Latina Andreana I

Horatius II 3

[la] Zum lateinischen Text

Gleichmut lass walten in dieser schweren Zeit,

wie in der alten guten Vergangenheit,

zu leerer Lustbarkeit niemals du hin gemusst,

weil dir Vergänglichkeit immer bewusst.

 

Sei's dass du schaurig trugest des Alltags Last,

sei's dass nicht traurig du dich im Winkel hast

sonntags verkrochen und ließest erfreun

von einem großen Falernerwein.

 

Wozu verleihen Pinie und Pappelbaum

dem gastlich freien Schatten der Zweige Raum?

Was kann die Quellen in dem beengten Lauf

über die Schnellen je halten auf?

 

Wein lass und Salben anreichen dir hierher,

Rosen und Alben, eh' sie verwelken sehr,

noch nähern Alter und nicht die Parzen sich

Lebensgestalter mit schwarzem Stich.

 

Du wirst verlassen wucherndes Weideland,

kannst nicht mehr fassen Hausgut am Tiberstrand,

bist nicht mehr Hüter dessen, was du gemacht,

Herr deiner Güter der Erbe, der lacht.

 

Ob reich du stammtest vom alten Inachus,

ob du verdammt bist, arm, ohne Überfluss,

wiegt nicht ein Lot, es ist bald Vergangenheit,

du bist des Todes ohne Barmherzigkeit.

 

Hilft kein Gezeter über das Schicksalsglück:

Früh oder später wirft alle das Geschick

uns auf den Nachen, welcher ins Jenseits fährt,

kein Weh und Ach, wenn ewig es währt.

 

Übersetzung © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2005-01-24