MPG-Logo.png Jubiläum Abitur 1974 OHNE FLEISS KEIN PREIS          KRAFT IM ARM          LEHRE GIEBT EHRE          GOTT DIE EHRE          DEORSUM NUMQUAM          DIC CUR HIC          NON MIHI SED PATRIAE          PRINCIPIIS OBSTA          ODI PROFANUM VULGUS          NON SCHOLAE SED VITAE          NE QUID NIMIS          SAPERE AUDE

Otta Wenskus

  1. Frau Behrends (Englisch)
  2. Herr Biehl (Altgriechisch)
  3. Herr Boestfleisch (Geschichte, Religion)
  4. Herr Breitkreuz (Englisch)
  5. Frau Fürbringer (Biologie) und andere gute Lehrerinnen
  6. Herr Gerken (Mathematik)
  7. Herr Gerlach (Chemie)
  8. Herr Goldbach (Latein) und die Klassenfahrt nach Rom
  9. Frau Hasubek (Biologie, Chemie, Sport)
  10. Frau Hegerfeld
  11. Herr Hennig (Deutsch), Herr Schimanski (Deutsch)
  12. Herr Labusch (Latein) und Herr Fauth (Altgriechisch)
  13. Frau Liewald (Sport)
  14. Herr Mattner (Altlgriechisch)
  15. Herr Natonek
  16. Frau Ostermann und die Klassenfahrt nach Hemeln
  17. Herr Scheibe (Mathe, Geographie)
  18. Herr Schuseil (Latein)
  19. Herr Schwarz (Altgriechisch)
  20. Herr Tamm (Altgriechisch)
  21. Herr Trittel (Deutsch, Geschichte)
  22. Herr Vosberg (Kunst)
  23. Herr v. Wedemeyer (Latein)
  24. Weitere LehrerInnen
  25. Kurzschuljahre, Teilung und Zusammenlegung der Klassen

Lehrerinnen, die ich leider nie oder nur kurz vertretungsweise hatte: Tilmans Mutter, eine der Lieblingslehrerinnen meines Bruders, den ich deshalb glühend beneidete, und Magda Riebe, früh ergraut (lag nicht an uns, sondern an der Genetik) und immer munter, außerdem eine große Tierfreundin, die mancher Tierheimkatze ein liebevolles Zuhause schenkte. Von den Lehrern, wie bereits gesagt, Neitzel und Fauth; zu kurz hatte ich Wolfgang Natonek und Lothar Scheithauer,

Frau Behrends (Englisch)

In der 10.oder 11. hatte die 10 (oder 11) a1 Englisch bei der durchaus fähigen Frau Behrends (Orthographie nicht ganz sicher), welche dieselbe Frisur trug wie Gundel Gaukeley. Peter Berg, ein brillanter Karikaturist, machte auch eine Zeichnung von ihr mit Entenschnabel. Einmal dauerte es etwas mit der Rückgabe einer Klassenarbeit; von uns befragt, erklärte Gundel, sie könne ja schließlich nicht hexen. Nie habe ich unsere Klasse so vor Lachen brüllen hören; wir konnten uns die ganze Stunde nicht beruhigen. Gundel verstand natürlich nicht, warum. Das kommt davon, wenn man die Populärkultur vernachlässigt. 1

Herr Biehl (Altgriechisch)

Zum Thema historisch-vergleichende Sprachwissenschaft: Von diesem Thema hatte unser ansonst langweilige zweiter Griechischlehrer, Werner Biehl, sehr viel Ahnung, und dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Später bekam ich auch seine Ausgabe von Euripides' Orest in die Hand, welche die schlechten Rezensionen vollauf verdiente. Dennoch hat er wissenschaftlich ungleich mehr geleistet als Blacky, dessen Dissertation man heute nicht einmal als Bachelorarbeit akzeptieren würde. Sicher, es gibt in Deutschland eine seltsame Diskrepanz zwischen den sinkenden Anforderungen im Grundstudium der philologischen Fächer und den absurd hohen Ansprüchen, die heute an Dissertationen gestellt werden, aber dieses Geschwafel vom lockeren Erosknaben hätte man auch damals nicht durchgehen lassen sollen - fand auch Karl Deichgräber, ein Kollege von B.s Betreuer, dem ich auch die Information verdanke, ein Vergleich mit H.O.Schwarz habe bei dessen Kommilitonen als ehrenrührig gegolten. B. erzählte uns auch, er habe sich nur deshalb für das Studium der klassischen Philologie entschieden, weil die LV-Räume des betr. Seminars am besten beheizt waren.

Herr Boestfleisch (Geschichte, Religion)

Von den Lehrern, die ich tatsächlich hatte, war wohl Boestfleisch der menschlich unangenehmste. Damals waren wir ja noch nicht so sensibel für das Thema sexuelle Belästigung, aber was er mit einigen kleinen, niedlichen Schülern tat (vor unseren Augen setzte er sie ein oder zwei Mal auf seine Knie), würde man heute sofort so bezeichnen.

Herr Breitkreuz (Englisch)

Herr Breitkreuz, der sich unsere Namen nicht merken konnte, hatte die bizarre Angewohnheit, zwecks Aufrufens auf jemanden zu zeigen und Your neighbour, please! zu sagen. Ob der linke oder der rechte, blieb unklar, war B. aber offenbar egal. Hauptsache, irgendjemand antwortete.

Frau Fürbringer (Biologie) und andere gute Lehrerinnen

Wirklich gute Lehrerinnen: Marjolaine Jacquot hat uns in sehr kurzer Zeit viel beigebracht; ich mochte sie sehr gern. In der Oberstufe hatten wir großartigen Biologieunterricht: bei Frau Koch , Frau Krückeberg , Frau Fürbringer und Frau Hasubek .

Jutta Fürbringer war auch sehr witzig; der folgende Dialog mag dies zeigen:

F.: Was gibt es für bewegliche Pflanzen?

Einer von uns (ich glaube Thomas): Äh, Farne und Moose.

F., entgeistert: Warum denn?

E.v.u.: Die haben doch keine Wurzeln!

F.: Aber deshalb huschen sie doch nicht von einem Baumstamm zum anderen!

Herr Gerken (Mathematik)

Ich war bei ihm in Mathe (wg. Panik in Klassenarbeiten) manchmal knapp an der 5; trotzdem stellte sich während meines Referendariats heraus, dass er mich als gute Schülerin gesehen hatte. Das lag wohl daran, dass mich dieses Fach wirklich interessierte; der Eindruck festigte sich, als er auf meine Lieblingsmatheaufgabe 'reinfiel:

(a-x)(b-x)(c-x) und so weiter bis (z-x). Lösung bitte innerhalb von 10 Sekunden.

Meine Zweitlieblingsaufgabe kannte ich damals leider noch nicht …

Herr Gerlach (Chemie)

Die meisten Lehrer kannten ihre Spitznamen und gaben dies auch zu, v. a. Käsewilli, so genannt wegen seines durchlöchterten Chemiker-Kittels. Da die Genese der Löcher nicht ungefährlich war, hatte er ein den letzten Jahren Experimentierverbot.

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Herr Goldbach (Latein) und die Klassenfahrt nach Rom

Unsere Romreise 3 hätte schon Oktober 1973 stattfinden sollen und wurde wegen Cholera verschoben. Wir wären zwar nicht hingesiecht, aber es wäre alles zu gewesen.

Uns begleitete nicht Tamm (aus privaten Gründen, wie er rätselhaft sagte), obwohl der ja unser Klassenlehrer war, sondern Claus Goldbach, … und die als einzige des Italienischen kundige Marjolaine Jacquot, die wir bald duzen und Marjo nennen durften.

Unsere Unterkunft befand sich in einem Kloster, in der das albergo damals noch integriert war, mit dem sperrigen Namen: Monastero delle oblate agostiniane di Santa Maria dei sette dolori. Es befand sich nicht, wie der Projekt frech behauptete, "am Fuße des Aventin", sondern klebte an einer Stützmauer des Gianicolo. Ich war froh, dass ich keine Halbpension gebucht hatte; bei den zwei Malen, als ich dort aß — einmal Hühnchen komplett mit Füßen und Kopf, einmal die greulichsten Nudeln, die ich je gegessen habe, und von denen Petra Thiel zu Recht sagte: Sieht aus, riecht und schmeckt, als habe da jemand 'reingekotzt.

Das unangenehmste waren zweifellos die riesigen Ratten, klar Rattus norvegicus, ein Problem, das Rom erst seit dem 17. Jahrhundert hat (vorher gab es nur die gelegentliche Hausratte). Einmal steckte eine unten in der Regenrinne (tot); da ich inzwischen etwas Italienisch gelernt hatte, wurde losgeschickt, um die Nachricht zu verkünden: C'è un ratto morto nella grondaia. Als ich gerade um die Ecke bog, kam mir jemand mit der Ratte (an einem Stock) entgegen; meinen gellenden Schrei hieltet ihr für verständlich.

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In dem Rattenhof haben wir auch ein paar Mal recht gemütlich gesessen und gesungen; ich bin Detlef immer noch dankbar, dass er mir Scarborough Fair beigebracht hat.

Viele Sehenswürdigkeiten bekamen wir nicht zu sehen, da unangekündigt zu, u. a. die vatikanischen Museen und die Villa Giulia. Der Zäheste von uns war Joachim Vogt, gefolgt von der unsportlichen, aber ausdauernden O. W. und Goldbach. Joachim Vogt übertrieb den Eifer sogar in meinen Augen; er erbat und erhielt von Goldbach die Erlaubnis, am Ende eines harten Tages noch mal schnell die aurelianischen Mauern zu umrunden (zwischen 20 und 30 km). Spätestens da erkannten alle, dass ich keine echte Streberin bin; zu dem Thema später. Joachim wollte unser ohnehin volles Programm immer wieder ausdehnen; der Ausruf: Ich hasse Vogt erscholl immer wieder, zumal er darauf bestand, dass wir ihm bei seinen zahlreichen Referaten zuhörten.

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Frau Hasubek (Biologie, Chemie, Sport)

Frau Hasubek war mir schon deshalb ans Herz gewachsen, weil sie als einzige derer, die mangels Sportlehrerinnen auch Sport unterrichteten, klar erkannte, dass z.B. O.W. wegen der typisch weiblichen Valgusstellung der Unterarme (X-Arme) nicht gut werfen kann, woran auch das intensivste Training nichts ändern können würde. Den Chemieunterricht bei ihr fand ich auch sehr interessant, trotz geringer Begabung für dieses Fach, und sehr nett fand ich, dass sie 1988 zu meiner Antrittsvorlesung kam: Der Mensch als Tier besonderer Art im Denken der Antike.

Lehrreich und stimmungsvoll war der Besuch des Alten botanischen Gartens mit ihr.

Frau Hegerfeld

Was die Lehrer insgesamt betrifft, erinnere ich mich an Magdalena Fuchs' cri de cœur: Ich habe diese hässlichen alten Zwerge satt! Ich will endlich einen jungen, hübschen Lehrer! Tja, daraus wurde nichts; mit Lehrerinnen sah es anders aus. Aber davon hatten wir Mädchen ja nichts …

Eleganz suchte man auch bei den Damen meist vergebens. Den Nadir erreichte Frau Hegerfeld. Martinas Theorie, unsere Englischlehrerin habe mit verbundenen Augen in den Kleiderschrank gegriffen, musste modifiziert werden, da Birgit H. Tag für Tag das Gleiche trug; die einzelnen Bestandteile waren durchaus o.k., aber die Kombi nicht.

Herr Hennig (Deutsch), Herr Schimanski (Deutsch)

Gammel habe ich natürlich auch immer im Gespräch über ihn so genannt, außer einmal aus Gründen des Reimzwanges:


Der brave Deutschlehrer Hennig

trägt jeden einzelnen Pfennig

in lauter Geschäfte

für Bücher und Hefte,

doch trotz aller Anstrengung penn ich.


Er war nicht der ideale Deutschlehrer, hielt offenbar Gliederungen für extrem wichtig, aber immerhin war er ein Kafka-Fan (bin ich zwar nicht, aber ich verstehe, dass manche das sind) und hatte sich einen kleinen Odradek gebastelt. Viel gelernt habe ich bei ihm nicht, aber mehr als in Klasse 5 und 6 bei Herrn Schimanski , der sich nie unsere Namen merken konnte. Ich war für ihn meist Jutta; Johannes von Stietencrohn (Klasse meines Bruders Rupert) hatte 7 verschiedene Alias-Namen, mit denen er dann auch von uns angeredet wurde - u.a. "Siebenkorn" und "Siebenzorn". Joachim Meinhard (auch Klasse meines Bruders) hieß meist "Neidhardt".

Herr Labusch (Latein) und Herr Fauth (Altgriechisch)

Für mich sehr wichtig war auch Sieghard Labusch , der mein nach Klasse 5 völlig erloschenes Interesse an Latein wieder weckte (in der 9. hatte ich mal eine solide 5 geschrieben). Ich übertrug die Erkenntnis, dass die Römer schließlich auch Latein gelernt hatten, auf Griechisch, wo ich trotz Blackys sagenhafter Faulheit bald ganz gut wurde. Aber Wolfgang Fauth , wohl der bedeutendste Gelehrte am MPG, weigerte sich, Klassen zu übernehmen, die vorher B. gehabt hatten. Ich konnte das Versäumte dann auf der Uni nachholen, wo ich zwei Hauptseminare bei ihm machen konnte. Fauth, der wie manche chronisch Kranke uralt wurde, sah aus wie ein Vampir in Zivil; die Teilnehmer an seiner Vorlesung ( 20.15 - 21.45) über Antike Magie pflegten schreckensbleich aus dem Übungsraum zu taumeln, vor Allem als Fauth erklärte, bei der Ausübung schwarzer Magie dürfe man kein Metall am Körper tragen, und dabei seine Armbanduhr abnahm.

Frau Liewald (Sport)

Auch ein paar Limericks kann ich beisteuern; tief empfunden war folgender; die erste Zeite hat eine blöde Wortstellung; für Verbesserungen bin ich offen:


Hast Sportunterricht du bei Liewald,

so rate ich eines Dir: flieh bald!

Sonst sind alle Knochen

in Bälde gebrochen

und wahrscheinlich verrenkst du die Knie bald.


Anlass war: wir sollten über eine sehr wackelig aussehende Kastenkonstruktion springen. Ich weigerte mich; Carola lachte höhnisch, wollte der (ja, ja) unsportlichen Otta zeigen, was Sache war, und brach sich prompt den Arm.

Herr Mattner (Altlgriechisch)

Einige Junglehrer wirkten auf uns unangenehm verkrampft. Vermutlich hatten sie nur Angst. Später wurden einige von ihnen sehr beliebte Lehrer, etwa der sehr kluge Oskar Mattner, der mir im Referendariat eine echte Unterstützung war.

Herr Natonek

Unter den wirklich guten Lehrern ist zunächst Natonek 6 zu nennen, dessen Rolle im Widerstand gegen die Exzesse der DDR inzwischen auch in der ehemaligen gewürdigt werden. Als ich 2010 in Torgau war, sah ich auf der Ausstellung über dieses Thema als erstes sein Bild in Überlebensgröße! Er wirkte tatsächlich auf uns (ich hatte ihn leider nur kurz in der Oberstufe) durch seine menschliche Größe; anders kann man das nicht nennen. Was nichts daran änderte, dass wir seine Sprechweise imitierten; wie Sesemi Weichbrod in den Buddenbrooks war seine Aussprache der Vokale hyperkorrekt. Rupert erzählt oft und gern, dass N. auf einem Wandertag fragte: Est deser Zaun her elektresch? Ein Tippen an diesen Gegenstand klärte die Frage: Ja, deser Zaun est elektresch!

7

Frau Ostermann und die Klassenfahrt nach Hemeln

Gern erinnere ich mich an unsere Klassenreise mit Frau Ostermann nach Hemeln, 2 Tage Anfang Juni 1967. Wir 9 Mädchen machten am ersten Abend in unserem Zimmer (nur durch Reden und Lachen) viel Krach. Es spricht sehr für sie, dass sie uns dort erst unseren Spaß ließ, ohne einzuschreiten, und uns erst am Tag darauf milde bestrafte (ich musste das Treppenhaus ausfegen).

Unvergesslich ein Spaziergang im Bramwald, wo wir in einem Tümpel mehrere Teichmolche fingen (und freiließen); Reinhold Kickuth, der Terrarienspezialist, sogar einen Feuersalamander, der aussah wie aus Gummi.

Herr Scheibe (Mathe, Geographie)

Eine tiefe gegenseitige Antipathie bestand zwischen mir und Michael Scheibe. (Zunächst wirkte er etwas altväterlich, wurde dann aber lockerer, wie ich von den Mathe-Referendaren hörte.) In Erdkunde ließ er uns nur Graphen mit Niederschlagsmengen zeichnen, was mir lediglich vor Augen führte, dass es an manchen Orten mehr regnet als an anderen, und mit nassen Bindfäden die Länge der südamerikanischen Ästuare (im Atlas) nachmessen. Extrem unfair war, dass er mich zwang, denselben Rechenschieber zu benutzen wie alle anderen, obwohl ich so schlechte Augen habe und das greuliche Ding nicht ablesen konnte.

Er betonte Carolas Namen hartnäckig auf der ersten Silbe, ebenso Pazifik 8 (sprachhistorisch nicht haltbar). Er gehörte zu denen, die Antworten in ganzen Sätzen bevorzugten; ich war leider nicht dabei, als er bei einem Rodelnachmittag vom Schlitten fiel und seiner sehr netten Frau auf die Frage Mischa! Hast du dir wehgetan? mit gemessener Sprache antwortete: Nein, Silvia, ich habe mir nicht wehgetan! . So altväterlich er in jungen Jahren wirkte, so gut scheint er sich gehalten zu haben, denn vor einigen Jahren erschien er auf einem Abi-Treffen meines Bruders und sah etwa so alt aus wie seine ehemaligen Schüler. Als Michael Bührmann ihn fragte: Na, wer bist du denn? antwortete er schlicht Michael Scheibe.

Zu seiner Hyperkorrektheit fällt mir noch ein, , dass wir Klassenarbeiten nur mit Tinte schreiben durften; Kuli fand er schrecklich. Da ich mit den damals üblichen einfachen Füllern nicht zurecht kam (ich brauche schwere, solide Dinger mit haltbaren Federn), schmierte ich furchtbar; schließlich dachte ich, verboten kann das doch nicht sein und schrieb mit Kuli. Auf Scheibes Vorwurf argumentierte ich, ich sei einfach nicht gut genug in Mathe, um mich auch noch mit Füllern herumzuschlagen, und wies darauf hin, dass diese Arbeit um ein bzw. zwei Noten besser war als die vorigen.

Herr Schuseil (Latein)

Martin Schuseil, immerhin anderthalb Jahre als Fachbetreuer im Referendariat, war einer der wenigen Lateinlehrer, die nicht immer zuerst das Prädikat suchten; er hatte einen Schüler-Comic, der diese Praxis zu Recht angriff: Cicero deklamiert den ersten Satz seiner Rede für Roscius Amerinus; ein Zuhörer notiert die Partizipien, ein anderer die Konnektoren (also Konjunktionen und Pronomina), und am Schluß jubeln alle: "Das Prädikat! Jaaa! und jetzt das ganze nochmal von vorne!" Das habe ich später allen meinen Studenten weitergegeben. Anders Herr von Wedemeyer.

Herr Schwarz (Altgriechisch)

Blacky war im Vergleich mit ihm 9 harmlos. Als ich fand, er sei übertrieben zutraulich geworden, erzählte ich es meiner Mutter. Diese setzte ihren bedrohlichsten Hut auf, holte mich an der Klassenzimmertür ab und warf Blacky einen scharfen Blick zu. Danach hatte ich meine Ruhe.

Blacky gehörte zu der Art Lehrer, die zwar faul und inkompetent sind, aber auf Dauer nicht verhindern können, dass ihre Schüler etwas lernen. Dies schaffte in meinem Fall nur Frau Hilmer in Erdkunde. Es mag selektive Erinnerung sein, aber ich erinnere mich nur an die wissenschaftlichen Filme, die wir gefühlt jede Stunde sahen bzw. nicht sahen, da das Gesurre des Apparats, verbunden mit dem verdunkelten Zimmer, mich binnen kurzen zum Dösen oder sogar Schlafen brachte.

Herr Tamm (Altgriechisch)

Er bestand auf übertrieben wörtlichen Übersetzungen, vor allem des griechischen Potentialis, und antwortete auf (fast immer berechtigte) Fragen des Typs: Kann ich das auch mit...übersetzen? automatisch mit Das können Sie, aber ich kann das Ihnen als Fehler anstreichen. Mein Streben nach gutem Deutsch führte ein oder zweimal dazu, dass ich für eine Arbeit nicht die verdiente Eins bekam … Ich brachte es einfach nicht fertig, jeden Potentialis mit Ich könnte / möchte / dürfte wohl zu übersetzen.

Er war sonst ein guter Lehrer, nur manchmal wirklich unverschämt. Einmal kam Hannelore ein paar Minuten zu spät, und er stellte untergriffige Mutmaßungen über ihre Beziehung zu ihrem Freund an (Eckart, wenn ich nicht irre).

Einige seiner Angewohnheiten stellten sich, nicht als Ticks, sondern als Taktiken heraus (er war ja ehemaliger Berufssoldat), z. B. die, am Anfang der Stunde mit irgendwas laut auf den Tisch zu knallen. Das wollte er mir im Referendariat auch beibringen, umsonst, während einer seiner Tipps wirklich Gold wert ist: auch, wenn man an die Tafel schreibt, immer Augenkontakt mit der Klasse halten, nicht nur aus Misstrauen, sondern weil sich sonst niemand angesprochen fühlt.

Herr Trittel (Deutsch, Geschichte)

Trittel ist offenbar sehr unterschiedlich beurteilt worden; ich konnte wenig mit ihm anfangen, weil er das Sozialgeschichtliche zu sehr betonte. O.k. in Geschichte, aber in Deutsch? Klar, das ist auch für mein damaliges Lieblingsbuch (Fontanes Stechlin) wichtig, aber doch nicht nur. Ich habe mich sehr über mich geärgert, dass ich nicht den Vorschlag von Clemens unterstützt habe, stattdessen Hermann Kants Die Aula zu lesen; das hätte sicher viel mehr gebracht!

Zu den Referendaren waren wir als Schüler oft auch nicht nett, aber einer hatte es nicht anders verdient. Wir hatten bei Trittel schon Brechts Galileo Galilei durchgekaut und diesen Text herzlich satt; dann bestand besagter R. darauf, den noch einmal mit uns zu lesen. Wir haben dann seine Lehrprobe (einstimmiger Beschluss) boykottiert, indem wir eisern schwiegen.

Sehr brauchbar war Trittel hingegen auf unserer Berlinreise, März 1972 (wir wohnten in der Jugendherberge Nähe Tiergarten, Kluckstraße, nicht toll, aber verkehrsgünstig). Von seiner ersten Frau, die als Betreuerin für uns Mädchen mitgekommen war, lässt sich das nicht sagen; sie kümmerte sich nie um uns und war unglaublich vulgär. Nein, das schreibe ich jetzt nicht auf; ich erzählte es meinen Eltern, und meine Mutter erzählte es Tilmans Mutter. Diese war entsetzt und sagte im schönsten Nordeutsch: "Nein! Wie kann ein Mann sich nur so vertun!" Zu dem Schluss scheint T. auch gekommen zu sein; seine zweite Frau war später auch am MPG Lehrerin und als solche sehr beliebt, nur sah sie uns Referendarinnen als niedere Lebensformen an. Als ich einmal ganz harmlos sagte: Oh, was für eine hübsche Bluse - ist die von Bogner?, fauchte sie nur Das geht Sie überhaupt nichts an! Warum so viel Gift verschwenden und nicht Ja, Nein oder Keine Ahnung sagen?

Herr Vosberg (Kunst)

Wir sollten Mini-Skulpturen aus Alabaster herstellen. Wirklich gut war die Figur eines hockenden Mannes, Werk, wenn ich nicht irre, von Stephan Hupka. Dies ließ seinem Freund Clemens keine Ruhe; leider trieb er den Perfektionismus zu weit, und das Skulptürchen wurde kleiner und kleiner. Voßberg tobte: Nimmt der Kerl sich den größten und schönsten Stein von allen, und was kommt heraus? Eine lächerliche Maus! Siehe Horaz (parturiunt montes, nascitur ridiculus mus). Mir gelang ein Igel, den zwar Voßberg nicht besonders, ich aber ganz nett fand (er lebt noch immer).

Unangenehmer war die Bearbeitung von je einem Ytong-Block, mit Feilen, aber ohne Atemschutz; bei (wie schrieb er sich noch einmal?) Meier-Borchert? 10 Ich befürchtete immer, das Ding würde mir hinfallen; hurtig mit Donnergepolter entglitt mir der tückische Ytong , hätte ich dann gesagt.

Vosberg gab einigen von uns zwar geradezu beleidigende Noten (von meinen Bildern lobte er nur eines, ein in meinen Augen unsagbar scheußliches Machwerk), war aber wegen seines Unterhaltungswertes beliebt. In praktisch jeder Klasse ließ er diejenigen, welche der Versuchung erlegen waren, mit den Blechen zu klappern, die uns als Unterlage dienten, den Rest der Stunde diese Tätigkeit auszuüben (Satz endet hier). Wir verstanden nicht, warum er bei seinen collegae (ein Wort, welches das Gendern erspart) ausgesprochen unbeliebt war; Blacky kommentierte einst Brüllt herum wie eine Wildsau. Erst Jahrzehnte später erfuhr ich, dass V. ein strammer Nazi gewesen war - die naive Art, also kein Monster, aber eben ein Nazi.

Herr v. Wedemeyer (Latein)

Von Wedemeyers Prädikatsucherei (siehe Herrn Schuseil) war der Grund, dass meine Lateinzensur auf eine sehr schwache Drei absackte (booooring); wenn mir jemand am Ende der 9. gesagt hätte, ich würde das mal studieren...

Von Wedemeyer störte sich an meiner deutlich lesbaren, aber uneleganten Handschrift und der Tatsache, dass das Schriftbild durch zahlreiche Korrekturen entstellt war. Hätte ich damals schon mittelalterliche Handschriften literarischer Texte gekannt, (und nicht nur die dekorativen Dokumente) hätte ich eine gute Antwort geben können, vor Allem in einem denkwürdigen Fall, in dem er meine Arbeit um eine halbe Note herunterstufte. Seine eigene Handschrift war wunderschön, aber kaum zu entziffern.

Lieber Joachim, hier noch eine Erinnerung speziell an Dich: Du hattest den enorm nützlichen, von v. Wedemeyer Schwahnsche Regel getauften Merkvers für die lateinische Futurbildung — ja, was eigentlich? Geprägt oder eingeführt? Erste, zweite b, dritte, vierte e. Ich habe sie dankbar in allen Jahrzehnten meiner Berufstätigkeit weitergegeben; vermutlich glauben zumindest in Österreich einige, Schwahnsche Regel sei ein anerkannter sprachwissenschaftlicher Terminus Technicus.

Obwohl wir durchregneten und uns verliefen, habe ich eine schöne Erinnerung an einen Wandertag mit Grillen von ausgezeichneten Würstchen am offenen Feuer; wie es v. W. gelang, dieses zu entzünden, weiß ich nicht mehr.

Weitere LehrerInnen

Lehrerinnen, die ich leider nie oder nur kurz vertretungsweise hatte: Tilmans Mutter, eine der Lieblingslehrerinnen meines Bruders, den ich deshalb glühend beneidete, und Magda Riebe, früh ergraut (lag nicht an uns, sondern an der Genetik) und immer munter, außerdem eine große Tierfreundin, die mancher Tierheimkatze ein liebevolles Zuhause schenkte. Von den Lehrern, wie bereits gesagt, Neitzel und Fauth; zu kurz hatte ich Wolfgang Natonek und Lothar Scheithauer.

Kurzschuljahre, Teilung und Zusammenlegung der Klassen

Die ersten beiden Schul jahre am MPG waren Kurzschuljahre: Wir wurden nach den Osterferien 1966 eingeschult und im November alle automatisch versetzt; das zweite Schuljahr endete vor den Sommerferien, und dann ging es wie heute üblich weiter.

Jetzt ein unangenehmes Thema: meine erste Gymnasialklasse, die 5a, war viel zu groß. In der 10. wurden wir geteilt, was viel angenehmer war; leider blieben am Ende der 11. zu viele sitzen oder zogen um. Deshalb wurde die ehemalige 11 a 1 geteilt; die eine Hälfte kam zur ehemaligen 11 a 2, was kein Problem war, neun von uns hingegen zur ehemaligen 11 b, was wirklich ungerecht war, denn wir hatten mit Latein angefangen, und die ehem. 11 b fand zu Recht, sie seien dadurch im Rückstand. Die offizielle Reaktion von Block war, wir seien dafür in Englisch zurück, aber Tamm sagte mir 10 Jahre später, das sei eine katastrophale Fehlentscheidung gewesen. Wir alten a-ler wurden nicht gemobbt, aber ausgeschlossen, was mir nicht weh getan hätte — auch ich sah die Unfairness —, wenn sich nicht meine bis vor kurzem beste Freundin, Martina Hegermann, an dem Boykott beteiligt hätte. Wie Tamm ebenfalls sagte, hätten wir schon in der 12. die Klassenfahrt machen müssen. Tatsächlich hat die Fahrt nach Rom alle Barrieren abgebaut, und Petra und ich wurden richtig gute Freundinnen, vor allem während des Studiums.

11 12

Eine schöne Erinnerung: Das Fliegenlassen von Papierfliegern aus dem obersten Stock der Luisenschle in der Baurat-Gerber-Straße. Legendär waren die aerodynamischen Eigenschaften von "Neomystik II", so genannt, da aus einem Blatt mit Grundwissen zu diesem Thema gestaltet (nicht von mir). 13


1 J. H.: Was die Populärkultur anbetrifft … Frau Hegerfeld, unsere Englisch-Fachkraft (na ja), hatte die erfreuliche Idee, uns ein feines Lied zur Diskussion stellen zu lassen. Ich brachte Lola von den Kinks. Frau Hegerfeld entging die offensichtliche Tatsache, dass es sich bei Lola keineswegs um ein weibliches Wesen handelt(e).

2J. H.:

Nach meiner Erinnerung verdiente sich Käsewilli seinen Namen dadurch, dass er hartnäckig, manchmal schuhlos, seine Käsemauken auf dem Pult plazierte.

O. W.: Ah, da hast du wahrscheinlich recht. Gerlach selber bezog seinen Namen aber sicher auf seinen Kittel, und da diese Etymologie jedem, der ihm auf dem Flur begegnete, unmittelbar einleuchtete, hat sie sich mir eben eingeprägt. In sprachwissenschaftlicher Hinsicht ist dieser Name also überdeterminiert. Ich selber hatte ihn nie.

3J. R.: Romfahrt 20.-31. März 1974

4J. R.: Die arme Ratte ersoff, weil jemand von uns einen Stein vor die Mündung des Regenrohres, in das sie sich geflüchtet hatte, geschoben hatte und es danach regnete.

5J. H.: Joachims unzählige Referate, die Goldbach klaglos geschehen ließ, brachten dem fleißigen Mitschüler den Spitznamen ‚Goldvogt‘ ein. Einige von uns hat er so entnervt, dass wir ihm sein Täschlein mit den Referaten stibitzten. Ich weiß nicht mehr, wie bald wir ihn es wieder finden ließen.

6Natonek war ein begeisterter Kegler.

7 J. R.: Ich habe noch Natoneks pathetische Rhetorik im Ohr: Äch aber frare Säh: Jlaubn Sä wärkläch, ……… DASS ………

8J. R.: Cárola im Bíkini am Pázifik

9Boestfleisch

10J. R.: Kurt Meyer-Borchert, genannt Enzio [de]https://de.wikipedia.org/wiki/Qu%C3%A4kerschule_Eerde

11

Andreas Koltze:

Bei den vielen Erinnerungen verschiebt sich manchmal doch ein wenig, und so erlaube mir hinsichtlich der Klassentrennung und Zusammenlegung eine kleine Korrektur.

Ja, es ist richtig, dass wir im April 1966 mit insgesamt 40 (!) Schülern und Schülerinnen am MPG in der Klasse 5a starteten. In der als Anlage beigefügten Liste sind alle Namen aufgeführt und auch die folgende Entwicklung.

Die 5-te und 6-te Klasse waren in der Tat die Kurzschuljahre mit automatischer Versetzung und ab dem Herbst 67 ging es dann im heutigen Rythmus weiter.

Durch Wegzug und auch Sitzenbleiben verkleinerte sich zwar die A- Klasse anzahlmäßig ein wenig, bekam aber nach der 8-ten Klasse einen Schwung von rund 11 Sitzenbleibern hinzu, sodass die Klasse nunmehr in die A1 und A2 aufgeteilt wurde. Den Schlüssel für die Aufteilung der Klassen hatte Achim Block als Schulleiter. Die A1 Klasse mit nur den besten Schlülern/-innen als Elite-Klasse und Vorzeige-Klasse beim Kultusministerium in Hannover und der Rest in die A2. Auf Befindlichkeiten wie Freundschaften wurde keine Rücksicht genommen.

Am Ende der 11-ten Klasse war dann die A1 derart geschrumpft, sodass Handlungsbedarf bestand. Aus der Trennung zur 9-ten Klasse hatte Achim Block gelernt und folgenden Plan: Alle verbleibenden Schüler und Schülerinnen der Klassen A1, A2 und B sollten in einen Topf und auf dann nur noch zwei Klassen verteilt werden. Hierzu sollte jeder Schüler/-in einen Zettel ausfüllen mit insgesamt drei oder vier Namen derer, mit denen man zusammen bleiben wollte.

So gut der Plan war, aber die A2 boykottierte den Plan (Martin Cramer war Klassensprecher und vertrat die A2 gegenüber der Schulleitung) und weigerte sich die Zettel auszufüllen. Die B-Klasse konnte für dieselbe Haltung gewonnen werden und bei der A1 füllte ein Block von 4/5 Schülern/-innen sich gegenseitig aus mit dem Wunsch zur A2 zugeschlagen zu werden.

Somit wurde nach langem Zaudern von Achim Block nur die A1 auf die A2-Klasse und B-Klasse verteilt. Während es in der 12A keine Probleme gab, hatte die 12A/B Klasse hingegen zwei Probleme:

Zum einen meuterten die Eltern der alten B-Klasse, dass der Zensurenschnitt Ihrer Kinder durch die "Elite" A1 Schüler/-innen drohte schlechter zu werden, und zum anderen die unterschiedlichen Kenntnisstände bei Latein, Griechisch und Französisch. Der Ablauf des ersten Elternabends in der neuen 12 A/B Klasse dürfte legendär gewesen sein.

12JR: Der Elternabend zur Zusammenlegung der Klassen fand am Donnerstag, dem 23.11.1972, im Gasthaus Berge in Elliehausen statt. Ich war als Schülerratsvertreter auch anwesend.

13J. R.: Die flog immerhin die 140m bis zur Bühlstraße. Meine Versuche mit asymmetrischen Modellen, von denen ich mir einen Bumerang-Effekt versprochen hatte, führten dem gegenüber leider nicht zu vorzeigbaren Ergebnissen.