Latina Andreana I

Horatius I 37

Zum lateinischen Text


Jetzt lasst uns trinken, jetzt mit dem Polkaschritt

den Boden stampfen; jetzt alle Tafeifreuden

zu laden auf den Thron der Götter

wär's an der Zeit, Ihr Kameraden!


Bisher war's Frevel, alten Cäcuberwein

heraufzuholen, wo für das Capitol

Regina die Entrechtung plante

und für das Reich ein Staatsbegräbnis


mit ihrem Tross von Wollust gezeichneten

verdorbnen Männern, während sie selbst noch schwebt

im Luftschloss und im Freudentaumel,

der allerdings gelangt zur Ruhe,


wie kaum ein Schiff vom Feuer noch unversehrt,

und den vom Nllwein paralysierten Geist

der Cäsar dann das Fürchten lehrte,

als er der Fliehenden von Italien


mit raschen Ruderschlägen noch weiter folgt,

wie Falkenjagd sich auf sanfte Tauben stürzt,

wie Hasenhatz im Schneegefilde,

um endlich Ketten anzulegen


dem Monsterweib, das würdigen Untergang

für sich ersehnte, nicht wie ein Klageweib

das Schwert gefürchtet und geflüchtet

schnell mit dem Schiff zu verborgnen Ufern,


stattdessen wagte, die stürzende Königsmacht

mit heitrem Sinn zu sehn und noch anzusetzen

die grausen nicht geheuren Nattern,

dass sich ihr Körper mit Gift ergebe


wohlüberlegtem Tode noch trotziger:

Wilden Liburnerschiffen missgönnte sie,

des Throns beraubt sie im Triumphe

heimzuführn — welch ein erhabenes Weibsstück!


Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2001