Jubiläum Abitur 1974
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Liebe Otta,
ich bin beeindruckt, wie detailgetreu du dich erinnern kannst und zugegeben ein wenig gerührt, dass du unsere in Rom begonnene Freundschaft erwähnt hast. So langsam erinnere ich mich wieder an die Romreise.
Mir geht es ja ähnlich wie Detlef beschrieben hat. Die letzten Schuljahre waren für mich reines Mittel zum Zweck, um mit dem Abiturzeugnis endlich in die Freiheit entlassen zu werden. Dass das Mathestudium dieser Freiheit gewisse Grenzen setzen würde, ahnte ich da noch nicht.
Mit den Mathematiklehrern Neitzel und Gerken hatte ich am MPG Glück.
Die beiden Jahre bei Käsewilli waren mathematisch gesehen ein Reinfall, aber er bereitete mich immerhin darauf vor, mich an die Diskriminierungen zu gewöhnen, die Frauen noch in den Siebzigerjahren im Mathestudium erleben mussten. Käsewilli lobte mich nämlich nicht für meine Beiträge in Mathe, sondern beschimpfte meine Mitschüler. Sie sollten sich schämen, dass ein Mädchen besser sei als sie. Das war mir damals sehr peinlich und weitaus schlimmer als seine stinkende Zigarre, die er regelmäßig auf der Fensterbank deponierte.
Ich habe kaum Erinnerungen an die letzten beiden Schuljahre, mein Vater hingegen pflegte seine bis ins hohe Alter. Er hatte sich als Elternvertreter gegen die Klassenzusammenlegung eingesetzt und wurde dafür von A. Block vor den übrigen Eltern als töricht
abgekanzelt.1 Mein Vater hatte es als damals gewagt, die zu erwartende Ungleichheit aufgrund der unterschiedlichen 2. Fremdsprachen als Argument zu verwenden.
Die Kränkung saß so tief, dass mein Vater den Rest seines Lebens tunlichst vermied, Dr. Block grüßen zu müssen. Dafür wechselte er in Göttingen sogar die Straßenseite, wenn er gelegentlich diesem Herrn begegnete. Natürlich erzählte er mir davon, so dass ich nun auch eine kleine Anekdote beisteuern kann.
Anstelle weiterer Anekdoten liefere ich eine kleine Bilddokumentation zur Theater AG, die mir Janny Levin vor einiger Zeit gescannt und geschickt hat. Das Plakat hatte unser Kunstlehrer Meyer-Borchert gestaltet. 2
1J. R.: Elternabend am 25. September 1972, [de]A. Block
2J. H.: Es folgten einige jpegs, die sich nicht öffnen lassen.
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