Latina Andreana I

IntroductioHistoria

XXV Annos

Jubilaeum XXV annorum

Historia

Anno post Christum natum millesimo nongentesimo nono conventus et mulierum et virorum, quibus lingua Latina cordi est, auctoribus Eva Maria Smolka et Kurt Gieseking primum factus est, ut libros Latinos legerent atque disserent. Quo ex tempore homines utrisque generis antiquarum rerum cupidi decimo quarto quoque die in mensibus hiemalibus conveniunt et operibus Latinis legendis delectant. Decem annis peractis series poetarum scriptorumque, quorum opera ab iis perlecta sunt, longa atque admirabilis est. Interea non modo libris legendis et ex Latino in Germanicum sermonem vertendis gaudent, sed etiam itinera et Romam et in Siciliam facientes delectaverunt. Proximo anno iis est propositum et Graeciam visitare. Qua re omnibus praeclarum, quod lingua Latina vel hodie hominibus quibusdam gaudio est et qualitati vitae utilis esse potest.

Quis negare possit, quin lingua Latina non mortua, sed vox viva (vivissima?) sit?!

Quelle: Jahresbericht 1999 des Gymnasiums Andreanum, Seite 30, Verfasser: Direktor Dr. Gieseking

Geschichte

Im Jahre 1989 nach Christi Geburt gründeten Eva Maria Smolka und Kurt Gieseking eine Gesellschaft von Frauen und Männern, denen die lateinische Sprache am Herzen liegt, auf dass sie lateinische Bücher läsen und erörterten. Seitdem kommen Menschen beiderlei Geschlechts - interessiert an alten Dingen - vierzehntäglich in den Wintermonaten zusammen und genießen es, lateinische Werke zu lesen. Nach zehn Jahren ist die Reihe der Dichter und Schriftsteller, deren Werke sie durchgelesen haben, lang und bewundernswert. Inzwischen erfreuen sie sich nicht nur am Lesen und Übersetzen aus dem Lateinischen ins Deutsche, sondern sind auch gern nach Rom und Sizilien gereist. Nächstes Jahr haben sie sich vorgenommen Griechenland zu besuchen. Woraus deutlich wird, dass die lateinische Sprache auch heute manchen Menschen ein Vergnügen ist und die Lebensqualität heben kann.

Wer möchte bestreiten, dass die lateinische Sprache nicht tot, sondern lebendig, ja quicklebendig ist?!

Übersetzt von J. Regel

Tempus fugit

Nun feiern wir das fünfundzwanzigste Jubiläum!

Historia Societatis

Historia societatis

Nach Vorbesprechung fand die erste Sitzung am 9.11.1989 im Telemannhaus statt. Zielgruppe sind Feierabendlateiner, nicht Fachlehrer; keine Belastung; halbjährig alle 14 Tage von den Herbst- bis zu den Osterferien; nach jedem Durchgang wechselt der Kursleiter.

Im Jahre 2001 gründete Herr Schulz die Latina II , die nach diesen Prizipien u. a. von ihm und den Herren Dr. Strube und Osterley weiter geführt wurde. Die Latina I traf sich nun ganzjährig unter der ständigen Leitung von Herrn Dr. Gieseking und hatte 18 Teilnehmer/innen.

Gelesene Literatur (in Auswahl)
Semester Kursleiter Autor Thema
1989 W Gieseking Mittelalterliches Latein Carmina Burana
Hymnen
Sequenzen
1990 W Blank Plinius der Jüngere Epigraphik (Vesuvausbruch)
1991 W Osterley Seneca Epistulae morales
1992 W Strube Thangmar De vita Bernwardi
1993 W Smolka Augustinus Confessiones
1994 W Rütters Q. Horatius Flaccus Satiren und Briefe
1995 W Gieseking Ovid Metamorphosen
1996 W Tiecke C. Sallustus Crispus De coniuratione Catilinae
Tacitus Annales
Germania
Agricola
1996 S Rütters Studienfahrt nach Rom und Pompei
1997 W Steinke Erasmus Laus stultitiae
1998 S E. Tiecke Seneca De vita beata
Tiecke Studienfahrt nach Sizilien
1998 W Neubaur Titus Lucretius Carus De rerum natura
1999 S Brockhoff Johannes Paulus II Fides et ratio
Hils Ovid Helena Paridi &c.
Brockhoff Plinius / Trajan Briefwechsel
1999 W Blank Tacitus Annalen
2000 S Brockhoff Luther / Melanchthon Briefwechsel
Confessio Augustana
Vulgata
Regel Lambert von Hersfeld(?) Carmen de bello Saxonico
Gieseking Studienfahrt nach Griechenland
2000 W Schulz Pico dela Mirandola & alii
2001 W Abspaltung der Latina II
Gieseking Vergil Aeneis
2002 S
Studienfahrt in die Türkei (von Instanbul bis Aspendos)
2002 W Unterrichtseinheit zur griechischen Sprache und Schrift
Cicero De officiis
2003 S
2003 W
2004 S Studienfahrt nach Kreta
2004 W Catullus Carmina
2005 S Horatius Carmina
Zweite Studienfahrt nach Rom
2005 W Livius Ab urbe condita
2006 S
2006 W Lukas Apostelgeschichte
Sueton Kaiserviten
2007 S Sueton Kaiserviten (Fortsetzung)
Fenske Studienfahrt nach Apulien
2007 W Gieseking Tacitus Tiberius
2008 S Benedictus XVI Missale Romanum
2008 W Horatius Saturae
2009 S Iulius Caesar De bello Gallico VI
2009 W Velleius Paterculus Varusschlacht

Gymnasii Andreani memoratio prima

Gymnasii Andreani memoratio prima

Testimonium

Sifridus archiepiscopus preposito et decano in Fridslaria salutem

Conventus sancti Andree Hildessemensis cum appellatione suas ad nos deferens iniurias nobis exposuit conquerendo, quod scolasticus maioris ecclesie eiusdem civitatis cum quibusdam aliis ipsum una cum suo scolastico in regimine puerorum molestat indebite et iniuste.

Unde vobis mandamus, ut predictum scolasticum efficaciter moneatis, quatenus antefatum conventum ulterius non perturbet. Quodsi vestris monitis non acquieverit, ipsum ad observantiam nostra auctoritate per censuram ecclesiasticam compellatis.

Data Moguntie Idibus Decembribus potificatus nostri anno XX quinto.


[de] Auszug aus einem Schreiben Sigfrieds II von Eppstein, des Erzbischofs von Mainz, an den Probst und Dechanten von Fritzlar, denen auch Hildesheim unterstand, aus dem Jahre 1225.

[de] DCCL Jahre später schrieb der Direktor des Andreanums an den Direktor des Josephinums:den Direktor des Josephinums:


Scolastico maioris ecclesie Georgio scolasticus St. Andree Curtius salutem

Ut tibi hanc epistulam legenti sit laetitia atque gaudio! Quam dissimilia illa tempora nostris temporibus. Fac ut valeas!

Erlass

Erzbischof Siegfried grüßt den Probst und Dechanten in Fritzlar

Der Konvent von St. Andreas in Hildesheim hat uns angerufen und wegen des ihm widerfahrenen Unrechts Klage vorgebracht, wie wir aus seinem Schreiben ersehen haben. Er hat uns dargelegt, dass der Scholaster des Domes jener Stadt zusammen mit einigen anderen ihn mitsamt seinem Schloaster in der Erziehung der Jungen in ungebührlicher und unrechtmäßiger Weise belästigt – entgegen dem Laterankonzil und den neuen feierlich verabschiedeten und in der römischen Kurie in unserer Gegenwart öffentlich verkündeten Bestimmungen.

Deshalb beauftragen wir euch, den vorgenannten Scholaster und seine Genossen wirksam zu ermahnen, sie sollten den erwähnten Konvent in Zukunft in Ruhe lassen. Wenn sie aber auf eure Ermahnungen in diesem Punkt nicht eingehen, so sollt ihr sie zur Beachtung dieser Bestimmungen, zu der alle verpflichtet sind, aufgrund unserer Autorität mittels der kirchlichen Zensur zwingen.

Gegeben zu Mainz, am 15. November, im 25. Jahr unseres Pontifikats.


Auszug aus einem Schreiben Sigfrieds II von Eppstein, des Erzbischofs von Mainz, an den Probst und Dechanten von Fritzlar, dem auch Hildesheim unterstand, aus dem Jahre 1225.

DCCL Jahre später schrieb der Direktor des Andreanums an den Direktor des Josephinums:den Direktor des Josephinums:


Den Leiter der Gymnasiums Josephinum, Georg, grüßt der Leiter des Gymnasiums Andreanum, Kurt

Viel Spaß und Freude beim Lesen dieses Briefes! Wie unterscheiden sich doch jene Zeiten von unseren. Alles Gute!

Carmen sociis itineris in Graeciam facti dedicatam

Carmen sociis itineris in Graeciam facti dedicatam

O Musae, filiae Iovis et pulchrae Mnemosynes,

Venite nunc hilares, canite nunc nobis,

quod aliis non semper videre dedistis Athenis

et aliis oppidis. Graecia pulchra erat!

Itaque nunc gratias caelestibus nos voveamus,

Omnes quod laetos corpora et animos

Tam mirabilium et hominum memores curaverunt.

Omnibus et vobis fata felicia det,

Omnibus nunc sociis faveat deus optimus noster!

Dr. Kurt Gieseking

Enzyklika auf Latein


engagiert in Kirche und Gesellschaft
Enzyklika auf Latein

Enzyklika auf Latein: Erwachsene drücken wieder die Schulbank

Übersetzung ab und zu „geschönt“

Lateiner beschäftigten sich mit Enzyklika

Sie treffen sich regelmäßig in den Räumen des Hildesheimer Gymnasiums Andreanum und beschäftigen sich mit einer Materie, um die sie als Schüler wohl lieber einen Bogen gemacht haben: Latein. Um den ehemaligen Superintendenten Johannes Brockhoff hat sich vor 15 Jahren ein Kreis von Erwachsenen gegründet, die nachvollziehen wollten, was ihre Kinder damals in der Schule lernten. Inzwischen sind die Kinder erwachsen, doch die Eltern gehen noch immer regelmäßig zur Schule. Zuletzt haben sie sich der Enzyklika „Fides et ratio“ angenommen.

Mancher liest flüssig, mancher kommt ein wenig ins Stottern. Absatz für Absatz geht die Gruppe das päpstliche Schreiben in der lateinischen Fassung durch, analysiert den Inhalt, bleibt immer wieder bei einzelnen Worten hängen. Die Übersetzung ins Deutsche fällt manchmal nicht leicht. „Oppinatio - heißt das nun ‚Meinung‘?“, fragt jemand. Sein Gegenüber zieht die französische Form zu Rate. „Da heißt es ‚hartnäckige Meinung‘!“

Erst zum Schluss folgt der Blick in die offizielle deutsche Übersetzung. Und der führt immer wieder zu Enttäuschungen. Vieles sei „ungeschickt formuliert“, meint eine Teilnehmerin. Brockhoff fügt hinzu: „Die Übersetzung ist ab und zu sehr frei und macht den Eindruck, als sei sie geschönt.“

(pe)

Dieser Beitrag von Matthias Petersen erschien im November 1999 in „engagiert in Kirche und Gesellschaft - Eine Beilage der Kirchenzeitung“ Nr. 10, Seite X. Er gibt nicht die Meinung der Mitglieder der Latina wieder, und für ihn wird keine Verantwortung übernommen.

Tempus Fugit (2008-12-08)

Tempus Fugit

Tempore praeterito citius inopinato

Finis adest autumni et anni, et antecedebant

Lectiones Tranquilli librorum Tiberii, qui

Primus erat dux Romani imperii.

Et tandem Benedicti edicta «missale Romanum».

Flacci finis erant saturae, quae specula nobis

Praebebant, ut vel sapientipotentes essemus.

Ludo amoto laudanda est GISELA nostra

Hospitio iterum nos recipiens benefice.

Omnibus et gratia sit, laus, cum semper adessent

Non metuentes grammaticam et translationem.

Datum a.d.VII.id.dec.

A.D. MMVIII

Kurt Gieseking

In Memoriam

In Memoriam

Gerhard Tiecke (Magister)

25. IV. 1955 ‒ 6. II. 2016


Johannes Brockhoff

8. V. 1929 ‒ 2. II. 2016


Kurt Lauenstein

1. XII. 1929 ‒ 31. I. 2009


Dr. Kurt Hils

4. VIII. 1919 ‒ 6. XI. 2006


Dr. Jürgen Brinkmann

25. VIII. 1942 ‒ 6. X. 2000


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Exempla Literarum

Alkuin: Salve, Roma potens

Alkuin: Salve, Roma potens

Salve, Roma potens, mundi decus, inclyta mater,

atque tui tecum valeant in secula nati;

et caput orbis, honor magnus, Leo papa valeto!

Tu quoque iustitiae sceptrum, lux sedis honoris,

perpetuis valeas Christo donante triumphis.

Claviger aetherius, doctor simul inclytus orbis,

te precibus pariter conservet semper ubique,

et quos Roma tenet circum sua moenia, sancti

vos precibus pariter sanctis tueantur ubique.

O patres, populus, Romanae gloria gentis,

semper in aeternum domino miserante valete!

Carmina burana, cignus

Cantus cigni (Carmina burana)

Cignus

Olim lacus colueram,

olim pulcher extiteram

dum cignus ego fueram

Miser, miser!

modo niger

et ustus fortiter!


Girat, regirat garcifer;

merogus urit fortiter:

propinat me nunc dapifer,

Miser, miser!

modo niger

et ustus fortiter!


Nunc in scutella iaceo,

et volitare nequeo,

dentes fendentes video:

Miser, miser!

modo niger

et ustus fortiter!


Hintergrundmusik ist die Tenor-Arie aus den Carminibus Buranis von Carl Orff, mit Dank übernommen von der Société d'art lyrique de l'Abitibi-Témiscamingue

Ingo Hanné bietet auf seiner Internetseite eine von ihm selbst gesungene Konzertversion zum kostenlosen Herunterladen an: http://www.irih.de/ihcounter/seine_musik.htm#Carl%20Orff:%20Carmina%20Burana .

Catulli carmina

Catulli carmina

I

Cui dono lepidum novum libellum

arida modo pumice expolitum?

Corneli, tibi: namque tu solebas

meas esse aliquid putare nugas,

iam tum, cum ausus es unus Italorum

omne aevum tribus explicare c(h)artis

doctis, Iuppiter, et laboriosis.

quare habe tibi quicquid hoc libelli,

qualecumque; quod, o patrona virgo,

plus uno maneat perenne saeclo.

II

Passer, deliciae meae puellae,

quicum ludere, quem in sinu tenere,

cui primum digitum dare appetenti

et acris solet incitare morsus,

cum desiderio meo nitenti

carum nescio quid lubet iocari

et solaciolum sui doloris,

credo ut tum grauis acquiescat ardor:

tecum ludere sicut ipsa possem

et tristis animi leuare curas!

III

Lugete, o Veneres Cupidinesque,

et quantumst hominum venustiorum.

passer mortuus est meae puellae,

passer, deliciae meae puellae,

quem plus illa oculis suis amabat:

nam mellitus erat suamque norat

ipsam tam bene quam puella matrem;

nec sese a gremio illius movebat,

sed circumsiliens modo huc modo illuc

ad solam dominam usque pipiabat.

qui nunc it per iter tenebricosum

illuc, unde negant redire quemquam.

at vobis male sit, malae tenebrae

Orci, quae omnia bella devoratis:

tam bellum mihi passerem abstulistis.

o factum male! o miselle passer!

tua nunc opera meae puellae

flendo turgiduli rubent ocelli.

IV

Phaselus ille, quem videtis, hospites,

ait fuisse navium celerrimus,

neque ullus natantis impetum trabis

nequisse praeterire, sive palmulis

opus foret volare sive linteo.

Et hoc negat minacis hadriatici

negare litus insulasve Cycladas

Rhodumque nobilem horridamque Thraciam

Propontida trucemve Ponticum sinum,

ubi iste post phaselus antea fuit

comata silva; nam Cyrotioin iugo

loquente saepe sibilum edidit coma.

Amastri Pontica et Cytore buxifer,

tibi haec fuisse et esse cognitissima

ait phaselus, ultima ex origine

tuo stetisse dicit in cacumine,

tuo imbuisse palmulas in aequore,

et inde tot per impotentia freta

erum tulisse, laeva sive dextera

vocaret aura, sive utrumque Iuppiter

simul secundus incidisset in pedem;

neque ulla vota litoralibus deis

sibi esse facta, cum veniret a mari

novissimo hunc ad usque limpidum lacum.

Sed haec prius fuere; nunc recondita

senet quiete seque dedicat tibi,

gemelle Castor et gemelle Castoris.

V

Vivamus, mea Lesbia, atque amemus,

rumoresque senum severiorum

omnes unius aestimemus assis.

soles occidere et redire possunt:

nobis cum semel occidit brevis lux,

nox est perpetua una dormienda.

da mi basia mille, deinde centum,

dein mille altera, deinsecunda centum,

deindeusque altera mille, deinde centum.

dein, cum multa milia fecerimus,

conturbabimus illa, ne sciamus,

aut ne quis malus invidere possit,

cum tantum sciat esse basiorum.

VIII

Miser Catulle, desinas ineptire,

et quod vides perisse perditum ducas.

fulsere quondam candidi tibi soles,

cum ventitabas, quo puella ducebat

amata nobis, quantum amabitur nulla!

ibi illa multa tum iocosa fiebant,

quae tu volebas nec puella nolebat.

fulsere vere candidi tibi soles.

nunc iam illa non vult: tu quoque, impote<ns, noli>

nec, quae fugit, sectare, nec miser vive,

sed obstinata mente perfer, obdura.

vale, puella. iam Catullus obdurat,

nec te requiret nec rogabit invitam.

at tu dolebis, cum rogaberis nulla:

scelesta, vae te! quae tibi manet vita?

quis nunc te adibit? cui videberis bella?

quem nunc amabis? cuius esse diceris?

quem basiabis? cui labella mordebis?

at tu, Catulle, destinatus obdura.

XXVII

Minister vetuli puer Falerni

inger mi calices amariores,

ut lex Postumiae iubet magistrae

ebriosa acina ebriosioris.

at vos quo lubet hinc abite, lymphae

vini pernicies, et ad severos

migrate: hic merus est Thyonianus.

XXXI

Paene insularum, Sirmio, Insularumque

ocelle, quascumque in liquentibus stagnis

marique vasto fert uterque neptunus,

quam te libenter quamque laetus inviso,

vix mi ipse credens Thyniam atque Bithynos

liquisse campos et videre te in tuto.

O quid solutis est beatius curis,

cum mens onus reponit, ac peregrino

labore fessi venimus larem ad nostrum,

desideratoque acquiescimus lecto?

Hoc est quod unum est pro laboribus tantis.

Salve, o venusta Sirmio, atque ero gaude

gaudente; vosque, o Lydiae lacus undae,

ridete quidquid est dome cachinnorum.

LXXXV

Odi et amo. quare id faciam, fortasse requiris.

nescio, sed fieri sentio et excrucior.

LXXXVI

Quintia formosa est multis, mihi candida, longa,

recta est. haec ego sic singula confiteor,

totum illud formosa nego: nam nulla venustas,

nulla in tam magno est corpore mica salis.

Lesbia formosa est, quae cum pulcherrima tota est,

tum omnibus una omnis subripuit veneres.

XCII

Lesbia mi dicit semper male nec tacet umquam

de me: Lesbia me dispeream nisi amat.

quo signo? quia sunt totidem mea: deprecor illam

assidue, verum dispeream nisi amo.

LXXXVII

Nulla potest mulier tantum se dicere amatam

vere, quantum a me Lesbia amata mea est;

nulla fides ullo fuit umquam foedere tanta,

quanta in amore tuo ex parte reperta mea est.

XCIII

Nil nimium studeo, Caesar, tibi velle placere,

nec scire utrum sis albus an ater homo.

CI

Multas per gentes et multa per aequora vectus

advenio has miseras, frater, ad inferias,

ut te postremo donarem munere mortis

et mutam nequiquam alloquerer cinerem.

Quandoquidem fortuna mihi tete abstulit ipsum.

Heu miser indigne frater adempte mihi,

nunc tamen interea haec, prisco quae more parentum

tradita sunt tristi munere ad inferias,

accipe fraterno multum manantia fletu,

atque in perpetuum, frater, ave atque vale.


Alle Gedichte Catull's und Übersetzungen findet man in Rudy Negenborn's umfangreicher Sammlung

Ciceronis currum vitae

Ciceros Lebenslauf

Marcus Tullius Cicero (3.1.106 - 7.12.43)

3.1.106 geb. in Arpinum equestri loco natus  
91 C. erhält die toga virilis Beginn der Studien
89 Kriegsdienst im Bundesgenossenkrieg  
82 Sulla dictator (bis 79), Fortsetzung der Ausbildung in Rhetorik, Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie  
79 - 77 Studium in Athen und Rhodos, Kontakt zu allen Philosophenschulen  
77 Heirat mit Terentia  
76 Geburt der Tochter Tullia  
75 Quaestor in Sizilien Reden, Briefe
74 Rückkehr nach Rom  
69 Kurulischer Aedil Beginn der philosophischen Schriften
66 Praetor urbanus  
66 Geburt des Sohnes Quintus  
65 Geburt des Sohnes Marcus  
63 Consul Prozess gegen Catilina (Reden)
61 Cicero tritt im Prozess gegen Clodius auf (Caesaranhänger)  
60 Triumvirat Caesar-Pompeius-Crassus  
58 - 57 Verbannung in Thessalonica, danach in Dyrrhachium  
54 - 52   Abfassung von de re publica
53 Cicero zum Augur gewählt  
51 Proconsul in Kilikien  
49 Rückkehr nach Rom, Vermittlungsversuche zwischen Pompeius-Caesar, Parteinahme für Pompeius, Abreise ins Lager des P. in Griechenland (Pharsalos)  
47 Zusammentreffen mit Caesar in Tarent, Begnadigung, Rückkehr, Rückzug aus der Politik Beginn intensiver literar.Tätigkeit
46 Scheidung von Terentia  
45 Heirat mit Publilia, Tullia stirbt; Cicero trauert; Caesar besucht ihn, Marcus studiert in Athen  
44 Caesar wird ermordet; Cicero tritt Reise nach Athen an, kehrt aber um, als er von den Ansprüchen des Antonius hört. Philippische Reden
de natura deorum
de divinatione, De officiis
7.12.43 Ermordung Ciceros und seines Sohnes und des Bruders Quintus  
Dr. Kurt Gieseking

Erasmus

Erasmus Roterodamus

Titus Lucretius Carus: De rerum natura V 1440-1457

Lucretius: De rerum Natura

Iam validis saepti degebant turribus aevum,

et divisa colebatur discretaque tellus

tum mare velivolis florebat + propter odores+,

auxilia ac socios iam pacto foedere habebant,

carminibus eum res gestas coepere poetae

tradere; nec multo priu' sunt elementa reperta.

propterea quid sit prius actum respicere aetas

nostra nequit, nisi qua ratio vestigia monstrat.

Navigia atque agri culturas moenia leges

arma vias vestes <et> cetera de genere horum,

praemia, delicias quoque vitae funditus omnis,

carmina picturas, et daedala signa polita,

usus et impigrae simul experientia mentis

paulatim docuit pedetemptim progredientis.

sic unumquicquid paulatim protrahit aetas

in medium ratioque in luminis erigit oras.

namque alid ex alio clarescere corde videbant,

artibus ad summum donec venere cacumen.

Lutherus Melanchthoni

Lutherus Melanchthoni

Luther an Melanchthon in Augsburg 27. Juni 1530

Philippo Melanchthoni, charissime Christi discipulo, Christophoro

Gratiam ei pacem in Christo, inquam, non in mundo, Amen. De apologia silentii vestri, aliquas, mi Philippe. Hic nuntius fortuito et repente oblatus et abiturus aegre has e Wittemberga acceptas usque ad Norimbergam ferendas potuit expectare ut inde ad vos venirent, donec nuntio alio latius scriberemus. Ego tuas miserrimas curas, quibus te scribis consumi, vehementer odi. Quod sic regnent in corde tuo, non est magnitudo causae, sed magnitudo incredulitatis nostrae. Nam eadem causae maior fuit sub Ioannes Hus et multis aliis, quam sub nobis. Deinde ut sit magna, magnus est et actor et auctor eius, neque enim nostra est. Cur igitur sic perpetuo et sine respiratione te maceras? Si est causa falsa, revocemus; sin vera est, cur facimus illum in tantis promissis mendacem, quibus iubet nos esse animo otioso et dormiente? 'Iacta' inquit, 'curam tuam super Dominum'. Prope est Dominus omnibus, qui invocant eum. An ista in ventum loquitur aut ad bestias prolicit? Ego etiam saepius concutior, sed non perpetuo. Philosophia tua ita te vexat, non thologia, ea, quae Ioachimum tuum, qui mihi simili cura rodi videtur. Quasi vero ista inutili cura quicquam efficere possitis! Was kann denn der Teufel mehr tun, denn dasz er uns toete? Quid inde? Obsecro te, qui in omnibus aliis pugnax es, luctare etiam contra te ipsum, pessimum hostem tuum, qui Satanae tantum armorum subministras. Christus pro peccatis mortuus est semel, et pro iustitia et veritate non morieturet, sed vivit et regnat. Si hoc verum est, quis metus est pro veritate? At prosternetur per iram Dei? Prosternatur, sed non per nos. Qui pater noster factus est, erit etiam pater liberorum nostrorum. Ego certe pro te oro diligenter et doleo te pertinacissimam curarum hirudinem meas preces sic irritas facere. Ego quidem, quod ad causam attinet (stuporne sit an spiritus, viderit Christus) non valde turbatus sum, imo spe meliore, quam speraveram fore. Potens est Deus mortuos suscitare, potens est et causam suam labentem servare, lapsam erigere, stantem promovere. Si nos digni non erimus, fiat per alios. Si enim nos illius promissis non erigimus, obsecro,qui sunt iam alii in orbe, ad quos ea pertineant? Sed alias plura, nisi quod in mare aquam porto. Scias literas vestras ante adventum Caesaris et post adventum eius datas Wittembergam heri profectas. Nam et illic misere silentio vestro sunt vexati, ut ex Pomerani literis intelliges. Non est culpa nuntii, ut Ionas quaeritatur, sed omnium vestra et vestra sola. Christus spiritu suo vos omnes soletur et robore et doceat, Amen. Si audiero rem male affectam apud vos fore et periclitari, vix continebo, quin advolem visurus gyrum illum dentium Satanae formidabilem, ut Scriptura dicit. Ex Eremo nostra, feria 2. post Ioannis 1530.

Saluta interim omnes, propediem alias literas dabimus.

Martinus Luther

Vokabeln:
fortuito - zufällig
repente -augenblicklich
aegre - schmerzlich, ungern
latus - ausführlich, breit
macere - schwächen,entkräften
concutere - schütteln, beunruhigen,ängstigen
luctare - ringen,kämpfen
prosternere - hinwerfen, zu Boden werfen
diligenter - sorgfältig,aufmerksam
pertinax - beharrlich
hirudo, inis - Blutsauger, Blutegel
stupor - Starrheit, Staunen
valde - ganz gewiss
imo(immo) - ja vielmehr,gewiss
fore(von fuo) - sein, werden
labere - schwanken,wackeln
queritare - beklagen,klagen
periclirae - bedroht sein
gyrus - Windung, Kreis (Hiob 41,5)

Rädle: De huius aetatis gladiatoribus

[la]

Fidel Rädle

De huius aetatis gladiatoribus

In arena bestiae
non iam nunc necantur:
pilam pede iuvenes
trudunt vel venantur.
artem talem amat
populus et clamat.

Verum hic miraculum
exhibent actores,
pulchrius spectaculum
praebent spectatores,
plus, quam qui laetantur,
hi, qui indignantur.

Res secundas canticis
plebs concomitatur.
clades tristis flebilis
vix iam toleratur.
cuncta in arena
remittuntur frena.

Ubi clades incipit,
ibi cessant mores.
quivis cuivis hostis fit,
furunt spectatores.
si nil manet spei,
omnes fiunt rei.

"Qualis tu es arbiter!
false decrevisti!
fac, fraudator, abeas,
regulam fregisti!
hosti modo fave!
perfide, iam cave!"

Verba fere talia
ibi audiuntur,
quae urbanis auribus
numquam blandiuntur.
viri sublimiores
spernunt istos mores.

Sed his illi motibus
ipsi sublimantur,
quasi cordis vomitu
intus expurgantur.
redeunt pacati
domum, renovati.

Sunt quos per hebdomadam
herus gravis tractet,
in quos mille iurgia
et impune iactet:
in arena liberi sunt
ac sui domini.

Alii pro tempore
fugiunt uxorem,
quae rebus in ceteris
sola dat tenorem.
domi quod non audent
dicere, hic gaudent.

Sic redibit undique
ad humanum morem,
foras qui emiserit
porcum interiorem.
bestiae necentur,
homines salventur!


Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers ( Natürlich dürft Ihr alle meine Gedichte wohin auch immer stellen, also auch ins Internet! Mich freut das in jedem Fall. Tuus Fidelis" ) entnommen aus © Prof. Dr. Fidel Rädle: De conicione bestiali vel humana: carmina Latina = Von Tieren und Menschen: lateinische Gedichte mit deutschen Übersetzungen, Sigmaringen 1993.

Noch ein Gedicht von Fidel Rädle, erweitert und übersetzt von Heinz-Jürgen Beyer: De vacca beata

Vergilius: Aeneis (Prooemium)

Vergilius: Aeneis (Prooemium)

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris

Italiam fato profugus Laviniaque venit

litora - multum ille et terris iactatus et alto

vi superum, saevae memorem Iunonis ob iram,

multa quoque et bello passus, dum conderet urbem

inferretque deos Latio, genus unde Latinum

Albanique patres atque altae moenia Romae.


Musa, mihe causas memora, quo numine laeso

quidve dolens regina deum tot volvere casus

insignem pietate virum, tot adire labores

impulerit. Tantaene animis calestibus irae?

Dr. Christoph Ottow's Übersetzungen aus dem Lateinischen

Carmen de bello Saxonico

Carmen de bello Saxonico

Zur deutschen Übersetzung

Entstanden ca. 1075 p. Chr. n.; die Autorenschaft Lambert's von Hersfeld gilt inzwischen als widerlegt, siehe Bernhard VOGEL, Zum Quellenwert des Carmen de Bello Saxonico, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 52.1 (1996), S. 85-133. . Wir danken Herrn Dr. Vogel http://www.geschichte.uni-erlangen.de/lehrstuehle/mittelalter/index.shtml für die Übersendung des Sonderdrucks!

Der unten widergegebene Text beruht auf der Pannenburg'schen Edition


Das
Carmen de bello Saxonico
Lamberts von Hersfeld
herausgegeben von
Dr. Albertus Pannenborg
Gymnasial-Oberlehrer
Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Königl. Gymnasiums und
Realgymnasiums zu Göttingen Ostern 1892
----
Göttingen 1892
Druck der Dieterich'schen Universitäts-Buchdruckerei.
(W. Fr. Kaestner.)

Üblicher ist die Verwendung der Ausgabe von Oswald Holder-Egger (Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi [17], 1889).

Personen

Heinricus quartus - Heinrich der Vierte
 
1050-11-11 geboren als Sohn Heinrichs des Dritten und der Agnes von Poitou;
1056 Tod des Vaters, Regentschaft der Königin-Mutter;
1062 Ostern aus Kaiserswerth entführt vom heiligen Anno von Köln, Herzog Otto von Nordheim und weiteren Verschwörern;
1073 - 1075 Sachsenkrieg;
1074 Zugeständnisse im Vertrag von Gerstungen;
1075-06-13 kriegsentscheidender Sieg in der Schlacht an der Unstrut;
1077-01-27 Gang nach Canossa, Heinrich wird vom Papst Gregor dem Siebenten vom Banne gelöst;
1084 Ostern von Papst Clemens dem Dritten zum römischen Kaiser gekrönt;
Kampf gegen seinen Sohn Konrad, den Liebhaber seiner zweiten Gemahlin Praxedis von Kiew;
1104 von seinem Sohn Heinrich dem Fünften gefangen genommen und zur Abdankung gezwungen;
1106-08-07 gestorben in Lüttich;
1111 auf Veranlassung Heinrichs des Fünften kirchlich in Speyer bestattet.

Meginfridus - Burggraf von Magdeburg gefallen in der Schlacht bei Flarchheim am 27. Jan. 1080.

Text

Zur deutschen Übersetzung von Dr. Christoph Ottow [la]
Rêgis Heînr ic i_vôlo proêlia d îc ere quârti
Cóntra Sáxonúm ge ntém sua iûra negá ntem ,
Quaê dum fállen tês sociáret vîribus ár tes ,
Plûrima bélla dol îs fidêns commîsit et árm is .

fallo - bringe zu Fall, täusche;
socio - vereinige;
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Álme deús, succúrre mihî proférre laténtes
Ûsque modô causâs; ea gêns quo laêsa dolôre
Quídve timêns tan tôs bellî commôverit aês tus
Ádversús reg ém nullî pietâte secúnd um ,
Cuîus et éxter gaudént iuga férre tyrán ni ,
Ét cui sê nunquám tulit ímpune óbvius hóstis.
almus - nährend, gütig;
succurro - komme zu Hilfe;
commovo - bewege, errege,
rufe hervor;
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Dómni rêg is adhûc puerî gens éffera láx is
Dúm fluit ímpe riîs nec habêbat iûra tim ôris ,
Nôn falsúm ver ô nec îniquum sêgregat aêqu o .
Quód fuerát libit úm sibi, quísque secûtus eôr um ,
Écclesiâs spoli ánt , viduîs sua dîripiêb ant ,
Pûpillôs miserôsque prem únt ; vi cúncta ger únt ur;
Paûperîs haere dém statuít fortûna potén tem
Plûs noc uít qui plûs pot uít ; lex nûlla coérc et ;
sque nefâ sque sibî fuerát cuiú sque volúntas.
efferus - wild, roh, rasend;
laxus - schlaff, geräumig;
fluo - fließe, entfliehe;
ius - Recht, Macht;
segrego - sondere ab;
libitum - Belieben, Gelüst;
spolio - plündere;
pupillus - Waisenknabe;
fas - Recht.
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Séd rex út tene rôs superát virtûtibus án nos ,
Ánte nimîs lax âs huic génti strínxit habên as :
Iûra ded ít , legês statu ít , cohibénda coérc et ,
Écclesi îs , vidu îs , miser îs vi rápta requîrit;
Néc fecít quisqu ám posthaêc impûne rapín am .
tener - zart;
habena - Zügel;
stringo - streife, ziehe an;
cohibeo - halte zusammen,
hemme, zügele;
requiro - untersuche, verlange;
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Tâlia quód popul ús tolerâbat frêna supérb us ,
Pérdoluít, multúmque timêns, ne poêna sequâtur
Tót malefácta su î , studuít contrâria rêg i
Vîribus átque dol îs . Furor hínc evênerat ómn is ,
Hínc bell î causaê veniúnt, sub imâgine réct i .
frenum - Zaum, Zügel 25
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Côniurâta dolô gens út convênit in ûnum,
Cônsiliîs instrúcta suâs falléntibus ártes,
Três orâtorês legâtos êligit ómni
Éx numerô, sua quî deférrent núncia rêgi.
Quî missî cursúm tendúnt ad rêgia técta.
Út sunt íngress î , fuit ét locus áptus agénd i ,
Ínter eôs anim îs qui máximus éxtat et árm is ,
Vérbis Sáxonúm sic Mêginfrîdus agêbat:
defero -
trage hinab, bringe;
cursum tendo - 
begebe mich auf den Weg;
aptus - passend;
ago -  trage vor;
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'Réx, tam vírtutúm quam rêgni nôbilis haêres
Pátris avîque tuî, merit îs contrâria nóstr is
Plûrima pértulimús, tibi núnc sempérque fidêles.
Vím qui férre solént ali îs in pártibus órb is ,
Hánc nob îs faciúnt: pupíllus et ádvena quîv is
Índigenâs prohibént silvîs commúnibus ûti,
Páscua praêripi únt , abig únt arménta gregêsque,
Haêredês circúmveni únt , vi praêdia tóll unt ,
Ómnibus átque mod îs fit ab hîs iniûria nôb is .
Quám, pie rêx, cohibê posthâc et córrige fácta:
Lêges rédde tuîs ablâtaque pátria iûra!
Quód tibi dêbe mús : si núnc optâta ferê mus ,
Quô nos cúnque vocánt, sequimúr tua iússa voléntes.'
Síc fatús, regís respônsum tâle recêpit:
'Córrigo, sî qua piîs meritîs advérsa tulístis,
Néc quisquám frustr â queritúr mihi víndice dígn a .
Quám vos árguit ís , non ést iniûria néc v is .
Nôn vestrâs legês, non iûs discíndere quaêrens
Pássis ûsque mod ô miserîs vim rápta repósc o ,
Réddo, nec ábsist ám , donánte Deô mihi vît am .
Sî qua tamén vestraê superést querimônia génti,
Rêgni prîmat ês mihi cónveniántque fidêl es :
Hôrum cónsili ô super hâc re súbpeditáb o .
haeres = heres - Erbe;
meritum - Verdienst;
advena -  Ankömmling;
pascuum - Weideland;
praeripio - entziehe;
armenta - Großvieh;
circumvenio - bedränge;
praedium - Grundstück, Gut;
cohibeo - zügele;
posthac - von nun an;
cunque - wann immer;
quocumque - wohin immer;
fatus - gesprochen habend;
vindex - Beschützer;
discindo - zerreiße,
("zerschinde");
quero - trachte auf;
absisto - trete weg,
lasse ab;
querimonia - Klage, Beschwerde;
suppedito - unterstütze,
verschaffe;
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Míssi dícta su îs referúnt dum rêgia cástr is ,
Înfelîx popul ús ruit ád bellúm studiôs us ;
Aêque maîo rês , aequê furuêre minô res ,
Ílli, nê perd ánt quae plûrima rápta tenêb ant ,
Hî, quia paûperiém sperâbant víncere praêdis.
Quísque manû patri úm sibi iûs ait éxperiúnd um .
pauperies - Armut;
experior - erfahre, erstreite;
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Tâlibus aûdit îs , constánti péctore fórt is
Rêx iubet ád ses ê Saxônum quémque vocâr e
Cóndiciône sub hâc, si sê velit ét sua sálva.
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Néscia mêns homin úm , spectâns instántia tánt um ,
Quót mala vîta rês , si prôvida vîvere scî res !
Hî modo gaûder ént , si rêgia iússa fuíss ent
Séctatî; solvísse dolént sempérque dolêbunt.
(instantia,ae - Ausdauer,
Heftigkeit);
instans - bevorstehend,
drohend, gegenwärtig;
sector - laufe nach ,
hier: befolge);
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Út perspéxit e ôs rex nôlle venîre vocât os ,
Séx ibi cástell îs multô munîmine fírm is
Praêsidia_imposu ít , victúm quoque lárgiter ádd it .
Ípse rebéllan tês aciês ductûrus in hós tes ,
Îbat, utî proper ê condûceret árma virôsqu e .
properus - eilig 74
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Sáxonúm popul ús digrésso rêge supérb us
Lêges, iûra, magístratús, fas éxcidit ómne;
Ánte sibî vetitás gaudét cumulâre rapînas:
Écclesiaê, viduaê, pupíllus et ádvena quísque
Nûper dêsuetî vim súnt iam dênuo pássi.
Sîc indíscretê pravî rapiúntque ruúntque.
Néc minus íntereâ circúmdant mîlite cástra
Rêgia, praêsidiîs quae súnt commíssa relíctis.
Hénnenbúrg, primúm, quod erát superâbile vîsum,
Ággressî, bellô decértavêre cruénto.
Nám castéllanî fortês an béllaque dócti,
Ínvictîque forént, solúm si cóntinuíssent
Crîmen avâritiaê, quod pérvertít bona quaêque.
Hôc igitûr positúm montâno vértice cástrum
Círcumdánt, vulgî tria mîlia nócte silénti.
Vîx expéctabánt lucém, summîsque ruéntes
Vîribus ád montém, certátim scándere témptant,
Hóstica quô vitént actâ testûdine têla.
Úndique cônfertî properánt super árdua nîti;
Gréssum déxtra iuvát, manus árma sinístra gerêbat.
Sîc ascéndentés et iám vallô propiántes,
Écce vidént fortês occúrrere dêsuper hóstes,
Îndutôs omnês insîgnia béllica quaêque.
Éxoritû properê non párvus clâmor utrímque,
Êminus êmissîs crebrêscunt vúlnera têlis.
Póst haec rês agitúr gladiîs, miserâbile vîsu;
Néc mora néc requiês, castéllanî, meliôres,
Béllo, mágnificê vulgús fundúntque fugántque,
Vúlnera múltiplicánt, iraêque satís faciêbant.
Praêtereâ stantês ad prôpugnâcula cástri,
Nê sine sê vincánt sociî, certâmina témptant.
Férratôs fustês aliî mittúnt super hóstes,
Tórmentîs aliî lapidês, quidám Baleâri
Árcu dîmissîs hostês stravêre sagíttis.
Plêbs devícta fugám facit hóstibus ét miserándam.
Námque cadúnt plurês, dum dêscendúnt fugiéntes,
Íntereúntque suîs infîxi córpora têlis.
digredior - weiche ab;
excido - vernichte;
advena - Ankömmling;
pravi - krumm, schief;
commissus - anvertraut;
 
decerto - kämpfe entscheidend;
 
avaritia - Habsucht, Geiz;
vertex - Gipfel, Wipfel;
certatim - um die Wette;
scando - (be)steige;
confertus - dichtgedrängt;
nitor - stütze mich auf, steige, fasse Fuß;
 
induo - ziehe an, lege an;
eminus - von ferne;
crebresco - wachse, vermehre;
fundo - zersprenge;
fugo - schlage in die Flucht;
propugnaculum - Bollwerk;
fustis - Prügel, Stock;
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Hinzugefügt sind Akzente, um die betonten Silben hervorzuheben. Der Binnenreim ist teilweise durch Kursivschreibung kenntlich gemacht.

Jürgen Martin Regel, Sommer 2000.

Lied vom Sachsenkriege

Lied vom Sachsenkriege

Zum lateinischen Text

Übersetzung © 2000 Dr. Christoph Ottow, Hildesheim


Von König Heinrichs des Vierten Kämpfen gegen die Sachsen
will ich erzählen, deren Stamm seine Rechte negierte
und um zu einen die sinkenden Kräfte durch männliche Stärke
viele Kriege begann im Vertrauen auf Listen und Waffen.
Gütiger Gott, so stehe mir bei, die so sehr verborgen
Gründe aufzutun; dieser Stamm durch Leiden verletzt
und diese fürchtend erregte so viele Leidenschaften
jedweder Ehrfurcht zuwider gegenüber dem König,
dessen Joche zu tragen selbst fremde Tyrannen sich freuen
und dem sich straflos noch nie entgegenstellte ein Fremding.
Bisher hatte das wilde Volk sich den laxen Befehlen
des jungen Königs entzogen und ihn nicht gefürchtet,
konnte nicht Falsches vom Recht nicht, ungleich von gleich unterscheiden
wonach ihm grad der Sinn, verfolgte jeder von ihnen;
plünderten Kirchen und nahmen den Witwen das Hab und Gut,
unterdrückten die Waisen, die harte Erziehung genossen;
nur das Glück bewahrte den Armen genügendes Erbe;
mehr verdarb, wer mehr erwarb, kein Recht ihn beschränkte,
Unrecht und Recht war für jeden von ihnen die eigene Willkür.

Als der König jedoch die Jugend mit Tugend besiegte,
zog die Zügel er an, die lax dieses Volk nur umgaben:
Recht und Gesetz verkündete er, hielt alles zusammen,
Kirchen und Witwen und Armen erstattet er alles Geraubte,
und fortan tat niemand mehr einen straflosen Raubzug.
Während das stolze Volk also diese Kandare erduldet,
leidet es tief und fürchtet sehr, daß Strafe erfolge
auf jedes große Delikt, zugleich jedoch wider den König
kräftig und listig bemüht; so entwickelt sich jede Erregung,
Kommen die Gründe zum Krieg daher mit erhobenen Fahnen.
Listig verschworen kommt nun das Volk in einem zusammen,
aufgewiegelt durch täuschenden Rat über eigene Kräfte
wählt aus der ganzen Zahl drei redebegabte Gesandte,
die die eigenen Wünsche dem König vortragen sollten.
Diese Gesandten machen sich auf zu des Königs Behausung.
Als sie eingetreten ward es ein Ort der Verhandlung,
unter ihnen als größter erschien an Worten und Waffen
Meginfried, der so formulierte die Worte der Sachsen:

König! Der Tugenden und des Reiches würdiger Erbe
Deines Vaters und Ahn! Konträr zu unsern Verdiensten
hielten das meiste wir aus, Dir jetzt und immer ergeben.
Jene Gewalt, die gewöhnlich in andere Teile der Erde
bringen sie jetzt zu uns: Beliebige Waisen und Fremde
halten die Hiesigen ab vom Nutzen der heimischen Wälder,
wühlen das Weideland auf, verjagen das große und Kleinvieh,
drängen die Erben davon und nehmen die Güter gewaltsam;
Umfang und Art von ihnen getan bereitet uns Unrecht.
Drum, frommer Herr, so bremse fortan und beheb das Geschehne:
Gib uns Gesetze zurück und der Heimat verlorene Rechte!
wo und wann immer Du rufst, gern folgen wir Deinen Befehlen!"

Auf diesen Vortrag erhielt er folgende Antwort des Königs:
"Ich behebe, so Ihr Verdiensten zuwider geduldet,
niemand vergeblich beklagt sich bei mir als wertem Beschützer.-.
Was Ihr soeben beschreibt, kein Unrecht ist noch ein Verbrechen.
Eure Gesetze will nicht noch Rechte ich je untergraben,
wenn die Armen gelitten, verlang ich das Raubgut zurück.
Würden dennoch Beschwerden Eures Stammes verbleiben,
sollen die Fürsten des Reichs bei mir sich in Treue versammeln;
deren Ratschlag zur Sache will ich dann gern unterstützen."

Dieses Wort überbrachten die Boten derweil ihren Lagern,
doch in das Unglück stürzt sich das Volk zum Kriege entschlossen,
nicht nur die Reichen, sie wüteten arg, sondern auch die Verarmten,
jene, daß nicht sie verlören das meiste geraffte Vermögen,
diese voll Hoffnung, die Armut durch Beutebesitz zu besiegen.
Jeder eilt, mit der Faust sein heimisches Recht zu erstreiten.
Als er dieses vernahm, bestärkt es den König zu kämpfen,
jedweden Sachsen befiehlt er, zu sich nun herbeizuzitieren
in der Voraussetzung, daß er ihn und sein Heil unterstütze.

Argloser menschlicher Geist, nur Gegenwärtiges siehst du,
wieviel Leid miedest du, wenn Vorsicht dein Leben bestimmte!
So hätten sie sich beglückt, wenn Königsbefehlen sie folgten;
sie mißachtet zu haben,bringt Leid und weiterhin Leiden.

Da der König geahnt, daß kein Gerufner werd kommen,
legt er in sechs durch vielerlei Bollwerk befestigte Lager
Hilfstruppen hin und ergänzt auch den Vorrat zu Leben noch reichlich.
Um nicht selbst eine Schar gegen all die Verschwörer zu führen,
entfernte er sich, um Waffen und lilänner schnell zu versammeln.

Doch das sächsische Volk, nach Abzug des Herrn optimistisch,
löste nun Recht und Gesetz, Behörden und jegliche Sitten;
früher ihm streng untersagt häuft freudig es jetzt die Trophäen:
Nonnen und Witwen, Waisen und jedweder Fremdling im Land,
eben noch frei von Gewalt, sind wieder dem Leid unterworfen.
Offen verüben jetzt finstre Gestalten nun Raub und Zerrüttung.
Ebenso kreisen derweil die Königslager sie ein,
die anvertraut wurden den hilfsmilitärischen Truppen.
Hennenburg schien ihnen anfangs am leichtesten zu überwinden,
greifen es an und werfen's in blutigen Kämpfen darnieder.
Denn die tapfern und kriegserfahrenen Herren des Lagers
wären noch unbesiegt.

Dies also auf dem Bergesgipfel gelegene Lager
zingelten dreitausend Leute ein in nächtlicher Stille.
Kaum brach Tageslicht an, so stürmten mit höchsten Kräften
sie den Berg hinauf, einander in Hast überbietend,
feindliche Pfeile mit schützenden Schilden von sich weisend.
Überall dichtgedrängt besetzen sie eilends den Steilhang,
rechts den Gang unterstützend, links die Waffe in Händen.
Schon den Aufstieg geschafft und nahe dem Walle gekommen
sehen sie starke Feinde entgegenkommen von oben,
alle in voller Montur mit Kriegsgeräten gerüstet.
Nähergekommen erhob sich ein großes Geschrei beider Seiten,
durch die Geschossen von fern vergrößern sich allseits die Wunden.
Als auch die Schwerter gezückt, ergab sich ein trauriger Anblick;
ohne Verzug und Erholung zerschlugen die besseren Krieger
aus dem Lager heraus das Volk in die Flucht und von dannen,
waren von Wunden gezeichnet und außer sich vor Erregung.
Die am Bollwerk des Lagers bisher gestanden hatten,
suchten nun auch den Kampf, um Partner des Sieges zu werden.
Welche stürmten mit eisernen Stangen gegen die Feinde,
andre mit Steinwurfmaschinen; einzelne streckten die Feinde
mit den Pfeilen von balearischen Armbrüsten nieder.
Das durch die Feinde besiegte Volk mußt elend nun fliehen.
Denn die meisten fieln auf der Flucht beim Abstieg zu Boden,
starben, weil ihre Körper durch eigne Geschosse durchbohrt warn.

Wildes sächsisches Volk, warum faßt du nicht Zeichen wie dieses?
Sieh doch das deutlich erscheinende Mahnmal baldiger Abfuhr!
Denn schon wenige schlugen die Tausend im ersten Gefechte.
Doch weil bewahren nicht ließ sich des Untergangs schlimme Erfahrung
standest erneut du auf und ruhtest nicht als das besiegte.
Also umzingelt ein Pfalzgraf, der einzige unter den Sachsen,
mittels sechstausend vereinten Bewaffneten just dieses Lager
und erwirkte dadurch eine weitre Verlängrung des Krieges,
hoffend durch Not zu erobern, was nicht mit dem Schwert er erreichte.
Dieses ordnet er an, als keinerlei Fortschritt er spürte,
suchte die Ersten des Lagers durch Schmiergelder zu bewegen,
welche bedeuteten einen Wechsel der nobelen Sitten.
Während er ihnen geheim viel gab und viel mehr noch gelobte
bei Unterwerfung des Lagers, verdarb er ihre Gemüter,
daß sie für Geld dessen Freigabe schändlich bewirkten.
Was bist du gierig nach Gold, du pflichtenvergessener Krieger?
Gibst du für Geld die Ehre, wirst dafür den Lohn du erhalten;
was du als Preis vergibst, wirst wieder zurück du empfangen,
wenn du abwägen willst, wird wahnsinnig dir es erscheinen.
Nicht nur Steine des Lagers, nicht Holz allein hast du gegeben;
wohlfeil nimmst du als Preis und gibst was allen das Liebste,
was du immer entbehrst, sein Besitz bereichern dich würde.
Treulos kämpfst du, Soldat, und treulos vergiltst du Vertrauen.
Anders als du jedoch bewahren ihr Lob durch die Zeiten
jene dreihundert Mann, denen anvertraut wurde die Harzburg,
von ihrer Taperkeit künden in ferneren Zeiten
schaffen Idole, wenn Heldenlieder nur etwas vermögen.

Catullus: Carmen IV

Catullus: Carmen IV

[de] zur deutschen Übersetzung

Lateinischer Text

Phaselus ille, quem videtis, hospites,

ait fuisse navium celerrimus,

neque ullus natantis impetum trabis

nequisse praeterire, sive palmulis

opus foret volare sive linteo.

Et hoc negat minacis hadriatici

negare litus insulasve Cycladas

Rhodumque nobilem horridamque Thraciam

Propontida trucemve Ponticum sinum,

ubi iste post phaselus antea fuit

comata silva; nam Cyrotioin iugo

loquente saepe sibilum edidit coma.

Amastri Pontica et Cytore buxifer,

tibi haec fuisse et esse cognitissima

ait phaselus, ultima ex origine

tuo stetisse dicit in cacumine,

tuo imbuisse palmulas in aequore,

et inde tot per impotentia freta

erum tulisse, laeva sive dextera

vocaret aura, sive utrumque Iuppiter

simul secundus incidisset in pedem;

neque ulla vota litoralibus deis

sibi esse facta, cum veniret a mari

novissimo hunc ad usque limpidum lacum.

Sed haec prius fuere; nunc recondita

senet quiete seque dedicat tibi,

gemelle Castor et gemelle Castoris.

Catull: Lied IV

Catull: Lied IV

[la]Zum lateinischen Text

Dies Boot aus Phaselis, ihr seht's im Wirtshausschein

versichert, einst das allerschnellste Schiff zu sein,

und keines andern sturmgepeitschter Klüverbaum

konnt' jemals überholen es im Meeresschaum,

egal ob Riemen oder Schoten es betrieb.

Das leugnet nicht der Felsenstrand der Adria

noch protestiert der Inselkranz der Kyklada,

nicht Rhodos das berühmte, nicht vor Thrakien

das Schwarze und das Meer von Alt-Herakleon,

wo einst das Schiff aus Phaselis gewesen ist

belaubter Wald: denn hoch auf den Citoriis

zum Waldesrauschen oftmals schwoll sein lispelnd Laub.

Amastris Schwarzmeerport, Cytorus' Buchsbaumland,

euch beiden dieses bestens war und ist bekannt,

so sagt das Schiff; denn schon im ersten Sonnenschein

soll hoch auf deinem Gipfel es gestanden sein,

in deine Wasser Ruder haben tauchen ein

und dann von dort den Handelsherrn herumgeführt

durch mächt'ge Buchten, gleich woher der Wind sich rührt,

ob Backbord oder Steuerbord ins Segel stieß,

ob unterstützend Juppiter von Achtern blies.

Und kein Gelübde für der Küstengötter Schutz

sei ausgesprochen je zu seinem Fromm und Nutz,

bis jetzt hierher es kam vom Meer zum klaren See.

Doch das ist nun vorbei: gemach es altert eh'

und widmet sich in der Verborgenheit

Dir, Castors und des Pollux Zweisamkeit.

Übersetzung © 2004 Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim

Celtis: Ad Apollinem repertorem poetices, ut ab Italis ad Germanos veniat

Conradus Celtis Protucius: Ad Apollinem repertorem poetices, ut ab Italis ad Germanos veniat

Zur deutschen Übersetzung von Dr. Christoph Ottow


Phoebe qui blandae citharae repertor,

linque delectos Helicona Pindum et,

ac veni in nostras vocitatus oras

carmine grato.


Cernis ut laetae properent Camenae,

et canunt dulces gelido sub axe.

tu veni incultam fidibus canoris

visere terram.


Barbarus, quem olim genuit vel acer

vel parens hirtus, Latii leporis

nescius, nunc sic duce te docendus

dicere carmen.


Orpheus qualis cecinit Pelasgis,

quem ferae atroces, agilesque cervi,

arboresque altae nemorum secutae

plectra moventem.


Tu celer vastum poteras per aequor

Laetus a Graecis Latium videre,

Invehens musas, voluisti gratas

Pandere et artes.


Sic velis nostras rogitamus oras

Italas ceu quondam aditare terras,

Barbarus sermo fugiatque, ut atrum

Subruat omne.


Celtis: An Apoll, den Erfinder der Dichtkunst, auf dass er von den Italienern zu den Deutschen komme

Konrad Celtis: An Apoll, den Erfinder der Dichtkunst, auf dass er von den Italienern zu den Deutschen komme

[la]Zum lateinischen Text


Phöbus, Schöpfer du der geliebten Leier,

lass Dein Heimatland Helicon und Pindus,

folge dem Appell unsrer fernen Fremde

Liedern zuliebe!


Sorge Du dafür, dass die Musen eilen,

musizieren süß unter kaltem Nordlicht.

Komm du selbst zu sehn kulturelles Ödland

klangvoller Saiten!


Den Barbar, der einst von robusten Ahnen

ungeschlacht gezeugt und von Latiums Liebreiz

unberührt noch ist, musst du dazu bringen,

Lieder zu singen.


Orpheus sang dergleich den betagten Griechen,

rührte Raubgetier und die raschen Rehe,

hohe Bäume selbst in den hehren Hainen,

schlug er die Leier.


Griechenlandbeschwingt konntest du erblicken

übers Meer hinweg langgstrecktes Latium,

mit der Musen Kuss wolltest du die schönen

Künste verbreiten.


Innig bitten wir, dass du unsre Küsten

wie Italiens einst mögest frequentieren,

dass der Bocksgesang in der schwarzen Tiefe

möge verhallen!


Conrad Celtis, 1.2.1459 - 4.2.1508, schrieb dieses Gedicht in sapphischen Elfsilblern: -v---vv-v-x; übersetzt hat es © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2001.

Celtis: De puella Romae reperta

Conradus Celtis Protucius: De puella Romae reperta

[de] Zur deutschen Übersetzung

Conrad Celtis 1459 - 1508

Annos mille sub hoc tumulo conclusa iacebam,

haec nunc Romanis extumulata loquar:

non veteres video Romano more Quirites,

iustitia insignes nec pietate viros.

sed tantum magnas tristi cum mente ruinas

conspicio, veterum iam monumenta virum

si mihi post centum rursus revideberis annos,

nomen Romanum vix superesse reor.

Celtis: De puella Romae reperta

Konrad Celtis: Die wiedergefundene römische Maid

[la] Zum lateinischen Text

Tausend Jahr habe von diesem Grab ich umschlossen gelegen,

Daraus von Römern befreit spreche zu ihnen ich jetzt:

Nicht die Quiriten nach römischer Art mehr kann ich erkennen,

Glänzend durch Rechtssinn zugleich und ihre Frömmigkeit,

Sondern mit traurigem Sinn erblick ich nur große Ruinen,

Sehe die Denkmäler nur alternder Helden um mich.

Wenn wiederum du wirst nach hundert Jahren mich sehen,

Rechn' ich, vom römischen Ruhm rar nur die Rede wird sein.


Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2000

Horatius Flaccus: Epode XVI

Horatius Ep. XVI

Zur deutschen Übersetzung

  1. Altera iam teritur bellis civilibus aetas,
  2.    suis et ipsa Roma viribus ruit.
  3. quam neque finitimi valuerunt perdere Marsi
  4.    minacis aut Etrusca Porsenae manus,
  5. aemula nec virtus Capuae nec Spartacus acer
  6.    novisque rebus infidelis Allobrox
  7. nec fera caerulea domuit Germania pube
  8.    parentibusque abominatus Hannibal:
  9. inpia perdemus devoti sanguinis aetas
  10.    ferisque rursus occupabitur solum:
  11. barbarus heu cineres insistet victor et Vrbem
  12.    eques sonante verberabit ungula,
  13. quaeque carent ventis et solibus ossa Quirini,
  14.    (nefas videre) dissipabit insolens.
  15. forte quid expediat communiter aut melior pars,
  16.    malis carere quaeritis laboribus;
  17. nulla sit hac potior sententia: Phocaeorum
  18.    velut profugit exsecrata civitas
  19. agros atque lares patrios habitandaque fana
  20.    apris reliquit et rapacibus lupis,
  21. ire, pedes quocumque ferent, quocumque per undas
  22.    Notus vocabit aut protervos Africus.
  23. sic placet? an melius quis habet suadere? Secunda
  24.    ratem occupare quid moramur alite?
  25. sed iuremus in haec: 'simul imis saxa renarint
  26.    vadis levata, ne redire sit nefas;
  27. neu conversa domum pigeat dare lintea, quando
  28.    Padus Matina laverit cacumina,
  29. in mare seu celsus procurrerit Appenninus
  30.    novaque monstra iunxerit libidine
  31. mirus amor, iuvet ut tigris subsidere cervis,
  32.    adulteretur et columba miluo,
  33. credula nec ravos timeant armenta leones
  34.    ametque salsa levis hircus aequora.'
  35. haec et quae poterunt reditus abscindere dulcis
  36.    eamus omnis exsecrata civitas
  37. aut pars indocili melior grege; mollis et exspes
  38.    inominata perpremat cubilia.
  39. vos, quibus est virtus, muliebrem tollite luctum,
  40.    Etrusca praeter et volate litora.
  41. nos manet Oceanus circum vagus: arva beata
  42.    petamus, arva divites et insulas,
  43. reddit ubi cererem tellus inarata quotannis
  44.    et inputata floret usque vinea,
  45. germinat et numquam fallentis termes olivae
  46.    suamque pulla ficus ornat arborem,
  47. mella cava manant ex ilice, montibus altis
  48.    levis crepante lympha desilit pede.
  49. illic iniussae veniunt ad mulctra capellae
  50.    refertque tenta grex amicus ubera
  51. nec vespertinus circumgemit ursus ovile
  52.    nec intumescit alta viperis humus;
  53. pluraque felices mirabimur, ut neque largis
  54.    aquosus Eurus arva radat imbribus,
  55. pinguia nec siccis urantur semina glaebis,
  56.    utrumque rege temperante caelitum.
  57. non huc Argoo contendit remige pinus
  58.    neque inpudica Colchis intulit pedem,
  59. non huc Sidonii torserunt cornua nautae,
  60.    laboriosa nec cohors Vlixei.
  61. nulla nocent pecori contagia, nullius astri
  62.    gregem aestuosa torret impotentia.
  63. Iuppiter illa piae secrevit litora genti,
  64.    ut inquinavit aere tempus aureum,
  65. aere, dehinc ferro duravit saecula, quorum
  66.    piis secunda vate me datur fuga.

Horatius Flaccus: Epode XVI

Horatius Ep. XVI.

[la] Zum lateinischen Text

  1. Schon die zweite Generation bekiegt sich zu Hause
  2.    und mit eigener Hand Rom stößt zu Tode sich.
  3. Was die benachbarten Marser vermochten nicht zu zermalmen
  4.    und Porsennas Fanal tuskischer Scharen nicht,
  5. nicht der Rivalin Capuas Kraft, nicht Spartakus‘ Wüten
  6.    noch der — vom Umsturz beseelt — treulose Gallier,
  7. nicht dominierte der stahlblaue Blick germanischer Jugend,
  8.    noch der für jeden Ahn teuflische Hannibal:
  9. Das vergeudet ein gottlos Geschlecht geschändeten Blutes,
  10.    und von wildem Getier wieder besetzt wird das Land.
  11. Weh! Die Barbaren siegreichen Fußes betreten die Trümmer,
  12.    von ihrer Pferde Huf bebend erhallt die Stadt
  13. und das vor Sonne und Wind verwahrte Gebein des Quirinus
  14.    — schändlich ist es zu seh'n! — streuen sie achtlos umher.
  15. Allgemein fragt Ihr vielleicht oder die mit dem bessren Gewissen
  16.    was uns befreien kann aus diesem Bürgerkrieg?
  17. Da gäb es keinen patenteren Rat als den der Phokaier,
  18.    deren unselig Volk auf und davon sich gemacht,
  19. Felder und Vaterhaus hinter sich ließ und die Heiligtümer
  20.    Schwarzwild und reißendem Wolf als deren Heimstatt zurück,
  21. um zu ziehen, wohin über Land und wohin durch die Wogen
  22.    trieb sie der südliche Wind ostwärts und westwärts davon.
  23. Stimmt Ihr dafür? Oder hat jemand etwas Bessres zu raten?
  24.    Günstiger Vogelflug! Was hält vom Boot uns zurück?
  25. Lasst uns zuvor noch schwören: „Verflucht, wer zurück will kehren,
  26.    ehe die Steine vom Grund wieder emporgeschwemmt.
  27. Nicht zurück nach Haus soll erlaubt sein zu setzen die Segel,
  28.    ehe der Po umspült Felsen des Matinus
  29. oder ins Meer gestürzt die appeninischen Gipfel;
  30.    seltsame Liebesglut Pärchen zusammenführt
  31. dergestalt, dass sich die Tigrin lässt begatten vom Hirschen
  32.    und die Taube vermählt sich mit dem Taubenfalk,
  33. argloses Weidetier nicht fürchtet die listigen Löwen
  34.    und der haarlose Bock badet in salziger Flut.“
  35. Dem und allem was könnte die lockende Heimkehr verhindern
  36.    gilt der unselige Schwur, dann sind wir abmarschbereit
  37. mit dem gesamten Volk oder dem, der sich hebt aus der Masse;
  38.    Weichling und Pessimist drück in die Betten sich!
  39. Ihr, die ihr Männer seid, entsaget dem weibischen Weinen
  40.    und lasst segelnd zurück tuskischen Meeresstrand!
  41. Uns noch immer verbleibt der alles umfassende Ozean:
  42.    Auf zu glücklicher Au, Inseln der Seligkeit!
  43. Wo noch jährliche Ernte verheißen die fruchtbaren Felder
  44.    und ein wuchernder Wein ständig in Blüte steht,
  45. sprießt und sprosst der immergrüne Zweig der Oliven
  46.    und am eigenen Stamm farbige Feige prangt,
  47. Honigfluten verströmen die Höhlen der Ilex-Eichen
  48.    und aus hohem Gebirg plätschert ein hurtiger Quell.
  49. Dorthin kommen von selbst zum täglichen Melken die Ziegen
  50.    und ihr williger Tross schleppt seine Euter herbei,
  51. nicht mit Hungergebrumm kreist abends der Bär ums Gehege,
  52.    nicht vom Boden empor räkeln die Schlangen sich.
  53. Vieles noch werden wir glücklich bewundern, zum Beispiel dass niemals
  54.    südlicher Regenwind rast über die Felder dahin
  55. oder die saftige Saat verdorrt auf den schmachtenden Schollen,
  56.    beides hält immer im Lot göttlicher Himmmelsfürst
  57. Keine Seuchen befallen das Vieh und keinerlei Hundssterns
  58.    sengende Sonnenglut dörrt seine Herde aus.
  59. Hierher gelangte nie ein argonautischer Schiffer
  60.    und kein kolchisches Weib setzte dorthin den Fuß;
  61. Hierher verirrten sich nicht die Spitzen phönizischer Segel
  62.    und allen Mühen zum Trotz nicht des Odysseus Crew.
  63. Juppiter hielt das Gestade zurück einem hehren Geschlechte,
  64.    als er die goldene Zeit einst verhüllte mit Erz —
  65. Erz, das in Folge Jahrhunderte stahlte, zu Eisen geronnen,
  66.    dem zu entkommen ich nur Edelmännern verheiß.

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2009

Horatius Liber carminorum I, 37 Cleopatra

Horatius I 37

Zur deutschen Übersetzung


Nunc est bibendum, nunc pede libero

pulsanda tellus, nunc Saliaribus

ornare pulvinar deorum

tempus erat dapibus, sodales.


Antehac nefas depromere Caecubum

cellis avitis, dum Capitolio

regina dementis ruinas

funus et imperio parabat


contaminato cum grege turpium

morbo virorum, quidlibet impotens

sperare fortunaque dulci

ebria. Sed minuit furorem


vix una sospes navis ab ignibus,

mentemque lymphatam Mareotico

redegit in veros timores

Caesar, ab Italia volantem


remis adurgens, accipiter velut

mollis columbas aut leporem citus

venator in campis nivalis

Haemoniae, daret ut catenis


fatale monstrum: Quae generosius

perire quaerens nec muliebriter

expavit ensem nec latentis

classe cita reparavit oras,


ausa et iacentem visere regiam

voltu sereno, fortis et asperas

tractare serpentes, ut atrum

corpore conbiberet venenum,


deliberata morte ferocior:

saevis Liburnis scilicet invidens

privata deduci superbo,

non humilis mulier, triumpho.


Horaz, Buch der Lieder, 37 Kleopatra

Horatius I 37

Zum lateinischen Text


Jetzt lasst uns trinken, jetzt mit dem Polkaschritt

den Boden stampfen; jetzt alle Tafeifreuden

zu laden auf den Thron der Götter

wär's an der Zeit, Ihr Kameraden!


Bisher war's Frevel, alten Cäcuberwein

heraufzuholen, wo für das Capitol

Regina die Entrechtung plante

und für das Reich ein Staatsbegräbnis


mit ihrem Tross von Wollust gezeichneten

verdorbnen Männern, während sie selbst noch schwebt

im Luftschloss und im Freudentaumel,

der allerdings gelangt zur Ruhe,


wie kaum ein Schiff vom Feuer noch unversehrt,

und den vom Nllwein paralysierten Geist

der Cäsar dann das Fürchten lehrte,

als er der Fliehenden von Italien


mit raschen Ruderschlägen noch weiter folgt,

wie Falkenjagd sich auf sanfte Tauben stürzt,

wie Hasenhatz im Schneegefilde,

um endlich Ketten anzulegen


dem Monsterweib, das würdigen Untergang

für sich ersehnte, nicht wie ein Klageweib

das Schwert gefürchtet und geflüchtet

schnell mit dem Schiff zu verborgnen Ufern,


stattdessen wagte, die stürzende Königsmacht

mit heitrem Sinn zu sehn und noch anzusetzen

die grausen nicht geheuren Nattern,

dass sich ihr Körper mit Gift ergebe


wohlüberlegtem Tode noch trotziger:

Wilden Liburnerschiffen missgönnte sie,

des Throns beraubt sie im Triumphe

heimzuführn — welch ein erhabenes Weibsstück!


Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2001

Horatius Liber carminorum II, tertium

Horatius II 3

[de] Zur deutschen Übersetzung

Aequam memento rebus in arduis

servare mentem, non secus in bonis

ab insolenti temperatam

laetitia, moriture Delli,

seu maestus omni tempore vixeris

seu te in remoto gramine per dies

festos reclinatum bearis

interiore nota Falerni.

Quo pinus ingens albaque populus

umbram hospitalem consociare amant

ramis? Quid obliquo laborat

lympha fugax trepidare rivo?

Huc vina et unguenta et nimium brevis

flores amoenae ferre iube rosae,

dum res et aetas et Sororum

fila trium patiuntur atra.

Cedes coemptis saltibus et domo

villaque, flavus quam Tiberis lavit,

cedes, et exstructis in altum

divitiis potietur heres.

Divesne prisco natus ab Inacho

nil interest an pauper et infima

de gente sub divo moreris,

victima nil miserantis Orci;

omnes eodem cogimur, omnium

versatur urna serius ocius

sors exitura et nos in aeternum

exilium impositura cumbae.

Horaz, Buch der Lieder II, das dritte

Horatius II 3

[la] Zum lateinischen Text

Gleichmut lass walten in dieser schweren Zeit,

wie in der alten guten Vergangenheit,

zu leerer Lustbarkeit niemals du hin gemusst,

weil dir Vergänglichkeit immer bewusst.

 

Sei's dass du schaurig trugest des Alltags Last,

sei's dass nicht traurig du dich im Winkel hast

sonntags verkrochen und ließest erfreun

von einem großen Falernerwein.

 

Wozu verleihen Pinie und Pappelbaum

dem gastlich freien Schatten der Zweige Raum?

Was kann die Quellen in dem beengten Lauf

über die Schnellen je halten auf?

 

Wein lass und Salben anreichen dir hierher,

Rosen und Alben, eh' sie verwelken sehr,

noch nähern Alter und nicht die Parzen sich

Lebensgestalter mit schwarzem Stich.

 

Du wirst verlassen wucherndes Weideland,

kannst nicht mehr fassen Hausgut am Tiberstrand,

bist nicht mehr Hüter dessen, was du gemacht,

Herr deiner Güter der Erbe, der lacht.

 

Ob reich du stammtest vom alten Inachus,

ob du verdammt bist, arm, ohne Überfluss,

wiegt nicht ein Lot, es ist bald Vergangenheit,

du bist des Todes ohne Barmherzigkeit.

 

Hilft kein Gezeter über das Schicksalsglück:

Früh oder später wirft alle das Geschick

uns auf den Nachen, welcher ins Jenseits fährt,

kein Weh und Ach, wenn ewig es währt.

 

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2005-01-24

Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)

Horatius Sermo I 1

Zur deutschen Übersetzung

  1. Qui fit, Maecenas, ut nemo, quam sibi sortem
  2. seu ratio dederit seu fors obiecerit, illa
  3. contentus vivat, laudet diversa sequentis?
  4. «o fortunati mercatores» gravis annis
  5. miles ait, multo iam fractus membra labore;
  6. contra mercator navim iactantibus Austris:
  7. «militia est potior. quid enim? concurritur: horae
  8. momento cita mors venit aut victoria laeta.»
  9. agricolam laudat iuris legumque peritus,
  10. sub galli cantum consultor ubi ostia pulsat;
  11. ille, datis vadibus qui rure extractus in urbem est,
  12. solos felicis viventis clamat in urbe.
  13. cetera de genere hoc—adeo sunt multa—loquacem
  14. delassare valent Fabium. ne te morer, audi,
  15. quo rem deducam. si quis deus «en ego» dicat
  16. «iam faciam quod voltis: eris tu, qui modo miles,
  17. mercator; tu, consultus modo, rusticus: hinc vos,
  18. vos hinc mutatis discedite partibus. eia,
  19. quid statis?» nolint. atqui licet esse beatis.
  20. quid causae est, merito quin illis Iuppiter ambas
  21. iratus buccas inflet neque se fore posthac
  22. tam facilem dicat, votis ut praebeat aurem?
  23. praeterea, ne sic ut qui iocularia ridens
  24. percurram: quamquam ridentem dicere verum
  25. quid vetat? ut pueris olim dant crustula blandi
  26. doctores, elementa velint ut discere prima:
  27. sed tamen amoto quaeramus seria ludo:
  28. ille gravem duro terram qui vertit aratro,
  29. perfidus hic caupo, miles nautaeque, per omne
  30. audaces mare qui currunt, hac mente laborem
  31. sese ferre, senes ut in otia tuta recedant,
  32. aiunt, cum sibi sint congesta cibaria: sicut
  33. parvola—nam exemplo est—magni formica laboris
  34. ore trahit quodcumque potest atque addit acervo
  35. quem struit, haud ignara ac non incauta futuri.
  36. quae, simul inversum contristat Aquarius annum,
  37. non usquam prorepit et illis utitur ante
  38. quaesitis sapiens, cum te neque fervidus aestus
  39. demoveat lucro neque hiems, ignis mare ferrum,
  40. nil obstet tibi, dum ne sit te ditior alter.
  41. quid iuvat inmensum te argenti pondus et auri
  42. furtim defossa timidum deponere terra?
  43. quod, si conminuas, vilem redigatur ad assem?
  44. at ni id fit, quid habet pulcri constructus acervus?
  45. milia frumenti tua triverit area centum:
  46. non tuus hoc capiet venter plus ac meus: ut, si
  47. reticulum panis venalis inter onusto
  48. forte vehas umero, nihilo plus accipias quam
  49. qui nil portarit. vel dic quid referat intra
  50. naturae finis viventi, iugera centum an
  51. mille aret? «at suave est ex magno tollere acervo.»
  52. dum ex parvo nobis tantundem haurire relinquas,
  53. cur tua plus laudes cumeris granaria nostris?
  54. ut tibi si sit opus liquidi non amplius urna
  55. vel cyatho et dicas «magno de flumine mallem
  56. quam ex hoc fonticulo tantundem sumere.» eo fit,
  57. plenior ut siquos delectet copia iusto,
  58. cum ripa simul avolsos ferat Aufidus acer.
  59. at qui tantuli eget quanto est opus, is neque limo
  60. turbatam haurit aquam neque vitam amittit in undis.
  61. at bona pars hominum decepta cupidine falso
  62. «nil satis est», inquit, «quia tanti quantum habeas sis»:
  63. quid facias illi? iubeas miserum esse, libenter
  64. quatenus id facit: ut quidam memoratur Athenis
  65. sordidus ac dives, populi contemnere voces
  66. sic solitus: «populus me sibilat, at mihi plaudo
  67. ipse domi, simul ac nummos contemplor in arca.»
  68. Tantalus a labris sitiens fugientia captat
  69. flumina – quid rides? mutato nomine de te
  70. fabula narratur: congestis undique saccis
  71. indormis inhians et tamquam parcere sacris
  72. cogeris aut pictis tamquam gaudere tabellis.
  73. nescis, quo valeat nummus, quem praebeat usum?
  74. panis ematur, holus, vini sextarius, adde
  75. quis humana sibi doleat natura negatis.
  76. an vigilare metu exanimem, noctesque diesque
  77. formidare malos fures, incendia, servos,
  78. ne te conpilent fugientes, hoc iuvat? horum
  79. semper ego optarim pauperrimus esse bonorum.
  80. at si condoluit temptatum frigore corpus
  81. aut alius casus lecto te adflixit, habes qui
  82. adsideat, fomenta paret, medicum roget, ut te
  83. suscitet ac reddat gnatis carisque propinquis?
  84. non uxor salvum te volt, non filius; omnes
  85. vicini oderunt, noti, pueri atque puellae.
  86. miraris, cum tu argento post omnia ponas,
  87. si nemo praestet, quem non merearis, amorem?
  88. an si cognatos, nullo natura labore
  89. quos tibi dat, retinere velis servareque amicos,
  90. infelix operam perdas, ut siquis asellum
  91. in campo doceat parentem currere frenis?
  92. denique sit finis quaerendi, cumque habeas plus,
  93. pauperiem metuas minus et finire laborem
  94. incipias, parto quod avebas, ne facias quod
  95. Ummidius quidam; non longa est fabula: dives
  96. ut metiretur nummos, ita sordidus, ut se
  97. non umquam servo melius vestiret, ad usque
  98. supremum tempus, ne se penuria victus
  99. opprimeret, metuebat. at hunc liberta securi
  100. divisit medium, fortissima Tyndaridarum.
  101. «quid mi igitur suades? ut vivam Naevius aut sic
  102. ut Nomentanus?» pergis pugnantia secum
  103. frontibus adversis conponere: non ego avarum
  104. cum veto te, fieri vappam iubeo ac nebulonem:
  105. est inter Tanain quiddam socerumque Viselli:
  106. est modus in rebus, sunt certi denique fines,
  107. quos ultra citraque nequit consistere rectum.
  108. illuc, unde abii, redeo, qui nemo, ut avarus,
  109. se probet ac potius laudet diversa sequentis,
  110. quodque aliena capella gerat distentius uber,
  111. tabescat neque se maiori pauperiorum
  112. turbae conparet, hunc atque hunc superare laboret.
  113. sic festinanti semper locupletior obstat,
  114. ut, cum carceribus missos rapit ungula currus,
  115. instat equis auriga suos vincentibus, illum
  116. praeteritum temnens extremos inter euntem.
  117. inde fit, ut raro, qui se vixisse beatum
  118. dicat et exacto contentus tempore vita
  119. cedat uti conviva satur, reperire queamus.
  120. iam satis est. ne me Crispini scrinia lippi
  121. conpilasse putes, verbum non amplius addam.

Horatius Flaccus: Liber I Sermo 1 (Satire 1)

Horatius Sermo I 1

Zum lateinischen Text

  1. Wie kommt's, Mäcenas, dass niemand mit seinem Geschicke –
  2. sei's aus eignem Entschluss, sei's zu ihm aus Zufall gestoßen –
  3. friedlich zu leben vermag, sondern preist der andern Berufe?
  4. «Glückliche Händler, ihr!» so ruft der ergraute Milite,
  5. der sich nach mühsamem Kampf mit gebrochenen Gliedern dahinschleppt.
  6. Anders der Händler spricht, dessen Schiff vom Südwind getrieben:
  7. «Kriegesdienst hat es gut! Warum? Weil im kurzem Gefechte
  8. entweder schneller Tod oder freudiger Sieg sich ereignet.»
  9. Ackerbau lobt der Jurist und gesetzeserfahrene Anwalt,
  10. wenn beim Hahnenschrei die Klienten ans Haustor schon klopfen.
  11. Jener, um Bürgen zu stell'n vom Land in die Stadt beordert,
  12. einzig als glücklich beseufzt die Lebenskünstler der Städte.
  13. Weiteres dieser Art mag selbst dem berüchtigten Schwätzer
  14. Fabius werden zu viel. Für dich sag ich ohne Zögern,
  15. wo ich hinaus drauf will: Wenn ein Gott nun sagte: «Wohlan denn,
  16. schon ist gemacht, was gewollt: Du einstiger Krieger wirst Kaufmann!
  17. Du, der Rechtsrat erteilt, machst nun einmal was Rustikales!
  18. Ihr gehet hin, ihr andern kommt her durch Tausch eurer Rollen!»
  19. Und was passieret? Nichts, wenn selbst ihr Glück sie erwählten.
  20. Wäre dies nicht ein Grund, dass Jupiter darauf in Rage
  21. mit einem dicken Hals verkündet, er werde in Zukunft
  22. nicht mehr so gnädig sein, Gebeten Gehör noch zu schenken?
  23. Was aber hilft‘s,ein großes Gewicht von Gold oder Silber
  24. in ein verborgen und bange gegrabenes Erdioch zu senken?
  25. Wenn du‘s verbrauchst, so kannst du es schnell als wertlos dir denken.
  26. Wenn‘s aber nicht geschieht, was hat dann ein Geldhaufen Schönes?
  27. Mag deine Tenne auch hundert mal tausende Dreschtonnen fassen,
  28. nicht wird dann je dein Bauch noch mehr als der meinige fassen.
  29. Oder wenn mühsam als Sklave du schlepptest den Brotkorb von hinnen,
  30. nichts hätt‘st du mehr als jener, der in ihm trägt gar nichtj darinnen.
  31. Sag, was dem Landvolk das Pflügen von Ar oder Hektar bedeutet?
  32. Ist es nur schöner wenn etwas aus größerem Topf man erbeutet?
  33. Wenn du uns lässt aus dem kleineren Topf genauso zu schöpfen,
  34. warum erfreust du mit deinen dich mehr als mit unseren Töpfen?
  35. Und wenn dich könnte ein Kelch oder Krug nicht besser bedienen
  36. und du dann lieber am Fluss als an winziger Quelle erschienen,
  37. kann es gescheh‘n, dass jene, die nur auf die Vorräte schielen,
  38. mit einen Ufern der reißende Aufidus abwärts wird spulen.
  39. Aber wer soviel nur schöpft, wie zum Leben er würde bestellen,
  40. schpft mit dem Wasser nicht Schlamm und sein Leben nicht lässt in den Wellen?
  41. Aber ein Großteil der Menschen. erklärt in falscher Begierde:
  42. «Nichts ist genug, denn allein was du hast gereicht dir zur Zierde!»
  43. Lass wie gewollt sie im Elend verharren wie angeblich jenen,
  44. den sein Geiz die neidischen Stimmen des Volks ließ verhöhnen:
  45. «Mag mir das Volk auch grollen, ich selbst jedoch nicht mich verachte,
  46. wenn ich zuhause mein Geld in den Schränken und Truhen betrachte.»
  47. Tantalus lechzende Lippen veridh die fliehenden Fluten!
  48. Wenn du auch lachst: Das gleiche Gerücht kann von dir man vermuten.
  49. Wer auf den Geldsäcken schläft ist dennoch ständig gehalten,
  50. seine Schätze zu schonen und bildergerecht zu vera1ten
  51. Weißt du nicht, welch einen Wert ein Taler hat, welch einen Nutzen?
  52. Brot kann man kaufen und Kohl, ein Viertelchen Wein vielleicht; aber
  53. Wozu bedarf das menschliche Wohl noch Abrakadaber
  54. Warum sich sichern mit Ärger und Angst in Nächten und Tagen
  55. Oder sich fürchten vor Räubern und Bränden und anderen Plagen,
  56. Diener, die dir bei der Flucht noch all deine Habe vernichten?
  57. Bei solchen Gütern bin arm ich und immer bereit zu verzichten:
  58. Aber wenn Schüttelfrost den erkrankten Körper geschunden
  59. Oder ein anderes Leid im Bette dich hält gebunden,
  60. sitzt dort wer, der dich pflegt und rufet den Arzt, den bekannten,
  61. dass er dich rette und gibi zurück den teuren Verwandten?
  62. Keine Gemahlin Gesundheit dir wünscht und auch keine Kinder
  63. Nachbarn hassen dich all, die Jungen und Mädchen nicht minder.
  64. Wundert es dich, dem alles vom Geld bisher war durchdrungen,
  65. keiner dir Liebe schenkt, die niemals du hast dir errungen?
  66. Wenn Verwandte man denkt, die ohne sich selbst zu entfalten
  67. Uns die Natur geschenkt, zu bewahren sich und zu erhalten,
  68. ist das verlorene Mühe, als wollte ein Esel parieren
  69. und. am Paradeplatz die rechte Passage trainieren.

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2009-03-08

Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. - 17 n. Chr.): Phaeton (Metamorphoses II 19…)

Ovidius: Metamorphoses II 19 - .

[de]Zur deutschen Übersetzung

Quo simul adclivi Clymeneia limite proles

venit et intravit dubitati tecta parentis, 20

protinus ad patrios sua fert vestigia vultus

consistitque procul; neque enim propiora ferebat

lumina: purpurea velatus veste sedebat

in solio Phoebus claris lucente smaragdis.

a dextra laevaque Dies et Mensis et Annus 25

Saeculaque et positae spatiis aequalibus Horae

Verque novum stabat cinctum florente corona,

stabat nuda Aestas et spicea serta gerebat,

stabat et Autumnus calcatis sordidus uvis

et glacialis Hiems canos hirsuta capillos. 30

Ipse loco medius rerum novitate paventem

Sol oculis iuvenem, quibus adspicit omnia, vidit

'quae' que 'viae tibi causa? quid hac' ait 'arce petisti,

progenies, Phaethon, haud infitianda parenti?'

ille refert: 'o lux inmensi publica mundi, 35

Phoebe pater, si das usum mihi nominis huius,

nec falsa Clymene culpam sub imagine celat,

pignora da, genitor, per quae tua vera propago

credar, et hunc animis errorem detrahe nostris!'

dixerat, at genitor circum caput omne micantes 40

deposuit radios propiusque accedere iussit

amplexuque dato 'nec tu meus esse negari

dignus es, et Clymene veros' ait 'edidit ortus,

quoque minus dubites, quodvis pete munus, ut illud

me tribuente feras! promissi testis adesto 45

dis iuranda palus, oculis incognita nostris!'

vix bene desierat, currus rogat ille paternos

inque diem alipedum ius et moderamen equorum.

Paenituit iurasse patrem: qui terque quaterque

concutiens inlustre caput 'temeraria' dixit 50

'vox mea facta tua est; utinam promissa liceret

non dare! confiteor, solum hoc tibi, nate, negarem.

dissuadere licet: non est tua tuta voluntas!

magna petis, Phaethon, et quae nec viribus istis

munera conveniant nec tam puerilibus annis: 55

sors tua mortalis, non est mortale, quod optas.

plus etiam, quam quod superis contingere possit,

nescius adfectas; placeat sibi quisque licebit,

non tamen ignifero quisquam consistere in axe

me valet excepto; vasti quoque rector Olympi, 60

qui fera terribili iaculatur fulmina dextra,

non agat hos currus: et quid Iove maius habemus?

ardua prima via est et qua vix mane recentes

enituntur equi; medio est altissima caelo,

unde mare et terras ipsi mihi saepe videre

fit timor et pavida trepidat formidine pectus;

ultima prona via est et eget moderamine certo:

tunc etiam quae me subiectis excipit undis,

ne ferar in praeceps, Tethys solet ipsa vereri.

adde, quod adsidua rapitur vertigine caelum 70

sideraque alta trahit celerique volumine torquet.

nitor in adversum, nec me, qui cetera, vincit

inpetus, et rapido contrarius evehor orbi.

finge datos currus: quid ages? poterisne rotatis

obvius ire polis, ne te citus auferat axis?

forsitan et lucos illic urbesque deorum

concipias animo delubraque ditia donis

esse: per insidias iter est formasque ferarum!

utque viam teneas nulloque errore traharis,

per tamen adversi gradieris cornua tauri 80

Haemoniosque arcus violentique ora Leonis

saevaque circuitu curvantem bracchia longo

Scorpion atque aliter curvantem bracchia Cancrum.

nec tibi quadripedes animosos ignibus illis,

quos in pectore habent, quos ore et naribus efflant,

in promptu regere est: vix me patiuntur, ubi acres

incaluere animi cervixque repugnat habenis.¬

at tu, funesti ne sim tibi muneris auctor,

nate, cave, dum resque sinit tua corrige vota!

scilicet ut nostro genitum te sanguine credas, 90

pignora certa petis: do pignora certa timendo

et patrio pater esse metu probor. adspice vultus

ecce meos; utinamque oculos in pectora posses

inserere et patrias intus deprendere curas!

denique quidquid habet dives, circumspice, mundus

eque tot ac tantis caeli terraeque marisque

posce bonis aliquid; nullam patiere repulsam.

deprecor hoc unum, quod vero nomine poena,

non honor est: poenam, Phaethon, pro munere poscis!

quid mea colla tenes blandis, ignare, lacertis? 100

ne dubita! dabitur (Stygias iuravimus undas),

quodcumque optaris; sed tu sapientius opta!'

Finierat monitus; dictis tamen ille repugnat

propositumque premit flagratque cupidine currus.

ergo, qua licuit, genitor cunctatus ad altos

deducit iuvenem, Vulcania munera, currus.

aureus axis erat, temo aureus, aurea summae

curvatura rotae, radiorum argenteus ordo;

per iuga chrysolithi positaeque ex ordine gemmae

clara repercusso reddebant lumina Phoebo. 1100

Dumque ea magnanimus Phaethon miratur opusque

perspicit, ecce vigil nitido patefecit ab ortu

purpureas Aurora fores et plena rosarum

atria: diffugiunt stellae, quarum agmina cogit

Lucifer et caeli statione novissimus exit.

Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Latein

Zur deutschen Übersetzung

  1. hunc igitur terrorem animi tenebrasque necessest
  2. non radii solis neque lucida tela diei
  3. discutiant, sed naturae species ratioque.
  4. Principium cuius hinc nobis exordia sumet,
  5. nullam rem e nihilo gigni divinitus umquam.
  6. quippe ita formido mortalis continet omnis,
  7. quod multa in terris fieri caeloque tuentur,
  8. quorum operum causas nulla ratione videre
  9. possunt ac fieri divino numine rentur.
  10. quas ob res ubi viderimus nil posse creari
  11. de nihilo, tum quod sequimur iam rectius inde
  12. perspiciemus, et unde queat res quaeque creari
  13. et quo quaeque modo fiant opera sine divom.
  14. Nam si de nihilo fierent, ex omnibus rebus
  15. omne genus nasci posset, nil semine egeret.
  16. e mare primum homines, e terra posset oriri
  17. squamigerum genus et volucres erumpere caelo;
  18. armenta atque aliae pecudes, genus omne ferarum,
  19. incerto partu culta ac deserta tenerent.
  20. nec fructus idem arboribus constare solerent,
  21. sed mutarentur, ferre omnes omnia possent.
  22. quippe ubi non essent genitalia corpora cuique,
  23. qui posset mater rebus consistere certa?
  24. at nunc seminibus quia certis quaeque creantur,
  25. inde enascitur atque oras in luminis exit,
  26. materies ubi inest cuiusque et corpora prima;
  27. atque hac re nequeunt ex omnibus omnia gigni,
  28. quod certis in rebus inest secreta facultas.
  29. Praeterea cur vere rosam, frumenta calore,
  30. vites autumno fundi suadente videmus,
  31. si non, certa suo quia tempore semina rerum
  32. cum confluxerunt, patefit quod cumque creatur,
  33. dum tempestates adsunt et vivida tellus
  34. tuto res teneras effert in luminis oras?
  35. quod si de nihilo fierent, subito exorerentur
  36. incerto spatio atque alienis partibus anni,
  37. quippe ubi nulla forent primordia, quae genitali
  38. concilio possent arceri tempore iniquo.
  39. Nec porro augendis rebus spatio foret usus
  40. seminis ad coitum, si e nilo crescere possent;
  41. nam fierent iuvenes subito ex infantibus parvis
  42. e terraque exorta repente arbusta salirent.
  43. quorum nil fieri manifestum est, omnia quando
  44. paulatim crescunt, ut par est semine certo,
  45. crescentesque genus servant; ut noscere possis
  46. quicque sua de materia grandescere alique.

Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 146 ff, Deutsch

[la]Zum lateinischen Text

  1. Durchaus ist es gewiss, nicht dass des Geistes Schrecken und Schatten
  2. durch die Strahlen der Sonne, die Leuchtraketen des Tages
  3. werden zerstreut, sondern nur durch natürliche Klarsicht und Klugheit.
  4. Deren Prinzip vermittelt uns den folgenden Grundsatz:
  5. Niemals entsteht eine Sache aus Nichts, nicht durch göttliche Fügung;
  6. denn ihre eigene Furcht hält alle Menschen gefesselt,
  7. da sie ja allerlei auf Erden, am Himmel befürchten,
  8. deren wirkenden Grund sie nicht zu verstehen vermögen,
  9. dass sie glauben, durch göttliche Gunst sei dieses entstanden.
  10. Haben wir aber gesehen, dass nichts aus nichts kann entstehen,
  11. werden, wonach wir forschen, wir umso klarer erkennen,
  12. wo und wie alles entsteht auch ohne Hilfe der Götter.
  13. Wenn jedoch aus Nichts die Dinge könnten entstehen,
  14. könnte jedes Geschlecht auch ohne Samen erwachsen,
  15. aus dem Meer könnten Menschen, aus Scholle die schuppigen Fische,
  16. vom Firmament die beflügelten Vögel könnten sich formen.
  17. Herden- und häusliches Vieh und jede Art von Raubtier
  18. würden woher auch immer Wälder und Wüsten bewohnen.
  19. Nicht dieselbigen Früchte würden die Bäume erbringen,
  20. sondern mutierende, wenn alle sie austragen könnten.
  21. Wenn nicht mehr jegliches Ding den eigenen Samen besäße,
  22. wer könnte da den Dingen die sichere Abkunft bestimmen?
  23. Nun da jegliches Ding aus gesichertem Samen erzeugt wird,
  24. wird es nur ausgebor'n und erreicht die Linie des Lichtes,
  25. wo die Materie drin und die ersten Körner vorhanden.
  26. Und so kann es nicht sein, dass alles aus allem entstehe,
  27. weil in bestimmten Dingen bereits die verborgne Begabung.
  28. Ferner, warum sehafft Lilien der Lenz, die Säfte der Sommer,
  29. strotzende Trauben im Herbst sind hangend am Weinstock zu sehen,
  30. weil wenn zur richtigen Zeit die Stoffe zusammengeflossen,
  31. unter der Witterung Wohl sowie der belebenden Böden
  32. sicher die zarten Keime das Licht der Sonne erblicken?
  33. Käme das alles aus nichts, so würden sie plötzlich entstehen
  34. ohne bestimmte Distanz und zu fremden Jahreszeiten;
  35. denn es fehlte das Ordnungsprinzip, das sie hindern könnte
  36. an einem Zeugungsakt zu ungehörigen Zeiten.
  37. Auch nach Vereinigung bedürften nunmehr die Dinge
  38. keinerlei Wachstums, wofern aus nichts sie heranwachsen könnten;
  39. plötzlich würden aus niedlichen Nesthockern jagende Jünglinge,
  40. schössen hervor aus brachenem Boden wuchernde Wälder.
  41. Dass davon nichts geschieht, ist doch unmissverständlich, wie alles
  42. später allmählich erwächst, wie's Art ist aus eigenem Samen
  43. und im Wesen bewahrt, so dass du hieraus erkennest:
  44. Jedes erwachse und nähre sich nur aus eigenem Grundstoff.

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2016-06-05

Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Latein

Zur deutschen Übersetzung

  1. omnia enim debet, mortali corpore quae sunt,
  2. infinita aetas consumpse ante acta diesque.
  3. quod si in eo spatio atque ante acta aetate fuere
  4. e quibus haec rerum consistit summa refecta,
  5. inmortali sunt natura praedita certe.
  6. haud igitur possunt ad nilum quaeque reverti.
  7. Denique res omnis eadem vis causaque volgo
  8. conficeret, nisi materies aeterna teneret,
  9. inter se nexus minus aut magis indupedita;
  10. tactus enim leti satis esset causa profecto,
  11. quippe ubi nulla forent aeterno corpore, quorum
  12. contextum vis deberet dissolvere quaeque.
  13. at nunc, inter se quia nexus principiorum
  14. dissimiles constant aeternaque materies est,
  15. incolumi remanent res corpore, dum satis acris
  16. vis obeat pro textura cuiusque reperta.
  17. haud igitur redit ad nihilum res ulla, sed omnes
  18. discidio redeunt in corpora materiai.
  19. postremo pereunt imbres, ubi eos pater aether
  20. in gremium matris terrai praecipitavit;
  21. at nitidae surgunt fruges ramique virescunt
  22. arboribus, crescunt ipsae fetuque gravantur.
  23. hinc alitur porro nostrum genus atque ferarum,
  24. hinc laetas urbes pueris florere videmus
  25. frondiferasque novis avibus canere undique silvas,
  26. hinc fessae pecudes pinguis per pabula laeta
  27. corpora deponunt et candens lacteus umor
  28. uberibus manat distentis, hinc nova proles
  29. artubus infirmis teneras lasciva per herbas
  30. ludit lacte mero mentes perculsa novellas.
  31. haud igitur penitus pereunt quaecumque videntur,
  32. quando alit ex alio reficit natura nec ullam
  33. rem gigni patitur nisi morte adiuta aliena.
  34. Nunc age, res quoniam docui non posse creari
  35. de nihilo neque item genitas ad nil revocari,
  36. ne qua forte tamen coeptes diffidere dictis,
  37. quod nequeunt oculis rerum primordia cerni,
  38. accipe praeterea quae corpora tute necessest
  39. confiteare esse in rebus nec posse videri.
  40. Principio venti vis verberat incita corpus
  41. ingentisque ruit navis et nubila differt,
  42. inter dum rapido percurrens turbine campos
  43. arboribus magnis sternit montisque supremos
  44. cum fremitu saevitque minaci murmure pontus.
  45. sunt igitur venti ni mirum corpora caeca,
  46. quae mare, quae terras, quae denique nubila caeli
  47. verrunt ac subito vexantia turbine raptant,
  48. et cum mollis aquae fertur natura repente
  49. flumine abundanti, quam largis imbribus auget
  50. montibus ex altis magnus decursus aquai
  51. fragmina coniciens silvarum arbustaque tota,
  52. nec validi possunt pontes venientis aquai
  53. vim subitam tolerare: ita magno turbidus imbri
  54. molibus incurrit validis cum viribus amnis,
  55. dat sonitu magno stragem volvitque sub undis
  56. grandia saxa, ruit qua quidquid fluctibus obstat.

Titius Lucretius Caro: De rerum natura, I 233 ff, Deutsch

[la]Zum lateinischen Text

  1. A11es müsste bereits, vergänglich wie es nun wäre,
  2. in unendlicher Zeit und vergangenen Tagen verbraucht sein.
  3. Wären die Stoffe jedoch in Raum und Zeiten vorhanden,
  4. aus denen alles besteht und später sich wieder aufbaut
  5. nun dann sind sie gewiss von unvergänglichem Wesen.
  6. Und sie könnten danach zu Nichts nicht wieder zerfallen.
  7. Schließlich würd' jegliches Ding durch ein und dieselbige Grundkraft
  8. gänzlich kassiert, falls nicht existiert der ewige Grundstoff,
  9. der durch den Kontakt das mehr oder minder verhindert:
  10. Schon die Berührung wäre genug als Begründung des Todes.
  11. Wenn daher nichts erhalten bliebe vom ewigen Grundstoff,
  12. müsste sich ihre Verbindung durch jegliche Einwirkung lösen.
  13. Jetzt aber da bestehn für alle die Elemente
  14. differenzierter Kontakt sowie ein ewiger Grundstoff,
  15. bleiben die Dinge, solange im eigenen Wesen gesichert,
  16. bis eine Kraft mit Stärke es schafft, dem Gewebe gewachsen.
  17. Niemals daher rinnt irgend dahin zu Nichts eine Sache,
  18. alle dagegen durch Trennung zerfalln in die Teile des Urstoffs.
  19. Schließlich verrinnen die Regenfälle, wo sie Vater Äther
  20. in Mutter Erdes fruchtbaren Schoss hat stürzen lassen:
  21. Aber funkelnde Früchte entstehn, die Bäume ergrünen,
  22. wachsen nun selber heran und sind mit Erträgen beladen;
  23. davon ernährt sich fortan das Geschlecht der Menschen und Tiere;
  24. davon sehen wir fröhliche Städte mit Jugend florieren,
  25. Laubwälder widerhalln überall vom Gesang junger Vögel;
  26. hier legt ermüdetes Vieh gesättigt von reichlichem Futter
  27. sich zur Ruhe und Milch entfließt den strotzenden Eutern;
  28. hier spielt das Kalb auf wackligem Bein belebt von den Gräsern
  29. einen Säufer von Milch, der die jungen Sinne verloren.
  30. Nichts demnach in Gänze vergeht, was immer wir sehen,
  31. weil die Natur stets wiederbelebt das eine von anderen
  32. und keine Sache entstehen lässt ohne Tod einer andern.
  33. Auf denn! Nachdem ich gelehrt, dass nichts aus nichts kann entstehen
  34. und wiederum das Geschaffene nicht zu nichts kann verschwinden,
  35. dass du jedoch nicht zu zweifeln beginnst an diesem Gesagten,
  36. weil die Augen nicht sehen können den Ursprung der Dinge
  37. Nimm daher ferner an, dass nötig gewiss Elemente
  38. Dingen du zuordnen musst, die nicht können gesehen werden.
  39. Erstens: die Wucht des Windes zerwühlt die bewegten Wasser,
  40. mächtige Schiffe versenkt er und wälzt die Wolken;
  41. zwischendurch mit wechselndem Wirbel durchpflügt er die Felder,
  42. deckt sie mit riesigen Bäumen zu und die höchsten Gebirge
  43. schleift er mit wirbelndem Windbruch; und also wütet der Wind
  44. wütet und tobt mit verletzendem Lärm und drohendem Donner.
  45. Zweifelsfrei sind also Winde, dem Auge entrückt, Elemente,
  46. welche das Meer, das Land und schließlich die Wolken bewegen
  47. und mit plötzlichem Wirbel das Aufgewühlte zerreißen.
  48. Nicht auf andere Art durchfluten sie Unheil verkündend
  49. wie wenn beschaulicher Bach zum reißenden Strome sich wandelt,
  50. der durch Regen vermehrt aus hohen Bergen herabstürzt,
  51. Brüche von Forsten treibend und ganze Waldungen auch;
  52. starke Brücken ertragen nicht die Gewalt des Wassers;
  53. so von Hagel getrübt stürmt mächtig er gegen die Dämme,
  54. stürzt sie mit Lärm hinab und wälzt unter seinen Gewässern
  55. große Steine dahin und das was den Fluten im Wege.

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2016-06-05

Ovidius: Metamorphoses II 19 ff (Phaethon)

[la]Zum lateinischen Text

Dorthin auf steigendem Steg Clymenes Sohn sich begibt nun,

klettert hinauf und betritt den Palast des vermeintlichen Vaters,

nähert sich suchenden Schritts der väterlichen Erscheinung,

zögert, da nicht imstande noch näheres Licht zu ertragen.

Eingehüllt im Purpurgewande sass auf seinem Throne

Sonnengott Phöbus im leuchtenden Glanz von klaren Smaragden.

Rechts von ihm und links der Tag, die Monde, der Jahrgang,

Lebensabschnitte auch und an gleichen Plätzen die Horen:

Da stand ein Frühlingskind gekrönt mit blühenden Kränzen,

eine im Sommerkleid, die führte gebundene Ähren,

das stand ein Herbstesknecht bespritzt von getretenen Trauben,

schließlich ein Wintergreis verwühlt die struppigen Strähnen.

Mitten an diesem Ort, der beeindruckt den zögernden Jüngling,

sieht ihn der Sonnengott an mit Augen, die alles erblicken.

„Welches Begehr führt des Weges dich her, was in diesen Mauern

suchst du, mein Sohn Phaeton, beim nicht dich verleugnenden Vater?“

Jener entgegnet: “0 leuchtendes Licht unermesslicher Welten,

Phöbus mein Vater, wenn dies Attribut du erlaubst zu gebrauchen

und nicht mit falschem Schein Clymene ihr Vergehen verdeckte,

gib mir, Erzeuger, Beweis, dass glaublich ich Wahres behaupte

und nimm jeden Zweifel hinweg von unseren Seelen!“

Sprachs und der Vater entfernt den funkelnden Glanz seines Hauptes

und befiehlt seinem Sohn, doch näher heranzutreten,

ihn umarmend er spricht: „Dich darf ich als mein nicht verleugnen

und Clymene verriet dir Wahres von deiner Herkunft.

Doch dass Dein Argwohn vergeht, erbitte dir nur eine Gabe,

die ich erfüllen kann! Für dies Versprechen sei Zeuge

jener beschworene Schlund, der selbst meinen Augen verborgen.“

Kaum er geendet, erbittet der Sohn den Wagen des Vaters

und einen Tag die Erlaubnis zu führn die geflügelten Pferde.

Reue erfasst den schwörenden Vater, der dreimal und viermal

schlägt sich das leuchtende Haupt und erklärt: „Du hast etwas Schlimmes

aus der Verheißung gemacht. Ach könnte ich doch widerrufen

vorschnellen Schwur! Ich gesteh, den würde dir, Bub, ich verweigern.

Abzuraten, das geht: Dies ist ein gefährlich Begehren!

Großes ersehnst du, Phäton, und Geschenke, die weit überschreiten

deine vorhandenen Kräfte und deine so kindlichen Jahre.

Sterblichkeit ist dein Geschick und Sterbliches nicht, was du forderst!

Mehr erstrebst du auch, als Höheren zukommen könnte,

Ahnungsloser du, ein jeder soll selbst sich genügen;

denn auf dem feurigen Ross kann keiner sich sicher behaupten,

ich bin die Ausnahme! Auch der Lenker des weiten Olympus,

der mit schrecklicher Hand verschleudert die zuckenden Blitze,

fährt diesen Wagen nicht: Und was könnte Zeus übertreffen?

Steil ist der Anfang des Wegs und selbst von den frichen Pferden

kaum zu ersteigen; und dann von der höchsten Stelle des Himmels

Meer und Länder zu sehen mir selbst bereitet Beklemmung

und in beklommener Angst erzittert der ganze Körper.

Jäh ist das Ende des Wegs und erfordert die sichere Lenkung;

Schließlich, wenn sie mich empfängt in den unter ihr liegenden Wellen,

Tethys auch selbst immer bangt, dass kopfüber ich könnte zerschellen.

Kommt noch hinzu, dass der Himmel vorbeizieht in ständigem Wirbel

und die höchsten Sterne bewegt in schneller Umdrehung.

Dagegen stemm ich mich, damit mich der Fahrtwind nicht umwirft,

und dreh im Gegenlauf zum Weltkreis die andere Kurve.

Angenommen du fährst, was tust du, wie kannst du erreichen,

zwischen den drehenden Polen die Linie nicht schnell zu verlieren?

Möglicherweise erwartest du auch, dass dort sich befinden

Stätten und Städte der Götter, Gebäude, die reich an Geschenken?

Widrigkeit säumet den Weg und Sternbilder grässlicher Bestien,

dennoch den Weg halte fest und Irrtum darf nicht dich verführen,

du musst die Hörner passieren des zugewendeten Stieres,

Bug vom Argiverschiff und die Schnauze des schnaubenden Löwen,

den Skorpion, der in wilder Umdrehung die Fänge entfaltet,

und den in nächtlicher Richtung sich windenden Wassermann.

Dir fällt es sicher nicht leicht, die Vierhufer mit ihrem Feuer,

das in der Brust sie entfachen und fauchen durch Maul und Nüstern,

schnell und richtig zu führen, wo mich schon kaum sie ertragen,

wenn erst ihr Feuer entfacht und der Nacken verweigert die Zügel.

Du aber hüte dich, dass nichts ich dir Schädliches schenke,

und mein Junge, solang es noch geht, korrigiere dein Votum!

Möglich, dass für die Vermutung, aus unserem Blute zu stammen,

sichre Beweise du suchst? Ich bringe Beweis durch die Sorge

und meine Vaterfurcht, wie nur sie ein Vater empfindet.

Sieh mein Gesicht, wenn schon du kannst nicht ins Herze mir blicken

und tief im Innersten des Vaters Befürchtung erfahren!

Sieh schließlich um dich herum, welch Reichtümer hat unser Erdbal1

und von Gütern des Himmels, der Erde und auch des Meeres

fordre so viel und so groß, ich werde dir keines verweigern!

Dringend erlass mir nur eins, was Strafe ist und keine Ehre:

Ja, Phäton, wirklich ist Strafe, was als Geschenk du erstrebest!

Was meinen Hals, du Tor, umfährst du mit schmeichelnden Armen?

Zweifle nicht, dass ich zedier — wir schworen bei Stygias Wellen —

was auch immer du wünschst, du musst nur Vernünftiges wünschen!“

So den Appell er beschloss. Doch jener verwirft das Gesagte,

wischt die Warnung hinweg und entbrennt in Gier auf den Wagen.

Also, nachdem so lange der Vater gezögert hatte,

führt seinen Sohn er hin zum hehren Geschenk des Vulkanus.

Golden war schon das Gestell und golden die Deichsel, die Felgen

sämtlicher Räder von Gold und von Silber die Staffel der Speichen.

Auf dem Joch Edelstein, aneinandergereihete Perlen,

die im Widerschein Phöbus' leuchtendes Licht reflektieren.

Während im Hochgefühl Phaeton noch das Kunstwerk bewundert,

siehe da öffnet die Wächtrin Aurora im glänzenden 0sten

purpurne Flügeltürn und die Vorhallen wuchernder Rosen:

Sterne vergehn, deren Haufen noch eben der Lucifer führte,

und aus der Öffnung des Himmels der neueste Tag geht hervor.



Als den die Erde berührn und den Himmel sich röten sah,

ferner die äußersten Spitzen der Mondsichel dort verschwinden,

scheucht der Titan die Horen, die Pferde jetzt anzuschirren.

Just wie befohln so befolgt, die führten die vierhufgen Gäule,

feuerspeiend und satt vom Saft aus erhabenen Krippen,

eilends heran und zäumten sie auf mit klirrenden Zügeln.

Dann salbt der Vater dem Sohn das Gesicht mit ambrosischen Ölen

und macht es so resistent gegen sengende Sonnenstrahlen,

setzt ihm aufs Haar den Strahlenkranz und aus ängstlicher Seele,

ringt sich erneut ein Trauriges fürchtender ahnender Seufzer:

„Folgtest, mein Junge, du bloß dem folgenden Rat deines Vaters:

Halte die Knute im Zaum und kräftiger nutze die Zügel!

Vorwärts sie traben allein, man muss an der Hetzjagd sie hindern.

Meid den gefälligen Weg direkt durch die fünf Hemisphären,

Seitwärts wird er begrenzt durch eine geräumige Krümmung,

reichen drei Sphären dir schon, so kannst du am End dich erwehren

südlicher Polregion und der nördlichen Winde des Bären.

Ob so der Weg, das findst du belegt durch die Spuren der Räder.

Und dass du Himmel und Erde in gleicher Erwärmung kannst halten,

lenk das Gefährt nicht zu tief und auch nicht zu hoch durch die Lüfte!

Fährst du zu hoch hinauf, so verbrennst du die himmlischen Dächer,

fährst du dagegen zu tief, die irdischen: Sichre die Mitte!

Fährst du zu weit nach rechts, so wirst du verschlagen zum Drachen,

fährst du zu weit nach links, so drückt dich das Rad zum Altare:

Halt zwischen beiden dich! Den Rest überlass ich Fortuna,

die, wie ich wünsche, dir hilft und dir mehr als du selber kann raten.

Während ich rede, versinkt die neblige Nacht schon im Westen

hinter dem Horizont. Uns bleibt keine freie Minute.

Wir müssen los, sonst vertreibt Aurora die flüchtigen Schatten.

Packe die Zügel behend! Und wenn dir noch Zweifel im Herzen,

dann so benutz meinen Rat und nicht meinen rollenden Wagen!

Wenn du noch kannst und solange du stehst auf sicherem Boden

wenn das verwünschte Gefährt noch fern den nicht kundigen Händen,

sieh dich als sicher an und lass mich die Länder erleuchten!“

Aber mit kindlichem Schwung bemächtigt sich der der Kalesche,

reckt sich empor und genießt, mit Händen zu greifen die Zügel,

die er soeben mit Dank vom sich sträubenden Vater empfangen.

Unterdessen ertönt von allen geflügelten Pferden:

Sonnenpferd Pyrois, Eos, Aethon und als viertem dem Phlegon

feuriges Wiehern und Hämmern der Hufe dem Schlagbaum entgegen.

Als diesen nun Tethys, vom Schicksal des Enkels nichts wissend,

wegzieht und damit eröffnet die Weite des herrlichen Himmels,

packen den Weg sie an und teilen mit wirbelnden Hufen

die ihnen durch die Lüfte entgegenziehenden Wolken,

sind mit erhobenen Flügeln noch schneller als östliche Winde.

Doch seine Last war zu leicht und das konnten sie nicht erkennen,

Pferde des Lichts, deren Joch des gewohnten Gewichtes entbehrte.

Wie ohne rechten Ballast die Schiffe zu schaukeln beginnen,

um ohne Sicherheit ein Spielball des Meeres zu werden,

so ohne übliche Last der Wagen schnellt in die Lüfte,

wird in die Höhe gerissen und gleicht einem Geisterfahrzeug.

Kaum sie das hatten gespürt, da fing das Gespann an zu zerren,

bricht aus der sichtbaren Bahn und läuft nicht in früherer Ordnung.

Jener bekommt's mit der Angst und weiß nicht die Zügel zu halten,

weiß nicht den Weg und, wenn er ihn wüsste, die Pferde zu lenken

Erstmals erglühen da in Wärme die starren Trionen

und übersehn das Verbot, im Meere sich abzukühlen.

Auch die dem eisigen Pol am nächsten gelegene Schlange,

vorher in Kälte erlahmt und niemandem jemals bedrohlich,

wärmte sich auf und geriet durch die Hitze in neue Erregung,

und auch dich, Bootes, erregt, beide mahnen zu fliehen,

wenn du auch zaghaft bist und deine Gespann dich zügeln.



Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Latein

[la]Zum deutschen Text

  1. Nec te nobilium fugiat certamen equorum;          135
  2.    Multa capax populi commoda Circus habet.
  3. Nil opus est digitis, per quos arcana loquaris,
  4.    Nec tibi per nutus accipienda nota est:
  5. Proximus a domina, nullo prohibente, sedeto,
  6.    Iunge tuum lateri qua potes usque latus;          140
  7. Et bene, quod cogit, si nolis, linea iungi,
  8.    Quod tibi tangenda est lege puella loci.
  9. Hic tibi quaeratur socii sermonis origo,
  10.    Et moveant primos publica verba sonos.
  11. Cuius equi veniant, facito, studiose, requiras:          145
  12.    Nec mora, quisquis erit, cui favet illa, fave.
  13. At cum pompa frequens caelestibus ibit eburnis,
  14.    Tu Veneri dominae plaude favente manu;
  15. Utque fit, in gremium pulvis si forte puellae
  16.    Deciderit, digitis excutiendus erit:          150
  17. Etsi nullus erit pulvis, tamen excute nullum:
  18.    Quaelibet officio causa sit apta tuo.
  19. Pallia si terra nimium demissa iacebunt,
  20.    Collige, et inmunda sedulus effer humo;
  21. Protinus, officii pretium, patiente puella          155
  22.    Contingent oculis crura videnda tuis.
  23. Respice praeterea, post vos quicumque sedebit,
  24.    Ne premat opposito mollia terga genu.
  25. Parva leves capiunt animos: fuit utile multis
  26.    Pulvinum facili composuisse manu.          160
  27. Profuit et tenui ventos movisse tabella,
  28.    Et cava sub tenerum scamna dedisse pedem.
  29. Hos aditus Circusque novo praebebit amori,
  30.    Sparsaque sollicito tristis harena foro.
  31. Illa saepe puer Veneris pugnavit harena,          165
  32.    Et qui spectavit vulnera, vulnus habet.
  33. Dum loquitur tangitque manum poscitque libellum
  34.    Et quaerit posito pignore, vincat uter,
  35. Saucius ingemuit telumque volatile sensit,
  36.    Et pars spectati muneris ipse fuit.   

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2018-06-28

Ovidius: Ars Amatoria (in circo), Deutsch

[la]Zum lateinischen Text

  1. Nicht dir lasse entgehn den Kampf der edelen Pferde:
  2.      Vielfalt der Völker bunt    bietet des Circus Rund.
  3. Nicht braucht es Fingerzeichen, um Heimliches auszusprechen,
  4.      nicht brauchst kopfnickend Du Nachrichten stimmen zu.
  5. Möglichst nahe der Dame kann nichts dich hindern zu sitzen,
  6.      rücke so weit man kann    Seite an Seit zu ihr ran.
  7. Gut dass die Sitzordnung zwingt, den Weichenden näher zu rücken.
  8.      Du sie berühren musst,    wie du am Platze es tust.
  9. Hier nun sollst Du versuchen, vertrautes Gespräch zu beginnen
  10.      und zu bestimmen den Ton    durch Alltägliches schon:
  11. Wessen Pferde da kommen - na los - sollst eifrig du fragen;
  12.      wen sie auch favorisiert,    favorisiere auch Du!
  13. Und wenn der übliche Festzuq mit Elfenbein-Göttern hereinkommt:
  14.      Venus der Herrscherin    gebe sich dein Beifall hin!
  15. Sollte in ihrem Schoße sich zufällig Staub befinden,
  16.      wische ihn mit der Hand    weg von des Mädchens Gewand.
  17. Gibt es jedoch keinen Staub, wische ihn trotzdem zur Seite:
  18.      Jede Gefälligkeit    schafft dir Gelegenheit.
  19. Sollte ihr 0bergewand zu heftig nach unten rutschen,
  20.      raffe es wieder hoch;    ehe es schmutzig noch.
  21. Vorwärts, a1s Freundlichkeits-Lohn erlaubt das geduldige Dämchen
  22.      deinen Augen, so schön    ihre Beine zu sehn.
  23. Sieh Dich zuweilen um, wer hinter euch kommet zu sitzen,
  24.      dass er mit spitzem Knie    treff ihre Schulter nie.
  25. Kleinigkeiten erfreuen die Sinne: so ist es von Nutzen,
  26.      Kissen mit leichter Hand    rücken zu Rechte galant.
  27. Vorteilhaft ist zudem ein Fächer zu mildern die Hitze
  28.      und eine Schwelle als Halt unter dem feinen Fuß.
  29. Diese Zugänge bietet der Circus der neueren Liebe
  30.      und provisorischer Sand    rings um den traurigen Markt.
  31. Hier auf dem Sandplatz sich oft duellierte ein Lehrling der Venus
  32.      und, wo er Wunden erblickt,    selbst eine Wunde ihn drückt:
  33. Während er spricht, berührt er die Hand, das Programm zu erbitten,
  34.      fragt nach Einsatz zum Spiel,    welcher von beiden im Ziel.
  35. Leidend beginnt er zu seufzen und fühlt die geflügelten Pfeile
  36.      und wird selber ein Stück    dessen, was er hatte im Blick.
  37.      und wird selber ein Stück    dessen, was er hatte im Blick.

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2018-06-28

Vergilius: Ecloge IV

Vergilius: Ecloge IV

Publius Marcus Vergil

15.l0.70 - 21.09.19 v.Chr.



Musen des Theokrit, wir wolln etwas Höh'res besingen!
Nicht jeder mag Gebüsch und die niedrigen Tamarisken,
wenn wir singen vom Wald, so entsprach es der Würde des Konsuls.
Schon hat die letzte Epoche des Epos von Cumae begonnen:
Groß vom Ursprung entsteht der Jahrhunderte ewige Folge,
schon kommt Dike zurück und die alten Saturnischen Reiche,
schon wird ein neues Geschlecht vom Himmel zur Erde gelassen.
Zeig dich, du heilige Mutter, nur hilfreich dem kommenden Kinde
mit dem die eiserne Zeit durch die goldene Ablösung findet,
in aller Welt regieret bereits dein Bruder Apollo.

Und gerade dein Konsulat ist Anfang von glänzenden Zeiten,
unter dir, Pollio, beginnen geschichtliche große Epochen;
gibt es noch Spuren von unserem Krieg, so sind sie getilget,
lösen nach deinem Geheiß die Erde von ewigem Schrecken.
Göttliches Leben empfängt dein Sohn, wird Götter und Helden
innig vereint erblicken und selbst sich inmitten von ihnen,
friedlich regiert er die Welt mit vom Vater ererbten Talenten.
1.
Schon als Knabe schenkt dir die Erde aus eigenem Antrieb
rankendes Efeugestrüpp durchsetzt mit baccarischen Rosen,
knorriges Wurzelgeflecht vermischt mit dem heitren Akanthus.
Freiwillig tragen zum Stall die Ziegen die strotzenden Euter
und keine Haustiere fürchten sich länger vor riesigen Löwen.
Freiwillig spendet die heimische Wiege dir liebliche Blumen.
Hinscheiden wird die Schlange und eingehen giftige Gräser;
morgenländische Kräuter solln allenthalben ersprießen.
2.
Und sobald du beginnst, die Heldenlieder und Werke
deines Vaters zu mustern und deren Verdienst zu erkennen,
färbt sich allmählich gelb das Feld mit wogenden Ähren,
werden wuchernde Dornbüsche voll von rötlichen Trauben
und vertrocknete Eichen triefen von tauigem Honig.
Wenige Spuren verbleiben von einstigen sündigen Zwängen,
Meere per Schiff zu befahren, mit Mauern die Stadt zu umstellen
und in die Erde die Furchen des Pfluges graben zu müssen.
Dann wird ein anderer Tiphys und andere Argonauten
ausgewählte Helden in andere Kriege führen,
und wiederum nach Troja gesandt ein großer Achilles.
3.
Wenn schon das reifere Alter dich werden ließ zum Manne,
wird auch der Seefahrer weichen, kein Schiff mehr Waren verbringen:
Dann überall wird die Erde die nötigen Dinge erzeugen.
Nicht mehr duldet der Boden die Hacke, der Weinstock die Schere;
kräftige Pflüger sogar erlösen die Stiere vom Joche;
nicht mehr verschiedene Farben zu täuschen braucht mehr die Wolle,
sondern von selbst auf der Weide das Schaf sein Fell wird verwandeln
mal in weichrotes Purpur, mal in safranig Gelb;
freiwillig kleidet die Scharlachstaude die weidenden Lämmer.
"Solche Epochen durchlauft!" den Spindeln befahlen die Parzen
einig durch göttlichen Wink des sicheren Blicks in die Zukunft.
Nimm nun die großen Ehrungen an (die Zeit ist gekommen),
lieblicher Göttersohn und Jupiters großer Vollstrecker!

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim ,2001

Vergil: Heldenschau

Vergil: Heldenschau

[de] Zur deutschen Übersetzung

Vergil: Aeneis 6, 756 - 807

Nunc age, Dardaniam prolem quae deinde sequatur

gloria, qui maneant Itala de gente nepites,

iniustiis animas nostrumque in normen ituras,

expediam dictis et te tua fata docebo.

Ille - vides - (pura iuvenis qui nititur hasta,

proxima sorte tenet lucis loca) primus ad auras

aetherias Italo commixtus sanguine surget,

Silvius, Albanum nomen, tua postuma proles,

quem tibi longaevo serum Lavinia coniunx

educet silvis regem regumque parentem,

unde genus Longa nostrum dominabitur Alba.

...

...

Quin et avo comitem sese Mavortius addet

Romulus, Assaraci quem sanguinis Ilia mater

educet. Viden, ut geminae stant vertice cristae

et pater ipse suo superum iam signat honore?

En huius, nate, auspiciis illa incluta Roma

imperium terris, animos aequabit Olympo,

septemque una sibi muro circumdabit arces,

felix prole virum: Qualis Berecyntia mater

invehitur curru Phrygias turrita per urbes,

laeta deum partu, centum complexa nepotes,

omnis caelicolas, omnis supera alta tenentis.

Huc geminas nunc flecte acies, hanc aspice gentem

Romanosque tuos. Hic Caesar et omnis Iuli

progenies magnum caeli ventura sub axem.

Hic vir, hic est, tibi quem promitti saepius audis,

Augustus Caesar, Divi genus, aurea condet

saecula qui rursus Latio regnata per arva

Saturno quondam super et Garamantas et Indos

proferet imperium; iacet extra sidera tellus,

extra anni solisque vias, ubi caelifer Atlas

axem umero torquet stellis ardentibus aptum.

Huius in adventum iam nunc et Caspia regna

responsis horrent divum et Maeotia tellus

et septemgemini turbant trepida ostia Nili.

Nec vero Aicides tantum telluris obivit

(fixerit aeripedem cervam licet aut Erymanthi

pacarit nemora et Lernam tremefecerit arcu)

nec qui pampineis victor iuga flectit habenis

Liber agens celso Nysae de vertice tigris.

Et dubitamus adhuc virtutem extendere factis,

aut metus Ausonia prohibet consistere terra?

Quis procul ille autem ramis insignis olivae

sacra ferens? Nosco crinis incanaque menta

regis Romani, primam qui legibus urbem

fundabit, Curibus parvis et paupere terra

missus in imperium magnum. Cui deinde subibit,

otia qui rumpet patriae residesque movebit

Tullus in arma viros et iam desueta triumphis

agmina. Quem iuxta sequitur iactantior Ancus,

nunc quoque iam nimium gaudens popularibus auris.

Vis et Tarquinios reges animamque superbam

ultoris Bruti fascisque videre receptos?

Consulis imperium hic primus saevasque securis

accipiet, natosque pater nova bella moventis

ad poenam pulchra pro libertate vocabit,

infelix, utcumque ferent ea facta minores:

Vincet amor patriae laudumque immensa cupido.

Quin Decios Drusosque procul saevumque securi

aspice Torquatum et referentem signa Camillum.

Illae autem, paribus quas fulgere cernis in armis,

concordes animae nunc et dum nocte prementur,

heu quantum inter se bellum, si lumina vitae

attigerint, quantas acies stragemque ciebunt,

aggeribus socer Alpinis atque arce Monoeci

descendens, gener adversis instructus Eois!

Ne, pueri, ne tanta animis adsuescite bella

neu patriae validas in viscera vertite viris;

tuque prior, tu parce, genus qui ducis Olympo,

proice tela manu, sanguis meus!

Ille triumphata Capitolia ad alta Corintho

victor aget eurrum, caesis insignis Achivis;

eruet ille Argos Agamemnoniasque Mycenas

ipsumque Aeaciden, genus armipotentis Achilli,

ultus avos Troiae, templa et temerata Minervae.

Quis te, magne Cato, tacitum aut le, Cosse, relinquat?

Quis Gracchi genus aut geminos, duo fulmina belli,

Scipiadas, cladem Libyae, parvoque potentem

Fabricium vel te sulco, Serrane, serentem?

Quo fessum rapitis, Fabii? Tu Maximus ille es,

unus qui nobis cunctando restituis rem.

Excudent alii spirantia mollius aera

- credo equidem -, vivos ducent de marmore vultus,

orabunt causas melius caelique meatus

describent radio et surgentia sidera dicent:

Tu regere imperio populos, Romane, memento,

(hae tibi erunt artes) pacique imponere morem,

parcere subiectis et debellare superbos.

Vergil: Heldenschau

Vergil: Heldenschau in der Aeneis

[la] Zum lateinischen Text

Im Elysium erklärt Anchises dem Sohn, nach den zahlreichen Seelen am Fluss befragt, die Seelenwanderungslehre: Nach einer Phase der Läuterung trinken die Seelen der Verstorbenen aus dem "Fluss des Vergessens", um dann neuerdings auf die Erde zurückzukehren. Die Vorstellung bedeutender künftiger Römer ("Heldenschau") ermutigt Aeneas zur Fortsetzung seiner mühevollen Mission.

Aeneis 6,756 ff

Nun also: Was dem Dardanischen Stamm zuteil wird am Ruhme,

welch eine Nachkommenschaft aus italischem Volke dagegen

glanzvolle Geisteshöhe erreicht in unserem Namen,

das will erläutern ich dir und dein eigenes Schicksal dir deuten:

Siehe nur hin (wie grad der Junge gestützt auf die Lanze

nächstens vom Lose zum Lichte bestimmt) als erster wird atmen

himmlische Lüfte mit Lungen, getränkt von italischem Blute.

Silvius ist der albanische Name des nach dir Gebornen,

den dir Verblichenen einst deine Gattin Lavinia aufzieht

aus den Wäldern heraus zum König und Vater der Herrscher,

von denen unser Geschlecht wird Alba Longa regieren.

...

Anschließend drängen Procas, der Ruhm des trojanischen Volkes,

Capys und Numitor sowie deines Namens Erhalter

Silvius Aeneas, ein Vorbild an Keuschheit und Kampfkraft,

wenn er dereinst übernehmen wird die Herrschaft in Alba.

Prächtige Burschen! Und sieh, welche Manneskräfte sie zeigen

und die verdunkelten Zeiten mit Zivilisierung erfüllen:

Sie stiften Städte wie Nomentum, Gabii und Fidenae,

sie besetzen die Berge mit Forts wie Collatia, Pometia,

sie legen Siedlungen an wie Inui, Bola und Cora,

die dereinst nennenswert sind, wenn auch jetzt noch ein Land ohne Namen.

Schon dem Ahnherrn Gefolgschaft leistet des Marsgottes Sprössling

Romulus, den von Assarakos Stamm die Ilia aufzieht.

Siehst du stehen auf seinem Haupt den doppelten Helmbusch,

wie sein Vater ihn schon bezeichnet mit göttlicher Ehre?

Unter dessen Segen, mein Sohn, wird Rom, das berühmte,

alle Länder regieren und Geistesgröße erlangen,

sieben Hügel vereint mit einer Mauer umgeben.

Hierher nun wende die Blicke ganz und betrachte den Volksstamm,

deine eigenen Römer mit Cäsar und aller von Julus

Nachkommenschaft, die aufsteigen wird zum Himmelsgewölbe.

Hier, ja hier ist der Mann, der versprochen des öftern dir wurde

Cäsar Augustus, des Göttlichen Sohn, der goldene Zeiten

sendet dem einst von Saturn regierten latinischen Acker

und die Herrschaft erstreckt zu den Garamantern und Indern;

außerhalb liegt ihr Gebiet von den uns vertrauten Gestirnen,

außerhalb unserer Zeitenrechnung, wo stützender Atlas

nackengebeugt bewegt den sternenstrahlenden Himmel.

Heut schon orakelbelehrt erzittern die Kaspischen Reiche

vor seiner Ankunft und ebenso das Land der Mäoten,

sind von Furcht bestürmt die sieben Gestade des Niles.

Nicht einmal Herakles durchmaß so viel von der Erde,

(mochte erhetzen er auch den Hirsch mit den ehernen Hufen,

mochte betäuben er dann die Wildsau im Wald Erymanthos,

mochte verschrecken zuletzt das Gift des Lernäischen Lindwurms)

noch auch der siegreiche Gott, der mit Weinlaub versehenen Zügeln

lenkte vom Gipfel des Nysos herab die Panther und Tiger.

Und da zögern wir noch, die Tugend zu steigern durch Taten,

oder verwehrt uns die Furcht ausonisches Land zu besetzen?

Wer ist nun dieser Held, erkenntlich am Zweig der Oliven,

Opfergeräte er hält? Ich erkenne den Graubart, den schiefen

jenes Königs von Rom, der als erster die Stadt lehrte Mores,

hergerufen aus ärmlichem Land, dem kärglichen Cures,

in das beherrschende Amt. Ihm folgt in der Reihe dann Tullus,

der aus der Trägheit das Land und die Männer aus wohligen Dämpfen

frisch zu den Waffen beruft und zu ihnen entfremdeten Kämpfen.

Nächstens folgt das Gesicht des hochauffahrenden Ancus,

jetzt bereits maßlos erpicht auf das Echo des Volks und des Dankes.

Brutus, willst du auch sehn die (3) Tarquinischen Herrscher, die rächenden

mit dem erhabenen Geist und der wiedergewonnenen Würde?

Erstmals ergreift er die Macht eines Konsuls und Scharfrichters Scherben

spricht als Vater die Acht zulasten der eigenen Erben,

straft den Staatsstreich ab zugunsten der Freiheiten Schimmer,

schicksalsgeschlagen, wie immer die Nachwelt mag dieses gestalten:

Vaterlandsliebe und Weltgeltungswille sie bleiben erhalten.

Siehe den Decius und Drusus als nächste dann stehen,

Scharfrichter Torquatus und Fahnenträger Camillus.

Jene beiden jedoch, sie glänzen mit streitbaren Mützen,

einiger Meinung noch und solange die Schatten sie schützen;

zu welchem Krieg werden sie, wenn des Lebens Licht sie erblicken,

zu welcher Strategie und zu welchem Blutbad sich schicken

absteigt der Schwiegerohm aus den Alpen und Monacos Posten

gegen den Schwiegersohn, gerüstet mit Truppen vom Osten!

Ja nicht, Ihr Jungen, gewöhnt Eure Sinne an solcherlei Kriege,

hohl für das Vaterland tönt dann die Kunde und Kraft Eurer Siege;

Schonung als obersten Zweck, du Sohn vom Olympos lass walten,

reiße die Waffen hinweg aus den blutigen Händen der Alten!

Jener fährt von Korinth zum Kapitol mit dem Wagen,

wo die Trophäen sind und die Griechen gänzlich geschlagen.

Dieser vernichtet Argos und Agamemnons Mykene,

schlägt den Perseus dann, den Enkel des mächt'gen Achilles,

rächt den troischen Ahn, den entrechteten Tempel der Pallas

Wer verschwiege den Ruhm des großen Cato und Cossus?

Wer der Gracchen Geschlecht, die glänzenden Scipionen,

Sieger in Libyen und jene, die Armut wird lohnen

mit des Fabricius Macht und der Feldarbeit des Serranus?

Wohin, ihr Fabii, entführt ihr den müden Propheten?

Du allein Maximus den Staat uns durch Warten wirst retten.

Andere lassen aus Erz beseelte Figuren erkalten,

werden - gesteh ich - aus Stein lebendige Züge gestalten,

bessere Plädoyers und bessere Klimakarten

fertigen und verstehn die Sterne, die einst uns erwarten:

Du aber Römer bedenke, die Herrschaft der Völker zu haben

(sieh deine eigenen Gaben) in Frieden Ordnung erbringe,

schon' die Geschlagenen, die Zügellosen bezwinge!

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim ,2004

Vergil: Aeneis, Laokoons Ende, I 2,199 - 205

Vergil: Aeneis, Laokoons Ende, I 2,199 - 205

Übersetzung © 2002 Dr. Christoph Ottow, Hildesheim

Hier etwas Größeres noch und grässlicher anzusehen

stellt sich uns Elenden dar und verwirrt die erschreckten Gemüter

Laokoon, durch Los dem Neptun zum Priester erkoren,

weiht den gewaltigen Stier am festlich geschmückten Altare.

Da von Tenedos her zwei Schlangen durch stille Gewässer

- oh ich erzähl es mit Graun - in unermesslicher Windung

stürzen aufs Meer hinaus und erkämpfen zugleich sich das Ufer;

ihre Körper sind aufgebäumt und die blutigen Kämme

walln aus den Wellen empor, derweil ihr übriger Körper

hinten die Flut durchpflügt mit riesigen rollenden Rücken.

Zischend brandet die brausende Flut; schon sind sie gelandet,

ihre Augen mit Blut unterlaufen und Feuer umlodert,

ihre lechzenden Lippen umleckt von zuckenden Zungen.

Schreckensbleich fliehen aus einander wir. Doch sicheren Zieles

eiln sie Laokoon zu und zuerst seinen sündigen Söhnen,

schlingen sich beide nach Schlangenart um die schmächtigen Körper,

beißen mit einem Biss ihnen ab die ärmlichen Glieder;

drauf ihn selbst, der helfend sich naht mit dem Schwert in den Händen,

fassen sie schnell und fesseln ihn ganz in gewaltiger Windung;

zweimal mitten herum und zweimal den Hals sie umschlingen

mit ihren schuppigen Schwänzen und hoch erhobenen Häuptern.

Jener zugleich mit den Händen versucht, die Umknotung zu lösen -

schon ist das Stirnband durchtränkt von Geifer und schwärzlichem Gifte -

und erhebt einen schrecklichen Schrei hinauf zu den Sternen;

gleiches Gebrüll ertönt, als nun der verwundete Bulle

dem Altar entflieht und den Nacken verfehlendem Schwerte.

Doch das Schlangenpaar schleicht sich hinauf zu den heiligen Höhen,

will auf der Flucht den Tempel der wütenden Pallas erreichen,

hält sich zu Füßen der Göttin versteckt in des Schutzschilds Rundung.


nach J. H. Voß zitiert bei Lessing "Laokoon oder über die Grenzen" übersetzt von Dr. Christoph Ottow, Societas Latina Andreana, 16. März 2002

Laudationes magistrorum

Laudationes

Laudationes magistrorum
Lob den Lehrern

Die Teilnehmer sind den Lateinlehrern, die die Societatem Latinam zusätzlich zu ihrem Schulunterricht und unentgeltlich betreuen, zu großem Danke verpflichtet. Auf den folgenden Seiten befindet sich eine (unvollständige) Liste der Lobreden.

Frau Neubaur

Frau Neubaur

Hildesheim, dies lunae XXII Martii MCMXCIX

Salve, Domina Spectatissima Neubaur!

Scimus nos omnes horas celeriter volare. Hodie, decimo collegio hiberno-vernali linguae latinae in Gymnasio Andreano peracto, nobis - e diversissimis professionibus provenientibus linguaeque latinae per decem annos inclinatione coniunctis - constatandum est, lectionem DE RERUM NATURA Titi Lucretii Cari miram fuisse. Omnes subscribentes VOBIS, Egregia Domina Neubaur, gratias cordiales agunt.

Vale!

Frau Tiecke

Frau Tiecke

Hildesheim, dies XXIII Novembris MCMXCVIII

Salve, domina spectatissima Eva Tiecke!

Collegio linguae latinae - estivali et extraordinario - in GYMNASIO ANDREANO peracto, nobis - e diversissimis professionibus provenientibus et linguae latinae per multos annos inclinatione coniunctis - constatandum est, multum didicisse et fructum permagnum cepisse. Horae tam celerrime transvolatae significant lectiones, translationes interpretationesque SENECAE DE VITA BEATA EVA TIECKE DUCE impressionantes fuisse.

Omnes subscribentes - peregrinationis pulchrae in insulam Sicilae una cum marito Vostro et duobus TIECKE ducibus memores - VOBIS gratias cordiales agunt et librum de urbe natali Vostra MOGUNTIA AUREA mittunt.

Herrn Steinke

Herrn Steinke

Hildesheim, dies lunae XXIII Martii, MCMXCVIII

Salve, domine spectatissime Steinke!

Nono collegio hibernovernali MCMXCVII/V III

linguae latinae in Gymnasio Andreano peracto, nobis - e diversissimis professionibus provenientibus linguaeque latinae per novem annos amore coniunctis - constatandum est, horas nimis celerrime praevolavisse.

Rapiditas temporis fugientis significat uno tempore, lectiones, translationes, interpretationes ERASMI ROTERODAMI LAUDIS STULTITIAE Iudicras, comparationesque cum philosophis scriptoribus contemporaneis impressionantes fuisse.

Omnes subscribentes VOBIS, Egregie Domine STEINKE, gratias cordiales agunt.

Vale!

Herrn Blank

Herrn Blank

Herrn Brockhoff

Herrn Brockhoff

Johanni Brockhoff LXXV

Dilectissime tu omnium sodalis

Quot sunt quotque fuere, Johann Brockhoff,

Carum nescio quid favens volebam

Donum offerre tibi, sed ignorabam,

Quo dono animum tuum delectem:

Oratio hodie ut sit latina,

Mi nunc propositum est tibi cantare.

Optamus itaque optime vivas ut

Et nobis maneas fidelis amicus.


Kurt Gieseking, Sarstedt in oppido a.d. VIII id. Maias A D MMIV

Dies congressuum

Dies congressuum post MMXIV