Latina Andreana I

Konrad Celtis: An Apoll, den Erfinder der Dichtkunst, auf dass er von den Italienern zu den Deutschen komme

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Phöbus, Schöpfer du der geliebten Leier,

lass Dein Heimatland Helicon und Pindus,

folge dem Appell unsrer fernen Fremde

Liedern zuliebe!


Sorge Du dafür, dass die Musen eilen,

musizieren süß unter kaltem Nordlicht.

Komm du selbst zu sehn kulturelles Ödland

klangvoller Saiten!


Den Barbar, der einst von robusten Ahnen

ungeschlacht gezeugt und von Latiums Liebreiz

unberührt noch ist, musst du dazu bringen,

Lieder zu singen.


Orpheus sang dergleich den betagten Griechen,

rührte Raubgetier und die raschen Rehe,

hohe Bäume selbst in den hehren Hainen,

schlug er die Leier.


Griechenlandbeschwingt konntest du erblicken

übers Meer hinweg langgstrecktes Latium,

mit der Musen Kuss wolltest du die schönen

Künste verbreiten.


Innig bitten wir, dass du unsre Küsten

wie Italiens einst mögest frequentieren,

dass der Bocksgesang in der schwarzen Tiefe

möge verhallen!


Conrad Celtis, 1.2.1459 - 4.2.1508, schrieb dieses Gedicht in sapphischen Elfsilblern: -v---vv-v-x; übersetzt hat es © Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim , 2001.