Latina Andreana I

Catull: Lied IV

[la]Zum lateinischen Text

Dies Boot aus Phaselis, ihr seht's im Wirtshausschein

versichert, einst das allerschnellste Schiff zu sein,

und keines andern sturmgepeitschter Klüverbaum

konnt' jemals überholen es im Meeresschaum,

egal ob Riemen oder Schoten es betrieb.

Das leugnet nicht der Felsenstrand der Adria

noch protestiert der Inselkranz der Kyklada,

nicht Rhodos das berühmte, nicht vor Thrakien

das Schwarze und das Meer von Alt-Herakleon,

wo einst das Schiff aus Phaselis gewesen ist

belaubter Wald: denn hoch auf den Citoriis

zum Waldesrauschen oftmals schwoll sein lispelnd Laub.

Amastris Schwarzmeerport, Cytorus' Buchsbaumland,

euch beiden dieses bestens war und ist bekannt,

so sagt das Schiff; denn schon im ersten Sonnenschein

soll hoch auf deinem Gipfel es gestanden sein,

in deine Wasser Ruder haben tauchen ein

und dann von dort den Handelsherrn herumgeführt

durch mächt'ge Buchten, gleich woher der Wind sich rührt,

ob Backbord oder Steuerbord ins Segel stieß,

ob unterstützend Juppiter von Achtern blies.

Und kein Gelübde für der Küstengötter Schutz

sei ausgesprochen je zu seinem Fromm und Nutz,

bis jetzt hierher es kam vom Meer zum klaren See.

Doch das ist nun vorbei: gemach es altert eh'

und widmet sich in der Verborgenheit

Dir, Castors und des Pollux Zweisamkeit.

Übersetzung © 2004 Dr. Christoph Ottow, Kalenberger Graben 3, 31134 Hildesheim