Latina Andreana I


engagiert in Kirche und Gesellschaft
Enzyklika auf Latein

Enzyklika auf Latein: Erwachsene drücken wieder die Schulbank

   

Übersetzung ab und zu „geschönt“

   

Lateiner beschäftigten sich mit Enzyklika

Sie treffen sich regelmäßig in den Räumen des Hildesheimer Gymnasiums Andreanum und beschäftigen sich mit einer Materie, um die sie als Schüler wohl lieber einen Bogen gemacht haben: Latein. Um den ehemaligen Superintendenten Johannes Brockhoff hat sich vor 15 Jahren ein Kreis von Erwachsenen gegründet, die nachvollziehen wollten, was ihre Kinder damals in der Schule lernten. Inzwischen sind die Kinder erwachsen, doch die Eltern gehen noch immer regelmäßig zur Schule. Zuletzt haben sie sich der Enzyklika „Fides et ratio“ angenommen.

Mancher liest flüssig, mancher kommt ein wenig ins Stottern. Absatz für Absatz geht die Gruppe das päpstliche Schreiben in der lateinischen Fassung durch, analysiert den Inhalt, bleibt immer wieder bei einzelnen Worten hängen. Die Übersetzung ins Deutsche fällt manchmal nicht leicht. „Oppinatio - heißt das nun ‚Meinung‘?“, fragt jemand. Sein Gegenüber zieht die französische Form zu Rate. „Da heißt es ‚hartnäckige Meinung‘!“

Erst zum Schluss folgt der Blick in die offizielle deutsche Übersetzung. Und der führt immer wieder zu Enttäuschungen. Vieles sei „ungeschickt formuliert“, meint eine Teilnehmerin. Brockhoff fügt hinzu: „Die Übersetzung ist ab und zu sehr frei und macht den Eindruck, als sei sie geschönt.“

(pe)

Dieser Beitrag von Matthias Petersen erschien im November 1999 in „engagiert in Kirche und Gesellschaft - Eine Beilage der Kirchenzeitung“ Nr. 10, Seite X. Er gibt nicht die Meinung der Mitglieder der Latina wieder, und für ihn wird keine Verantwortung übernommen.