jürgen Regel (PSR-e473 Keyboard):

Guantanamera

Bilder/1972 Kursuskarte Frobenius.jpg

Einmal meinte Rainer Stockmann zu mir, die Mädchen in unserer Klasse nähmen uns nicht für voll. Da wollte ich ihm nicht widersprechen. 9 Keine Freundin zu haben wurde kompensiert, indem wir mit einem Kartenspiel aus Pin-Up-Girls um Fotos nackter Frauen pokerten.

Bilder/1972-09-20 Jungenmangel bei Frobenius.jpg

Ende 1971 verteilte Klaus Heidelberg Anmeldekarten für das Tanzinstitut Frobenius, siehe Klaus Heidelbergs Erinnerungen Nachdem uns die wichtigsten Verhaltensregeln beigebracht worden waren, wurden wir am 8. Februar 1972 auf die Mädchen losgelassen. Die Situation hatte sich grundlegend zum Besseren gewandelt. Die kleinen Tanzpartnerinnen blickten nicht auf uns herab, im Gegenteil. Weil es an Jungen mangelte, bekniete mich Frau Frobenius geradezu, auszuhelfen, was ich mehrfach auch tat, insbesondere bei Bällen (siehe Postkarte). Das war kostenlos; sogar der Blumenstrauß für den Abschlussball ging auf Kosten des Tanzinstituts.

In der Halbzeitpause der Tanzstunde war es üblich, der letzten Tanzpartnerin eine Cola zu spendieren. Nach dem Ende brachten Bulu (Uwe Sommer) und ich erst die Mädchen zur Bushaltestelle hinter dem Rathaus; dann gingen wir zu einer Spielhalle neben der Nikolaikirche, um zu flippern. Nachdem ich mich mit Rainer gestritten hatte, wer ein bestimmtes Mädchen zum Bus bringen durfte, sagte er nach der nächsten Tanzstunde gönnerhaft: Die kannst du jetzt haben. Ich wollte sie aber gar nicht haben, weil ich mit ihr auch nicht viel anfangen konnte, und bemühte mich auch nicht um seine neue Freundin, wozu mich Uwe anstiften wollte, sondern interessierte mich nur für Hans-Detlefs kleine Schwester Irmela und für meine Nachhilfeschülerin im Fach Mathematik, mit der ich einen Tanzkurs für Fortgeschrittene besuchte.

Mit meiner Frau übe ich den Tanzsport immer noch regelmäßig aus.

Der Nutzen der Schulfächer

Sport

Bilder/2006 Geißlerspitzen.jpg

Sport war nicht mein Fach. Um darin besser zu werden, trainierte ich zusammen mit Joachim Vogt im Hainberg Sprint und Dauerlauf. Im Sommer 1971 fuhr ich mit meinen Eltern ins Villnösstal nach Südtirol. Ich wollte den höchsten Berg dieser Gegend, den Sass Rigais, besteigen, traute mich aber nicht allein hinauf. Im Ort gab es eine Familie, deren Söhne sich als Bergführer verdangen. Sie wohnten über einer Metzgerei am Rande des Dorfes. Es stank dort nach Fleischabfällen; unzählige Fliegen schwirrten in der Luft. Werner, der jüngste Sohn, sollte mich auf den Berg führen. Er war über ein Jahr jünger und einen Kopf kleiner.

Werner wollte es mir Flachländer zeigen. Und er wollte an dem Tage der erste auf dem Gipfel sein. Da ich gut trainiert war, fiel es mir zwar leicht, mit ihm zusammen den Berg hinaufzurennen, um die Gruppen zu überholen, die vor uns aufgebrochen waren; in der Felswand aber kletterte er wie ein Affe. Ich konnte nicht so schnell folgen, erlag aber nicht der Versuchung zu hasten, sondern nahm mir vor, zu jeder Zeit an drei Punkten festen Halt zu haben.

Als ich mich mit der rechten Hand vortasten wollte, rutschte erst der rechte Fuß und gleich danach der linke ab ab. Ich hing nur noch mit der linken Hand an einem dort gespannten Drahtseil über dem Abgrund. Meine Prinzipienreiterei hatte sich ausgezahlt. Werner lobte das: Bergsteigen sei schon gefährlich. Sein älterer Bruder war ein Jahr zuvor am Nanga Parbat zu Tode gekommen. Nachdem wir alle anderen Gruppen überholt hatten, erreichten wir den Gipfel als erste. Zurück ging es auf einem Umweg, wir mussten eine südliche Schutthalde in der Mittagssonne hinaufsteigen, dann rannten wir auf der Nordseite die Schutthalde hinunter, umgeben von einer Steinlawine. Wir hatten nichts zu trinken dabei. Als wir Kühe sahen, die aus einer Pfütze tranken, tranken wir auch daraus. Die Kühe schienen sich darüber zu wundern.

Geschichte

Für Geschichte hatte ich lange kein Interesse. Es gelang mir nicht, Ordnung in die vielen Einzeltatsachen zu bringen. Erst als ich ein Buch über Mnemotechnik gelesen hatte, fiel es mir leicht, die Geschichtszahlen zu lernen. Joachim Vogt, der in Geschichte sehr gut war, fühlte sich herausgefordert. So lernten wir sie um die Wette. Das ging so weit, dass es nicht mehr um das Jahr ging, sondern nur noch um den Tag. Kaiserkrönung Ottos des Großen? Am 2. Februar.

10

Latein und Altgriechisch

Ich schätze, dass diese beiden Fächer ¾ des Arbeitsaufwandes beanspruchten, im Verhältnis zu viel.

Während meines Kartendienstes fiel mir eine Abhandlung über das Carmen de bello Saxonico in die Hände. Teile dieses mittelalterlichen Gedichts (in Hexametern mit Binnenreim) wurden viel später Unterrichtsstoff für meinen Lateinkreis, 11 in dem ich seit 30 Jahren Mitglied bin: ../Latein/DeBelloSaxonico.xml

../ArbaloSchlacht/SchellertenGr.gif

Als wir uns in der Latina mit dem Römisch-Germanischen Krieg beschäftigten, versuchte ich, von den antiken Schriftstellern erwähnte Orte zu lokalisieren, unter Anderem Arbalo, den Ort einer Schlacht unter dem Feldhern Drusus im Jahre 9 v. Chr., der bis dahin in der Gegend von Soest vermutet wurde. Da Drusus von Westen bis an die Elbe zog, suchte ich auf der Generalkarte im Verlauf der Bundesstraße 1, dem alten Hellweg, nach ähnlichen Ortsnamen, die mit A oder GA anfingen. 12 Ich fand den Ort Garbolzum, unmittelbar neben dem Ort Schellerten, der schon im Verdacht stand, die antiken Castra scelerata zu sein. Diese Vermutungen versuchte ich mit Hilfe der Texte antiker Schriftsteller (meist in Altgriechisch), und der Daten der digitalen Karte der ägyptischen Geographen Strabo und Ptolemäus und Landkarten der frühen Neuzeit zu stützen. Das Römerlager Aliso lokalisierte ich bei Elze. ../ArbaloSchlacht/20Fazit.html ../ArbaloSchlacht/19AlisoLokalisierungEigene.html

13

Englisch

Englisch, das ich früh abgewählt hatte, kam zu kurz. Ich lernte es erst richtig, als ich in der zweiten Jahreshälfte 2003 in London arbeitete.

Gerade im IT-Bereich ist Englisch natürlich absolut notwendig, aber als Qualifikation gerade deswegen nichts wert. In einem Vorstellungsgespäch bei der Hessischen Oberfinanzdirektion argumentierte ich deshalb so:

Englisch kann jeder Depp, ich auch. Aber ich kann sehr gut Deutsch! Das können die Inder und Osteuropäer nicht. Und ich habe das Große Latinum und das Graecum. Ich verstehe auch Ihr Finanzchinesisch!

Das überzeugte sie anscheinend; jedenfalls bekam ich die Stelle.

Mathematik

Das Mathematik-Abitur ging dem Hauptabitur ein Jahr voraus. Am Morgen vor der Klausur, auf dem Wege zum MPG, ging ich am Gauß-Grab auf dem Albanifriedhof vorbei. Obwohl ich sie mit sehr gut abschloss, zweifelte ich, ob meine Kenntnisse ausreichen würden, das Fach zu studieren. Herr Gerken hatte einige von uns, darunter mich, zu einem Kurs über Topologie am Mathematik-Institut geschickt, der von angehenden Mathematiklehrkörpern genutzt wurde, die pädagogischen Fähigkeiten zu üben. Dort begegnete ich Schülern des Felix-Klein-Gymnasiums, die viel mehr Mathematik beherrschten.

Ich nutzte die Bundeswehrzeit, um die Lücken zu verringern. Die ersten Semester waren sehr hart. Morgens fand die erste Vorlesung schon um 8 Uhr c. t. statt, nachts saß ich bis nach Mitternacht an den Übungsaufgaben.

Die Abbruchquote in Mathematik war hoch. Sie traf vor allem Optimisten, die ihre Schulkenntnisse überschätzt hatten.

Informatik

… war noch kein Schulfach, aber mein Vater bot an, ein paar Unterrichtsstunden an einem Modellrechner der Phywe zu halten. Mit einem Computer unserer Zeit hatte das Gerät, das so groß wie eine Schultafel war, wenig gemeinsam. 14 15 Bytes zu 6 Bit, 8 Byte Speicher (ein Smartphone hat heute typischerweise 2000000000 mal so viel). Das Gerät war nur für einfachste Rechnungen geeignet. Das Programm wurde im Maschinencode mit Bleistift auf einen Papierstreifen geschrieben und eingelesen. Ich brachte den Rechner immerhin dazu, mittels des Newtonschen Näherungsverfahren die Quadratwurzel zu ziehen.

Chemie

Hierzu fällt mir nur ein, dass Pyrotechnik eine Leidenschaft in unserer Klasse war. Mit einer wässrige Lösung aus Salpetersalz, das beim Mischen von Schwarzpulver übrig war, pinselte ich bustrophisch Mäander auf ein Blatt Papier. Wenn die Spur angezündet war, fraß sich die Glut langsam bis zur Zündschnur des Knallkörpers fort. Damit ließ sich die Explosion extrem verzögern.

Nachdem Joachim Vogt und ich eine Bombe im Kanonenrohr eines Panzerwracks plaziert und den Zündmechanismus gestartet hatten, wurden wir weit entfernt vom Jagdpächter überrascht. Er vermutete zu Recht, dass wir für die vorigen Explosionen verantwortlich waren. Ja, wir hätten da auch sowas gehört, sagten wir mit Unschuldsmiene. Kurz danach hörte man in weiter Entfernung den Knall aus dem Panzerrohr, und wir hatten ein Alibi.

Biologie

Nachdem ich das Diplom in Numerischer Mathematik hatte, vermittelte mir mein Diplom-Vater Anfang 1981 die Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters im Sonderforschungsbereich 135 Ökosysteme auf Kalkgestein. So wurde ich für fast zwei Jahre zum Botaniker und Ökologen.

Das war eine schöne Zeit für mich; die botanischen Exkursionen machten Spaß. Ich konnte meine Kenntnisse in Informatik und Mathematik anwenden. Aber als sich abzeichnete, dass der Sonderforschungsbereich Ende 1982 aufgelöst wurde, wurde mir klar, dass ich ein totes Pferd ritt.

Beruf und Familie

Ich bewarb mich um eine IT-Stelle 16 und zog nach München-Schwabing. Im IT-Bereich arbeitete ich bis Mitte 2023, zuletzt als selbständiger Berater.

Während ich für die Unternehmensberatung Cap Gemini bei der Forschungsanstallt für Landwirtschaft eingesetzt war, besuchte ich eine Bekannte aus der Zeit beim SFB 135. Sie wurde meine Frau. Wir haben 3 Kinder und eine Enkelin.

Schulgebäude

In welch schönem Gebäude wir lernen durften, erhellt sich aus folgender Textstelle aus dem Jahresbericht des Schuljahres Ostern 1883 bis ebendahin 1884. Es stammt vom Dachboden unserer Anstalt und gelangte während des Kartendienstes um 1970 in meinen Besitz, wenn man das so nennen darf.

Hintergrund/1884 MPG Auf gewölbten Kellern ruhend 1.jpg

1Fundamentaltechnik (Fundamente bestreiten), Widerspruchstechnik (innerhalb des gegnerischen Standpunktes), Vergleichstechnik (Verharmlosung, Zurechtrücken), Folgerungstechnik, Kehrseitentechnik (Ja, aber), Zergliederungstechnik (teils richtig, teils falsch, schaft Autorität), Bumerangtechnik, Ab- und Aufwerten (Schwerpunkte verschieben), Vorfragetechnik (ich hab da noch ein paar Fragen), Scheinstützentechnik (obwohl ich mehr weiß als Sie), Entwaffnungstechnik (Skandale in die Rede aufnehmen und sie mildern)

2Verallgemeinerung, Übertreibung, Witztechnik, Autoritätstechnik (einseitig zitieren), persönlich werden, Ausweichtechnik, Gefühlsappeltechnik, Gegenfrage - Rückfrage, Fangfragen, Ermüdungstechnik

3O. W.: Und hier etwas für Dich, Jürgen: als Du in unsere Klasse kamst, hast Du Dich zu Recht sehr geärgert, als Frau Ostermann Dir ankreidete, dass Du das lateinische Perfekt, wenn es Sinn machte (also fast immer), mit einem deutschen Präteritum übersetztest. Laut Ostermann musste man (sagte sie nicht, es folgte aber aus ihrer Praxis) "veni, vidi, vici" übersetzen mit "ich bin gekommen, ich habe gesehen, ich habe gesiegt."

41928 - 2008-12-07

5 O. W.: Ich fühlte mich ungerecht behandelt (hatte einen klaren Fehler aus dem Lehrbuch übernommen), und dann war ich hartnäckig. Habe daraus gelernt, auch bei meinen Studenten sicherheitshalber nachzusehen, ob sie ggf. Fehler aus einem Standardwerk übernommen haben; das ist tatsächlich ziemlich häufig! Gidion hat das ja auch eingesehen; bloßes Gejammer hätte ihn kaum gerührt. Gidion fragte natürlich, ob er den bewussten Fehler auch anderen angestrichen hatte. Er hatte und änderte das auch, aber leider führte es nur bei mir zu einer Verbesserung der Zensur - wer weiß, vielleicht hätte man mich sonst als Rächerin der Enterbten gefeiert! Mit den Zweiern bei Tamm war es etwas anderes - da hatte ich ja offenen Auges gezockt und gehofft, T. werde mit der Anmerkung (gr. Potentialis) zufrieden sein. Ich grollte, protestierte aber nicht.

6Selten hat sich etwas zu lernen gelohnt wie das 12-Finger-System auf der Schreibmaschine.

7Unteroffizier vom Dienst

8O. W.: Die arme Frau Kreer ist mit 36 an einer Nierenkrankheit gestorben.

9

Vor allem Petra war an Sarkasmus nicht zu übertreffen. Als wir am 5.10.72 im Religionsunterricht bei Goldbach erklären sollten, was Voluptas bedeute, sagte sie, dass Jürgen Kramer gern mit Hannelore schlafen würde, schränkte aber ein, dass sie nicht wolle, dass der Hannelore das Frühstück hochkomme. Ich mochte den Sarkasmus meiner Tischnachbarin, hatte aber auch Mitleid mit J. K.; der Spott hätte auch mich treffen können. Auch Mädchen, vor allem Otta, wurden ihr Opfer.

10 Viel später schrieb ich Episoden meiner Familiengeschichte auf (noch längst nicht fertig). Ein Auszug: Der Vogt von Tenneberg

11Societas Latina Andreana

12Deutsches GA entspricht lateinischem (H)A (wie in anser = Gans)

13

Eine Nebenaufgabe war die Lokalisierung des Berges Melibocus. Weil die meisten Quellen in lateinischer Sprache verfasst waren, schrieb ich den Aufsatz darüber auch in Latein: ../Melibocus/la/index.html

Zufällig stieß ich im im Schloss Dunrobin in Schottland auf die alte Sage, dass der Clan Keith sich auf in der frühen Kaiserzeit eingewanderte Hessen (Chatti) zurückführt, und zwar auf die Chatti Moelibosci. Mir fiel dazu ein, dass der Humanist Beatus Rhenanus die Grafschaft Katzenelnbogen mit Chattorum Meliboci gleichgesetzt hatte.

../Melibocus/la/ChattiInScotia.html
../Melibocus/la/ChattiMoelibosci.html

14 https://www.uranmaschine.de/86978.Phywe_Programmgesteuerter_Rechner_06978_00/

15 Ein beliebtes Spielzeug der Zeit war der Spielcomputer Logikus, den ich auch besaß. Ich programmierte darauf die Akzentregeln des Altgriechischen.

16 Ein Vorstellungsgespräch fand in der Piano-Bar des Kempinski-Hotels Vier Jahreszeiten in München statt, worauf ich ein wenig stolz war.

Thomas Schmidt

Herr Solf, Herr Hölting (Mathe)

Meine stärksten Erinnerungen habe ich an die Zeit vor der Oberstufe, wo wir mit so richtigen Lehrern wie Herrn Dr. Solf in Mathe konfrontiert waren. Sein Highlight war die Art und Weise, Klassenarbeiten zurückzugeben. Er begann mit den Einsern, und dann wurden die Punkte und somit auch Noten immer schlechter. Das Ziel war natürlich, die Angst der in Mathe etwas schwächeren unsäglich in die Höhe zu treiben, bevor es dann zu einem triumphierenden Tonollo: Pumpe — volles Rohr kam. Wobei ich mir angesichts der Tatsache, dass wir als nicht Latein-ab-5 Klasse immer die besseren Lehrer bekamen (ok, Witz…) nicht ganz sicher bin, ob diese Schote nicht sogar von Hölting kam, der m. E. Solf beerbte (oder?).

1

Herr Neitzel (Mathe)

Erstaunlich, dass wir dann mit Neitzel im Mathebereich doch eine Verbesserung erfuhren mit dieser unglaublichen Klassenfahrt in den Harz, nach der die Klassenarbeit zum Thema Vollständige Induktion einen 1.x-‚Schnitt brachte. Davon zehrte ich sogar noch im Mathestudium.

Wie lässt man ein Minilexikon verschwinden?

Aus der Abizeit ist glaube ich vor allem zu erinnern, wie schwer es ist, ein Minilexikon die Toilette hinunterzuspülen. Dass die Alternativlösung, es aus dem Fenster zu werfen und vor dem Sekretariat auf dem Rasen zu landen zu lassen, dennoch eine gute Lösung wurde, war wohl so nicht zu erwarten. Ich weiß gar nicht mehr, wer das geleistet hatte;-) 2


1 J. H: Pumpe - das war der 1a-Sadist Hölting. Na, was haben Sie wohl diesmal geschrieben, Z.? Z, hochroter Kopf: Vie-vielleicht eine 4, Herr Hölting? Pumpe, Z. PUMM-PE!!

2 J. H.: Zum Mini-Lexikon: Hajo warf es in die Rosenrabatte. Ich meine, er hätte es dann im Dunkel der Nacht wieder an sich genommen. Ich schob es nach dem dritten Spülversuch in einen Socken und verbrachte die letzte Zeitstunde der Latein-Abiklausur nassfüßig.

Joachim Schwahn

Herr Boestfleisch (Religion)

Bei Herrn Boestfleisch hatten wir, nach Geschlecht getrennt, höchst peinlichen Aufklärungs-Unterricht.

Herr Brock (Musik)

Wie Jürgen möchte ich auch zur Ehrenrettung von Maestro Brock beitragen. Es war nicht nur die Ballade vom alten Hemd oder der Nöck, was mich in Bann geschlagen hat, sondern auch die Bilder einer Ausstellung und die Dreigroschenoper. Weil Magdalena Fuchs sich den Bolero gewünscht hatte, wurde uns auch der zu Gehör gebracht.

Er hat, ignoriert von der banausigen Mehrheit, in einer One-Man-Show die Dreigroschenoper mit Piano aufgeführt. Ich war, vielleicht als einziger, völlig fasziniert. Und er hat kommentiert: Polly und McHeath sitzen romantisch bei Vollmond auf einer Bank. Sagt sie zu ihm: Oh Johnny, wenn du wohin gehst, geh ich auch hin.

Dann noch etwas spezielles: Brock erzählte, dass er in der Nazizeit bei einer Feier in der Aula ein selbst komponiertes Werk auf dem Piano gespielt hat: ein Thema mit Variationen, bestehen aus den Tönen, in dieser Reihenfolge: es-c-h-eis-es-e. Durchaus harmonisch.

Ob die Story wahr ist oder nicht, ich glaube daran und finde, er war ein aufrechter, ehrlicher, bemühter, von seinem Fach erfüllter Mensch.

Die Ignoranz war auf Seiten der Schülerschaft, und er hat sie nicht verdient. Nun gut, er sah damals aus wie ein Penner, Schülerinnen sollen ihm mal ein Stück Seife geschenkt haben.

Bei dem letzten Jubiläum war er gut gekleidet und wirkte wie ein Grandseigneur, ich habe ihn erst nicht wiedererkannt.

Frau Ostermann (Latein)

Zwei etwas fiese persönliche Anekdoten, die an Max und Moritz erinnern, kann ich noch beisteuern.

Ich hatte in der Zeit einen etwas älteren Freund namens Peter, der später Jesuiten-Pater geworden ist und es bis nach Rom geschafft hat. Ein intelligenter lustiger Bursche, zu jeder Untat bereit. Das Gute am Katholizismus: man kann sich fast alles erlauben, muss hinterher nur beichten und drei Ave Maria beten.

Er kam auf die Idee, Lehrer anzurufen und zu veräppeln.

Zu Frau Ostermann:

Guten Tag, dürfte ich mal Ihren Mann sprechen?

Sie: Meinen Sie meinen Sohn?

Aufgelegt. Da habe mich etwas geschämt.

Zu Herrn Natonek, bei dem wir gerade die Erzählung Die rote Katze von M.L.Rinser durchnahmen:

Da rota Katza frisst den Speck von Ihnen weg, Herr Natonek.

Aufgelegt. Auch nicht schön. Aber wie gesagt: mit drei Ave Maria war für Peter, der angerufen hatte, wieder alles auf Null. Mich plagten dagegen Gewissensbisse, denn ich mochte beide.

Noch eine Anekdote: ich kaufte Stefan Schlange-Schöningen einen sechsschüssigen Spielzeugrevolver ab, bei dem er den Lauf bis zu den Patronen durchgebort hatte, sodass aus dem Lauf die Funken sprühten. Echt faszinierend. Natürlich auf dem Schulhof während der Pause gleich ausprobiert. Ein Griff von hinten an den Kragen: Frau Ostermann nahm mir die Waffe ab, ich könne sie mir im Lehrerzimmer bei meinem Klassenlehrer, Herrn von Wedemeyer, abholen.

Am nächsten Tag zaghaft an der Tür zum Lehrerzimmer geklopft, Wedemeyer wusste schon, worum es ging. Tür zu, er musste sie aus seinem Fach holen. Ein lauter Knall im Lehrerzimmer, die Tür ging auf, er drückte mir hastig mit rotem Kopf den Revolver in die Hand.

Herr Schwarz (Altgriechisch)

Blacky hatte zwei Naturen, wie Mr. Jekyll und Mr. Hyde.

Ich hörte den Unterschied schon an seinen Schritten, bevor er das Klassenzimmer betrat. Lahm oder beschwingt. Im ersten Fall setzte er sich hinter sein Pult: "Hat jemand übersetzt?" Schweigen. "Ich übersetze..." Nächste Hausaufgabe, der niemand nachkam.

Im zweiten Fall: Er stellte seine Aktentasche aufs Pult, lief vor der Tafel hin und her und begann: Haben Sie sich schon mal so gefühlt, dass man seine Vergangenheit so absetzen möchte wie einen schweren Rucksack? Wie Odysseus am Gestade der Phäaken? (Odysseus B'deckte seine B'löße mit einem B'laubten Zweig). Niemand weiß, dass er durch List und Heimtücke Troja zu Fall gebracht hat. Er wurde hoch geehrt.

Und: Kennen Sie von Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein? Die Möglichkeit, seine Vergangenheit löschen zu können, um als unbeschriebenes Blatt neu anzufangen?

Diese Stunden haben mich in ihren Bann geschlagen, obwohl mir der tiefere Sinn zur Gänze erst später aufgegangen ist.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das MPG besuchen durfte, obwohl es für mich eine lange Leidenszeit war, bis ich in der C-Klasse Tilman wieder traf. Diese letzten Jahre auf dem MPG waren heiter.

Herr Vossberg (Kunst)

Zu ihm habe ich eine Anekdote: Wir hatten im Zeichenraum ganz oben im Gebäude — im Sommer wurde es sehr warm — Unterlagen aus Blech fürs Zeichnen; denn die alten Tische waren schrundig.

Eines Tages kamen Cuno Götz von Olenhusen und ich auf die Idee, sie in die Hände zu nehmen und wabbeln zu lassen, was einen coolen Sound gab. Nur war die Frage: Wer kann's besser? Während dessen war, unbemerkt von uns, Herr Vossberg hereingekommen. Unsere Strafe: wir mussten nach vorne kommen, mit den Blechen, und für den Rest der Stunde weiter wabbeln. 1

Herr v. Wedemeyer (Latein, Geschichte, Gemeinschaftskunde)

Wir hatten irgendwann Herrn von Wedemeyer als Klassenlehrer, der ziemlich forsch und fordernd auftrat, mich in Angst und Schrecken versetzte; denn ich war ein schlechter Schüler, von meiner Fehlerhaftigkeit überzeugt.

Zum Fasching trug Herr von Wedemeyer ein weißes T-shirt mit der Aufschrift nobody is perfekt. Seitdem hatte er in mir einen Fan.

Als ich sah, wie ihm bei seiner Lehrprobe die Hände zitterten, habe ich für ihn mitgefiebert, wie andere für ihren Fußballverein.


1 J. H. : Auch unsere Klasse hat die Bleche geschwungen und fernen Donner erzeugt. Wir hatten Meyer-Borchert. Vossberg war ein fieser Gesell.

Petra Thiel

Liebe Otta,

ich bin beeindruckt, wie detailgetreu du dich erinnern kannst und zugegeben ein wenig gerührt, dass du unsere in Rom begonnene Freundschaft erwähnt hast. So langsam erinnere ich mich wieder an die Romreise.

Mir geht es ja ähnlich wie Detlef beschrieben hat. Die letzten Schuljahre waren für mich reines Mittel zum Zweck, um mit dem Abiturzeugnis endlich in die Freiheit entlassen zu werden. Dass das Mathestudium dieser Freiheit gewisse Grenzen setzen würde, ahnte ich da noch nicht.

Mit den Mathematiklehrern Neitzel und Gerken hatte ich am MPG Glück.

Die beiden Jahre bei Käsewilli waren mathematisch gesehen ein Reinfall, aber er bereitete mich immerhin darauf vor, mich an die Diskriminierungen zu gewöhnen, die Frauen noch in den Siebzigerjahren im Mathestudium erleben mussten. Käsewilli lobte mich nämlich nicht für meine Beiträge in Mathe, sondern beschimpfte meine Mitschüler. Sie sollten sich schämen, dass ein Mädchen besser sei als sie. Das war mir damals sehr peinlich und weitaus schlimmer als seine stinkende Zigarre, die er regelmäßig auf der Fensterbank deponierte.

Herr Block

Ich habe kaum Erinnerungen an die letzten beiden Schuljahre, mein Vater hingegen pflegte seine bis ins hohe Alter. Er hatte sich als Elternvertreter gegen die Klassenzusammenlegung eingesetzt und wurde dafür von A. Block vor den übrigen Eltern als töricht abgekanzelt.1 Mein Vater hatte es als damals gewagt, die zu erwartende Ungleichheit aufgrund der unterschiedlichen 2. Fremdsprachen als Argument zu verwenden.

Die Kränkung saß so tief, dass mein Vater den Rest seines Lebens tunlichst vermied, Dr. Block grüßen zu müssen. Dafür wechselte er in Göttingen sogar die Straßenseite, wenn er gelegentlich diesem Herrn begegnete. Natürlich erzählte er mir davon, so dass ich nun auch eine kleine Anekdote beisteuern kann.

Theater-AG

Anstelle weiterer Anekdoten liefere ich eine kleine Bilddokumentation zur Theater AG, die mir Janny Levin vor einiger Zeit gescannt und geschickt hat. Das Plakat hatte unser Kunstlehrer Meyer-Borchert gestaltet. 2

Bilder/Biedermann.jpg

1J. R.: Elternabend am 25. September 1972, [de]A. Block

2J. H.: Es folgten einige jpegs, die sich nicht öffnen lassen.

Otta Wenskus

Lehrerinnen, die ich leider nie oder nur kurz vertretungsweise hatte: Tilmans Mutter, eine der Lieblingslehrerinnen meines Bruders, den ich deshalb glühend beneidete, und Magda Riebe, früh ergraut (lag nicht an uns, sondern an der Genetik) und immer munter, außerdem eine große Tierfreundin, die mancher Tierheimkatze ein liebevolles Zuhause schenkte. Von den Lehrern, wie bereits gesagt, Neitzel und Fauth; zu kurz hatte ich Wolfgang Natonek und Lothar Scheithauer,

Frau Behrends (Englisch)

In der 10.oder 11. hatte die 10 (oder 11) a1 Englisch bei der durchaus fähigen Frau Behrends (Orthographie nicht ganz sicher), welche dieselbe Frisur trug wie Gundel Gaukeley. Peter Berg, ein brillanter Karikaturist, machte auch eine Zeichnung von ihr mit Entenschnabel. Einmal dauerte es etwas mit der Rückgabe einer Klassenarbeit; von uns befragt, erklärte Gundel, sie könne ja schließlich nicht hexen. Nie habe ich unsere Klasse so vor Lachen brüllen hören; wir konnten uns die ganze Stunde nicht beruhigen. Gundel verstand natürlich nicht, warum. Das kommt davon, wenn man die Populärkultur vernachlässigt. 1

Herr Biehl (Altgriechisch)

Zum Thema historisch-vergleichende Sprachwissenschaft: Von diesem Thema hatte unser ansonst langweilige zweiter Griechischlehrer, Werner Biehl, sehr viel Ahnung, und dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Später bekam ich auch seine Ausgabe von Euripides' Orest in die Hand, welche die schlechten Rezensionen vollauf verdiente. Dennoch hat er wissenschaftlich ungleich mehr geleistet als Blacky, dessen Dissertation man heute nicht einmal als Bachelorarbeit akzeptieren würde. Sicher, es gibt in Deutschland eine seltsame Diskrepanz zwischen den sinkenden Anforderungen im Grundstudium der philologischen Fächer und den absurd hohen Ansprüchen, die heute an Dissertationen gestellt werden, aber dieses Geschwafel vom lockeren Erosknaben hätte man auch damals nicht durchgehen lassen sollen - fand auch Karl Deichgräber, ein Kollege von B.s Betreuer, dem ich auch die Information verdanke, ein Vergleich mit H.O.Schwarz habe bei dessen Kommilitonen als ehrenrührig gegolten. B. erzählte uns auch, er habe sich nur deshalb für das Studium der klassischen Philologie entschieden, weil die LV-Räume des betr. Seminars am besten beheizt waren.

Herr Boestfleisch (Geschichte, Religion)

Von den Lehrern, die ich tatsächlich hatte, war wohl Boestfleisch der menschlich unangenehmste. Damals waren wir ja noch nicht so sensibel für das Thema sexuelle Belästigung, aber was er mit einigen kleinen, niedlichen Schülern tat (vor unseren Augen setzte er sie ein oder zwei Mal auf seine Knie), würde man heute sofort so bezeichnen.

Herr Breitkreuz (Englisch)

Herr Breitkreuz, der sich unsere Namen nicht merken konnte, hatte die bizarre Angewohnheit, zwecks Aufrufens auf jemanden zu zeigen und Your neighbour, please! zu sagen. Ob der linke oder der rechte, blieb unklar, war B. aber offenbar egal. Hauptsache, irgendjemand antwortete.

Frau Fürbringer (Biologie) und andere gute Lehrerinnen

Wirklich gute Lehrerinnen: Marjolaine Jacquot hat uns in sehr kurzer Zeit viel beigebracht; ich mochte sie sehr gern. In der Oberstufe hatten wir großartigen Biologieunterricht: bei Frau Koch , Frau Krückeberg , Frau Fürbringer und Frau Hasubek .

Jutta Fürbringer war auch sehr witzig; der folgende Dialog mag dies zeigen:

F.: Was gibt es für bewegliche Pflanzen?

Einer von uns (ich glaube Thomas): Äh, Farne und Moose.

F., entgeistert: Warum denn?

E.v.u.: Die haben doch keine Wurzeln!

F.: Aber deshalb huschen sie doch nicht von einem Baumstamm zum anderen!

Herr Gerken (Mathematik)

Ich war bei ihm in Mathe (wg. Panik in Klassenarbeiten) manchmal knapp an der 5; trotzdem stellte sich während meines Referendariats heraus, dass er mich als gute Schülerin gesehen hatte. Das lag wohl daran, dass mich dieses Fach wirklich interessierte; der Eindruck festigte sich, als er auf meine Lieblingsmatheaufgabe 'reinfiel:

(a-x)(b-x)(c-x) und so weiter bis (z-x). Lösung bitte innerhalb von 10 Sekunden.

Meine Zweitlieblingsaufgabe kannte ich damals leider noch nicht …

Herr Gerlach (Chemie)

Die meisten Lehrer kannten ihre Spitznamen und gaben dies auch zu, v. a. Käsewilli, so genannt wegen seines durchlöchterten Chemiker-Kittels. Da die Genese der Löcher nicht ungefährlich war, hatte er ein den letzten Jahren Experimentierverbot.

2

Herr Goldbach (Latein) und die Klassenfahrt nach Rom

Unsere Romreise 3 hätte schon Oktober 1973 stattfinden sollen und wurde wegen Cholera verschoben. Wir wären zwar nicht hingesiecht, aber es wäre alles zu gewesen.

Uns begleitete nicht Tamm (aus privaten Gründen, wie er rätselhaft sagte), obwohl der ja unser Klassenlehrer war, sondern Claus Goldbach, … und die als einzige des Italienischen kundige Marjolaine Jacquot, die wir bald duzen und Marjo nennen durften.

Unsere Unterkunft befand sich in einem Kloster, in der das albergo damals noch integriert war, mit dem sperrigen Namen: Monastero delle oblate agostiniane di Santa Maria dei sette dolori. Es befand sich nicht, wie der Projekt frech behauptete, "am Fuße des Aventin", sondern klebte an einer Stützmauer des Gianicolo. Ich war froh, dass ich keine Halbpension gebucht hatte; bei den zwei Malen, als ich dort aß — einmal Hühnchen komplett mit Füßen und Kopf, einmal die greulichsten Nudeln, die ich je gegessen habe, und von denen Petra Thiel zu Recht sagte: Sieht aus, riecht und schmeckt, als habe da jemand 'reingekotzt.

Das unangenehmste waren zweifellos die riesigen Ratten, klar Rattus norvegicus, ein Problem, das Rom erst seit dem 17. Jahrhundert hat (vorher gab es nur die gelegentliche Hausratte). Einmal steckte eine unten in der Regenrinne (tot); da ich inzwischen etwas Italienisch gelernt hatte, wurde losgeschickt, um die Nachricht zu verkünden: C'è un ratto morto nella grondaia. Als ich gerade um die Ecke bog, kam mir jemand mit der Ratte (an einem Stock) entgegen; meinen gellenden Schrei hieltet ihr für verständlich.

4

In dem Rattenhof haben wir auch ein paar Mal recht gemütlich gesessen und gesungen; ich bin Detlef immer noch dankbar, dass er mir Scarborough Fair beigebracht hat.

Viele Sehenswürdigkeiten bekamen wir nicht zu sehen, da unangekündigt zu, u. a. die vatikanischen Museen und die Villa Giulia. Der Zäheste von uns war Joachim Vogt, gefolgt von der unsportlichen, aber ausdauernden O. W. und Goldbach. Joachim Vogt übertrieb den Eifer sogar in meinen Augen; er erbat und erhielt von Goldbach die Erlaubnis, am Ende eines harten Tages noch mal schnell die aurelianischen Mauern zu umrunden (zwischen 20 und 30 km). Spätestens da erkannten alle, dass ich keine echte Streberin bin; zu dem Thema später. Joachim wollte unser ohnehin volles Programm immer wieder ausdehnen; der Ausruf: Ich hasse Vogt erscholl immer wieder, zumal er darauf bestand, dass wir ihm bei seinen zahlreichen Referaten zuhörten.

5

Frau Hasubek (Biologie, Chemie, Sport)

Frau Hasubek war mir schon deshalb ans Herz gewachsen, weil sie als einzige derer, die mangels Sportlehrerinnen auch Sport unterrichteten, klar erkannte, dass z.B. O.W. wegen der typisch weiblichen Valgusstellung der Unterarme (X-Arme) nicht gut werfen kann, woran auch das intensivste Training nichts ändern können würde. Den Chemieunterricht bei ihr fand ich auch sehr interessant, trotz geringer Begabung für dieses Fach, und sehr nett fand ich, dass sie 1988 zu meiner Antrittsvorlesung kam: Der Mensch als Tier besonderer Art im Denken der Antike.

Lehrreich und stimmungsvoll war der Besuch des Alten botanischen Gartens mit ihr.

Frau Hegerfeld

Was die Lehrer insgesamt betrifft, erinnere ich mich an Magdalena Fuchs' cri de cœur: Ich habe diese hässlichen alten Zwerge satt! Ich will endlich einen jungen, hübschen Lehrer! Tja, daraus wurde nichts; mit Lehrerinnen sah es anders aus. Aber davon hatten wir Mädchen ja nichts …

Eleganz suchte man auch bei den Damen meist vergebens. Den Nadir erreichte Frau Hegerfeld. Martinas Theorie, unsere Englischlehrerin habe mit verbundenen Augen in den Kleiderschrank gegriffen, musste modifiziert werden, da Birgit H. Tag für Tag das Gleiche trug; die einzelnen Bestandteile waren durchaus o.k., aber die Kombi nicht.

Herr Hennig (Deutsch), Herr Schimanski (Deutsch)

Gammel habe ich natürlich auch immer im Gespräch über ihn so genannt, außer einmal aus Gründen des Reimzwanges:


Der brave Deutschlehrer Hennig

trägt jeden einzelnen Pfennig

in lauter Geschäfte

für Bücher und Hefte,

doch trotz aller Anstrengung penn ich.


Er war nicht der ideale Deutschlehrer, hielt offenbar Gliederungen für extrem wichtig, aber immerhin war er ein Kafka-Fan (bin ich zwar nicht, aber ich verstehe, dass manche das sind) und hatte sich einen kleinen Odradek gebastelt. Viel gelernt habe ich bei ihm nicht, aber mehr als in Klasse 5 und 6 bei Herrn Schimanski , der sich nie unsere Namen merken konnte. Ich war für ihn meist Jutta; Johannes von Stietencrohn (Klasse meines Bruders Rupert) hatte 7 verschiedene Alias-Namen, mit denen er dann auch von uns angeredet wurde - u.a. "Siebenkorn" und "Siebenzorn". Joachim Meinhard (auch Klasse meines Bruders) hieß meist "Neidhardt".

Herr Labusch (Latein) und Herr Fauth (Altgriechisch)

Für mich sehr wichtig war auch Sieghard Labusch , der mein nach Klasse 5 völlig erloschenes Interesse an Latein wieder weckte (in der 9. hatte ich mal eine solide 5 geschrieben). Ich übertrug die Erkenntnis, dass die Römer schließlich auch Latein gelernt hatten, auf Griechisch, wo ich trotz Blackys sagenhafter Faulheit bald ganz gut wurde. Aber Wolfgang Fauth , wohl der bedeutendste Gelehrte am MPG, weigerte sich, Klassen zu übernehmen, die vorher B. gehabt hatten. Ich konnte das Versäumte dann auf der Uni nachholen, wo ich zwei Hauptseminare bei ihm machen konnte. Fauth, der wie manche chronisch Kranke uralt wurde, sah aus wie ein Vampir in Zivil; die Teilnehmer an seiner Vorlesung ( 20.15 - 21.45) über Antike Magie pflegten schreckensbleich aus dem Übungsraum zu taumeln, vor Allem als Fauth erklärte, bei der Ausübung schwarzer Magie dürfe man kein Metall am Körper tragen, und dabei seine Armbanduhr abnahm.

Frau Liewald (Sport)

Auch ein paar Limericks kann ich beisteuern; tief empfunden war folgender; die erste Zeite hat eine blöde Wortstellung; für Verbesserungen bin ich offen:


Hast Sportunterricht du bei Liewald,

so rate ich eines Dir: flieh bald!

Sonst sind alle Knochen

in Bälde gebrochen

und wahrscheinlich verrenkst du die Knie bald.


Anlass war: wir sollten über eine sehr wackelig aussehende Kastenkonstruktion springen. Ich weigerte mich; Carola lachte höhnisch, wollte der (ja, ja) unsportlichen Otta zeigen, was Sache war, und brach sich prompt den Arm.

Herr Mattner (Altlgriechisch)

Einige Junglehrer wirkten auf uns unangenehm verkrampft. Vermutlich hatten sie nur Angst. Später wurden einige von ihnen sehr beliebte Lehrer, etwa der sehr kluge Oskar Mattner, der mir im Referendariat eine echte Unterstützung war.

Herr Natonek

Unter den wirklich guten Lehrern ist zunächst Natonek 6 zu nennen, dessen Rolle im Widerstand gegen die Exzesse der DDR inzwischen auch in der ehemaligen gewürdigt werden. Als ich 2010 in Torgau war, sah ich auf der Ausstellung über dieses Thema als erstes sein Bild in Überlebensgröße! Er wirkte tatsächlich auf uns (ich hatte ihn leider nur kurz in der Oberstufe) durch seine menschliche Größe; anders kann man das nicht nennen. Was nichts daran änderte, dass wir seine Sprechweise imitierten; wie Sesemi Weichbrod in den Buddenbrooks war seine Aussprache der Vokale hyperkorrekt. Rupert erzählt oft und gern, dass N. auf einem Wandertag fragte: Est deser Zaun her elektresch? Ein Tippen an diesen Gegenstand klärte die Frage: Ja, deser Zaun est elektresch!

7

Frau Ostermann und die Klassenfahrt nach Hemeln

Gern erinnere ich mich an unsere Klassenreise mit Frau Ostermann nach Hemeln, 2 Tage Anfang Juni 1967. Wir 9 Mädchen machten am ersten Abend in unserem Zimmer (nur durch Reden und Lachen) viel Krach. Es spricht sehr für sie, dass sie uns dort erst unseren Spaß ließ, ohne einzuschreiten, und uns erst am Tag darauf milde bestrafte (ich musste das Treppenhaus ausfegen).

Unvergesslich ein Spaziergang im Bramwald, wo wir in einem Tümpel mehrere Teichmolche fingen (und freiließen); Reinhold Kickuth, der Terrarienspezialist, sogar einen Feuersalamander, der aussah wie aus Gummi.

Herr Scheibe (Mathe, Geographie)

Eine tiefe gegenseitige Antipathie bestand zwischen mir und Michael Scheibe. (Zunächst wirkte er etwas altväterlich, wurde dann aber lockerer, wie ich von den Mathe-Referendaren hörte.) In Erdkunde ließ er uns nur Graphen mit Niederschlagsmengen zeichnen, was mir lediglich vor Augen führte, dass es an manchen Orten mehr regnet als an anderen, und mit nassen Bindfäden die Länge der südamerikanischen Ästuare (im Atlas) nachmessen. Extrem unfair war, dass er mich zwang, denselben Rechenschieber zu benutzen wie alle anderen, obwohl ich so schlechte Augen habe und das greuliche Ding nicht ablesen konnte.

Er betonte Carolas Namen hartnäckig auf der ersten Silbe, ebenso Pazifik 8 (sprachhistorisch nicht haltbar). Er gehörte zu denen, die Antworten in ganzen Sätzen bevorzugten; ich war leider nicht dabei, als er bei einem Rodelnachmittag vom Schlitten fiel und seiner sehr netten Frau auf die Frage Mischa! Hast du dir wehgetan? mit gemessener Sprache antwortete: Nein, Silvia, ich habe mir nicht wehgetan! . So altväterlich er in jungen Jahren wirkte, so gut scheint er sich gehalten zu haben, denn vor einigen Jahren erschien er auf einem Abi-Treffen meines Bruders und sah etwa so alt aus wie seine ehemaligen Schüler. Als Michael Bührmann ihn fragte: Na, wer bist du denn? antwortete er schlicht Michael Scheibe.

Zu seiner Hyperkorrektheit fällt mir noch ein, , dass wir Klassenarbeiten nur mit Tinte schreiben durften; Kuli fand er schrecklich. Da ich mit den damals üblichen einfachen Füllern nicht zurecht kam (ich brauche schwere, solide Dinger mit haltbaren Federn), schmierte ich furchtbar; schließlich dachte ich, verboten kann das doch nicht sein und schrieb mit Kuli. Auf Scheibes Vorwurf argumentierte ich, ich sei einfach nicht gut genug in Mathe, um mich auch noch mit Füllern herumzuschlagen, und wies darauf hin, dass diese Arbeit um ein bzw. zwei Noten besser war als die vorigen.

Herr Schuseil (Latein)

Martin Schuseil, immerhin anderthalb Jahre als Fachbetreuer im Referendariat, war einer der wenigen Lateinlehrer, die nicht immer zuerst das Prädikat suchten; er hatte einen Schüler-Comic, der diese Praxis zu Recht angriff: Cicero deklamiert den ersten Satz seiner Rede für Roscius Amerinus; ein Zuhörer notiert die Partizipien, ein anderer die Konnektoren (also Konjunktionen und Pronomina), und am Schluß jubeln alle: "Das Prädikat! Jaaa! und jetzt das ganze nochmal von vorne!" Das habe ich später allen meinen Studenten weitergegeben. Anders Herr von Wedemeyer.

Herr Schwarz (Altgriechisch)

Blacky war im Vergleich mit ihm 9 harmlos. Als ich fand, er sei übertrieben zutraulich geworden, erzählte ich es meiner Mutter. Diese setzte ihren bedrohlichsten Hut auf, holte mich an der Klassenzimmertür ab und warf Blacky einen scharfen Blick zu. Danach hatte ich meine Ruhe.

Blacky gehörte zu der Art Lehrer, die zwar faul und inkompetent sind, aber auf Dauer nicht verhindern können, dass ihre Schüler etwas lernen. Dies schaffte in meinem Fall nur Frau Hilmer in Erdkunde. Es mag selektive Erinnerung sein, aber ich erinnere mich nur an die wissenschaftlichen Filme, die wir gefühlt jede Stunde sahen bzw. nicht sahen, da das Gesurre des Apparats, verbunden mit dem verdunkelten Zimmer, mich binnen kurzen zum Dösen oder sogar Schlafen brachte.

Herr Tamm (Altgriechisch)

Er bestand auf übertrieben wörtlichen Übersetzungen, vor allem des griechischen Potentialis, und antwortete auf (fast immer berechtigte) Fragen des Typs: Kann ich das auch mit...übersetzen? automatisch mit Das können Sie, aber ich kann das Ihnen als Fehler anstreichen. Mein Streben nach gutem Deutsch führte ein oder zweimal dazu, dass ich für eine Arbeit nicht die verdiente Eins bekam … Ich brachte es einfach nicht fertig, jeden Potentialis mit Ich könnte / möchte / dürfte wohl zu übersetzen.

Er war sonst ein guter Lehrer, nur manchmal wirklich unverschämt. Einmal kam Hannelore ein paar Minuten zu spät, und er stellte untergriffige Mutmaßungen über ihre Beziehung zu ihrem Freund an (Eckart, wenn ich nicht irre).

Einige seiner Angewohnheiten stellten sich, nicht als Ticks, sondern als Taktiken heraus (er war ja ehemaliger Berufssoldat), z. B. die, am Anfang der Stunde mit irgendwas laut auf den Tisch zu knallen. Das wollte er mir im Referendariat auch beibringen, umsonst, während einer seiner Tipps wirklich Gold wert ist: auch, wenn man an die Tafel schreibt, immer Augenkontakt mit der Klasse halten, nicht nur aus Misstrauen, sondern weil sich sonst niemand angesprochen fühlt.

Herr Trittel (Deutsch, Geschichte)

Trittel ist offenbar sehr unterschiedlich beurteilt worden; ich konnte wenig mit ihm anfangen, weil er das Sozialgeschichtliche zu sehr betonte. O.k. in Geschichte, aber in Deutsch? Klar, das ist auch für mein damaliges Lieblingsbuch (Fontanes Stechlin) wichtig, aber doch nicht nur. Ich habe mich sehr über mich geärgert, dass ich nicht den Vorschlag von Clemens unterstützt habe, stattdessen Hermann Kants Die Aula zu lesen; das hätte sicher viel mehr gebracht!

Zu den Referendaren waren wir als Schüler oft auch nicht nett, aber einer hatte es nicht anders verdient. Wir hatten bei Trittel schon Brechts Galileo Galilei durchgekaut und diesen Text herzlich satt; dann bestand besagter R. darauf, den noch einmal mit uns zu lesen. Wir haben dann seine Lehrprobe (einstimmiger Beschluss) boykottiert, indem wir eisern schwiegen.

Sehr brauchbar war Trittel hingegen auf unserer Berlinreise, März 1972 (wir wohnten in der Jugendherberge Nähe Tiergarten, Kluckstraße, nicht toll, aber verkehrsgünstig). Von seiner ersten Frau, die als Betreuerin für uns Mädchen mitgekommen war, lässt sich das nicht sagen; sie kümmerte sich nie um uns und war unglaublich vulgär. Nein, das schreibe ich jetzt nicht auf; ich erzählte es meinen Eltern, und meine Mutter erzählte es Tilmans Mutter. Diese war entsetzt und sagte im schönsten Nordeutsch: "Nein! Wie kann ein Mann sich nur so vertun!" Zu dem Schluss scheint T. auch gekommen zu sein; seine zweite Frau war später auch am MPG Lehrerin und als solche sehr beliebt, nur sah sie uns Referendarinnen als niedere Lebensformen an. Als ich einmal ganz harmlos sagte: Oh, was für eine hübsche Bluse - ist die von Bogner?, fauchte sie nur Das geht Sie überhaupt nichts an! Warum so viel Gift verschwenden und nicht Ja, Nein oder Keine Ahnung sagen?

Herr Vosberg (Kunst)

Wir sollten Mini-Skulpturen aus Alabaster herstellen. Wirklich gut war die Figur eines hockenden Mannes, Werk, wenn ich nicht irre, von Stephan Hupka. Dies ließ seinem Freund Clemens keine Ruhe; leider trieb er den Perfektionismus zu weit, und das Skulptürchen wurde kleiner und kleiner. Voßberg tobte: Nimmt der Kerl sich den größten und schönsten Stein von allen, und was kommt heraus? Eine lächerliche Maus! Siehe Horaz (parturiunt montes, nascitur ridiculus mus). Mir gelang ein Igel, den zwar Voßberg nicht besonders, ich aber ganz nett fand (er lebt noch immer).

Unangenehmer war die Bearbeitung von je einem Ytong-Block, mit Feilen, aber ohne Atemschutz; bei (wie schrieb er sich noch einmal?) Meier-Borchert? 10 Ich befürchtete immer, das Ding würde mir hinfallen; hurtig mit Donnergepolter entglitt mir der tückische Ytong , hätte ich dann gesagt.

Vosberg gab einigen von uns zwar geradezu beleidigende Noten (von meinen Bildern lobte er nur eines, ein in meinen Augen unsagbar scheußliches Machwerk), war aber wegen seines Unterhaltungswertes beliebt. In praktisch jeder Klasse ließ er diejenigen, welche der Versuchung erlegen waren, mit den Blechen zu klappern, die uns als Unterlage dienten, den Rest der Stunde diese Tätigkeit auszuüben (Satz endet hier). Wir verstanden nicht, warum er bei seinen collegae (ein Wort, welches das Gendern erspart) ausgesprochen unbeliebt war; Blacky kommentierte einst Brüllt herum wie eine Wildsau. Erst Jahrzehnte später erfuhr ich, dass V. ein strammer Nazi gewesen war - die naive Art, also kein Monster, aber eben ein Nazi.

Herr v. Wedemeyer (Latein)

Von Wedemeyers Prädikatsucherei (siehe Herrn Schuseil) war der Grund, dass meine Lateinzensur auf eine sehr schwache Drei absackte (booooring); wenn mir jemand am Ende der 9. gesagt hätte, ich würde das mal studieren...

Von Wedemeyer störte sich an meiner deutlich lesbaren, aber uneleganten Handschrift und der Tatsache, dass das Schriftbild durch zahlreiche Korrekturen entstellt war. Hätte ich damals schon mittelalterliche Handschriften literarischer Texte gekannt, (und nicht nur die dekorativen Dokumente) hätte ich eine gute Antwort geben können, vor Allem in einem denkwürdigen Fall, in dem er meine Arbeit um eine halbe Note herunterstufte. Seine eigene Handschrift war wunderschön, aber kaum zu entziffern.

Lieber Joachim, hier noch eine Erinnerung speziell an Dich: Du hattest den enorm nützlichen, von v. Wedemeyer Schwahnsche Regel getauften Merkvers für die lateinische Futurbildung — ja, was eigentlich? Geprägt oder eingeführt? Erste, zweite b, dritte, vierte e. Ich habe sie dankbar in allen Jahrzehnten meiner Berufstätigkeit weitergegeben; vermutlich glauben zumindest in Österreich einige, Schwahnsche Regel sei ein anerkannter sprachwissenschaftlicher Terminus Technicus.

Obwohl wir durchregneten und uns verliefen, habe ich eine schöne Erinnerung an einen Wandertag mit Grillen von ausgezeichneten Würstchen am offenen Feuer; wie es v. W. gelang, dieses zu entzünden, weiß ich nicht mehr.

Weitere LehrerInnen

Lehrerinnen, die ich leider nie oder nur kurz vertretungsweise hatte: Tilmans Mutter, eine der Lieblingslehrerinnen meines Bruders, den ich deshalb glühend beneidete, und Magda Riebe, früh ergraut (lag nicht an uns, sondern an der Genetik) und immer munter, außerdem eine große Tierfreundin, die mancher Tierheimkatze ein liebevolles Zuhause schenkte. Von den Lehrern, wie bereits gesagt, Neitzel und Fauth; zu kurz hatte ich Wolfgang Natonek und Lothar Scheithauer.

Kurzschuljahre, Teilung und Zusammenlegung der Klassen

Die ersten beiden Schul jahre am MPG waren Kurzschuljahre: Wir wurden nach den Osterferien 1966 eingeschult und im November alle automatisch versetzt; das zweite Schuljahr endete vor den Sommerferien, und dann ging es wie heute üblich weiter.

Jetzt ein unangenehmes Thema: meine erste Gymnasialklasse, die 5a, war viel zu groß. In der 10. wurden wir geteilt, was viel angenehmer war; leider blieben am Ende der 11. zu viele sitzen oder zogen um. Deshalb wurde die ehemalige 11 a 1 geteilt; die eine Hälfte kam zur ehemaligen 11 a 2, was kein Problem war, neun von uns hingegen zur ehemaligen 11 b, was wirklich ungerecht war, denn wir hatten mit Latein angefangen, und die ehem. 11 b fand zu Recht, sie seien dadurch im Rückstand. Die offizielle Reaktion von Block war, wir seien dafür in Englisch zurück, aber Tamm sagte mir 10 Jahre später, das sei eine katastrophale Fehlentscheidung gewesen. Wir alten a-ler wurden nicht gemobbt, aber ausgeschlossen, was mir nicht weh getan hätte — auch ich sah die Unfairness —, wenn sich nicht meine bis vor kurzem beste Freundin, Martina Hegermann, an dem Boykott beteiligt hätte. Wie Tamm ebenfalls sagte, hätten wir schon in der 12. die Klassenfahrt machen müssen. Tatsächlich hat die Fahrt nach Rom alle Barrieren abgebaut, und Petra und ich wurden richtig gute Freundinnen, vor allem während des Studiums.

11 12

Eine schöne Erinnerung: Das Fliegenlassen von Papierfliegern aus dem obersten Stock der Luisenschle in der Baurat-Gerber-Straße. Legendär waren die aerodynamischen Eigenschaften von "Neomystik II", so genannt, da aus einem Blatt mit Grundwissen zu diesem Thema gestaltet (nicht von mir). 13


1 J. H.: Was die Populärkultur anbetrifft … Frau Hegerfeld, unsere Englisch-Fachkraft (na ja), hatte die erfreuliche Idee, uns ein feines Lied zur Diskussion stellen zu lassen. Ich brachte Lola von den Kinks. Frau Hegerfeld entging die offensichtliche Tatsache, dass es sich bei Lola keineswegs um ein weibliches Wesen handelt(e).

2J. H.:

Nach meiner Erinnerung verdiente sich Käsewilli seinen Namen dadurch, dass er hartnäckig, manchmal schuhlos, seine Käsemauken auf dem Pult plazierte.

O. W.: Ah, da hast du wahrscheinlich recht. Gerlach selber bezog seinen Namen aber sicher auf seinen Kittel, und da diese Etymologie jedem, der ihm auf dem Flur begegnete, unmittelbar einleuchtete, hat sie sich mir eben eingeprägt. In sprachwissenschaftlicher Hinsicht ist dieser Name also überdeterminiert. Ich selber hatte ihn nie.

3J. R.: Romfahrt 20.-31. März 1974

4J. R.: Die arme Ratte ersoff, weil jemand von uns einen Stein vor die Mündung des Regenrohres, in das sie sich geflüchtet hatte, geschoben hatte und es danach regnete.

5J. H.: Joachims unzählige Referate, die Goldbach klaglos geschehen ließ, brachten dem fleißigen Mitschüler den Spitznamen ‚Goldvogt‘ ein. Einige von uns hat er so entnervt, dass wir ihm sein Täschlein mit den Referaten stibitzten. Ich weiß nicht mehr, wie bald wir ihn es wieder finden ließen.

6Natonek war ein begeisterter Kegler.

7 J. R.: Ich habe noch Natoneks pathetische Rhetorik im Ohr: Äch aber frare Säh: Jlaubn Sä wärkläch, ……… DASS ………

8J. R.: Cárola im Bíkini am Pázifik

9Boestfleisch

10J. R.: Kurt Meyer-Borchert, genannt Enzio [de]https://de.wikipedia.org/wiki/Qu%C3%A4kerschule_Eerde

11

Andreas Koltze:

Bei den vielen Erinnerungen verschiebt sich manchmal doch ein wenig, und so erlaube mir hinsichtlich der Klassentrennung und Zusammenlegung eine kleine Korrektur.

Ja, es ist richtig, dass wir im April 1966 mit insgesamt 40 (!) Schülern und Schülerinnen am MPG in der Klasse 5a starteten. In der als Anlage beigefügten Liste sind alle Namen aufgeführt und auch die folgende Entwicklung.

Die 5-te und 6-te Klasse waren in der Tat die Kurzschuljahre mit automatischer Versetzung und ab dem Herbst 67 ging es dann im heutigen Rythmus weiter.

Durch Wegzug und auch Sitzenbleiben verkleinerte sich zwar die A- Klasse anzahlmäßig ein wenig, bekam aber nach der 8-ten Klasse einen Schwung von rund 11 Sitzenbleibern hinzu, sodass die Klasse nunmehr in die A1 und A2 aufgeteilt wurde. Den Schlüssel für die Aufteilung der Klassen hatte Achim Block als Schulleiter. Die A1 Klasse mit nur den besten Schlülern/-innen als Elite-Klasse und Vorzeige-Klasse beim Kultusministerium in Hannover und der Rest in die A2. Auf Befindlichkeiten wie Freundschaften wurde keine Rücksicht genommen.

Am Ende der 11-ten Klasse war dann die A1 derart geschrumpft, sodass Handlungsbedarf bestand. Aus der Trennung zur 9-ten Klasse hatte Achim Block gelernt und folgenden Plan: Alle verbleibenden Schüler und Schülerinnen der Klassen A1, A2 und B sollten in einen Topf und auf dann nur noch zwei Klassen verteilt werden. Hierzu sollte jeder Schüler/-in einen Zettel ausfüllen mit insgesamt drei oder vier Namen derer, mit denen man zusammen bleiben wollte.

So gut der Plan war, aber die A2 boykottierte den Plan (Martin Cramer war Klassensprecher und vertrat die A2 gegenüber der Schulleitung) und weigerte sich die Zettel auszufüllen. Die B-Klasse konnte für dieselbe Haltung gewonnen werden und bei der A1 füllte ein Block von 4/5 Schülern/-innen sich gegenseitig aus mit dem Wunsch zur A2 zugeschlagen zu werden.

Somit wurde nach langem Zaudern von Achim Block nur die A1 auf die A2-Klasse und B-Klasse verteilt. Während es in der 12A keine Probleme gab, hatte die 12A/B Klasse hingegen zwei Probleme:

Zum einen meuterten die Eltern der alten B-Klasse, dass der Zensurenschnitt Ihrer Kinder durch die "Elite" A1 Schüler/-innen drohte schlechter zu werden, und zum anderen die unterschiedlichen Kenntnisstände bei Latein, Griechisch und Französisch. Der Ablauf des ersten Elternabends in der neuen 12 A/B Klasse dürfte legendär gewesen sein.

12JR: Der Elternabend zur Zusammenlegung der Klassen fand am Donnerstag, dem 23.11.1972, im Gasthaus Berge in Elliehausen statt. Ich war als Schülerratsvertreter auch anwesend.

13J. R.: Die flog immerhin die 140m bis zur Bühlstraße. Meine Versuche mit asymmetrischen Modellen, von denen ich mir einen Bumerang-Effekt versprochen hatte, führten dem gegenüber leider nicht zu vorzeigbaren Ergebnissen.

NN

Hier könnte dein Betrag stehen

Bitte dazu eine E-Mail mit dem unformatierten Text an mailto:juergen.regel@gmx.de senden.

Bilder und Töne

Andreas Koltze: Einschulung 1966

Die folgenden Fotos machte unser damaliger Mathematiklehrer Herr Kirchner im Mai 1966, da er sich 40 (!) Namen nicht auf einmal merken konnte :-)). Andreas Koltze hat sie bereitgestellt.

Zum Vergrößern anklicken.

MPG Mai 1966 Bild 1-1

1966-05_Einschulung/MPG Mai 1966 Bild 1-1.jpg

MPG Mai 1966 Bild 2-1

1966-05_Einschulung/MPG Mai 1966 Bild 2-1.jpg

MPG Mai 1966 Bild 3

1966-05_Einschulung/MPG Mai 1966 Bild 3.jpg

MPG Mai 1966 Bild 4

1966-05_Einschulung/MPG Mai 1966 Bild 4.jpg

MPG Mai 1966 Bild 5

1966-05_Einschulung/MPG Mai 1966 Bild 5.jpg

Andreas Koltze: Klassentreffen

Andreas Koltze hat die Fotos bereitgestellt.

Zum Vergrößern anklicken.

50-jähriges Abiturjubiläum am 7. September 2024 in Göttingen

Klassentreffen/Koltze Jubiliäum 50 Jahre 1.jpg Klassentreffen/Koltze Jubiliäum 50 Jahre 2.jpg Klassentreffen/Koltze Jubiliäum 50 Jahre 3.jpg Klassentreffen/Koltze Jubiliäum 50 Jahre 4.jpg

Frühere Klassentreffen in Göttingen

Klassentreffen/IMG_3777.jpg Klassentreffen/IMG_3865.jpg Klassentreffen/IMG_3866.jpg Klassentreffen/IMG_3867.jpg

Sonstige Fotos

Bilder/1974 Kollegium.jpg Bilder/PICT0001.JPG Bilder/PICT0002.JPG Bilder/PICT0003.JPG 1

Siehe auch 1966-05_Einschulung


1J. R.: Andreas, es fehlen noch Hinweise auf Zeit, Ort und Personen.

Magdalena Fuchs: Klassentreffen 2009 und Reise nach Griechenland

Klassentreffen 2009

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Gruppenfoto unseres Klassentreffens von 2009 in Berlin. Leider weiß ich nicht mehr, wer das Foto gemacht hat, bzw. mit wessen Kamera.

Gruppenfoto

Bilder/Fuchs01.jpg

Immer von links nach rechts:

Dreierbild

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Auf dem Dreier-Bild von vorne: Carl Clemens Andresen, Martin Cramer, EC Schnell

Griechenland Herbst 1974

Bilder/Fuchs03.jpg Bilder/Fuchs04.jpg Bilder/Fuchs05.jpg Bilder/Fuchs06.jpg Bilder/Fuchs07.jpg Bilder/Fuchs08.jpg

Magdalena Fuchs mit Wolfgang Fressel

Bilder/Fuchs09 Magdalena Fuchs mit Wolfgang Fressel.jpg

Bilder/Fuchs10.jpg Bilder/Fuchs11.jpg Bilder/Fuchs12.jpg Bilder/Fuchs13.jpg Bilder/Fuchs14.jpg

Matthias Brunnert

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Carola Koltze

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Magdalena Fuchs

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Stefan Hupka, Andreas Koltze

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Herr Mattner, Andreas Koltze, Martin Cramer

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Gruppenfoto

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Von rechts nach links: Stefan Hupka, Hans Christoph Götz, Martin Cramer (mit Kamera), Harald Popplow, Christine Brenner, Carl Clemens Andresen, Wolfgang Fressel und Michael Bartlau

Magdalena Fuchs

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Wolfgang Fressel

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Vor der Rückreise nach Deutschland

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Vor der Rückreise nach Deutschland Proviant besorgt: riesige Maisbrotlaibe

Angelika Zintl

Bilder/Fuchs24.jpg

… zur Erinnerung

Magdalena Fuchs, die Fotografin

Bilder/Fuchs25.jpg

Michael Hautsch:Reise der 13a/b nach Rom 1974

Bilder/1974-03 Hans-Detlev Müller und Jürgen Regel in Rom.jpg

1974-03 Jürgen Regel (links) und Hans-Detlev Müller (in der Mitte) und in Rom

Siehe auch 1966-05_Einschulung

Jürgen Regel: Souvenirs und Tonaufnahmen

Stundenplan

Bilder/1971-1972Stundenplan.png

Schülersonderzug nach Frankfurt am Main, 1971-05-05

Bilder/1971-05-05 Fahrkarte Schülersonderzug Frankfurt.jpg

Berlinfahrt im März 1972

Bilder/1972-03-04WühlmäuseBerlin.jpg Bilder/1972-03-09Rücktauschbescheinigung.jpg Bilder/1972EintrittDDR.jpg Bilder/1972-03-09 Berliner Ensemble.jpg Bilder/Eintrittkarte Schloss Charlottenburg.jpg

Tanzinstitut Frobenius

Bilder/Ausweis Frobenius.png Bilder/Ausweis Frobenius Rückseite.png Bilder/1972 Kursuskarte Frobenius.jpg Bilder/1972-09-20 Jungenmangel bei Frobenius.jpg

Tonaufnahmen

Henning Hennig

Henning Hennig genannt Gammel: Verkündigung der Zensuren der Deutscharbeit

Heimlich aufgenommen vermutlich Anfang 1973

Claus Goldbach

Claus Goldbach: Predigt über Theologie, Philosophie, Kunst und den Sinn des Lebens

Heimlich aufgenommen Anfang 1974. Nach über 8 Minuten erlöst uns Uwe Sommer, indem er zum neuen Thema Zugverbindungen nach Rom wechselt.

Joachim Schwahn: Zeichnungen

Karikaturen

Bilder/SchwahnKarikatur1.jpg Bilder/SchwahnKarikatur2.jpg Bilder/SchwahnKarikatur3.jpg Bilder/SchwahnEinstein.jpg

In meinen Zeichenmappen bin ich auf ein bemerkenswertes Blatt mit Karikaturen einiger unserer Lehrer gestoßen. Damit habe ich mir damals wohl einigen Frust von der Seele gezeichnet.

Auf dem Blatt Wer kennt diesen Mann? sind außer Trittel und Scheibe auch noch Gerken (unten, mit Bürsten-Frisur) und Labusch (links, im Profil, Brille und Knollnase) zu sehen. Der Rest sind wohl Erfindungen.

Das vierte Blatt zeigt die Erfahrung, die Albert Einstein zur Einsicht führte, dass Raum und Zeit gekrümmt sind.

Aquatinta-Radierung

Bilder/SchwahnAquatintaRadierung.jpg

Hier noch ein weniger erheiterndes Blatt, entstanden im Kunst Unterricht bei Herrn Meier, eine Aquatinta Radierung. Ich fürchte, sie stellt mein damaliges Lebensgefühl in der Schule dar. Habe mich damals viel mit Edward Munch und Edgar Allan Poe beschäftigt, deren Motive bzw Erzählungen so düster und tiefgründig sind.

Rainer Stockmann: Reise der 13a/b nach Rom 1974

Durch Klicken werden die Bilder vergrößert.

Rom

Hannelore, Petra, Malte, Marjolaine, Uwe, Jürgen

Bilder/Romfahrt-1974-Hannelore,Petra,Malte,Marjo,Uwe,Jürgen.jpg

Herr Goldbach

Bilder/Romfahrt-1974-Hr.Goldbach.jpg

Joachim, Marjolaine, Malte, Jürgen, Thomas

Bilder/Romfahrt-1974-Joachim,Marjo,Malte,Jürgen,Thomas.jpg

Uwe und Malte

Bilder/Romfahrt-1974-Uwe,Malte.jpg

Marjolaine,Otta

Bilder/Romfahrt-1974-Marjo.Otta.jpg

Uwe,Dierk

Bilder/Romfahrt-1974-Uwe,Dierk.jpg

Die Gruppe

Bilder/Romfahrt-1974_0001.jpg

Rainer vorm Colosseum

Bilder/Romfahrt-1974-Colosseum.jpg

Joachim,Jan,Michael,Dierk,Hannelore>

Bilder/Romfahrt-1974-Colosseum-Joachim,Jan,Michael,Dierk,Hannelore.jpg

Hannelore,Uwe

Bilder/Romfahrt-1974-Hannelore,Uwe.jpg

Jürgen Kramer,Hajo

Bilder/Romfahrt-1974-JürgenKramer,Hajo.jpg

Klosterinnenhof

Hannelore,Petra,Malte

Bilder/Romfahrt-1974-Klosterinnenhof-Hannelore,Petra,Malte.jpg

Petersdom

Petra,Uwe

Bilder/Romfahrt-1974-Petersdom-Petra,Uwe.jpg

Ostia Antica

Thomas und Jan

Bilder/Romfahrt-1974-OstiaAntica-Thomas,Jan.jpg

Hannelore,Uwe,Petra,Jan,Michael

Bilder/Romfahrt-1974-OstiaAntica-Hannelore,Uwe,Petra,Jan,Michael.jpg

Jan.jpg

Bilder/Romfahrt-1974-OstiaAntica-Jan.jpg

Petra Thiel: Klassentreffen, Theater-AG

Klassentreffen 2009

Bilder/2014 Jubiläum 40 Jahre C-Klasse mit Petra.jpg

Das 40jährige Jubiläum bei Michael Krocker in der Baurat-Gerber-Straße war wirklich eine gelungene Party. Damals feierten nur die ehemaligen Klassen C; Christine hatte mich dazu eingeladen.

Theater-AG

Bilder/Biedermann.jpg

Das Plakat hatte unser Kunstlehrer Meyer-Borchert gestaltet.

Texte

Weiterführende Texte

  1. Aus der Rede zur Einweihung des Schulgebäudes 1884
  2. Andreas Koltze: Das Aulagemälde
  3. Dorothea Trittel: Abgehängtes Gedenken
  4. Einladung zur Einweihung der Ehrentafel
  5. Klassen-Entwicklung, siehe auch Wenskus, Otta: Teilung und Zusammenlegung der Klassen und Andreas Koltzes Anmerkung dazu.
  6. Hausordnung von 1970
  7. Elisabeth von Thadden: Göttingen 77, Hannover 96 (Trittel), Artikel über Günter Trittel, DIE ZEIT 27.03.2003 Nr.14
  8. Rainer Nickel: Gedanken zu einer Flurlandschaft (26.01.2011)

Privat

Fats Waller (Komponist),

Jürgen Regel (Klavier):

Ain't misbehaving

Souveniers aus der Tanzstundenzeit (Institut Frobenius)

Aus dem Tagebuch

Bilder/Ausweis Frobenius.png Bilder/Ausweis Frobenius Rückseite.png Bilder/1972 Kursuskarte Frobenius.jpg Bilder/1972-09-20 Jungenmangel bei Frobenius.jpg Bilder/1972-10-10 Ich hole Irmela von der Luisenschule ab.jpg

1972-03-04 Tanzpartnerin für den Abschlussball

Ich suchte noch ein Mädchen für den Abschlussball. Mehrere, die ich fragte, waren schon vergeben.

…Irmela aber gab ihrem Tischherrn einen Korb, obschon er bereits auf der Liste der Frau Benius eingetragen war. Mit seiner Zustimmung wurde er ausradiert und ich an seine Stelle geschrieben. Wir beide, Irmela und ich, waren gleichermaßen froh darüber. Bis zum Schluss tanzten wir beide zusammen; dann begleitete ich sie auf dem Wege zum Bahnhof ein Stück.

1972-04-22 Abschlussball des Tanzkurses

Um 17:09 Uhr fuhr ich mit dem Bus 4 zum Markt, stieg dort aus und ging schnellen Schrittes zum Bahnhof, weil der Eilzug (Abfahrt in Adelebsen um 17:07 Uhr) schon um 17:27 Uhr in Göttingen ankommen sollte. Irmela stand mit ihrem Bruder links an dem Stand für Süßigkeiten. Ach, du bist doch noch gekommen! sprach sie. (In der Schule hatte ich versprochen, sie abzuholen.) Ich erklärte ihr, dass mein Bus anders als erwartet 5 Minuten später abgefahren war. Wir drei gingen daraufhin los, durch den Tunnel, dann durch die Goetheallee; Irmela und ich hatten bald einen großen Vorsprung vor ihrem Bruder gewonnen. Ich legte meinen Arm um sie; sie wollte das nicht, weil ihr Bruder, der ja hinter uns ging, dies sehen könnte. Bei einer Ampel holte uns ihr Bruder ein.

Als wir in die Jüdenstraße einbogen (dort war die Straße aufgerissen), sprachen wir davon, dass Mädchen älter werden als Jungen. Als sie sagte, das finde sie gar nicht so schlecht, meinte ich, um das Thema zu wechseln, Ja, für dich.

Als ich Appenberg1 sah, machte ich die Bemerkung: Du bist hier wohl als Kellner eingestellt! Mich kannst du gar nicht bezahlen, ich nehme 100% Bedienung!

Während Irmela sich noch einmal kämmte, packte ich die Blumen aus und belegte mit einem anderen Jungen einen Platz ganz hinten auf der rechten Empore. Dann holte ich sie ab und führte sie hinauf. Etwa um 18:15 Uhr gingen wir hinunter, ich zuerst, zur Blumen-Polonaise. Eltern und Schüler tanzten abwechselnd; dazwischen lagen kurze Tanzpausen. Wir tranken an dem Abend je zwei oder drei Flaschen Cola oder Fanta. Einmal lehnte sie sich , als sie den tanzenden Paaren zusah, weit über den Rand des Balcons. Ich sagte:

Das sieht ja gefährlich aus.

Als sie wieder zurücktrat, sagte sie: Das wäre dir wohl recht, dann bist du mich los. Ich aber hatte an ihr kurzes Kleid gedacht.

Als wir tanzten, ärgerte sie sich, dass sie ein kurzes Kleid anhatte, die anderen Mädchen aber lange, obwohl sie sich vorher abgestimmt hatten, kurze Kleider zu tragen.

Mehrere Tanzspiele wurden zwischendurch veranstaltet. Die Mädchen mussten ihren linken Schuh ausziehen und ihn in der Mitte auf einen Haufen werfen. Dann wurde ein Foxtrot getanzt, bei dem das Mädchen ihren linken Fuß auf den rechten des Partners stellen musste. Sobald die Musik aufgehört hatte zu spielen, musste jeder Junge einen Schuh nehmen und das dazu passende Mädchen suche und mit ihm tanzen. Auch die Eltern mussten einmal aufgefordert werden.

In den Pausen umarmte ich sie und machte ihr Komplimente. Sie fragte, wozu ich das tue. Ich sagte: Weil ich dich gern habe. Machst du das mit jedem Mädchen so? Du denkst ja das Schlimmst von mir.

Auf den Mund küssen lässt sie sich nicht. Jetzt grinst du, weil du nicht erreicht hast, was du wolltest!

Nachdem der Ball vorüber war (2 1/2 Stunden), wollte ich sie noch zu ihrer Mutter bringen. Beinahe hätte sie meine Blumen in der Vase stehen lassen — sie wollte ja auch sonst nichts von mir annehmen. Ihre Mutter — sie stellte mich ihr vor — ist genauso klein wie sie.

1972-04-24

Irmela war heute in der Schülerbücherei. 2 Christoph Kleinschmidt und Achim Vogt waren auch anwesend. Sie hat mich zum ersten Mal geküsst. Ich muss überlegen, wie ich sie treffen kann.

1972-04-27

In der Aula sah ich die Abstimmung über das Misstrauensvotum. Mit Schwahn hatte ich um 10 Pfg gewettet, die CDU werde es nicht schaffen, Mit H. D. Müller, um eine Cola, sie werde es schaffen, Brandt zu stürzen.

Irmela rief mich an. Sie will mich morgen besuchen und am Sonnabend in der ersten Stunde.

1972-04-28

Irmela hatte heute schon nach der vierten Stunde Schulfrei. Nachmittags ging ich mit ihrem Bruder zu Montanus und Karstadt.

1972-04-29

Um 8:10 Uhr ging ich mit Irmela in die Stadt, küsse sie auf den Mund. Ins Kino können wir nicht gehen. Sie sagt, sie sei Jungfrau.

Ich habe sie eben angerufen und wegen Mittwoch gefragt. Vielleicht kommt sie früher. Zweiter Abschlussball (des Donnerstag-Kurses).

1972-05-02

Unsere Klasse hat einen neuen Klassenraum zugewiesen bekommen. Ich habe Irmela mehrmals getroffen. Sie wird morgen mit dem späteren Zug (17:27 Uhr) in Göttingen eintreffen. Schüler-Club-Frobenius.

1972-05-03

Irmela ist nicht mit dem 17:27-Zug gekommen, sondern von ihrem Vater gebracht worden, was ich nicht wusste. Nach einem Stadtbummel (Karstadt, Montanus) kamen wir zu Frobenius. Es wurde fast nur laute Beat-Musik gespielt. Erster kleiner Zungenkuss. Heidelberg kontrollierte meine Karte. Danach fuhr sie mit dem 19:44 Triebwagen nach Hause.

1972-05-06

In der ersten Stunde mit Irmela bei der Stadthalle.

1972-05-07

Eigentlich hätte ich heute Irmela besuchen sollen, doch ihr jüngerer Bruder wird als Konfirmand vorgestellt.

1972-05-08

Um 15 Uhr mit Irmela auf dem Jahrmarkt.

1972-05-12

Deutschaufsatz 4 Stunden, 15 Uhr Klavierstunde, 16 - 18 Uhr Franzöisch

Ich habe Irmela angerufen und mich mit ihr für morgen verabredet. Wir wollen eventuell am Montag oder Dienstag ins Kino gehen.

1972-05-13

In der ersten Stunde gab mir Irmela die Twen-Witze, 2. Band und bekam dafür von mir das Lexikon der Erotik (humoristisch)

1972-05-16

Waldlauf mit Achim Vogt. Zwei geklaute Eisenkugeln bringen wir zu Herberhäuser Sportplatz. Wiederholung Algebra I abgeschlossen.

Irmela ruft mich gegen Abend an. Vielleicht kann ich sie am Samstag besuchen kommen. Ihre Mutter hat nichts dagegen.

1972-05-27

Waldlauf alleine. Neuen Eisenbahnfahrplan abgeschrieben. Morgen geht es nicht, weil ihre Eltern fort sind. Ihre Mutter ist aus optischen Gründen dagegen.

1972-05-29

Erster Schultag nach den Ferien. Mit Irmela im Film Kampf um Rom (Teil 1).

1972-05-30

Im Schach gewann ich gegen Christoph Kleinschmidt.

Ich versuchte, eine Partnerin für den Ball des zweiten Tanzkurses zu finden.

Tanzstunde: Nr. 1 ist vergeben, weitere Bemühungen zwecklos. Rainer Stockmann fragte mich, als aufgefordert werden sollte, ob Nr. 2 da sei. Als Antwort drehte ich mich um und tanzte mit ihr. Sie geht zur Gerhard-Hauptmann-Realschule, heißt Marianne Vogel und wohnt in Elliehausen. In der Pause saß sie bei Rainer; ich saß bei einem anderen Mädchen. Jürgen Kramer aus der 11b (der Klasse H. D. Müllers) tadelte mich: Gestern sei ich noch mit Hans-Detlefs Schwester in Kino gegangen, heute spendiere ich einem anderen Mädchen Cola.

Als ich Marianne über Rainer ausfragte, fragte sie zurück: Wer ist Rainer?

1972-05-31

Irmela wird nicht in den zweiten Teil des Kampfes um Rom gehen, weil sie in der Schule viel zu tun hat.

Kleinschmidt habe ich in 14 Zügen mit dem Turm mattgesetzt (er benötigte gestern 23).

H. D. Müller hat alles über Irmela und mich in der Klasse 11b 'rumerzählt.

1972-06-03

In der ersten Stunde ist Irmela nicht da.

1972-06-04

Fahrt mit Horns nach Schluft im Harz. Ich faulenzte und las im Stechlin bis Seite 186. Gegen Herrn Horn spielte ich eine Partie Schach und nahm trotz eines Mehrbauern das Remie an. Als wir weiterspielten, gewann ich. Heute morgen drückende Schwüle, am Nachmittag Hagelschauer.

Irmela hat, wie ich, vorerst keine Zeit, weil sie drei Arbeiten in dieser Woche schreiben muss. Im Kugelstoßen und Weitsprung bin ich unglaublich schlecht.

1972-06-06

Frobenius: In der Pause war Rainer mit Marianne zusammen und tanzte mit ihr Beat, den sie am liebsten tanzt. Ich brachte sie im Regen zum Central, wo sie mich verabschiedete. Weder sie, noch Irmela oder Andrea hatten etwas dagegen, in den Arm genommen zu werden. Maureen ist mithin ein Sonderfall.

1972-06-09

Rainer 3 hat eine neue Freundin: Annette Dießelhorst aus der 9a unseres Gymnasiums.

Gönnerhaft bot er mir an:

Marianne kannst du morgen haben.

1972-06-10

Irmela war auch heute nicht in der Bücherei.

Rainer hat sich der Annette Dießelhorst zugewandt und mir dafür Marianne Vogel überlassen. Sie war heute sehr schweigsam, wahrscheinlich, weil sie schlechte Laune hatte. Sie tanzte nicht gern.

Um 22:30 Uhr fuhr ich zusammen mit Bärbel Rohrbach mit der Linie 4 nach Hause.

Mädchen sind bestimmt nicht das Wichtigste in meinem Leben. Andererseite merke ich doch, was ich an Irmela gehabt habe (oder noch habe?). Ich muss mich mehr um sie kümmern.

1972-06-14

Die Scheiß-Griechischarbeit ist doch schlechter als angenommen. Joachim Vogt hat sie zu Recht geschwänzt.

1972-06-22

Irmela hat mich vielleicht doch nicht vergessen. Heute sah ich sie an der Schultür. Mit ihren Sommersprossen sieht sie süß aus.

1972-06-27

Arbeit in der Bücherei. Vogt schwänzt wieder einmal Latein unter dem Vorwand, für die Bundesjugendspiele 1000m gelaufen zu sein.

Tanzstunde. Marianne Vogel habe ich bis zu Deuerlich gebracht. So blöde finde ich die Tanzstunde jetzt nicht mehr.

1972-06-28

Von Religion habe ich mich quasi abgemeldet. Mir erscheinen die neuen Themen nicht so interessant zu sein.

Ich habe die Griechischarbeit, die Vogt geschwänzt hat, zurück: 3+.

1972-06-29

Großer Deutschaufsatz über den Stechlin. Nach der Schule war vor dem Theater ein Unfall. Irmela hat eine drei in Latein.

Ich bereite mich gerade auf die morgige Französicharbeit vor. Klavierstunde, Frobenius — alles kommt zusammen.

1971-07-04

Bundesjugendspiele. Beim schon gelaufenen 1000m-Lauf erreichte ich das Ziel nach 3min 14s.

Die Tanzstunde verlief, wie fast immer, saumäßig. Rainer nennt mich einen komischen Kerl, weil er nicht versteht, warum ich mich so wenig für Marianne 4 interessiere. Er habe sie mir zu Gunsten Annette Diesselhorsts überlassen. Der Abschlussball soll am 15 Juli 72 sein.

1972-07-05

Mathematikarbeit gebrochene rationale Funktionen. In Kunst wird man mir eine 2 geben. Meine Plastik (Mensch) wird mit 3 zensiert.

Irmela will mich morgen in der zweiten besuchen. Sie reitet, erhält Nachhilfe und Gitarrenstunde. Sie hat mir das Lexikon der Erotik zurückgegeben, ohne es gelesen zu haben.

1972-07-07

In der Lateinarbeit habe ich wieder einmal 2, Vogt 4, Stockmann 2 (Er bekommt alse keine 1 im Zeugnis.

Mit Christiane bin ich nach Hause gefahren.

1972-07-10

Joachim Vogt schwänzt Französisch und arbeitet stattdessen mit mir in der Bücherei. Dorthin bringen ihm Christoph Kleinschmit und Joachim Schwahn seine Französischarbeit, darunter steht: 5 - 1 = 6 5 Er will sich beim Französisch-Kurs nicht mehr blicken lassen. Auf Kleinschmidts Rat und gegen meinen hat er sie mitgeschrieben.

1972-07-11

Tanzen. Marianne sei in Hamburg, sagt ihr Bruder. Der Abschlussball findet am 15.7.1972 um die übliche Zeit statt.

1972-07-12 Mi

Am Montag werde ich mich mit Irmela treffen, beim Jahrmarkt.

1972-07-15

Ich fragte Hannelore Lehmann, ob gestern Französisch stattgefunden hätte. Anscheinend ist niemand gekommen. Sie sah sexy aus. Große Brüste, Bauchnabel frei, Zehen rot lackiert.

In der letzten Griechischstunde vor den Ferien hörten wir eine Platte mit der Apologie des Sokrates, gesprochen von Werner Kraus. Vogt hält sein Antisemitismus-Referat.

Morgen soll ich Irmela anrufen.

Der Abschlussball des Hospitantenkurses. Tischdame: Marianne Vogel. In etwa das Übliche. Sie flirtete mit Appenberg, was mich nicht störte. Ich liebe jetzt nur Irmela. Rainer tanzte mit Annette Dießelhorst.

1972-07-17

Die Bücherei wird an die Mädchen aus zwei zehnten Klassen übergeben.

Um 16 Uhr treffe ich Irmela vor dem Schützenplatz. Wie schon das letzte Mal scheucht sie mich durch alle Karussells (Boogie Woogie, Achterbahn, Geisterbahn. Ich bringe sie noch zum Zug nach Adelebsen (044 Dampflok). In den großen Ferien fährt sie für zwei Wochen nach Jugoslawien. Wir werden uns gegen Ferienende treffen können. Ich sollte ihr eine Karte aus dem Urlaub schreiben! Ihre Hobbys: Klavierspielen (neu) und Gitarrespielen, Reiten (sie ist tierlieb). Sie bekommt jetzt Nachhilfestunden.

1972-07-26 Brief als Anwort an Ansichtskarte

Bilder/1972-07-26 Irmela an Jürgen 0.jpg Bilder/1972-07-26 Irmela an Jürgen 1.jpg Bilder/1972-07-26 Irmela an Jürgen 2.jpg Bilder/1972-07-26 Irmela an Jürgen 3.jpg Bilder/1972-07-26 Irmela an Jürgen 4.jpg

1972-09-01

Der Griechischunterricht ist miserabel. Herr Tamm kümmert sich nicht um unseren Klassenrest. 6

Irmela habe ich nach in der Pause nach der vierten Stunde vor der Luisenschule getroffen. Wegen ihres schlechten Zeugnisses wollen ihre Eltern nicht, dass sie an einem Tanzkurs teilnimmt.

1972-09-06

In der Aula der Schule sehen wir, die Klassen ab 10., die Übertragung der Trauerfeier. 7

Irmela ärgert sich auch, dass sie nicht tanzen darf.

Um sechs Uhr bin ich im Schüler-Club-Frobenius. Rainer und Bulu 8 sind auch da, um sich als Hospitanten eintragen zu lassen, gehen aber bald, nachdem sie festgestellt haben, wie blöd die ganze Sache ist, weg. Rainer und ich spielen uns gegenseitig Schlager auf dem Klavier vor (Tango Blauer Himmel, Gaudeamus igitur). Einmal tanzt Andrea Wittig mit mir. Rainer wundert sich, dass ich in dem Laden so gut bekannt bin. Als es auch mir zu blöd wird, gehe ich nach Hause.

1972-09-08

Französisch bei Mademoiselle Jacquot geht weiter. Ich war der einzige; deshalb fiel es aus.

Ich ärgere mich darüber, dass Irmela jetzt auf einmal nicht tanzen darf. Das hätte sie mir auch früher sagen können, sodass ich Ersatz gefunden hätte. Marianne oder Andrea kommen nicht in Frage, weil ich besonders jene zum Kotzen finde. Wie ich am Mittwoch gemerkt habe, ekelt mich aber schon die ganze Atmosphäre bei Frobenius an.

1972-09-14

Ich muss mich um Irmela kümmern. Sie hat keine Schuld daran, dass wir uns so selten sehen dürfen; denn ihre Eltern wollen nicht, dass sie sich in der Schule verschlechtert. Allerdings hat sie sich in den Ferien nicht gemeldet, weil sie angeblich Besuch hatte.

Meine Eltern sind noch weg. Ich esse in der Gaststätte Dalmatien.

Nachmittags Französisch. Nur Otta Wenskus, Christiane Hotz und Hannelore Lehmann sind gekommen. Mademoiselle Jacquot hat dummerweise meinen Spickzettel gesehen, aber wahrscheinlich nichts gemerkt. Mit Christiane fuhr ich nach Hause. Sie hält unsere Klasse für ziemlich gut.

Habe Irmela angerufen. Sie hat die Grippe. In ihrem Klassenbuch habe ich gesehen, dass sie als krank eingetragen war. Ihrer Mutter habe ich nichts in Bezug auf das Tanzen sagen können.

1972-09-18

mit überragender Mehrheit werde ich zum Schülerratsvertreter erkoren. Aus jeder der Klassen 9 - 13 sind (oder sollen) zwei Schüler, die nicht Klassensprecher zu sein brauchen, in den Schülerrat delegiert. Aus meiner Klasse ist noch Wolf Albrecht dabei. Die Klassenfahrt kommt zur Sprache.

Wie auch Klaus Heidelberg bestätigt hat, ist bei Frobenius ein noch nie dagewesener Mädchenüberschuss.

1972-09-25

Elternabend (mit mir als Schülervertreter). Die Eltern der B-Klasse fürchten um die guten Noten ihrer Kinder, vor allem in Latein, wo mein Klassendrittel den anderen voraus ist.

1972-09-26

Ich beschäftige mich mit der Wahl meines Studiums. Folgende Möglichkeiten kommen in Frage:

  1. Physik
  2. Chemie
  3. Falls alle Stricke reißen — klassische Philologie
  4. (Wirtschaft)
  5. Lehrer
  6. Jura
  7. Mathematik

Ich sehe langsam ein, dass es sinnlos sein dürfte, ein Fach zu studieren, für das ich nicht die optimalen oder wenigstens leidlich günstige Voraussetzungen der Ausbildung mitbringe. Mathematik kommt deswegen nicht in Frage. 9

Bei mir ist die Berufswahl eine schwierige Entscheidung. Rainer wird einmal Arzt werden, das steht so gut wie fest. Joachim Vogt hat gute Chancen, einmal der beste Geschichtsstudent in Göttingen zu sein. Es ist überhaupt besser, man spezialisiert sich früh auf ein Fach, als wenn man zwar im Durchschnitt gut ist, aber nirgends hervorragende Leistungen zeigt.

1972-09-27 Mi

Ich habe mich wieder bei der Tanzstunde angemeldet. Es gibt die Kurse Dienstag, Donnerstag, Freitag. Für den Dienstag-Kurs habe ich mich eintragen lassen. Der Kursus für Fortgeschrittene begann heute um 19 Uhr nach einem Anfängerkursus.

Opa ruft gegen Abend an: Oma hat heute morgen einen Herzanfall gehabt.

1972-09-28 Do

Ich bereite mich auf die Griechisch-Arbeit morgen vor. Im Fernsehen: Franzosen und Deutsche: Warum ist es am Rhein so schön? Vogt nennt Petra meine Freundin.

1972-09-29 Fr

Nach der Französisch-Stunde bin ich mit Christiane 10 zur Hospitalstraße und dann alleine nach Hause gegangen. Sie lernt jetzt Neugriechisch. Ich halte das nicht für sinnvoll, zumal sie schon Englisch und Französisch lernt.

Ich werde mich im Fach Griechisch anstrengen müssen. Bei der Arbeit heute hatte ich eine Menge einfach übersehen.

1972-10-02 Mo

Schachspiel gegen Hans-Detlef verloren.

1972-10-04 Mi

Griechisch-Arbeit 2+, zweitbeste Arbeit der Klassen nach Otta.

1972-10-05 Do

Petra reißt Zoten, als Goldbach in seiner bereits im Religionsunterricht zu Tage getretenen Art erklärt haben will, was voluptas bedeutet. Sie macht den Witz, dass Jürgen Kramer gern mit Hannelore 11 schlafen würde, schränkt dann aber ein, dass sie nicht möchte, dass ihr dann das Frühstück hochkommt. Er macht darauf den Witz, ich würde mit Petra schlafen.

1972-10-07 Sa

Ich arbeite am Referat über die Psychologie der Macht.

1972-10-09 Mo

In der Schule hab ich mit Joachim Schwahn und Hans-Christoph Kleinschmidt Schach gespielt und verloren. So schlecht bin ich noch nie gewesen. In der Übungsarbeit habe ich wie erwartet eine zwei (Petra und Hannelore auch 2, ebenso Christine, Otta, Rainer, Kleinschmidt.

1972-10-10

Ich habe Irmela von der Luisenschule abgeholt. Sie beglückwünschte mich zum Geburtstag, obwohl ich ihn noch gar nicht feiere. Sie konzentriert sich auf die Schule und hat nicht einmal mehr Zeit für Hobbys. Den Fortschrittkurs will sie nicht mitmachen, weil es ihr keinen Spaß macht. Verständlicherweise hat sie keine Lust nachmittags noch einmal nach Göttingen hineinzufahren. Das wird sich auch nicht ändern, wenn sie in der Schule besser wird. (Eine Arbeit hat sie nocht nicht geschrieben.) Ich werde sie nur noch selten treffen können. Rainer wird heute nachmittag zum neuen Tanzkurs kommen. Von einer F2-Besucherin habe er einige Jive-Schritte gelernt. (Carola Wüst?) Er habe sie beim Tanztee kennengelernt. Sie hat den Vorteil, dass sie in der Nähe wohnt. Als ich Rainer von Irmela erzählte, war er erstaunt.


Bilder/1974-03 Hans-Detlev Müller und Jürgen Regel in Rom.jpg

1Eintänzer

2Ich war Bibliotheksschüler.

3Stockmann

4Vogel

5weil er erwischt wurde, als er von mir abschrieb. Mathematisch inkorrekt.

6Die Klassen wurden zusammengelegt.

7Anschlag auf die Olympischen Spiele

8Uwe Sommer

9Das studierte ich dann ab dem dritten Semester und machte darin mein Diplom.

10Christiane Hotz

11Hannelore Lehmann

Inhalt

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Anekdoten

Jan Hauenstein

Klaus Heidelberg

Malte Lücke

Hans-Detlef Müller-Mahn

Jürgen Regel

Thomas Schmidt

Joachim Schwahn

Petra Thiel

Otta Wenskus

NN

Inhalt

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